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Bali

Kleine Warnung am Anfang: der Artikel ist mal wieder laaaaaaaang. Aber ich weiß nicht wie ich so viele Erfahrungen kürzer fassen soll ohne alles weg zu lassen. Also holt euch erst mal einen Kaffee und lehnt euch gemütlich zurück 🙂 Des weiteren haben wir auch ein Update bei den Bildern gemacht!

Endlich war es soweit: Baaaaaaalllllliiiiiii wir kommen! Wir haben uns schon die ganzen Wochen zuvor gefreut, natürlich einmal auf die Insel, aber vor allem auf Denise und David! Die beiden sind zeitgleich von Deutschland gestartet, am selben Tag wie wir, und haben ein Jahr work and travel in Australien gemacht. Dort haben sie sich auch einen Camper gekauft und sind damit einmal um ganz Australien gefahren und haben noch für 4 Monate gearbeitet. Wir waren in regelmäßigem Kontakt mit den beiden über die tolle Whatsapp Aufnahmefunktion und haben uns Nachrichten aufgesprochen und zugesendet. Das war ne super Sache, da wir mit ihnen natürlich unsere direkten Reisebuddys hatten, auch wenn sie mehrere tausend Kilometer von uns entfernt waren. Wir kannten exakt dieselben Hürden und Probleme, die beim Reisen da so auftreten können und haben tolle Erlebnisse geteilt und uns alle gleich doppelt gefreut. Bali war unser Treffpunkt auf der Erde, wo die Weltenbummler sich persönlich wieder sehen 🙂

Flug nach Bali

Wie wir ja schon geschrieben haben, mussten wir am Tag des Abflugs sehr früh raus und sind dann erst mal vor verschlossenen Türen am Flughafen in Blenheim gestanden. Danach ging das Einchecken und Gepäck aufgeben jedoch ziemlich schnell und easy, sodass wir einfach nur warten mussten. Unser erster Flug ging von Blenheim nach Auckland, mit Air New Zealand. Es war ne kleine Maschine und wir waren nach etwas mehr als ner Stunde auch schon da. Danach sind wir wieder mit Air New Zealand nach Sydney geflogen. Das war wirklich ein toller Flug: super viele Filme und anderes Entertainment, leckeres Essen und es gab, zu Michis großer Freude, Whisky-Cola umsonst. Das haben wir leider erst kurz vor der Landung entdeckt, sodass wir nur eine Runde bestellen konnten. Dieser Flug war wirklich toll. Danach hatten wir ziemlich lang Aufenthalt in Sydney. Uns wurde in Blenheim direkt gesagt, dass wir unser Gepäck nicht abholen müssen und wieder neu einchecken müssen, dass würde alles automatisch ablaufen. So hatten wir Zeit uns im Flughafen in Sydney die Beine zu vertreten. Unser nächster Flug ging mit Virgin Australia von Sydney bis nach Denpasar, mit einem Zwischenhalt in Darwin. Dieser Zwischenhalt war eine außergewöhnliche Sache. Dabei ging es nur darum nochmals die Maschine aufzutanken, wir blieben alle sitzen. Diese Auftankaktion war nur für den Fall, dass der Vulkan Agung in Bali, der zuvor seeeehr gebrodelt hatte, vielleicht ausbricht. Dadurch wäre es möglich gewesen im Ernstfall zu wenden und nen anderen Flughafen anzufliegen. An sich ne tolle Sache! Hat uns eineinhalb bis zwei Stunden mehr gekostet. Auch nicht tragisch. Jetzt kommt das ABER: Wir saßen an die acht Stunden in dieser Maschine und es war KEIN Essen inbegriffen! Klar man hatte sich für viel Geld was kaufen können, worauf es ja dann auch wohl oder über rauslaufen musste, aber so gar nix? Jetzt wissen wir: Virgin Australia ist ein reiner Transport-Flug, da darf man nicht mehr erwarten. Wir waren, wie ihr euch vorstellen könnt echt übermüdet und abgenervt und dann auch noch hungrig…. Schlechte Mischung. So waren wir heilfroh endlich angekommen zu sein und sind zum Gepäckband von unserer Maschine gelaufen. Dort standen wir und haben gewartet und gewartet und gewartet. Naja um es kurz zu machen, unserer Rucksäcke waren nicht dabei. Wir sind dann direkt in so ein kleines Servicebüro gegangen, was sich um solche Angelegenheiten kümmert. Der freundliche Mitarbeiter konnte dann raus finden, dass unser Gepäck noch in Sydney ist. In der Zeit kam eine andere Touristin und hat ihre Sachen abgeholt und sich riesig gefreut und dem Mitarbeiter gesagt, dass sie jetzt endlich nach ner Woche ihre Sachen wieder hat. Wir waren dann gleich höchst alarmiert und wollten natürlich wissen, wie lang wir jetzt auf unser Gepäck warten müssen. Er sagte, es werde am nächsten Tag mit der selben Maschine ankommen. Er schrieb uns noch eine Telefonnummer auf und ein Aktenzeichen, was uns alles doch gut organisiert erschien. Ich habe mir eine sehr wichtige Sache beim Flugzeugreisen angewöhnt: Ich habe immer eine Ersatzgarnitur Kleidung in meinem Handgepäck, sodass ich zumindest 1-2 Tage überbrücken kann. Auch Michi fand die Idee gut und hatte vorgesorgt.

Wiedersehen

So beließen wir das erst mal dabei und warteten auf Denise und David, die eine Stunde nach uns landen sollten. Wir stellten uns in die Eingangshalle. Dort waren Scharen von Menschen, die Namensplakate in die Höhe hielten und einen sofort ein Taxi anboten. Wir fanden das mit den Schildern ganz lustig und Michi hat mal wieder mit seinem Telefon gezaubert. So stand auf seinem Display groß und leserlich „Denise + David“. Naja, falls sie uns nicht wieder erkennen 😀 Und dann kamen sie. Och Leute, das war so schön die beiden wieder zu sehen. Das ist auch genau das, worauf ich mich in Deutschland am meisten freue: die Lieben wieder zu sehen! Wir haben dann noch fix Geld gewechselt und haben dann, nachdem wir von einer ganzen Horde Taxifahrer belagert und bequatscht wurden, den günstigsten Fahrer genommen (ja wir wissen jetzt, dass er immernoch viel zu überteuert war, aber er weiß schon, dass er mit der Müdigkeit der Urlauber richtig Kohle machen kann. Wer diskutiert noch lange, wenn er ins Hotel und Bett will? Naja, wir hatten schnell keine Lust mehr und sind dann halt mit). Die erste Unterkunft war in Seminyak, ein Hotel, was wir alle bereits im voraus gebucht hatten. Es war etwas teurer, aber wir wollten vor allem die erste Woche alle etwas ausspannen und keine faulen Kompromisse eingehen. Und ja das Hotel war echt toll und jaaaaaaa wir haben das ungewohnte Luxusleben in vollen Zügen genossen. Ein Badezimmer ganz für Michi und mich alleine, soooo toll! Ja in der WG hatten wir auch ne Weile keinen da, aber wir wussten, da kann jederzeit der Vermieter auf der Matte stehen und wieder einziehen oder ne schräge Party schmeißen. So war das nur ein wohlfühlen und entspannen mit sehr angezogener Handbremse. Wir wollten dann abends noch was essen gehen, was sich jedoch als schwierig entpuppte, da wir schon sehr spät dran waren (wir sind erst spät abends gelandet) und wir dann mit dem Taxi nach Kuta fahren mussten. Taxi sind wir in den vier Wochen sehr viel gefahren und da sind auch viele Lacher entstanden. Aber dazu später mehr.

Erste Woche in Seminyak

Eigentlich gibt es gar nicht so super großartig was zu berichten: wir haben entspannt, waren schwimmen im Pool und im Meer, das Wetter war eher wechselhaft, wir haben viel gegessen und Bintang (das bekannteste Balinesische Bier) getrunken und haben suuuuuuuuper viel gequatscht. Es war einfach toll! Seminyak an sich ist sehr touristisch und sobald wir vor den Hoteltüren waren mussten wir aufpassen nicht von einem Roller umgenietet zu werden. Die fahren dort und in Kuta nämlich scharenweise rum. Dadurch war es sehr laut und für uns das schlimmste: der Smog. Uns waren allen schön abwechselnd schlecht davon. Vor allem wenn man durch die Stadt zur Rush-hour-Zeit gelaufen ist oder während eine Veranstaltung war… Das haben wir noch nie so heftig erlebt wie dort. Dort fielen uns auch sofort ihre „Tankstellen“ auf, die meist aus einem Regal vor einem Shop bestanden, in dem Vodka-Absolut-Glasflaschen mit Benzin gefüllt standen.

Wie ich ja schon erwähnt habe, gab es viele Touristen. Vor allem Australier. Das australische Malle. Meistens, und das meine ich leider nicht übertrieben, haben wir sie betrunken angetroffen und dann haben sie sehr oft irgendwelche komischen Sachen gemacht, die laut sind und viel Aufmerksamkeit erregen. Da waren ein paar Fremdschämmomente drin. Aber naja, das hat ja weniger mit der Nationalität, als vielmehr mit dem Verhalten, was der Alkohol halt so auslösen kann, zu tun.

Ein Highlight für uns dort war der Waterboom Park, der größte Wasserpark in Asien mit vielen verschiedenen Rutschen. Wir sind wie die Kinder immer wieder die Treppen hoch gehastet, um eine weitere Rutsche auszuprobieren oder einfach nochmal zu rutschen. Das war echt super spaßig. Am Nachmittag haben wir uns dann im Bar-Pool ausgeruht und ne Cola getrunken 🙂

Unser Gepäck ist übrigens nicht mehr am darauffolgenden Abend zu uns gekommen, sondern den morgen darauf. Wir waren wirklich heilfroh nicht ne Woche oder mehr warten zu müssen!

Die Taxifahrten

Ich hab es ja vorhin schon angedeutet, die Taxifahrten waren zum Teil echt der Knaller. Es war super günstig, vor allem da wir den Preis durch vier teilen konnten und weil in Seminyak und Kuta das offizielle Blue Bird Taxiunternehmen fährt, das auf Taxameter läuft. Wir hatten ne App runtergeladen und konnten sie dann ganz bequem darüber bestellen. Michi hat sich natürlich darüber gefreut wie ein Keks, mein Technikliebhaber, hihi. Das war fair und wir mussten keine Preise vereinbaren. So hatte keiner das Gefühl über den Tisch gezogen zu werden. Diese Taxifahrten waren dann meist auch nicht so lange und wir und die Taxifahrer waren meist in Plauderlaune. Es gab ein paar Brüller, aber ich beschränke mich auf unser Highlight: Michi hat eine Offline-Navigationsapp auf dem Handy, die er meist auch im Taxi nutzt, um zu überprüfen, dass wir auch wirklich da hin gebracht werden, wo wir hin wollen. Ist wirklich praktisch. Naja und wir haben halt gerade so mit dem Fahrer über alles mögliche gequatscht und Michi sagt so: „Ei, wo willst ’n hin, du?“ Genau so, auf Deutsch und mehr als Spaß gemeint, weil die Gasse einfach sehr eng war. Die Reaktion des Fahrers: „ Yes,Sir, I am Hindu“. Diese Situationskomik war so urkomisch in dem Moment, dass wir alle anfingen loszuprusten. Im selben Moment, ist uns aber auch gedämmert, dass der arme Taxifahrer die Situation gar nicht versteht und denkt, wir lachen über seine Religion. Er war auch sichtlich irritiert und wir haben das sofort aufgeklärt. Auch er musste dann schmunzeln.

Von Seminyak nach Ubud

Nach der Woche Seminyak sind wir dann ins Landesinnere nach Ubud gefahren, Dort hatten wir uns zwei Zimmer in einem kleinen Homestay gebucht. Es war super günstig und wir waren gespannt was uns erwartete. Es wurde von einer Familie betrieben und Sami, der Vater, war ein super Gastgeber und hat sich super um alle unsere Fragen und Anliegen gekümmert. Wir waren nur für drei Nächte dort, und hatten den Plan uns so viel wie möglich an Kultur anzusehen. So sind wir nach der ersten Nacht, die seeeeeehr heiß war, da wir keine Klimaanlage im Zimmer hatten und es wirklich stehende Hitze war, mit einem offiziellen Taxi zu einem Tempel, eine halbe Stunde entfernt gefahren. Denise und ich haben von Sami einen Sarong bekommen, einen Rock oder Tuch was als Rock gebunden wird, das sowohl Männer als auch Frauen im Tempel tragen.

Als wir am Tempel Pura Tirta Empul ankamen, fragte uns der Fahrer noch ob er auf uns warten solle. Wir dachten, ach nö brauchen wir nicht, ist ja n touristischer Tempel, werden wir schon ein anderes Taxi finden. Das war ein großer Fehler, wie wir feststellen mussten. Am Eingang haben Michi und David ihre Sarongs ausleihen können. Die Tempel sind wirklich atemberaubend schön. Dort gab es die Möglichkeit einer Waschung in einem Teil des Tempels. Es gab in der Mitte einen riesigen Koi-Karpfenteich und die Verzierungen und die Statuen waren unglaublich schön. Wir hatten auch das Glück traditioneller Musik lauschen zu dürfen, die sehr viele Xylophon-ähnliche Instrumente beinhaltet. Ein Teil des Tempels war für Touristen nicht begehbar, da dort gebetet wurde und Opfergaben dargebracht wurden. Wir konnten sehen, wie die Frauen in riesigen Behältern Opfergaben auf dem Kopf in diesen Teil des Tempels trugen. Die Balinesen konnten den „normalen“ Ausgang nehmen (einfach da wo alle rein gekommen sind), die Touristen wurden von einem Wärter angewiesen den anderen Ausgang zu nehmen: den durch den Markt. Das hat leider den Zauber, den zuvor der ganze Ort ausgestrahlt hat, ziemlich zunichte gemacht und wir wurden von den Marktfrauen (Markt ist eigentlich Frauensache in Bali) vergleichsweise doch sehr belagert. So sind wir einfach schnurstracks durchgegangen. Auf dem Parkplatz hielten wir dann Ausschau nach einem der blauen offiziellen Taxis, doch es war nix zu sehen. Wir gingen ein Stück, sofort wurden wir von einigen Balinesen angesprochen, ob wir einen Transport haben möchten. Wir lehnten dankend ab (sie waren alle mit den Rollern unterwegs) und besprachen uns. Eigentlich war der Plan eine Reisterrasse anzusehen. Da wir jedoch ziemlich Hunger hatten, wollten wir erst mal essen. So entschieden wir an der Straße entlang einfach mal loszulaufen. Ein Mann auf einem Roller verfolgte uns sehr hartnäckig und fragte uns immer wieder wo wir hin wollen. Wir sagten ihm, dass wir was essen wollen. Er meinte er bringt uns hin, was wir dankend immer wieder ablehnten. Wir wussten nicht genau, was er von uns wollte und wollten eigentlich nur, dass er geht. Er erklärte uns, dass er sich sehr freue, sein Englisch zu üben. Er begleitete uns tatsächlich bis zum nächsten Restaurant und verabschiedete sich fröhlich. Dort aßen wir und fragten einen der Restaurantmitarbeiter, ob es eine Möglichkeit gibt uns ein Taxi zu rufen. Irgendwie reagierten er und dann auch der Kollege der dazu kam, ziemlich komisch und ging weg. Er kam dann nach ein paar Minuten mit einem traditionell gekleideten Mann auf einem Roller wieder. Dieser fragte uns, ob wir ein Transport bräuchten. Wir schauten ihn nur ungläubig an und sagten, dass wir zu viele für den Roller seien. Er meinte er habe auch ein Auto. Das kam uns irgendwie sehr komisch vor. Wir entschieden das abzulehnen und ein Fahrer über Uber zu bestellen. Auf der App kann man verfolgen wohin der angewählte Fahrer fährt und wie lange er ca. braucht. So hieß es, dass wir noch eine halbe Stunde warten müssten. Erst fuhr er auch in unsere Richtung, cancelte dann aber nach einer Weile die Fahrt. Wir versuchten es erneut. Das war alles sehr komisch. Als wir eine gefühlte Ewigkeit vor dem Restaurant gestanden hatten und wir keine Lust mehr hatten zu warten, gingen wir einfach zu Fuß los, nicht mehr zu den Reisterrassen, dafür war es durch die Sucherei und das Warten zu spät geworden, sondern zurück Richtung Homestay. Wir liefen nicht lang, da kam schon der erste auf dem Roller angefahren und bat uns einen Transport an, er habe auch ein Auto. Wir fanden das ganze irgendwie nicht so vertrauenswürdig und wollten ein offizielles Taxi haben. Da diese in dieser Region jedoch nicht anwählbar waren, konnten wir sie nicht über die App bestellen. So hofften wir an der Straße eins anhalten zu können. Um es kurz zu machen: Nach einem Typ, der unser Nein nicht akzeptierte und uns regelrecht aufgelauert ist hinter jeder Ecke, einem betrunkenen Fahrer, der ganz beglückt los lachte, als wir ihn fragten, ob er getrunken hätte und dutzend anderer, die uns einen Transport anboten, sahen wir endlich ein offizielles blaues Taxi. Der Fahrer hatte eigentlich schon Feierabend und das Taxameter schon aus, deshalb mussten wir handeln und wir wussten natürlich, dass er sich das so einstecken würde. War uns dann nach den vielen Stunden auch egal.

Das war der ausschlaggebende Punkt warum wir beschlossen hatten einen Fahrer für einen Tag anzuheuern. Denn außer dieser Möglichkeit bleibt einem nur das selber Fahren. Viele leihen sich wirklich kostengünstig Roller aus und erkunden die Insel auf eigene Faust. Ist natürlich eine super Freiheit. Wir hatten uns jedoch dagegen entschieden. Ich fühl mich überhaupt nicht wohl auf zwei Rädern (Michi: Damit meint sie nicht Fahrradfahren, damit nervt sie in letzter Zeit ständig!!!) und tatsächlich weiß ich nicht mal, ob ich bei dem Verkehr überhaupt Auto gefahren wäre. Aber dazu gleich mehr.

So fragten wir Sami nach einem Fahrer und er organisierte uns direkt für den nächsten Tag einen. Es war ein super junger, sehr schüchterner Mann (ich glaube 19?) und konnte so gut wie kein Englisch. Er ist wirklich gut gefahren und hat versucht auf unsere Wünsche bezüglich der Sehenswürdigkeiten einzugehen. Jedoch war die Schwierigkeit die Kommunikation. Wir waren total wissbegierig und wollten alles mögliche über die Religion und die Kultur wissen und er verstand uns leider einfach nicht. So wurde daraus eine naja schon etwas komische Nummer, da er uns von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit fuhr und davor auf uns wartete. Das war irgendwie so ne komische Rollenverteilung, die uns allen nicht so ganz gefiel und wir gaben uns große Mühe mit ihm in Kontakt zu sein und ihn einzubinden. Ich glaube es war nicht so erfolgreich, aber naja. So haben wir uns als erstes die Jatiluwih-Reisterrassen angesehen. Es ist unglaublich faszinierend, wie durchdacht die Wasserversorgung der Felder ist und wir hart die Bauern arbeiten müssen (sie machen fast alles von Hand oder haben tierische Hilfe). Es war echt beeindruckend da durch zu laufen. Außerdem haben wir einige kleine Holzhütten gesehen, in denen die Bauern zumindest übernachten. Ob sie darin auch wohnen wissen wir nicht so genau. Die Hütten waren echt winzig! Auf dem Weg zum nächsten Stopp ist in ungefähr zehn Meter Entfernung eine recht große Schlange über die Straße gehuscht. Ein echter Wow-Moment. Dann sind wir in einen Regenwald gefahren. Das Wetter wurde immer nebliger und es fing an zu regnen. Auf dem Weg, direkt über der Straße in den Baumkronen und auf dem Bürgersteig saßen Affen. Dort war natürlich auch ein kleines Häuschen, wo man Mais kaufen konnte, um die Affen zu füttern. Das haben wir nicht gemacht. Es lag noch so viel auf dem Boden herum, dass klar war, dass die Affen hier „bestens“ versorgt werden… Der nächste Stopp war die Tempelanlage Pura Ulun Danu Bratan. Diese war auch sehr schön. Der Nebel gab dem Ort nochmal eine ganz andere Atmosphäre. Der letzte Stopp war auf einem Hügelkamm, der dann der Gipfel unseres Touriausflugs war. Die Aussicht war traumhaft auf die beiden Seen Danau Tamblingan und Danau Buyan, die mit Bergen umzäunt sind, was natürlich als tolles Motiv für Selfies und Co dient. So waren Schaukeln aufgebaut und Herzen hinter die man sich stellen konnte und andere Dinge, um das Foto noch aufzupimpen. Das ist ja noch alles im Rahmen. Aber am Ende der Straße war ein Typ, der eine Python in einer Box und zwei Flughunde und eine Rieseneidechse auf Baumstämmen ausgestellt hatte (alles lebende Tiere). Man konnte sich für Geld mit einem Tier, dass man in die Hand oder um den Hals bekommen hatte, ablichten lassen. Sorry, aber sowas kann ich echt nicht leiden! Der Fahrer wollte uns dann noch auf eine Kaffeefarm bringen, wo man echten Luwakkaffee probieren kann und auch sehen kann, wie die Schleichkatzenart Fleckenmusangs die Kaffeebohnen, die sie zuvor gefressen haben, wieder unverdaut ausscheiden und daraus der Kaffee gebraut wird (keine Ahnung ob ich das jetzt richtig erklärt hab, aber ihr habt ne Vorstellung). Wir hatten zuvor bereits darüber gelesen, dass bei solchen Touristenplantagen, die Tierchen festgehalten werden, rumgezeigt und eben nicht artgerecht behandelt werden. Darauf hatten wir alle so überhaupt keine Lust. Auch irgendwie generell war die Luft nach dem letzten Touristopp und unseren immernoch offenen Fragen zu vielem was wir an diesem Tag gesehen hatten, raus. So fragten wir ihn, ob er uns in ein Restaurant fahren kann. Abends im Homestay fragte uns Sami natürlich wie unser Tag war. Wir erklärten ihm, dass wir uns etwas anderes erhofft hatten, mehr Informationen. So nahm er sich die Zeit und erzählte, ich glaube über eine Stunde, vom Hinduismus und seiner Kultur und beantwortete ausführlich unsere Fragen. Das war echt spannend und hat für uns in vielen Punkten die Augen geöffnet. Sami erklärte zum Beispiel, dass sie nur in den Tempel zum beten gehen sollen wenn sie glücklich sind. Er meinte, dass ist ein großer Unterschied zum Christentum. Da wird meist die Kirche zum beten aufgesucht wenn man Probleme hat und Hilfe sucht. Das kann man sicherlich nicht verallgemeinern, aber ich finde er hat das ziemlich auf den Kopf getroffen. Allein die Atmosphäre einer Kirche verglichen mit den Tempeln…. Es wirkt alles sehr fröhlich und bunt und so sind die Menschen auch: einfach unverkrampft fröhlich.

Taximafia

In Ubud erfuhren wir dann die Tage über auch was es da so mit dieser komischen Geschichte mit den privaten Transporten auf sich hat. Während in Seminyak und Kuta die Bluebirdtaxen sehr vertreten sind (und natürlich weitere) und das auch alles sehr offiziell abläuft, gibt es in anderen Orten lokal organisierte Gruppen, die den Transport organisieren. Das heißt, ein Bluebird darf zwar in ihrem Gebiet einen Fahrgast absetzten, aber keinen neuen mehr aufnehmen. Wir hatten in diesem Zuge auch gelesen, dass Uberfahrer generell nicht gerne gesehen werden und es sein kann, dass dieser von der lokalen Gruppe verfolgt und bedroht oder sogar verprügelt wird. Zwar wird dieses System mit der Gebietsaufteilung von der Regierung akzeptiert, uns kam es jedoch wirklich wie eine Mafia vor. Eines abends als wir direkt von Ubud zu unserem Homestay wollten, der etwas außerhalb war, bestellten wir wieder eines der blauen offiziellen Taxis. Daraufhin bekamen wir einen Anruf der Zentrale, die uns mitteilte, dass der Fahrer uns in diesem Gebiet nicht abholen könne, wir aber etwas aus der Stadt laufen müssten, dann wäre es machbar. Wir sahen, dass sogar ein Taxi mitten in der Stadt und David rannte direkt hinterher. Innerhalb einer Sekunde rannte nicht nur David dem Taxi hinterher, sondern auch zwei, dann sogar drei lokale Taxifahrer hinter David. Das Taxi hielt nur kurz an, um zu sagen, er kann hier niemand mitnehmen. Das Ende vom Lied war dann: wir mussten einen lokalen Fahrer nehmen, der natürlich einen deutlich höheren Preis wollte und nicht verhandlungsbereit war, die anderen die wir fragten zuvor auch nicht… Wir kamen sich schon echt abgezockt vor, weil sie genau wussten, dass wir ja früher oder später zusagen müssen, wenn wir ins Hotel wollen…

Verkehr

Noch ein Wort über den Verkehr: Es gibt Straßen, klaro, es gibt gaaaaaaaaanz viele Roller und es gibt Autos. Die Autos sehen sogar meist sehr neu und gepflegt aus, mit kaum Kratzer. Da sind die Autos in Neuseeeland verglichen dazu Schrottmühlen. Das hat uns sehr überrascht. Wie wir erfuhren sind die meisten Autos Mietwagen. Viele Balinesen springen auf den Touristenzug auf und mieten sich Autos um als Transport bzw. Privat-Taxi ihr Geld zu verdienen. Das scheint bei der Masse an Touristen auch eine rentable Geschichte zu sein. Aber Hauptverkehrsmittel ist der Roller. Und auf diesem wird alles draufgepackt was man sich vorstellen kann: vierköpfige Familie? Kein Problem! Fünfköpfige Familie? Auch kein Problem! Ein kompletter Imbiss, um dann mobil an den Straßen zu verkaufen? Na klaro! Pflanzengestrüpp (wir wissen nicht was es war), was den Fahrer fast vergrub? Aber hallo! Es gab ständig eine neue Kuriosität, die wir sahen und wir waren ehrlich begeistert wie gut sich die Balinesen mit diesem kleinen Gefährt in ihrem Alltags- und Berufs-Leben arrangieren und es zu nutzen wissen.Wir sind uns sicher, dass es Regeln auf der Straße gibt, wie die jedoch genau aussehen? Hm schwer zu sagen. Die ersten paar Tage war der Verkehr mit den vorbeibrausenden Rollern, die immer nur wenige Zentimeter Abstand zu anderen Fahrzeugen hatten, einfach nur ein Bild des Chaos. Wir waren so verwundert, dass nicht alle Naselang ein Unfall zu sehen ist, da wir oft den Eindruck hatten: „Oha, das war knapp, hätte fast gekracht!“ Tatsächlich jedoch sahen wir keinen einzigen Unfall in der ganzen Zeit. Also begriffen wir und auch das Hirn folgerte langsam, es gibt System in dem Chaos. Irgendwie scheint jeder auf jeden zu achten und jeder weiß, wo ne kleine Lücke ist, ist der nächste Roller, der sich durch quetscht nicht weit… 😀

 Gili Trawangan (genannt auch Gili Trallala oder Gili T)

Nach Ubud ging es nach Gili Trawangan. Dies ist eine kleine Insel und wir wussten, wir müssen da irgendwie mit dem Boot hin. Wir hatten die Tage zuvor schon die Augen nach Angeboten für die Bootsüberfahrt aufgehalten und verglichen. Und eigentlich wollten wir dann auch die Gesellschaft nehmen, die Sami uns vorschlug. Als wir dann jedoch etwas recherchierten, waren wir uns ganz schnell nicht mehr sicher, ob wir das machen sollen: sehr kleines Boot, die Chance auf hohen Wellengang ist nicht gering und Denise und ich sind nicht so seefest. Es gab auch weitere Aspekte, die uns nicht zusagten, aber ich möchte da gar nicht weiter in die Tiefe gehen. Wir haben dann echt lange recherchiert und dann am Abend vor unserer Abreise bei Sami doch ein anderes Boot gebucht und ihn gefragt, ob er uns einen Transport zum einstündig entfernten Hafen organisieren kann. Er rief daraufhin direkt wieder den Fahrer an, der mit uns den Touritag machte, was wir gut fanden. Er ist echt gut gefahren. So fuhren wir am nächsten Tag zum Hafen mit dem Vorhaben, dass auch wenn wir bereits Geld für die Überfahrt überwiesen hatten, nicht auf ein altes baufälliges Boot steigen, was uns möglicherweise nicht sicher erscheint. Leider gab es immer wieder Unfälle in der Vergangenheit und deshalb genug Horrorszenarien. Wir hatten uns für den Patagonia Xpress entschieden. Das Einchecken lief reibungslos und bis zur Abfahrt hatten wir noch etwas Zeit was trinken zu gehen im Hafen. Irgendwann sind sie dann durch das Hafengebiet gelaufen und haben die Passagiere zusammengetrommelt und wir sind dann im Entenmarsch zum Steg. Auf dem Steg war es seeeehr voll. Wir waren schon etwas kritisch. Dann legte links an den Steg das Boot an, was wir zuerst nehmen wollten. Ein wirklich kleines Boot. Und die Menge der Menschen wendete sich nach links. Fast zeitgleich kam auch unser Boot, keine Ahnung, vielleicht doppelt so groß. Es machte einen neuen und guten Eindruck. Unser Gepäck wurde direkt abgenommen und so saßen wir im klimatisierten Passagierraum, der nicht mal halb voll wurde. Als wir aus dem Fenster zum anderen Boot schauten riss der Menschenstrom, der auf das Boot ging nicht ab und wir fragten uns, wie zum Geier die ganzen Menschen da rein passen. Viele saßen auch oben an Deck ohne Sonnenschutz. Laute Partymusik grölte aus dem Boot und es wurden Bintangflaschen aus Kästen verteilt. Als die Fahrt los ging (eineinhalb Stunden lagen vor uns), war der Wellengang trotz strahlend blauem Himmel nichts mehr für schwache Nerven. Das Schiff hat so gewackelt, dass man nur Abwechselnd blauen Ozean und blauen Himmel aus dem Fenster gesehen hat. Wir haben uns gefühlt wie in der Achterbahn und mussten uns echt festhalten zwischendurch. Wie war das nur auf dem kleinen Boot????

In Gili Trawangan angekommen konnten wir unser Hotel fußläufig erreichen. Auf der Insel gibt es keine motorisierten Gefährte, so sind die beiden Möglichkeiten an das andere Ende zu kommen entweder Fahrrad oder Pferdekutsche. Letzteres hört sich erst mal sehr romantisch an, wir fanden das eher nicht. Die Pferde standen in der Sonne und auch später im Hotel sahen wir einen Aushang, dass man bei der Wahl der Kutsche darauf achten soll, ob das Pferd Verletzungen hat, da es dann misshandelt wird. Für uns war klar, die Insel wird entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundet. Das Hotel, ein Taucherresort, gefiel uns sehr gut. Mit dem Ausblick aufs Wasser und echt leckeren Burgern vor der Tür lies es sich aushalten.

Tauchen

Wir haben uns auch direkt in ein Taucherresort eingemietet, weil Michi und ich natürlich mal wieder tauchen gehen wollten. Das letzte Mal war in Fiji und schon ne Weile her… Wir waren schon voller Vorfreude und fragten direkt nach Fun Dives. Da wir ja jetzt nun nicht die mega Erfahrung haben, und vorne am Hotel auf einem Schild stand, dass sie auch deutschsprachige Tauchlehrer haben, fragten wir direkt danach. Simba, der Mitarbeiter, der mit uns sprach, sagte uns, in einem leicht genervten Ton, dass die deutschsprachige Tauchlehrerin nicht ausgebildet ist um als Instructor einen Fun Dive zu leiten. Wir fanden das jetzt nicht weiter dramatisch, es wäre natürlich nur etwas einfacher gewesen in unserer Muttersprache. So sagte er, dass nur er die Qualifikation habe und wir mit ihm vorlieb nehmen müssten. Auch das fanden wir in diesem Moment noch völlig ok. Ich dachte erst er sei vielleicht nicht so gut gelaunt. Jedoch zog sich das durch die kommenden Tage und Tauchgänge wie ein roter Faden. Eine immer leicht genervte Haltung und dann immer wieder unterschwellige Seitenhiebe über Deutsche. Wenn ich da schon gewusst hätte, dass da mein bisher schlimmstes Taucherlebnis auf mich zukommt… Wir waren dreimal mit Simba tauchen. Das erste Mal war ok. Er war immer sehr schnell ungehalten bei mir, sagte Dinge in einem Ton, dass ich mich fragte, was ich ihm getan hatte, aber ich versuchte es einfach zu ignorieren. Irgendwas scheint er möglicherweise gegen deutsche Frauen zu haben, mit Michi hat er nämlich normal gesprochen. Keine Ahnung, ist so eine Vermutung. Wir besprachen vor dem ersten Tauchgang welche Größe an Wetsuit und Flossen wir brauchen und auch wie viel Gewicht. Das hatten wir ja in Fiji schon ausprobieren können im Meerwasser. Da fing es schon an, dass Simba meinte, ich bräuchte nicht so viel Gewicht und eigenmächtig ein Kilo weggelassen hat. Was neu war an dem ersten Tauchgang war die recht starke Strömung. Das hatten wir zum ersten Mal. Ansonsten war es ok. Als meine Sauerstoffflasche leerer wurde und wir etwas höher stiegen, merkte ich wie ich Auftrieb bekam. Glücklicherweise war Simba direkt neben mir, sodass ich ihm auf den Arm hauen konnte, um auf mich aufmerksam zu machen. Er zog mich direkt runter und steckte mir ein Kilo weiteres Gewicht in die Taschen des Jackets. Vor dem nächsten Tauchgang fragte ich ihn extra, ob er an meinen Gewichtgürtel diesmal mehr Gewicht gemacht hätte. Er meinte ein halbes Kilo mehr sei dran. Ich war skeptisch, da er mir ja zuvor ein weiteres Kilo zugesteckt hatte und ich das Gefühl hatte, dass das gut war. Ich fragte extra nochmal nach, ob ich nicht mehr bräuchte, er verneinte. Beim zweiten Tauchgang kam ich dann als wir den Abstieg machten nicht runter. Ich signalisierte ihm, dass etwas nicht stimmte und er zeigte, ich soll zu ihm schwimmen. Das machte ich auch. So steckte er mir extra Gewichte in die Taschen und hielt meine Flossen fest. Bei der Nachbesprechung sagte er, ich sei nicht deswegen nicht runter gekommen, weil ich zu wenig Gewicht gehabt hätte, sondern weil ich mit den Flossen geschlagen hätte. Ich fand diese Erklärung äußerst seltsam, aber er war schließlich der Profi, ich die Anfängerin, also merkte ich mir, beim nächsten Mal darauf zu achten. Und irgendwie wollte ich auch nicht mit ihm diskutieren, weil er wie gesagt mir gegenüber schnell ungehalten war. Vor dem dritten und letzten Tauchgang hatte ich bereits zuvor ein sehr ungutes Gefühl. Hätte ich mal darauf gehört… Wir waren zusammen mit ihm und einem anderen deutschen Mädel. Bei der Vorbesprechung betonte er nochmal, dass wir im Buddysystem tauchen, Michi und ich, er und das andere Mädel und wie wir uns verhalten, wenn wir unseren Buddy verlieren (1 Minute unter Wasser suchen und dann langsam aufsteigen, um sich dann an der Oberfläche zu treffen). Das ist der Standard und so hatten wir das auch gelernt. Das Boot mit dem wir raus fuhren war sehr voll, eine große Schnorchelgruppe und mehrere andere Tauchlehrer mit ihren Schülern. Wir gingen als Vorletzte von Bord. Ich hatte das selbe Gewicht wie beim zweiten Tauchgang bevor er mir Zusätzliches in die Taschen gemacht hatte. Am Anfang war noch alles entspannt. Die Strömung an diesem Platz war gering und ich freute mich drauf, die Wasserschnecken, die man dort sehen kann, zu inspizieren. Haha, daraus wurde nix. Simba schwamm vor und legte so ein Tempo vor, dass wir alle drei NUR damit beschäftigt waren hinterher zu kommen. Ich hatte auch noch kleinere Flossen und musste mich echt anstrengen dran zu bleiben. Irgendwann war er so weit voraus, dass wir ihn nicht mehr sahen. Da merkte ich schon, dass ich zu kämpfen hatte nicht aufzutreiben. Ich versuchte ganz flach zu atmen und hinterher zu kommen, damit ich Bescheid geben kann, aber dazu kam es nicht mehr. Simba schwamm am Riff entlang etwas nach oben, sodass der Druck der Tiefe schwächer wurde, sich meine Luft ausdehnte und ich ohne irgendwas kontrollieren zu können stetig nach oben trieb. Ich versuchte dagegen anzuschwimmen, nach unten zu kämpfen, aber ich hatte keine Chance mehr. Dieser Kontrollverlust löste eine unglaubliche Panik in mir aus. Ich wusste ja wie gefährlich es sein kann ohne Sicherheitsstopp an die Oberfläche zu kommen und dass die Boote im Minutentakt hier fahren und so ne Bootsschraube… Ich denke ihr habt ne Vorstellung warum ich Panik hatte. Als ich oben ankam hatte ich echt super viel Glück, kein Boot. Ich war keine Ahnung wie lange nur mit atmen beschäftigt, vielleicht ein oder zwei Minuten? Ich war durch die Panik am Hyperventilieren. Als ich mich etwas beruhigt hatte, sah ich nicht so weit von mir entfernt einen anderen Tauchlehrer von uns auftauchen mit seiner Gruppe. Vor dem auftauchen wird immer eine Boje gesetzt. So wissen die Boote, dass sie diesen Bereich meiden. Unser Boot kam dann als sie oben angekommen waren angefahren, um sie einzusammeln. Ich schwamm zu ihnen. Als ich ankam, waren alle Schüler bereits im Boot, der Tauchlehrer war noch im Wasser. Er sah, dass ich noch in einem Panikzustand war und versuchte mich zu beruhigen. Eine andere Tauchlehrerin wollte wissen was passiert war, sie schien irgendwie überfordert. Ich bekam ein Glas Wasser und kurz darauf tauchte Michi mit Simba und dem deutschen Mädel auf. Michi suchte sofort nach mir, sobald er an der Oberfläche war und ich sah, wie besorgt er war. Simba fing direkt an, warum ich ihn ignoriert hätte, er hätte nach mir gerufen, warum ich nicht wieder runter gekommen sei. Angeschlagene Nerven plus Vorwürfe enden in, klar, Tränen. Ich war völlig überfordert und seine Reaktion war dann noch das I-Tüpfelchen. Er fragte nach dieser Situation nicht ein einziges Mal ob ich in Ordnung bin…. Michi erzählte mir danach, was unter Wasser abgelaufen war, nachdem ich aufgetaucht bin. Michi wollte nach dem Buddysystem warten, ob ich wieder runter komme (er sah, als er zurück schaute, dass ich an der Wasseroberfläche war) und dann zu mir auftauchen. Simba kam dann aber zurück, er hatte seinen Buddy angeordnet zu warten, keine Ahnung wie viele Meter von ihm entfernt und ist allein zu Michi geschwommen und hat ihm signalisiert, nicht aufzutauchen. Er hat dann mit einer Metallstange gegen seine Sauerstoffflasche geschlagen, das machte er um uns unter Wasser ein Tier zu zeigen oder generell unsere Aufmerksamkeit zu bekommen, denn das hört man wirklich sehr gut. Er wollte wohl, dass ich wieder runter komme. Da mein Kopf jedoch über der Wasseroberfläche war und ich ihn nicht hören konnte, reagierte ich darauf nicht. Und ganz ehrlich, ein Abtauchen wäre gar nicht mehr möglich gewesen. Naja sie haben dann wohl hinter mir die Boje gesetzt, die ich jedoch auch nicht gesehen habe, war ja hinter mit und er war sauer, weil ich anscheinend nicht auf ihn reagiert habe. Es war mir sehr unangenehm, vor all den Menschen im Boot zu heulen und ich versuchte alle Energie zu sammeln um es nieder zu kämpfen, aber es ging nicht. Das war sicher einer der beschämensten Momente und ich habe lange überlegt, ob ich es in den Blog schreibe. Ich hab mich dafür entschieden, weil es einfach auch zu unserer Reise gehört und eben auch nicht so tolle Erfahrungen dabei sein können. Es ist nicht immer alles rosarot. Ich habe auf jeden Fall aus dieser Situation gelernt auf mein Gefühl zu hören und mir nichts mehr aufquatschen zu lassen, auch wenn er der Profi war. Ab jetzt weiß ich, mit weniger Blei werde ich nicht mehr ins Wasser gehen und den Guide such ich mir auch gewählter aus nächstes Mal. Ein Fun Dive soll auch schließlich Spaß machen!

Gili Trawangan ist bekannt als Partyinsel. Das kann man hier definitiv machen. Jeder wie er denkt, wie eine Party sein muss. Auch Drogen sind so präsent auf der Insel, dass man von Straßenverkäufern direkt angesprochen wird, ob man Magic Mushrooms, Koks, LSD oder Gras kaufen will. Vor allem die Mushrooms waren sehr vertreten und es gab extra Buden, die es direkt mit Schildern beworben haben. Obwohl es in Indonesien empfindliche Strafen auf Drogenbesitz gibt, scheint das für die Insel nicht zu gelten. Zumindest könnte man den Eindruck gewinnen wenn man das Treiben sieht. Wir haben auch einige Leute beobachten können, die ihren „Trip to the moon“, so nennt man das wenn sie Magic Mushrooms genommen haben, hatten. Die waren durchweg jenseits dieser Welt….

Was uns auf Gili T stetig mal mehr mal weniger begleitet hat waren Magenprobleme, obwohl wir sehr drauf achteten keine Eiswürfel in unseren Getränken zu haben und generell nur verschlossenes zu bestellen. Sogar Zähne putzten wir mit Flaschenwasser, weil wir wussten dass das Leitungswasser nicht sicher ist. Trotzdem hatten wir damit immer wieder zu kämpfen.

Um die Insel zu erkunden haben wir uns für einen Nachmittag Fahrräder ausgeliehen. Das war ein super Spaß, vor allem an den Stellen, wo wir ein paar Meter durch Sand fahren mussten. Hat echt Spaß gemacht (Michi: Mein Arsch hat noch drei Tage lang weh getan, solch einen Spaß hat das gemacht!).

Unser aller Highlight war glaube ich das Schnorcheln. Wir waren mehrmals, jedoch war einer davon echt richtig toll. Ich wusste, dass man Wasserschildkröten sehen kann und ich bin ja ein riesen Fan von diesen Tieren. Wir ihr sicher noch wisst hat mich die Babyschildkröten ins Meer zu tragen so glücklich gemacht. Ich finde diese Tiere einfach unheimlich toll. Meine erste Wasserschildkröte habe ich dann beim ersten Tauchgang gesehen. Es war so ein toller Moment, der jedoch recht schnell wieder vorbei war, weil die Schildkröte wegschwamm. Die weiteren Schildkröten, die wir beim tauchen sahen, sahen wir auch eher beim vorbei treiben, wegen der Strömung, oder weil der Guide, wie gesagt, es ja irgendwie eilig hatte. Beim schnorcheln entdeckten wir dann eine erwachsene Schildkröte am Grund und sahen sie fressen. Sie schwamm dann irgendwann nach oben, um Luft zu holen und schwamm direkt unter der Oberfläche gemächlich weiter. Wir konnten sie, natürlich mit Abstand begleiten. Oh Leute, es war so ein schöner Moment neben der Schildkröte zu schwimmen und sie dabei zu beobachten wie sie schwebt. Wir hatten sie eine ganze Weile für uns „alleine“, bis andere Schnorchler sie auch entdeckten und uns dann vor dem Gesicht rumschwammen. Naja, ich wollte mich nicht darüber aufregen, wir hatten unseren tollen Moment mit Schildi!

Auch interessant war Mount Agung zu beobachten, den man von Gili T gut sieht. Er stieß immer mal wieder wirklich kleine Wölkchen aus und man musste genau beobachten, um es nicht für eine Wolke am Himmel zu halten und zu sehen, dass sie sich aus dem Krater nach oben bewegte. Wie ihr vielleicht aktuell gehört habt, ist es ja im Moment so, dass er Asche spuckt. Wir hatten wirklich Glück, dass wir nicht mehr da waren und festsitzen!

Insgesamt waren wir zehn Tage auf Gili T. Diese Insel ist im Vergleich zu Bali überwiegend muslimisch und wir fanden es sehr faszinierend wie die sehr traditionellen Einwohner zusammen mit den halbnackten partymachenden Urlaubern sich arrangieren. Manchmal wirkte diese Szene paradox.

Von Padang Bai nach Sanur

Zurück nach Bali sind wir wieder mit dem Patagonia Xpress gefahren. Dank sehr geringem Wellengang und dem Tipp von Denise und David Ingwer gegen Seekrankheit zu essen, ging es uns allen hervorragend und wir kamen gut gelaunt am Hafen in Bali an. Da hatten wir natürlich wieder das Transportthema: Wie kommen wir an unser nächstes Ziel Sanur? Wir wussten, es gibt am Hafen auch eine lokal organisierte Transport Gruppe, so war unser Plan etwas außerhalb des Hafengebiets zu laufen und von dort Uber zu bestellen. Wir warteten erst an einer Straßenecke, dort sprach uns ein Typ an, auf wen wir warten, ob wir einen Transport brauchen. Wir sagten, dass das Hotel in das wir nun fahren, würde uns abholen… Er sagte, er glaube uns nicht und maulte uns total an, dass wir gefälligst die lokalen Transporte nehmen sollen. Er wurde gleich ziemlich laut und böse. Wir antworteten etwas scharf er solle uns zufrieden lassen und gehen. Er meinte er warte hier auf einen Freund. So packten wir unsere Rucksäcke zusammen und liefen an der Hauptstraße in Richtung Dorfausgang. Kurz vor dem Dorfausgang warteten wir dann vor einem kleinen Kiosk einer älteren Dame. Dort wurden wir auch ziemlich in Ruhe gelassen. Als der Uberfahrer kam und wir unsere Rucksäcke gerade in den Kofferraum machten, tauchten aus dem Nichts zwei Männer auf und beschimpften den Fahrer. Der Eine ging an den Kofferraum und wollte wahrscheinlich unsere Rucksäcke raus räumen. Michi blaffte ihn direkt an, er solle die Finger von unseren Sachen nehmen, was er auch machte. Wir schlossen den Kofferraum, stiegen alle hastig ein und wiederholten immer wieder, dass der Fahrer ein Freund von uns sei, die Männer sollen uns in Ruhe lassen. Der Fahrer war mittlerweile total eingeschüchtert, wir wissen leider nicht was sie zu ihm gesagt haben und flüsterte uns zu, sie lassen ihn nicht los fahren, aber wir sollen einfach noch ein Stück die Straße aus dem Dorf entlang laufen, er nehme uns dann da mit. Also gut, wir alle wieder raus und unsere Rucksäcke aufgeschnallt. Die Typen wollten dann noch mit uns diskutieren. Ich war total genervt. Ich habe keine Lust mit jemandem zu diskutieren, der meint mit Drohung und Einschüchterung sein System zu schützen. Wir liefen dann weiter, sie folgten uns mit dem Auto. Der Uberfahrer wartete wie versprochen außerhalb des Dorfes, doch bevor wir ihn erreichten waren die zwei Männer bereits bei ihm und vertrieben ihn. Dann fingen sie wieder an mit uns zu diskutieren, dass sowas ihr Geschäft kaputt machen würde und boten uns ihren Transport an. Da ist mir dann der Kragen geplatzt und hab ihn angemeckert was ihm einfallen würde, sich erst so scheiße zu verhalten und dann auch noch ihren Transport anzubieten und dass er sicher kein Geld von uns bekäme. Außerdem sei es kein Wunder, dass die Touristen lieber das lokale Geschäft-kaputt-machende Uber nutzen, wenn sie nur die Alternative von solchen Mafia-Strukturen hätten. Naja, wir haben ihnen allen ziemlich Kontra gegeben und waren echt sauer. Irgendwann während dessen kam eins von den Bluebird Taxis, die mit Taxameter fahren, aber deren Einzugsgebiet eigentlich auch nicht der Hafen ist. Er hatte einen Fahrgast abgesetzt und wollte wahrscheinlich nicht leer zurück fahren. Trotz den zwei Mafia-Typen hat er uns angeboten uns mitzunehmen. Da das Auto jedoch sehr klein aussah und wir alle gut bepackt mit unseren Rucksäcken waren, haben wir ihn abgewiesen. Nachdem wir keine Lust mehr hatten mit den Mafia-Typen zu streiten und sagten, zur Not laufen wir nach Sanur, bevor wir mit ihnen fahren, sind sie dann auch abgedampft. Der Taxifahrer hat uns dann noch ne Weile beharrlich verfolgt und dann irgendwann als die Typen wirklich weg waren, angeboten es einfach mal mit dem Gepäck und dem Platz auszuprobieren. Tatsächlich passte alles rein und so fuhren wir mit ihm nach Sanur.

Sanur

Sanur ist lange nicht so touristisch wie Kuta und Seminyak. Es waren viel weniger Touristen, viel weniger Verkehr und damit viel weniger Smog, was uns sehr gut gefiel. So verbrachten wir die letzten Tage sehr entspannt, gingen viel in ein Restaurant, was wir zu unserem Lieblingsrestaurant auserkoren: es war suuuuuuper lecker und trotz ausgefallenen Gerichten echt günstig! Außerdem gönnten David, Michi und ich uns eine Ganzkörpermassage. Danach fühlten, zumindest David und ich, uns wie neu geboren. Michi hatte den einzigen männlichen Masseur abbekommen und hatte noch zwei Tage zu kämpfen 😀

Denise und David sind einen Tag vor uns geflogen und der Abschied war echt hart. Es war eine tolle und besondere Zeit mit den Zweien und wir haben es sehr genossen!

Für den Heimflug wollten wir nicht wieder hungrig den Flug verbringen müssen und so haben wir uns was von unserem Lieblingsrestaurant mitgenommen, wir flogen mit Virgin Australia ja auch wieder zurück. Und dann kam die große Überraschung: Nachdem wir das Essen aufgegessen hatten, gingen die Stewardessen mit dem Getränkewagen rum und stellten uns auch ein Menü hin. Allerdings auch nicht allen Fluggästen. Wir waren total verwirrt und auch schon satt… Wir haben das nicht verstanden.

Zum Abschluss muss ich noch los werden: Das war sicher nicht unser letztes Mal Bali! Es hat uns gut gefallen und wir können uns gut vorstellen noch ein paar andere Ecken zu erkunden (haben ja auch nicht so viel Unterschiedliches gesehen). Vor allem aber haben es uns die Menschen angetan. Wir hatten wirklich so viele schöne Erfahrungen mit ihrer echten Freundlichkeit, Herzlichkeit und Fröhlichkeit. Wir haben die Balinesen sehr ins Herz geschlossen und können nur jedem empfehlen die Insel mit eigenen Augen und Ohren zu erkunden 🙂

Jubiläääääääum!!!!!! :-)

Hallo ihr Lieben,

könnt ihr es glauben? Wir haben heute unser einjähriges Weltreisejubiläum!!!! Für uns ist es einfach unfassbar. Unfassbar, weil es sich anfühlt, als wären wir erst letzte Woche los und gleichzeitig haben wir so viel erlebt und unseren Erfahrungsschatz so viel reicher gemacht! Das fühlt sich so unbezahlbar toll an. Gerade jetzt, nach einem Jahr, sind wir uns so sicher wie nie: die Weltreise war die absolut richtige Entscheidung und wir haben es keine Sekunde bereut! Nicht jeder Tag ist ein wunderschönes Abenteuer, auch wir haben so etwas wie Alltag. Nur, dass sich unser Alltag einfach sehr von unserem früheren Alltag unterscheidet. Und wir haben eine Sache während unserer Reise kennen und sehr lieben gelernt: die Freiheit! Wir beide haben uns noch nie so frei wie dieses Jahr gefühlt. Und wir meinen mit „frei“ ein Gefühl, viele Verpflichtungen und Ansprüche einfach NICHT zu haben und flexibel unseren Wünschen und Träumen zu folgen. Tatsächlich ist es gar nicht so einfach dieses Gefühl zu beschreiben 😉 Wie ihr wisst gibt es immer eine Kehrseite der Medaille. Die Kehrseite unserer momentan wundervollen Freiheit ist das Heimweh. Das Heimweh nach unseren Lieben, euch! Auch dieses Gefühl hat ne mega Wucht, sodass Heimweh und Freiheit im Duell ebenbürtige Gegner sind! Wer gewinnt? Ihr wisst ja, wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte: der Plan. Ja, man könnte sagen, der Plan gewinnt, denn der sieht so aus, dass wir noch ein paar Länder vor uns haben, die von uns entdeckt werden wollen. Deshalb enden die Gefühlsduelle in der Regel mit unserer Vorschau auf den bevorstehenden Plan. Alles hat seine Zeit, dies ist die Zeit die wir uns für die Erfüllung unseres Traums genommen haben. Und es wird die Zeit kommen, in der wir wieder zuhause sind!:-)

Anlässlich des Einjährigen ist für euch vielleicht auch interessant zu erfahren, wie Michi und ich uns eigentlich noch verstehen, oder? Wir wurden während der Reise öfters von anderen Reisenden gefragt, wie es bei uns so mit 24/7 klappt. Ich denke es gibt kaum eine bessere Bewährungsprobe für eine Beziehung als gemeinsam eine Zeit lang zu reisen. So genau lernt man sich glaube ich nur bei intensivem-Zeit-verbringen kennen. Im Alltag geht meist jeder seinem Job nach und auch wenn man gemeinsam wohnt, muss man gemeinsame Zeit oft planen (je nach Arbeitszeiten). Dazwischen geht jeder so seinen Dingen nach. Da ist ein Jahr zusammen in fast jeder Minute (es gibt Orte, da geht man einfach alleine hin 😀 ) eine absolute Umstellung, wie ihr euch vorstellen könnt. Klar haben wir uns gestritten, klar war da nicht nur Friede Freude Eierkochen oder unendliche Romantik, aber wir sind ja auch nicht in nem unrealistischen Hollywood Film… Um das Ganze auf den Punkt zu bringen: Michi und ich verstehen uns besser denn je (es werden bald 5 Jahre zusammen, wie uns letztens aufgefallen ist), haben eine menge gemeinsamer Erfahrungen gesammelt, die unser Band noch verstärkt haben und wir haben beschlossen auch neu entdeckte Macken an uns gehören zu uns und wir mögen uns seeeeeeeehr! Ach herje, das ist jetzt glaube etwas schnulzig geworden, aber wie erzählt man von Liebe ohne schnulzig zu werden? 😀

Ihr Lieben, wir drücken euch alle von Herzen und freuen uns jeden Tag auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr… Oder in zwei 🙂

Eure Weltenbummler

PS: Für uns geht es jetzt in den Urlaub vom Urlaub nach Bali 🙂 Wir reisen dort für einen Monat mit unseren Australienbummlern Denise und David. Wahrscheinlich melden wir uns erst danach wieder, wenn wir zurück in Neuseeland sind.

Peter und seine Flatmates Teil 2

Peter und Kimberly kommen wieder zusammen

Also um eins vorweg zu nehmen, eigentlich war unser Ziel hier in Blenheim zu überwintern und sich gegen die Langeweile etwas Arbeit zu suchen. Wir haben absolut nicht damit gerechnet, dass wir in dieser Zeit groß was erleben und hätten nichts dagegen gehabt, darauf zu verzichten. Aber es kommt wie es kommt…

Im letzten Beitrag über unsere Arbeit haben wir ja schon berichtet, dass Peter nach seinem Housesitting im Krankenhaus lag, eine Schädelfraktur, Schulterfraktur, sowie angebrochene Knochen an Hand und Arm hatte. Das erfuhren wir durch die Textnachricht, was jedoch passiert war, wussten wir bis dahin nicht.

Ich knüpfe vielleicht besser direkt an. Nachdem Peter ja mit Kimberly Schluss gemacht hat und den darauffolgenden Abend, ein Samstag, die Trulla aus dem Maklerbüro bezirzt hatte, war es schon ein wenig komisch, am Dienstag darauf Peter zu sehen, der mit Kimberly hereinspaziert kam. Sie setzten sich kurz ins Wohnzimmer um ihr Takeaway von McDoof zu essen, anschließend verschwanden beide in Peters Zimmer. Ich vermute, sie haben sich ausgesprochen. Sie ging auch nach ein paar Stunden nach Hause.

Dann kam der Donnerstag und wie gesagt, sagte uns Peter, dass wir heute Sturmfrei haben, da er auf ein Haus aufpassen soll etc. Dann am Freitag die SMS, dass er mit den Brüchen im Krankenhaus liegt. Er wurde dann aber auch am darauffolgenden Tag entlassen und entschied sich wegen seiner Einschränkungen erst mal bei Mutti, ein paar Straßen weiter, zu bleiben. Diese kam dann auch die Tage danach vorbei und brachte uns Feuerholz, da Peter ihr sagte, es würde wahrscheinlich bald ausgehen. Von ihr erfuhren wir auf Nachfrage, dass er einen Balkon hinunter gefallen war. Wir dachten: entweder es war glatt/glitschig oder er war besoffen, naja oder beides… Nach ca. ner Woche (ja wir hatten das Haus komplett für uns allein) kam er uns dann abends „besuchen“ (ist ja sein Haus, aber er kam halt nur kurz vorbei), um uns zu sagen, dass er ab morgen wieder zurück in sein Haus kommen würde. Er hatte den Arm in der Schlinge und erzählte auch, dass er starke Schmerzmittel und Schlafmittel nehmen müsse (wegen der Schädelfraktur) und sah auch sehr mitgenommen aus. Natürlich stellten wir dann auch irgendwann die Frage:

Was zum Geier ist eigentlich passiert?

Peter erzählte, dass er und Kimberly in dem Haus des Freundes waren, wo es eine Art von Balkon gab. Diese Brüstung war wohl an sich nicht gerade hoch, etwa bis knapp unter die Hüfte. Dort stand er wohl nicht mehr ganz nüchtern und rauchte. Kimberly hatte in Peters Handy geschnüffelt und Nachrichten von Brenda entdeckt, ihr wisst schon, die Schnalle aus dem Maklerbüro. Jedenfalls war Kimberly überhaupt nicht erfreut zu sehen, dass er mit einer Brenda schrieb und lief zu ihm und schubste (!) ihn mit den Worten: Wer zum Teufel ist Brenda? Der Schubs war wohl nicht mit der Absicht dahinter, ihn wirklich da runter zu schubsen, sondern schätzte er es eher so ein, dass sie einfach super eifersüchtig war und ihr Temperament mit ihr durchgegangen ist. Peter war so überrascht darüber, dass er sein Gleichgewicht nicht halten konnte und 4 Meter tief runter auf Beton fiel. Nun ja, auch wenn dies nicht absichtlich war, sie hatte ihn geschubst.

Da Kimberly sich allerdings bei der Polizei bewerben wollte, redete sie auf Peter ein, nicht zu sagen, dass sie ihn geschubst hat. Wie auch immer, der Sanitäter hats wohl mitbekommen. Um kurz noch die Eifersucht von ihr zu erklären: Peter hatte sie wohl ein paar Wochen zuvor betrogen, was auch der Grund für die Trennung war. Wahrscheinlich haben wir das schon geschrieben, aber nur nochmal zum vollständigen Bild. Wie auch immer, Peter sagte, er wolle sie nicht anzeigen, da er nicht den Eindruck hatte, dass sie das Ziel hatte ihn vom Balkon zu schubsen, sondern, dass sie dies nicht bedacht hatte, dass er über die Brüstung fallen könnte. Er wollte ihr keine Schwierigkeiten für ihre Zukunftspläne bereiten. Das war seine Begründung. Als er wieder zurück im Haus war zog zwei Tage später eine weitere Mitbewohnerin aus Tschechien bei uns ein: Olga. Wir hatten bereits unsere erste Arbeitswoche hinter uns. Auch Olga hatte frisch einen Job auf dem Weinfeld angefangen.

Rückkehr im Haus nach dem Unfall

Nach dem Unfall blieb Peter, wie gesagt, ne Woche bei seiner Mutti. Er sagte, er war sehr sauer auf Kimberly und wollte Abstand. Als er dann wieder im Haus zurück war, war sie jeden Tag abends da. Wir haben dann abgesprochen, dass wir abends gemeinsam kochen und WG-Essen machen, einmal wir und einmal die beiden, abwechselnd halt. Es waren wirklich ein paar nette Abende. Olga hat sich daran nicht beteiligt, sodass wir mit den beiden allein die Abende verbrachten. Am Donnerstag, es war unsere zweite Arbeitswoche, vielleicht erinnert ihr euch, es war die Woche in der wir an die 50 Dollar Stundenlohn erarbeitet hatten und dementsprechend müde waren, kamen noch Freunde von Peter für einen Umtrunk vorbei. Ich war bereits im Bett, Michi wollte sein Bierchen noch leer trinken und saß schon im Pyjama auf dem Sofa als die Freunde aufgetakelt wie bei ner Hochzeit hereinspaziert kamen. Michi fühlte sich nicht wirklich wohl und beeilte sich dann auch schnell ins Bett zu kommen. Wir hörten sie noch etwas lachen und Wein trinken, wir waren jedoch echt müde und sind dann auch direkt eingeschlafen. Peter entschuldigte sich am nächsten Tag, wir versichertem ihm jedoch, dass es kein Problem gewesen ist. Kam ja nicht jeden Tag vor und die Freunde wollten sich verabschieden, da sie in eine andere Stadt ziehen würden. Er sagte auch, dass sie um 24 Uhr im Bett waren, er musste am nächsten Tag ja auch arbeiten (es waren seine ersten paar Tage nach dem Unfall).

Die Freakshow

Am Freitag nach der Arbeit waren wir richtig am Arsch. Sorry, aber es beschreibt genau unseren Zustand: wir sind täglich fast 20 km gelaufen… Das heißt mit uns war nicht mehr viel anzufangen. Wir wollten ein Bier trinken, ein Film schauen und ins Bett. Olga war ausgegangen und Kimberly kam am frühen Abend vorbei, die beiden verschwanden in seinem Zimmer für ne Weile und verließen dann das Haus mit ner Flasche Hochprozentigem unterm Arm. Sie baten uns noch auf den Hund von Peters Mutti aufzupassen, der ab und an da war, wenn Peters Mum geschäftlich unterwegs war. Der kleine Kerl ist richtig toll, sodass wir sofort zusagten und einen Abend kuschelnd mit Hund auf dem Sofa verbrachten. Wir sind dann um halb zwölf ins Bett gefallen. Einige Minuten später hörten wir, dass Peter zurück kam und weitere Stimmen. Wir dachten: na toll schon wieder ne Party. Wir waren richtig fertig und wollten einfach nur schlafen, ich zog mir die Decke über den Kopf und versuchte zu schlafen. Es war ein sehr unruhiger Schlaf, da es immer wieder sehr laut war und ich immer wieder aufwachte. Um halb vier wachte ich wieder auf, keine Ahnung ob durch Geräusche, auf jeden Fall merkte ich, dass ich pinkeln musste. Die Party war im vollen Gange, man hörte verschiedene männliche Stimmen und Kimberly, Gläser klirren. Ich war mir noch unschlüssig ob ich warten sollte, ich hatte eigentlich keine Lust in meinem Schlafanzug in die Party zu platzen, denn um auf Toilette zu kommen, musste ich definitiv an der Meute vorbei. Während ich noch überlegte, was ich tun würde, wurde es unter den Feiernden lauter. Plötzlich hörte ich Peter brüllen: Verlass mein Haus! Verlass mein fucking Haus!“ (naja auf englisch halt). Und auch Michi erwachte. Es entstand eine Rangelei, wir hörten getrampel auf dem Fußboden und wie jemand gegen die Zwischentür, die die Küche/Wohnzimmer von unserem und Olgas Zimmer abtrennt, knallte. Peter rief, er solle aufhören, da er eine Schädel- und Schulterfraktur habe. Daraufhin hörten wir schwere Schritte weg von der Zwischentür hin zur Hintertür des Hauses. Diese wurde mit einem lauten Knall zugeschlagen. Unser Zimmer geht in Richtung Vorgarten raus, dort ist überall Schotter, sodass wir hörten wie jemand auf dem Schotter lief, jedoch nicht weg vom Haus, sondern zur Vordertür. Dort angekommen gab es einen lauten Knall und das Geräusch von splitterndem Glas. Die Vordertür ist aus Holz, hat aber mehrere große Fensterelemente. Eigentlich besteht sie mehr aus Glas, als aus Holz.

Das war dann auch der Moment als wir aufsprangen. Michi war total geladen und ist imposant in den Raum gestürmt und hat gerufen, was zur Hölle hier eigentlich los ist (auch auf englisch). Kimberly stand in dem kleinen Gang vor der Haustüre, überall Glassplitter und redete auf einen Typ an der Tür ein. Außerdem war da noch ein fijianischer Kerl, der die Glasstücke aufsammelte und versuchte aufzuräumen. Ich fand es echt schwierig die Situation einzuschätzen, da einer der Kerle wohl anscheinend ja ziemlich aggressiv war und die Tür eingetreten hatte und nun überall Glassplitter lagen, ich versuchte erst mal Michi aus der Situation etwas weg zu holen. Dann fragten wir Kimberly was hier eigentlich los sei. Ich kümmerte mich parallel um den Hund, der völlig verängstigt und zitternd auf dem Sofa stand, in sicherer Entfernung. Kimberly sprach mit uns das erste mal komplett nur in Deutsch und das mehr als einfach nur gut. Wir wussten nicht, dass ihr Deutsch auf so einem Niveau ist! Auf jeden Fall erzählte sie uns, dass Peter sie betrogen hätte, er manchmal scheiße ist und deshalb der eine Typ die Tür eingeschlagen hat. Das machte für uns alles überhaupt keinen Sinn. Außerdem erzählte sie uns, dass Peter die Männer in einer Kneipe an diesem Abend kennen gelernt hatte. Sie war bereits im Bett und diese hätten sie aus dem Bett geholt. Allerdings hatte sie nicht wie wir einen Pyjama an, sondern war noch in Jeans und Bluse, was irgendwie auch nicht zusammen passte. Peter war zu dem Zeitpunkt nicht zu sehen. Kimberly diskutierte weiter mit dem Typ an der Tür, der ein paar Minuten nachdem er die Tür eingeschlagen hatte, fragte, ob ER das gewesen sei. Irgendwann kam die Polizei (wir erfuhren später, dass Peter sie angerufen hatte) und Peter sprach mit ihnen draußen im Vorgarten. Kimberly versteckte sich hinter der Tür, sie wollte offensichtlich nicht mit der Polizei reden. Aber Peter holte sie irgendwann, damit sie mit der Polizei redete. Der Fijianer war immer noch damit beschäftigt aufzuräumen und wollte die geladene Atmosphäre etwas entspannen, indem er immer wieder sagte, relaxt Leute und versuchte Scherze zu machen. Allerdings hatte er echt Mühe damit, da er selber absolut betrunken war. Irgendwann war die Polizei weg, Peter war ziemlich angepisst und sehr betrunken. Wir versuchten nach dieser Aufregung etwas Ruhe rein zu bringen und machten Kaffee. So saßen wir mit Peter, Kimberly, dem Fijianer und einem Kerl, der draußen war und den wir davor noch nicht gesehen hatten (wir nennen ihn John), zusammen am Esstisch. Die Männer allerdings entschieden sich neben dem Kaffee weiter Rotwein zu trinken und boten uns auch etwas an. Wir fanden das echt so unfassbar schräg, weil wirklich alle, vor allem Peter, suuuuuuuuuper betrunken waren und für unser Verständnis das der Moment gewesen wäre eine Party aufzulösen, alle nach Hause zu schicken und ins Bett zu gehen. Naja dem war nicht so. Das führte dazu, dass ständig ein volles oder fast volles Glas Rotwein beim Gestikulieren oder beim Versuch es zu greifen oder bei was auch immer umfiel. Der Fijianer war fast durchgängig damit beschäftigt die Sauerei aufzuwischen. Wir versuchten herauszufinden ob der Typ von der Polizei mitgenommen wurde, das bejahte Kimberly. Die ganze Situation war echt schwierig durchzusteigen, schon bei deutsch sprechenden Betrunkenen ist es ja fast immer ne anstrengende bis aussichtslose Sache eine zusammenhängende situationserklärende Geschichte herauszuhören. In Kiwi-Englisch war das nachts um 5 ne wirklich unmögliche Nummer gewesen! Das Einzige was wir irgendwie wahrnahmen war, dass Kimberly und Peter sich mehr oder weniger ignorierten, John immer wieder zu Peter sagte, er müsste Kimberly mehr respektieren. Er wurde dann irgendwann gebeten zu gehen, von Peter und Kimberly, das dauerte jedoch ne Weile, da er sich erst noch von Kimberly mit einer Umarmung verabschieden wollte (diese verzog angewidert das Gesicht und versuchte ihn abzuschütteln) und dann ein paar mal wieder zum Haus zurück kam, unter seltsamen Vorwänden. Dem Fijianer wurde angeboten auf dem Sofa zu schlafen. Davor machten jedoch Peter und er noch eine weitere Flasche Wein auf. Ich glaube, als wir dann alle im Bett waren, war es 6 Uhr morgens. Peter hatte wohl im Laufe des Abends sein Feuerzeug verlegt, sodass er seine Zigaretten an der elektrischen Spiralherdplatte anzündete. Glücklicherweise musste Michi nochmal auf Toilette und hat gesehen, dass er bei seiner letzten Zigarette wohl vergessen hatte die Herdplatte auch wieder aus zu machen. Das wäre ja großartig gewesen. Nicht nur Tür kaputt, sondern noch die ganze Bude abgefackelt! Um ca. 9 hörten wir bereits, wie die Vordertür etwas lauter zugemacht (nicht so geknallt wie in der Nacht zuvor, aber es war eben laut genug zum aufwachen) wurde und hörten, wie jemand auf dem Schotter vom Haus weglief. Ich war völlig entnervt, nur ein paar Stunden Schlaf, außerdem konnte ich nach der ganzen aufwühlende Geschichte auch nicht direkt einschlafen und jetzt sind die schon wieder wach? Ich hab dann gehört, wie Peter und der Fijianer sich unterhalten und auch gelacht haben und es wurde abgespült. Kurz danach hörten wir wieder die Haustür und wie Peter mit seinem Auto weg fuhr. Dann war es still im Haus. Wir beschlossen aufzustehen und uns ein gutes Frühstück nach der Nacht zu gönnen. Da wir von Olga nichts gesehen und gehört hatten und sie auf keinen Fall bei dem ganzen Lärm der vergangenen Nacht nichts mitbekommen haben kann, lag die Annahme nahe, dass sie die Nacht nicht im Haus verbracht hatte. So war es dann, in ihrem Fall glücklicherweise, wie sich später herausstellte auch. Wir genossen dann unser Frühstück, ließen die Nacht Revue passieren und dachten zu diesem Zeitpunkt die Geschichte wäre geschrieben. Hahaha, da hatten wir uns sehr getäuscht. Während wir noch am Frühstückstisch saßen, mit Blick auf die kaputte Tür (es war im übrigen echt kalt dadurch in der Bude), kam Peters Mutti vorbei. Sie erzählte, dass sie gleich einen Termin mit einem Glaser habe, der sich die Tür ansieht. Der Glaser hat dann nur ein Brett drüber geschraubt und wollte dann Anfang der nächsten Woche kommen, um neues Glas rein zu machen. Die Mutti hatte sich dann nach uns erkundigt, wie es uns geht. Wir haben ihr dann ein bisschen von der Nacht erzählt. Sie war sehr schockiert, anscheinend hatte ihr Peterchen nicht so viel davon erzählt. Der Knaller war jedoch, als sie sagte, er sei bei ihr zuhause und mache ein Nickerchen. Der Kerl ist über 30 Jahre alt und schickt seine Mami um seinen Mist von der Vornacht auszubaden? Die dann auch noch etwas aufräumt nach der rauschenden Party? Michi und ich waren echt baff. Und ehrlich gesagt auch echt sauer. Unser Vermieter schmeißt ne Party, die sowas von aus dem Ruder läuft, wir sitzen in unserem Pyjama verschlafen inmitten dieser Freakshow und haben bestimmt die schrägste Nacht unseres Lebens und dann haut der Herr ab, um bei Mami seinen Rausch auszuschlafen und uns in der kalten Bude hocken zu lassen, übermüdet!!!!???? Ich war richtig sauer! Naja Mutti kam dann noch n paar Mal an dem Tag, jedoch war das Ganze immer noch nicht beendet. Nein, wo denkt ihr hin. Zwischendrin, also irgendwann nach dem Frühstück, klopfte es an der Tür. Als ich aufmachte standen da zwei Polizisten in Uniform. Mein erster Gedanke war, sie kommen wegen der Tür und der Geschichte in der Nacht. Sah auch erst mal danach aus, als sie nach Peter fragten. Wir erzählten ihnen, dass er bei seiner Mum sei. Als sie nach der Adresse fragten, mussten wir passen, aber wir boten ihnen an, seine Handy Nummer zu geben. Wir baten sie rein. Michi musste sich dann erst mal ausweisen, damit sie sicher waren, dass er nicht Peter ist. Dann fragten sie uns, ob wir wüssten, warum sie da seien. Wir verneinten. Sie sagten, dass es einen Zwischenfall zwischen Kimberly und Peter an diesem morgen gab und Kimberly Peter angezeigt habe. Ob wir etwas gehört hätten? Wir berichteten, dass wir gehört haben, dass jemand um 9 rum das Haus verlassen hat, mehr haben wir jedoch nicht gehört. Dazu muss man sagen, dass unser Schlafzimmer und Peters Schlafzimmer direkt nebeneinander liegen und die Wände hier sind zwar nicht ganz so typisch Kiwi pappartig, aber natürlich auch nicht so, dass man gar nix hört. Wenn sich die beiden etwas lauter unterhalten haben, konnten wir das nicht unbedingt wortwörtlich verstehen, aber das Geräusch hören. Ich war natürlich sofort alarmiert und hab da nur rausgehört, dass Peter Kimberly etwas angetan hat, weshalb sie jetzt Anzeige erstattet hat. Ich hab direkt gefragt, wie es Kimberly geht und im gleichen Atemzug gemeint, dass ich weiß, dass sie wahrscheinlich nichts sagen dürfen. Er meinte nur, sie sei verärgert im Moment. Die zwei Polizisten sind dann gegangen und wir waren echt betroffen und wussten gar nicht mehr was wir denken sollten. Ist Peter nach dem ganzen Alkohol und den nur wenigen Stunden Schlaf, die ihn definitiv nicht ausgenüchtert haben, aggressiv und gewalttätig geworden? Und wir waren direkt im Nebenzimmer? Aber wir haben auch niemanden schreien hören. Sind wir hier eigentlich noch sicher (wir können unser Zimmer nicht schließen bzw. abschließen, da ist kein Schloss drin, das heißt die Tür ist immer irgendwie nur angelehnt)! Das war bis dato kein Problem, weil wir uns auch nicht unsicher gefühlt haben, aber wir wussten nicht, ob diese Art von Nacht bei Peter öfter vorkommt und wir uns überhaupt noch sicher in dem Haus fühlen können. Am liebsten hätte ich meine sieben Sachen gepackt und wäre direkt mit dem Campervan weiter gezogen. Aber es war zu dieser Zeit nachts sehr kalt und wir hatten ja noch die Arbeit. Außerdem stellen sich so überstürzte Sachen im Nachhinein oft nicht als die besten Entscheidungen heraus. So versuchten wir für uns heraus zu finden, ob es eine gute Idee zu bleiben sei oder nicht. Ein Sache die wir dafür unternahmen war zu klären, wie es Kimberly ging. Nicht nur wegen uns, sondern weil wir uns natürlich erst mal Sorgen machten. Wir wussten ja nicht was passiert war. So schrieben wir ihr über ein soziales Netzwerk eine Nachricht. Sie antwortete nur, dass Peter sie verletzt hätte (nicht näher ob physisch oder psychisch) und dass sie nicht mehr vorbei kommen wird. Naja so viel schlauer waren wir dadurch auch nicht. An diesem Tag kamen Peter und seine Mutter noch ein paar mal vorbei um nach dem Autoschlüssel von Kimberly zu suchen. Sie hatte einen Firmenwagen. Die Polizei hatte uns auch danach gefragt, ob wir in der Nacht diesen Schlüssel irgendwie irgendwo gesehen hatten. Tja der Schlüssel war vom Erdboden verschwunden. Am nächsten Tag kam Peter mit seiner Mutti vorbei und wollte mit uns sprechen. Wir waren noch im Bett und sehr überrascht. Nachdem wir uns angezogen und Kaffee gekocht hatten, kam heraus, dass Peter wohl von seiner Mutti überzeugt wurde, dass er sich bei uns entschuldigen sollte. Er war super gestresst, sprach sehr schnell und seine Mutter, sagte mehrmals, dass er sich beruhigen sollte. Er erzählte dann ein wenig über den Verlauf des Abends aus seiner Perspektive und sagte, er habe Kimberly rein gar nichts getan. Er habe an diesem morgen mit ihr Schluss gemacht und sie kam damit wohl nicht zurecht und habe daraufhin diese Geschichte bei der Polizei erfunden. Wir haben ihm bei diesem Gespräch auch gesagt, dass wir echt ziemlich enttäuscht waren, dass er sich so rücksichtslos uns und der anderen Mitbewohnerin gegenüber verhalten habe. Auch dass er den fremden Mann auf der Couch hat schlafen lassen, Olga war zwar in dieser Nacht nicht da, jedoch wusste keiner davon und wir kannten diesen Mann alle nicht… Das sind alles in der Summe Entscheidungen von ihm gewesen, die seine Mitbewohner irgendwie nicht vorgesehen haben. Wir haben ihn nochmals daran erinnert, dass ER sich dafür entschieden hat, sein neu erworbenes Haus mit anderen Menschen zu teilen… Ich hab das nicht böse oder laut gesagt, aber ich habs halt einfach gesagt. Er hat sich entschuldigt und sah aus, wie ein kleiner Junge, der gerade ausgeschimpft worden war. Puh, naja, es war auf jeden Fall ne schräge Geschichte. Ach ja und er eröffnete uns, dass er bis auf weiteres bei seiner Mum bleiben wird. Wir fanden den Abstand nach der Geschichte erst mal ganz gut. Rückblickend war das auch wirklich hilfreich, um das Verhältnis wieder zu entspannen. Naja, so hatten wir dann erst mal das Haus alleine mit Olga.

Der Anwalt vom Anwalt

Zwei Tage später hat uns Peter nach der Arbeit angerufen und uns gebeten mit seinem Anwalt zu sprechen. Wir waren erst einmal verwundert und wussten das Ganze auch nicht so gut einzuschätzen. Bei der Zusage haben wir uns dann auch erst mal nix weiter dabei gedacht. Der Termin sollte am selben Abend bei uns im Haus stattfinden. Wir schnell nach Hause und duschen. Wir hatten dann eigentlich geplant unser Abendessen nach dem Termin zu essen und haben gewartet und gewartet. Da er dann 20 Minuten über der Zeit war, haben wir gedacht, ok wie immer mal wieder hier in Neuseeland, er sagt er kommt heut, kommt aber morgen… Also haben wir angefangen fertig zu kochen und zu essen. Na klar, und wie das dann so ist, als wir die erste Gabel in den Mund schieben wollten, klopfte es und der Anwalt stand vor uns. Wir hatten zwischen Peters Anruf und dem Termin mit dem Anwalt etwas Zeit über das Ganze nachzudenken und uns ist bewusst geworden, dass das Ganze doch wohl eine hochoffizielle Geschichte wird und wir da grade volle Granate mit rein gezogen werden. Und es kommt dazu, dass wir Gäste hier in diesem Land sind, ihr wisst, das bedeutet immer nochmal eine andere Stellung. Und das Ganze war ja noch nicht mal unser Ding. So hatten wir, bevor wir was zu dem Abend und dem Morgen zu dem Anwalt gesagt haben, erst mal ein paar Fragen: Machen wir damit eine offizielle Aussage? Was bedeutet das für uns, wenn es zu einem Gerichtsverfahren kommt? Müssen wir vor Gericht auch eine Aussage machen? Was ist, wenn wir in einem anderen Land als Neuseeland sind? Könnten wir irgendwelche Einschränkungen mit unserem Visa haben, da wir jetzt in eine polizeiliche Geschichte verwickelt wurden? Ich weiß, es mag sich vielleicht etwas überverunsichert anhören, aber wir lieben es wirklich sehr hier zu sein und wollen es so lange wie möglich hier genießen. Und wir wollen die Option haben, Neuseeland wieder zu besuchen wenn wir das möchten. Das alles haben wir dadurch in Gefahr gesehen. Wir haben ja überhaupt keine Ahnung wie das Rechtssystem hier funktioniert und welche Rechte wir als Ausländer haben… Der Anwalt hat uns beruhigt und auch sehr gut darüber aufgeklärt, was eine Aussage für uns bedeuten könnte. Mit unserem Visa kann es nicht in Verbindung gebracht werden, es wird berücksichtigt, dass Englisch nicht unsere Muttersprache ist, und falls wir in einem fremden Land sein sollten, das mit Neuseeland kein Abkommen hat, und der Richter gerne persönlich unsere Aussage hören wollen würde, dann würden wir auf Staatskosten eingeflogen werden und das Hotel würde auch bezahlt. Ich denke es gibt schlimmere Aussichten, als nochmals einen kurzen bezahlten Urlaub in Neuseeland zu verbringen 🙂

So haben wir ihm dann unsere Beobachtungen geschildert, wobei es grundsätzlich ganz gut lief mit dem Englisch, es jedoch auch an der ein oder anderen Stelle wirklich schwierig war das exakte Wort, das die Beschreibung auf den Punkt bringt, zu geben oder zu wissen. Außerdem gab es Missverständnisse mit Doppeldeutigkeiten von Wörtern. Er hat sich das alles notiert. Nach knapp zwei Stunden waren wir alle ziemlich erschöpft und er bat uns noch einmal mit uns einen Termin zu machen, da es so viele Infos seien und er sie jetzt auch nicht mehr aufnehmen kann. Wir hörten nach etwa einer Woche wieder von ihm, da bat er uns sonntags zu sich ins Büro. Er fragte zu ein paar Dingen nochmals genauer nach. Irgendwann schloss er dann die Akte, sagte uns, er wird das Ganze die Tage abtippen und uns dann bitten es zu unterschreiben. Unsere und ein paar weitere Aussagen von Bekannten und Freunden von Peter, die an dem Abend zuvor mit dabei im Pub waren, wurden zusammen getragen und dann gebündelt an die Polizei gegeben. Auch von den Männern, die an dem Abend im Haus waren, wurde versucht Aussagen zu erhalten. Soweit wir wissen hat jedoch keiner ausgesagt. Die gesammelten Aussagen würden mit der Aussage von Kimberly verglichen und die Polizei kann dann entscheiden, ob es Sinn macht, eine weitere Instanz höher zu gehen. Das wäre dann das Gericht mit Schiedsgericht (heißt das so in deutsch??? Naja, eine Jury, die dann die Glaubwürdigkeit und die Schuld der Beteiligten einschätzt). Ich weiß nicht ob ich das so hundertprozent wiedergegeben habe, aber ich denke es geht mehr drum, dass man ne grobe Vorstellung bekommt. Die abgetippte Aussage zum unterschreiben haben wir dann erst ein paar Wochen später erhalten. Nach einigen Änderungen haben wir diese dann auch unterschrieben. Das war vor etwa 1,5 bis 2 Monaten. Peter wohnt immer noch bei seiner Mutter. Ein Ergebnis gibt es noch nicht. Ob wir das noch erfahren? Keine Ahnung… Was genau passiert ist? Ja das haben wir uns auch gefragt. Hier die Story:

Die „wahre“ Geschichte, oder zumindest das was uns erzählt wurde, wir waren ja nicht dabei…

Diese Version ist von Peter, wir kennen nur seine:

Peter und Kimberly sind an dem Abend ausgegangen, in einen Pub. Dort trafen sie auf Megan, das Mädel mit dem Peter Kimberly betrogen hat. (Von ihrer Existenz wussten wir bis dato auch noch nix). Das Ganze war wohl auch vor unserem Einzug. Megan war mit ihrem Bruder bei der Party. Kimberly kam mit dieser Situation wohl überhaupt nicht klar und hat Megan lauthals im Pub beschimpft: Schlampe, Hure, ihr wisst schon, weitere nicht so schöne Sachen. Lasst eurer Fantasie freien Lauf. Sie ist da wohl ziemlich aggressiv aufgetreten, wohl auch weil sie schon ziemlich einen in der Krone hatte. Kimberly wollte dann der Situation entfliehen und mit dem Auto (ein Dienstwagen wie gesagt), nach Hause fahren. Davon haben sie Freunde abgehalten und ihr den Schlüssel abgenommen (das ist der wohl vernünftigste Teil dieser Geschichte :-D). Da wohl alle Beteiligten der Party gut im Alkohol standen, war nicht mehr so ganz klar, bei wem der Schlüssel verblieben war. So gab es eine Einschätzung, die auch gegenüber der Polizei geäußert wurde, dass der Schlüssel an Peter weiter gegeben wurde und bei ihm verblieb. Der wusste davon nix und wusste auch nichts anderes. Deshalb die Suchaktion am darauffolgenden Tag. Peter war die ganze Situation im Pub auch zu blöd und er wollte gerne weiter trinken. Deshalb verließ er die Party mit Megan und ihrem Bruder um in sein Haus zu gehen (da wo wir schlafen wollten). Das waren auch die Stimmen, die wir hörten als wir erst kurz im Bett waren. Dann tauchte Kimberly auf und legte wohl eine Szene hin, sodass Megan und ihr Bruder entschieden zu gehen. Peter und Kimberly hatten einen Streit und Peter sagte ihr: Ich gehe jetzt in die Stadt ins Pub, wenn ich wieder komme, bist du weg! Das hat er dann auch gemacht. Dort im Pub lernte er die drei Männer kennen und lud sie spontan ein, bei sich zuhause (wo wir immernoch schliefen) weiter zu trinken, ist ja deutlich günstiger als in der Kneipe. Kimberly hielt nix von Peters Anweisung und blieb einfach im Haus, bombardierte ihn mit Nachrichten und Anrufen auf dem Handy. Als er dann mit den Männern im Haus ankam, warf Kimberly schnell das Thema in die Runde, dass Peter sie betrogen habe. In dieser schrägen Therapierunde wurde dann von den drei Männern festgestellt, dass es dafür eine Lösung ihrer Beziehung gibt: Kimberly hat einfach einen Freibrief und kann ja einfach auch mit einem anderen Mann schlafen. Dann seien sie quitt. Und ach welch Überraschung: gerade seien ja auch drei zur Auswahl… Ihr könnt euch vorstellen, so oder ähnlich schräg wird das gewesen sein. Auf jeden Fall war der eine der nicht gehen wollte, John, ganz angetan davon, dass Kimberly den Freibrief mit ihm haben könnte. Peters Standpunkt dazu war: schlaf mit wem du willst, nur nicht in meinem Haus. Ab hier wird es noch konfuser: Ich könnte mir vorstellen, vor allem der Alkohol aber auch die Aussicht auf möglichen Sex hat die Männer ein wenig gaga gemacht. Auf jeden Fall waren sie mit Peters Aussage nicht so einverstanden und haben darüber diskutiert. Der Freund von John, war dann derjenige der angefangen hat Peter anzuschreien und auf ihn los zugehen, als Peter ihn rausschmeißen wolle. Er wollte wohl seinen Freund beschützen, weil er fand, dass Peter so nicht mit ihm sprechen dürfe. Keine Ahnung. Dann wie gesagt, gab es diese Rauferei, der Typ hat dann von Peter abgelassen, ist zur Hintertür raus und hat das Glas der Vordertür eingetreten. Den Rest kennt ihr ja bereits.

Hier anzumerken ist: Peter hatte die Polizei gerufen, um den Fenstereintreter abholen zu lassen. Er hat jedoch bei dem Anruf gesagt, dass jemand in sein Haus einbrechen wolle. Als die Polizei kam und raus kam, dass die Männer von ihm in sein Haus zuvor eingeladen wurden, meinten sie, Peter hätte eine falsche Angabe gemacht und ein Einbruch höhere Priorität hätte als eine Sachbeschädigung, oder so ähnlich. Sie haben sich auf jeden Fall verarscht gefühlt und das war der Grund, warum Peter Kimberly bei dem Gespräch mit der Polizei dazu geholt hat. Diese hat dann Peter einfach weg geschickt und allein mit der Polizei geredet. Die Polizisten sind dann kurze Zeit später weg gefahren, übrigens ohne den Typ mitzunehmen. Peter hatte als die beiden zu Bett gingen das Thema nochmal angesprochen, er hatte mitbekommen (trotz Alkohol), dass da wohl was schräg gelaufen ist, sodass er Kimberly gefragt hat, ob der Typ wirklich mitgenommen wurde, so wie sie es zuvor uns allen erzählt hat. Sie hat das dann verneint. Er wollte wissen, was sie zur Polizei gesagt habe. Sie wollte erst nicht weiter darüber reden, sagte aber schon sowas wie, dass sie ihnen gesagt habe, dass Peter einfach sehr betrunken sei und das Ganze nicht mehr so peilt. Sie wollte aber nicht wirklich was darüber raus lassen und sagte, sie wolle schlafen. Am nächsten Morgen habe er ihr dann gesagt, dass die Beziehung nicht mehr funktioniert, er Schluss macht und sie nun seine Sachen packen soll. Das hat sie nicht getan, sodass er ihre Sachen zusammen gepackt hat und vor die Tür gestellt hat. Weil sie nicht raus gehen wollte, habe er sie am Rücken aus der Tür geschoben und diese geschlossen. Was jetzt natürlich ganz genau vorgefallen ist, wissen wir nicht, wir waren nicht dabei. Wir werden uns auch kein Urteil darüber erlauben. Wir denken, die Wahrheit liegt da irgendwo dazwischen. Kimberlys Aussage bei der Polizei soll sich in verschiedenen Punkten sehr widersprechen.

Für uns war diese Geschichte die schrägste Nacht in unserem Leben. Für Peter ein riesen Rattenschwanz, der sich da bisher immer noch zieht und wenn es richtig blöd läuft, auf Lebzeiten ein Makel in seinem Lebenslauf bleiben wird, da er seinen Job verlieren kann und nie wieder als Anwalt arbeiten kann. Wir haben uns gefühlt als wären wir mitten in einer Daily Soap im Fernsehen: Peter und seine Flatmates oder Gute Zeiten, schlechte Zeiten in Neuseeland. Haha.

Fährüberfahrt auf die Südinsel

Am nächsten Tag wurden wir recht früh von unserem Wecker geweckt. Als wir den Regen hörten, wollten wir uns am liebsten nur noch umdrehen und weiterschlafen. Es half nichts, das Ticket war gebucht, wir wollten endlich rüber.

Nachdem wir dann also was gefrühstückt hatten und uns fertig gemacht haben, sind wir zum Fähranleger gefahren. Es hieß, man solle eine Stunde vor Abfahrt einchecken.

Als wir ankamen, hatte sich schon eine lange Autoschlange gebildet. Wir stellten uns an und weiter ging es wie in einem Drive-In. Irgendwann kam ein Schalter, wo nach dem Namen gefragt wurde, anschließend bekam man die Tickets und wurde einer von vier Spuren zugeteilt. Und dann hieß es warten. Nach etwa einer halben Stunde bewegte sich was und die Autos durften an Board fahren. Erst die erste Spur, dann die nächste etc. Auf dem Schiff angekommen stellten wir das Auto auf dem angewiesenen Stellplatz ab und fuhren mit einem Aufzug nach oben auf das Passagierdeck. Wir haben uns für einen Platz in der „Empfangshalle“/Lounge direkt am Fenster entschieden, alles andere, vor allem direkt am Fenster, war bereits ziemlich voll. Die Außendecks waren zum Teil geschlossen bzw. man konnte nicht sehr weit raus laufen, da das Wetter einfach weiterhin nicht gut war. Wir waren schon ein wenig traurig, da die Sicht durch das bescheidene Wetter natürlich auch nicht so dolle war. Eigentlich wollten wir ja so viel wie möglich sehen!

Auf dem Weg vom Parkdeck zum Passagierdeck war im Aufzug ein Hinweisschild, dass die Alarmanlagen ausgeschaltet sein sollen und die Handbremsen angezogen. Da wir keine Alarmanlage in unserem Auto haben war das erste uninteressant, aber natürlich fragte ich Michi, ob er die Handbremse angezogen hatte. Er war sich nicht mehr ganz sicher, aber er glaubte eher nicht. „Hm, aber da kann ja eigentlich nichts passieren, das Getriebe steht auf ‚P’…“, so Michi´s Reaktion. Ok dachte ich mir, hat er schon recht.

Pünktlich setzte sich die Fähre in Bewegung und wir verließen Wellington. Zur besseren Vorstellen versuch ich das mal zu beschreiben: Ein Meeresarm führt zum Hafen, wo die Fähre in Wellington abfährt, rechst und links (er ist aber sehr breit) viele Berge und tolle Landschaft, wovon wir bei besserem Wetter sicherlich auch mehr gehabt hätten. Danach kommt man aufs offene Meer (bzw. die sogenannte Cook-Straße) und dann schließlich in die Marlborough Sounds (sehr viele Meeresarme und noch mehr atemberaubende Landschaft). Leute ganz ehrlich, manches kann man einfach nicht beschreiben, schaut es euch einfach auf den Fotos an oder besser noch REAL 🙂 Naja aber zurück zur Überfahrt. Also am Anfang war die Fahrt noch ganz angenehm. Als wir dann dem offenen Meer immer näher kamen, wurden auch die Wellen höher und höher und höher. Erst dachte ich mir: großes Schiff, spürt man sicher nicht so viel… Tja… weit gefehlt würde ich jetzt sagen. Wie ich ja auf der Weltreise feststellen musste, bin ich da ein kleines Sensibelchen was Wellengang betrifft. Es wird mir einfach immer schlecht wenn Wellengang ist. Aber da die Gesellschaft ja öfter nicht so seefeste Mitreisende hat, haben sie in ursprünglich Flyerhaltern an der Wand in Abständen von etwa 5 Meter ausreichend Spucktüten verstreut. Der nächste Spucktütenhalter war ungefähr 2 Meter von meinem Sitzplatz entfernt. Ich habe ihn kaum aus den Augen gelassen, man weiß ja nie wie schlimm das noch wird und wie groß die Nachfrage 😀 Ok, um es kurz zu machen: Nein ich habe keine der kleinen braunen Tüten gebraucht und das Frühstück ist drin geblieben. Und das war gar nicht so einfach, vor allem nicht als ein Typ neben mir mit so lauten Spuckgeräuschen in die kleine braune Tüte gereiert hat, dass nur noch dieses Geräusch in der kompletten Lounge zu hören war, begleitet von den stöhnenden und angewiderten Geräuschen der Mitreisenden. Nachdem er dann die zweite Tüte gefüllt hatte, wurde er ins Krankenzimmer begleitet und ich hätte der Mitarbeiterin die Füße küssen können, dass sie ihn weg gebracht hat. Aber nicht nur mein Magen war von den Wellen alarmiert: auch ein paar Autobesitzer waren so nett uns an einem Alarmanlagenkonzert teilhaben zu lassen, da sie „vergessen“ hatten sie auszustellen. Es war echt super nervig. Irgendwann wurden dann die betroffenen Autokennzeichen ausgerufen und die Besitzer durften nochmal nach unten. Ja jedes Konzert sollte mal ein Ende haben. Und mit den größeren Wellen kamen auch Michi´s Zweifel bezüglich der Handbremse. Da ging dann das Kopfkino los: Unser Auto, vorne und hinten ein anderes Auto, gaaaaaaanz viele Wellen, noch mehr Physik, Ergebnis: Irgendein verformtes Etwas was mal unser Auto war. Michi hat ganz schön geschwitzt (im wahrsten Sinne des Wortes, er saß bei gefühlten 15 Grad irgendwann im T-Shirt da) und ich war vollauf mit dem Kampf mit meinem Magen beschäftigt, Frühstück behalten oder nicht… Ich dachte mir über so ein verformtes Etwas kann man sich dann auch noch Gedanken machen, wenn man wieder festen Boden unter den Füßen hat. Läuft ja nicht weg.

In den Marlborough Sounds angekommen war das Wetter auch etwas klarer und wir konnten bereits schon Landschaft genießen (die Wellen waren dann auch wieder aushaltbarer für meinen Magen). Unfassbar schön! Wir kamen dann nach dreieinhalb Stunden Fahrt in Picton an. Ganz aufgeregt haben wir uns auf den Weg zum Parkdeck gemacht. Und? Haha, natürlich nix! Kein Kratzer. Wir sind uns nicht hundertprozentig sicher, aber dadurch, dass überall so Ketten an den Säulen befestigt waren, gehen wir davon aus, dass die Autos vor der Fahrt festgekettet werden, dass erst gar nichts passieren kann.

Kiwicamp

Wir sind dann auch direkt von Picton ins halbe Stunde entfernte Blenheim gefahren, um uns einen ersten Eindruck im Hellen von der Stadt und dem zuvor ausgesuchten Freecamp zu machen, 5 Minuten entfernt von Blenheim. Dieser stellte sich als sehr neu und grandios durchdacht heraus. Michi kam aus dem schwärmen gar nicht mehr heraus. Eigentlich ist das Gelände ein großer Truckstopp, aber auch mit einem Parkplatz für große Wohnwagen oder Wohnmobile (das ist nicht kostenfrei) und kleinen mietbaren Schlafräumen (Chalets) für 2 Personen. Der Freecamp ist mit einer Schranke „abgeschlossen“. Dafür muss man eine Karte beim Besitzer, einem recht jungen Kerl, „kaufen“, das heißt man zahlt fünf Dollar und diese sind dann als Guthaben auf der Karte. Dazu gibt es dann auch eine App über die man sein Guthaben jederzeit aufladen kann. Dann kann man mit der Karte das Duschen, das warme Wasser fürs Spülen oder Strom bezahlen. Die Karte funktioniert über NFC, das heißt man hält die Karte einfach nur an die entsprechenden Geräte und das Tor geht auf, die Dusche an, usw. Ihr kennt das sicher von der Paywave von Kreditkarten. Das Konzept war deshalb so gut durchdacht, da er „low-budget“-Reisenden die Möglichkeit geben wollte umsonst dort zu stehen und zu schlafen und die Toiletten zu benutzen. Für die Dusche und das warme Wasser und Strom, wird allerdings ein entsprechender Betrag fällig, was absolut fair ist. Da es das Ganze erst seit März gibt war alles noch total neu und echt nett gestaltet mit kleinen (Kunst-)Rasenabschnitten und Campingtischen, sowie etwas Privatsphäre durch Holzwände an den Tischen. Der Besitzer war auch eine Zeitlang mit dem Camper in Neuseeland unterwegs und hat durch seinen Truckstop auf relativ kleinem Raum ein Paradies für jedes Reiseklientel geschaffen. Ok highclass ist nicht, aber die sind ja auch eher mit Privatjet unterwegs 😀

Wohnungssuche

Nach dem ersten Umschauen in Blenheim und der Umgebung voller Berge und Weinfelder bei strahlendem Sonnenschein war klar, hier suchen wir ein Zimmerchen. Das haben wir dann auch direkt am nächsten Tag in Angriff genommen. Das war auch wirklich bitter nötig. Die letzten Tage hatten wir nachts Temperaturen unter null Grad und sobald die Sonne untergegangen war (so ungefähr um halb 6 abends) war es direkt im einstelligen Bereich. Für draußen kochen (im Auto geht nicht) und Zeit im Auto verbringen ist es definitiv zu kalt. Da ist das kochen, abspülen, pinkeln gehen oder die Abend Beschäftigung (zum Beispiel Film im Auto gucken oder lesen) ne absolute Herausforderung. Es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht ständig bei fast allem alltäglichen zu frieren!

Also ging es am nächsten Tag schnurstracks in die Bibliothek (kostenloses Internet) um nach Zimmermöglichkeiten zu recherchieren. Wir haben uns dann schließlich drei zur Auswahl herausgepickt (Preis, Lage und sowas) und dann die Nummern aufgeschrieben. Angerufen haben wir dann vom Auto aus. Um ehrlich zu sein, das war schon echt ne Herausforderung in Englisch. Es ist eine Sache mit jemandem persönlich in Englisch zu sprechen, aber etwas völlig anderes übers Telefon. Unser erster Anruf war unser persönlicher Favorit und ein Kiwi, sodass ich gefühlt die erste Minute… ja genau: BAHNHOF verstand. Wir haben es dann aber geschafft für den folgenden Tag für abends einen Besichtigungstermin zu besprechen. Was will man mehr 😀 Die anderen zwei Anrufe waren auch keine Muttersprachler Englisch (ein Inder und ein Italiener), sodass das schon deutlich einfach war, da sie auch nicht so schnell sprachen. Auch mit diesen konnten wir für den nächsten Tag einen Besichtigungstermin vereinbaren, sie waren zeitlich flexibel, sodass wir einfach kurz vorher eine Nachricht schreiben sollten. Wir beide waren natürlich voller Vorfreude und Aufregung! Abends war dann erst mal duschen auf dem Plan. Es war schon dunkel draußen und ihr erinnert euch: Winter, also kalt. Die Dusche ist auf 5 Minuten reglementiert und der Raum ist leider nicht komplett geschlossen, das heißt zwischen Dach und Wände gibt es einen Spalt, durch den der Raum eigentlich die selbe Temperatur wie draußen hatte. Das war mal ne richtig schnelle und nicht wirklich gemütliche Dusche. Aber wir haben uns einfach fest eingeredet, dass uns das nur abhärten kann 😀 Und eigentlich war es auch der Gipfel unseres Prozesses, dass wir uns einfach wieder unglaublich nach einem Dach über dem Kopf, also zwischen Bett, Toilette und Dusche, gesehnt haben. Wir waren einfach an einem Punkt wo wir die Kälte und vor allem das was es für unseren Alltag bedeutet, leid waren.

Besichtigungstermine

Am nächsten morgen waren wir schon ein wenig aufgeregt, klar, wir sind nicht gezwungen etwas zu nehmen, aber wir wollten doch eigentlich so schnell wie möglich in die Wärme. Unser erster Besichtigungstermin war eigentlich eher als Probelauf geplant, da er mit Abstand das teuerste war und wir eigentlich nicht so viel Geld ausgeben wollten. Aber mal gucken geht ja 🙂 Wie sich herausstellte, war es ein betagter Italiener, der trotz langjährigem hier leben große Probleme mit Englisch hatte. Das was uns dort für den Preis (ca. 153 € / Woche) geboten wurde, fanden wir alles andere als angemessen: das Zimmer wäre zwischen einem anderen Zimmer mit einem anderen Backpackerpaar und dem Wohnzimmer gewesen, dazu noch alles super beengt, also Privatsphäre Fehlanzeige. Auch war das gesamte Haus abgewohnt, es lag viel Kram rum und die Küche war definitiv alles andere als sauber. Der Besitzer war wirklich nett und der Garten war echt schön, aber ich hab mich dort für nicht länger als zwei Wochen gesehen. Wir wussten bereits nach der Besichtigung, dass es das nicht wird und waren fast schon entrüstet, dass wir sowas für den Preis angeboten bekommen haben.

Jedoch hat der zweite Termin den Vogel abgeschossen. Eigentlich wäre das ein gutes Gesamtpaket gewesen, da der Besitzer, ein Inder, nicht nur Zimmer vermietet, sondern auch Kontakte zu Weingütern hat, für die Arbeitssuche. Das hat sich nach einer schnellen Lösung unserer offenen Pläne angehört, denn wir wollten ja hier in Blenheim nicht die ganze Zeit in dem Zimmerchen rum hocken, sondern die Zeit nutzen unser Reisebudget zu schonen und aufzubessern. Der zweite Besichtigungstermin ging nicht mal fünf Minuten. Warum? Das war nun wirklich eine absolute Frechheit was uns da geboten wurde: Das Zimmer war am Anfang eines länglichen Anbaus am Haupthaus, das heißt wir sind direkt vom Vorgarten in das Zimmerchen gelotst worden. Dieses verdient eigentlich gar nicht die Bezeichnung Zimmer, eigentlich würde es kleines, kaltes, dunkles Schimmelloch besser treffen. So manche Gefängniszelle wirkt da gemütlicher. Ich war richtig geschockt und wollte auch sofort wieder raus und fragte nur, wo Toilette, Bad und Küche seien. Das war ein paar Türen weiter im Haupthaus. Das heißt, von wegen in einem Haus aus dem Bett aufstehen und in dem Haus, ÜBERDACHT pinkeln gehen. Pustekuchen. Wir hätten wie im Campervan auch wieder komplett durch die Kälte zur nächsten Toilette gemusst. Und dafür wollte er auch noch Geld haben, da hätte man eigentlich bezahlt werden müssen um dort zu schlafen. Naja sorry, ich übertreib jetzt vielleicht ein bisschen, aber manchmal frage ich mich echt wie es manche Menschen schaffen, sich aber auch für gar nix zu schämen. Das war die reinste Abzocke! Wir haben uns dann gedacht, dass wir bei so einem Angebot (ca. 127,50€/Woche) auch nicht mehr zimperlich sein müssen und haben ihn direkt raus gefragt, ob wir trotzdem die Kontakte bekommen auch wenn wir das Zimmer nicht nehmen. Es schien etwas verdutzt und stammelte nur was von ja, er sei ein hilfsbereiter Mensch und eigentlich sei das ein Paket, aber da er so nett ist, würden wir das auch so bekommen. Im Enddefekt haben wir darauf nicht mehr zurück gegriffen, aber es war es absolut wert sein überraschtes Gesicht zu sehen.

Da unsere letzte Besichtigung erst am Abend war, hatten wir dazwischen viel Zeit uns Gedanken zu machen. Wir wussten nicht, was uns erwarten würde, aber das Angebot war günstiger und es sah von den Bildern deutlich besser aus, als die anderen zwei. Wir sind dann etwas durch die Stadt geschlendert, es war wirklich herrlich sonnig, und sind an einem Marklerbüro vorbei gekommen. Dort hingen Anzeigen draußen, u.a. auch von Mietwohnungen. Wir waren ganz überrascht, dass es vergleichsweise zum Zimmer nicht so arg viel teurer war (ab ca. 160€/Woche) und haben uns spontan entschieden uns ein paar Informationen zum Preis (ist es inkl. Heizung und Strom hier?) und wie es so generell funktioniert, zu holen. Wir wurden drin direkt weiter verwiesen an ein junges Mädel. Warum das wichtig ist? Wartet es ab, das wird im nächsten Beitrag interessant. Das junge Mädel war sehr unfreundlich, zeigte keinerlei Mimik und behandelte uns sehr von oben herab. Naja das war uns erst mal egal, da wir unsere Informationen bekamen: Halbes Jahr Mindestmiete, Strom, Wasser, Internet und Einrichtung extra. Das wäre alles zu umständlich, also blieben wir beim Plan ein möbliertes Zimmer zu mieten. Außerdem war ein wichtiger Faktor für uns nicht isoliert zu zweit zu wohnen, sondern neue Leute kennen zu lernen, wir wollen doch hier so gut wie möglich für eine Weile in das Leben der Kiwis eintauchen.

Abends fuhren wir dann zu unserem letzten Termin. Alles was wir wussten (bzw. beim Telefonat verstanden haben) war, dass es sich um einen Mann handelt, der berufstätig ist, deshalb auch der Abendtermin. Als wir an dem Haus ankamen waren wir erst einmal irritiert, da direkt am Gartenzaun ein großes Marklerschild prangte und darauf ergänzt „Sold“ stand. Hä, hat uns da jemand veräppelt? Ok, da müssen wir unbedingt nachfragen, was es damit auf sich hat. Wir haben dann geklopft und sind direkt als die Tür aufging von einem kleinen Hund begrüßt worden. Der Kleine gewann vom ersten Moment unsere Herzen. Aufgemacht hatte uns ein Mann Anfang 30, im Anzug. Irgendwie hatte ich das nicht erwartet. Wir wurden dann ins Haus gebeten und außer der Küche war da…. NIX. Ja genau es war einfach leer. Immerhin war es warm, denn im Kamin loderte ein Feuer. Wir erfuhren, dass Peter zwei Tage zuvor eingezogen war. Er führte uns herum und zeigt uns sein Zimmer, ok das hatte ein Bett, aber das wars, und die anderen zwei Zimmer, die er vermieten möchte. Auch diese waren leer. Wir waren etwas überrascht, da auf den Fotos ein Bett zu sehen war. Er meinte er habe die Maklerfotos für die Anzeige genutzt. Auch stand in der Anzeige, dass eine Arbeitsbeschäftigung für ihn Voraussetzung sei. Er fragte uns das natürlich auch direkt (ich glaube der zweite oder dritte Satz). Aber wir erklärten ihm, dass wir eben erst vor ein paar Tagen angekommen seien und jetzt erst mal ein Dach über dem Kopf brauchen und wir uns dann an die Suche machen würden. Das war soweit auch in Ordnung für ihn. Wir plauderten etwas, es roch nicht komisch wie bei der letzten Besichtigung, es war alles frisch renoviert und abgewohnt konnte es ja nicht sein, es gab ja noch gar nichts. Er erzählte uns, dass er zuvor nur in WG´s gewohnt hatte und das sein erstes Haus sei und auch das erste Mal einrichten… Und zwischendurch posierte er in lässiger Haltung vor dem Kamin. Irgendwie war das schon wieder so schräg, dass wir ihn sympathisch fanden 😀 Auch der Preis war unschlagbar (ca. 118€/Woche)! Er meinte auch, dass er gerne Leute von außerhalb Blenheim hier haben würde, weil er sehr interessiert sei, Neues zu erfahren. Ach und der Anzug: er ist so eine Art Notar, hat auf jeden Fall Jura studiert. Wir waren so glücklich, dass wir eine gute Unterkunft mit einem sympathischen Typ und nem spitzen Preis gefunden haben. Als er uns fragte, ob wir einziehen wollen, mussten wir auch gar nicht lange überlegen und sagten direkt mit einem bereiten Lächeln zu. Die Kleinigkeit mit dem fehlenden Bett war im Vergleich zu den Alternativen nun wirklich kein Ding! Also bot er uns direkt an, dass wir morgen nachdem er von der Arbeit zurück sei einziehen können. So kam es, dass wir nach drei Tagen in Blenheim ein WG Zimmerchen hatten 🙂

Nordinsel Inland

Whakatane

Nach etwas mehr als einer Woche sind wir weiter nach Whakatane gefahren, das war wieder in der Region Bay of Plenty. Auch dort verbrachten wir die meisten Tage damit, nach Ohope Beach zu fahren, wo Michi an der Wharf angelte. Ich verbrachte die Zeit, mal nicht mit lesen, sondern machte lange Spaziergänge an dem wunderschönen natürlich belassenen Strand. Ich war die meiste Zeit ganz allein mit dem Wind, den Wellen, der Sonne, den Dünen und den Möwen. Es war unfassbar schön in der Ferne die Berge zu sehen und das weite Meer neben sich zu haben. Manchmal fühlte es sich so an, als wäre dieses tolle Naturschauspiel in dem Moment gerade nur für mich da. Einfach grandios.

Allerdings wurden die Nächte immer kälter. Als wir dann noch Southerlies hatten, also Wind aus dem Süden (Südpol) war es richtig kalt. Unsere Tage wurden immer kürzer, und die Möglichkeiten was zu unternehmen, irgendwie weniger. Also verbrachten wir immer mehr Zeit damit, unseren normalen Dingen gerecht zu werden. Möglichst ausschlafen, damit es schon etwas wärmer draußen war, Platz zum frühstücken suchen, frühstücken, duschen, einkaufen, Platz für Abendessen suchen, Abendessen machen, und dann hat man noch etwas Zeit bis man ins Bett geht. Da hat es schon angefangen, dass wir ein paar wirklich kalte Kocherfahrungen gemacht haben. Ich hab so arg gefroren, obwohl ich wie ein Flummi durch die Gegend gehüpft bin und weil nicht mehr so viel Gas im Zylinder von unserem Campinggrill war, ging das Ganze eine Ewigkeit, sodass ich gefühlt genauso lange brauchte um nachher wieder aufzutauen. Wir versuchten das so gut es ging zu vermeiden, im dunkeln zu kochen. Naja, liegt ja auf der Hand, man sieht nicht viel und einmal ausgekühlt ist es im Campervan wirklich schwer wieder Komforttemperatur zu bekommen. Auch wenn es nicht so viel zu berichten gab, war uns auch nicht langweilig, wir waren vollauf damit beschäftigt das Wichtigste im Tageslicht zu erledigen und uns bei Nacht warm zu halten.

Lake Aniwhenua

Nach Whakatane sind wir wieder ins Inland Richtung Taupo gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir einen Zwischenstopp in Kawerau eingelegt, um dort im Maurie Kjar Memorial Swimming Pool zu planschen. Das ist ein Freibad mit mehreren Becken, Schwimmerbecken, aber auch heiße Thermalbecken, heißen Duschen drinnen und das allerbeste daran: es war komplett kostenlos. Wir fanden das der absolute Hammer, da es wirklich sehr gepflegt war und es auch Bademeister gab. Toll, was die Gemeinde da ihren Einwohnern und Gästen zur Verfügung stellt.

Übernachtet haben wir auf einem Freecamp am Lake Aniwhenua, in der Nähe von Galatea. Es lag mitten in der Pampa und war sehr idyllisch an einem, wie der Name schon sagt, Stausee gelegen. Durch die leuchtend bunten Bäume war die Herbstkulisse perfekt. Nach Nachteinbruch waren nur die Waldgeräusche der Nachtaktiven Tiere zu hören und: das piepen des Staudamms am See, der jede Stunde oder so die Schleusen geöffnet hat. Wir konnten das erst gar nicht zuordnen und entschieden uns am nächsten Tag noch eine Nacht zu verlängern und uns die Schleuse direkt an dem Camp und ein paar Kilometer Flussabwärts genauer anzusehen. Doch zuvor fuhren wir ins nächstgelegene etwas „größere“ Dorf Murupara, was 15-20 Minuten Autofahrt bedeutete, um für abends eine Flasche Wein zu kaufen. Wir dachten daran, einfach eine im Supermarkt zu holen. Jedoch stellte sich das Ganze als nicht so einfach heraus. Der Supermarkt hatte überhaupt keinen Alkohol (wahrscheinlich weil sie keine Lizenz für den Verkauf haben). So versuchten wir es nach deutscher Denkweise bei der nächsten Tankstelle. Auch die hatten keinen Alkohol. Aber wir erfuhren dort, dass der einzige Pub im Dorf eine Lizenz zum Alkoholverkauf habe und wir es da probieren sollen. Wir waren uns unschlüssig als wir vor dem Pub standen (er war durch die Größe des Dorfes auch nur ein paar Meter von den anderen zwei Orten weg), da wir nicht wussten, ob wir am Tresen jetzt eine Flasche Wein bestellen müssen und wie viel das wohl kosten würde. Wir wussten nicht, ob uns der Tankstellenwärter vielleicht falsch verstanden hatte und dachte, wir wollen direkt was trinken. Naja, ihr wisst ja, man malt sich das so aus, wie man das kennt. Aber so war es gar nicht. Es gab zwei Eingänge zum Pub: links ging es in den Schankraum, wo sie mit ihren Bierchen saßen und Sport schauten und rechts kam man direkt in den Shop, wo man Bier, Wein aber auch Softdrinks in Flaschen kaufen konnte. Die Verkäuferin wollte noch nicht mal unseren Ausweis sehen wegen dem Alter und der Preis war für so eine Monopolstellung im Dorf richtig fair. Wir waren wirklich sehr überrascht.

Als wir zurück am Freecamp ankamen, machten wir uns dann auch direkt auf den Weg die Schleusen anzusehen. Die ersten Schleusen, waren wie gesagt, bei uns direkt am Camp. Alles wurde vollautomatisch von irgendwo gesteuert. Es war nur eine Kamera auf die Schleusen gerichtet. Zu den zweiten Schleusen mussten wir ca. eine Stunde Flussabwärts laufen. Dort war der Fluss auch viel breiter und hatte deutlich mehr Geschwindigkeit. Dies wurde genutzt, um Elektrizität zu gewinnen und dort stand auch eine riesige Anlage. Es war Sonntag und das ganze Gelände schien komplett verlassen zu sein. Wir waren echt verblüfft darüber, da es für Leute, die richtig Blödsinn machen wollen, ein Leichtes ist, da wahrscheinlich recht einfach rein zu kommen und richtig großen Schaden anzurichten. Vielleicht täuschen wir uns auch, aber es war schon komisch, dass so eine große Anlage völlig unbewacht ist.

Taupo

Über Taupo gibt es nicht ganz so viel zu berichten, obwohl wir hier fast eine Woche verbracht haben. Es ist wirklich super schön gelegen an dem großen See, aber es ist vor allem auch sehr touristisch. Man kann sehr viele abgefahrene Sachen machen, wie Skydiving, Wasserflugzeug Rundflug und und und, aber natürlich auch für sehr viel Geld. Wir wollten nach der ersten Nacht schon weiterziehen und sind nach Taurangi gefahren, um von dort auch den Tongariro Alpine Crossing zu machen. Das ist einer der meist gelaufenen Wanderwege hier und führt vorbei an Vulkankratern und geothermischen Seen. Nach den Beschreibungen und den Bildern war ich sehr angetan und wollte das sehr gerne machen. In Taurangi im Informationszentrum wurde uns jedoch direkt gesagt, dass die nächsten Tage das Wetter nicht geeignet sei, sodass wir noch mehrere Tage warten mussten. So wollten wir in Taurangi bleiben und haben uns etwas umgesehen, wo wir schlafen können. Es war auch ein alter stillgelegter Sportplatz bestens dafür geeignet. Jedoch war Taurangi deutlich kleiner als erwartet und es gab eigentlich nichts. Und irgendwie haben wir uns da auch nicht ganz so wohl gefühlt. Warum? Keine Ahnung, manchmal ist das einfach so ein Bauchgefühl. Und getoppt wurde es von nur einer Duschmöglichkeit die unverschämt teuer war. So entschieden wir uns dafür wieder zurück nach Taupo zu fahren und dort auf besseres Wetter zu warten. Dort haben wir meist in der Nähe des Hafens geschlafen. An einem Abend wollten wir auf der anderen Seite sehen, ob es da eventuell auch eine unauffällige Möglichkeit gibt über Nacht zu stehen. Es stand auch ein anderes Auto da. Nur dass das kein Campervan war. Und die Leute im Auto auch nicht typisch für Kiwis ihr Take Away im Auto aßen. Nein, die beiden hatten ein ganz anderes Bedürfnis. Und wir überraschten sie beim Liebe machen. Naja die Scheinwerfer haben wahrscheinlich etwas geblendet, sodass sie innehielten. Wir wollten da natürlich nicht weiter stören und hoffen, dass wir ihre heiße Zweisamkeit nicht an einem ungünstigen Zeitpunkt unterbrochen haben 😀

Tongariro Alpine Crossing

Am Tag vor dem Crossing sind wir dann nach Taurangi und haben dort übernachtet, auf dem alten Sportplatz. Wir sind so früh aufgestanden, dass es draußen noch dunkel war (ich glaube halb 6/6), da das Crossing ca. 8 Stunden beansprucht und wir die paar helle Stunden am Tag voll ausnutzen wollten. So haben wir in der Arschkälte draußen Frühstück gemacht und dieser Morgen ist mir als einer der heftigsten Friermomente hier in Neuseeland in Erinnerung. Naja leider gibt es davon mittlerweile einige. Aber er ist definitiv ganz weit oben. Wir hatten noch etwas Anfahrtszeit und sahen die Gebirgskette bereits lange Zeit von Weitem. Im Tal war es sonnig und gutes Wetter, jedoch wurde es immer bewölkter oben und genau in dem Moment, als wir das Auto auf dem Parkplatz geparkt haben, hat es angefangen zu tröpfeln. Na tolle Suppe dachten wir uns noch, aber wir waren ja vorbereitet und haben uns warm eingepackt und auch unsere Regensachen eingepackt und sind los gestapft. Es gibt ein Bild am Beginn des Weges: wir waren wirklich sehr motiviert. Noch. Je weiter wir liefen desto mehr Nebel kam. Wir sahen immer weniger. Wir konnten erahnen, dass die Berge vor uns sehr hoch sind und es sicherlich eine unfassbare Kulisse ist, wie man das aus Herr der Ringe kennt. Aber wie gesagt, leider nur erahnen. Das war richtig ärgerlich. Aber wir sind trotzdem weiter gelaufen, in der Hoffnung es wird besser. Die ersten anderthalb Stunden war der Weg nur leicht ansteigend und hat sich wunderschön an einem Bach entlanggeschlängelt. Dann kam eine Etappe, die steil war, klar anstrengend, aber nicht so heftig wie der Weg im Taranaki National Park. Als wir an dieser Etappe oben ankamen, waren wir genau an einem Punkt, wo der Wind richtig schön durchzieht. Der Nebel wurde so dicht, dass wir höchstens zwanzig Meter sehen konnten und es hat angefangen zu regnen. Die nächste Etappe wäre ein längerer gerader Weg gewesen, der zum Vulkankrater geführt hätte, dem höchsten und kältesten Punkt des Crossings. Danach geht es wieder ein paar Höhenmeter runter zu den Geothermischen Seen. Wir waren ja vorbereitet und zogen uns noch weitere Schichten Klamotten drüber und gingen weiter. Zuvor wunderten wir uns, warum uns so viele Menschen entgegen kamen. Es war unmöglich, dass sie schon dort waren und auf dem Rückweg waren. Der Wind war so kalt und der Regen peitsche ins Gesicht, sodass man kaum noch etwas sah. Ich war schon komplett durchnässt (naja meine Regenjacke ist schon ein paar Tage älter und wohl nicht mehr ganz so dicht). So entschieden wir uns nach 3 Stunden wandern, bereits pitschnass, umzudrehen und unverrichteter Dinge wieder zurück zu gehen. Es war echt traurig und ärgerlich, aber weitere 5-6 Stunden in den nassen Klamotten hätten definitiv eine Grippe nach sich gezogen und das wollten wir im Campervan ungern erleben. Also hieß es Frustration runter schlucken und vernünftig sein. Wir sind dann nach weiteren 2 Stunden wieder am Auto angekommen (haben uns ziemlich beeilt, weil wir so durchgefroren waren) und haben direkt unsere triefnassen Klamotten gewechselt. Das war schon viiiiiel besser. Heizung im Auto volle pulle aufgedreht und dann ging es uns schon etwas besser. Wir beschlossen uns die Nacht mal wieder einen Campingplatz zu gönnen, vor allem auch damit wir unlimitiert warm duschen können. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie sehr wir uns darauf gefreut haben. Wir hätten einen Heidengeld dafür hingeblättert, so sehr haben wir uns danach gesehnt. Nach dem Anmelden sind wir beide dann auch direkt für ne Ewigkeit unter das schöne warme Nass verschwunden und haben uns danach wie neu geboren gefühlt. Der Campingplatz hatte so eine Art Lounge, in der auch die Küche war. Dort trafen wir auf ein französisches Pärchen und kamen mit ihnen ins Gespräch. Es stellte sich heraus (ihr Englisch war sehr grundständig, sodass das Verstehen und Sprechen nicht so einfach für sie war, naja aber nach längerem mit Händen und Füßen und Brocken Französisch), dass sie an diesem Tag auch den Crossing gelaufen sind und sie uns Fotos gezeigt haben. Und was haben wir darauf gesehen? Sonnenschein, die Seen in strahlenden Farben, einen blauen Himmel und vielleicht ein paar kleine Wölkchen. Wir waren völlig platt, wie konnte das denn sein. Sie erzählten, dass sie auf dem Rückweg etwas nass wurden, da kam wohl ein paar Wolken auf, aber ansonsten war es gut. Das Geheimnis war: sie sind den Weg von der anderen Seite aus gelaufen. Eigentlich ist es ein langer Weg, der diese Gebirgskette kreuzt und auf beiden Seiten in einem Parkplatz mündet. Der Krater und die Seen befinden sich ungefähr in der Mitte. Die beiden sind von der anderen Seite aus zu den Seen gewandert und da es auch auf der anderen Seite der Gebirgskette war, war dort anderes Wetter. Na toll, so hat sich herausgestellt, dass wir uns einfach am falschen Tag für den falschen Teil des Weges entschieden hatten. Wir haben überlegt, ob wir ihn nochmal machen sollen (die Bilder sahen wirklich toll aus), haben uns dann aber dagegen entscheiden, weil wir uns gesagt haben, so etwas gehört auch zu einer Reise, dass nicht immer alles klappt wie geplant und so haben wir unsere ganz eigene Geschichte zum Crossing 🙂

Palmerston North

Ihr werdet euch jetzt fragen, sind die beiden ein wenig verwirrt, darüber haben sie doch schon geschrieben??? Tja, wir waren noch einmal in Palmy (wie die Bewohner der Stadt sie liebevoll nennen). Zum Einen weil es einfach auf dem Weg lag und zum Anderen weil es uns da einfach gefallen hat. Warum? Schwer zu sagen. Eigentlich gab es da gar nichts spektakuläres, aber es war günstig und hatte alles was ein Camperherz begehrt: für einen Dollar unlimitiert in der Bibliothek duschen, einen kostenlosen offiziellen Parkplatz mitten in der Stadt und den großen Park mit den zwei überdachten Kochmöglichkeiten und sogar kochendem Wasser. Es hat das Alltagsleben einfach sehr erleichtert und irgendwie mochten wir die Atmosphäre ganz gerne. Wir hatten sogar kurzzeitig überlegt, ob wir dort etwas länger bleiben und nach einem Job suchen. Aber der Drang endlich die Südinsel zu sehen war größer, sodass wir nach einer Woche weiter gefahren sind. Ach aber zuvor noch eine nennenswerte Sache, die wir erlebt haben. Wir haben meist die Abende im Campervan in der Innenstadt verbracht. Aus zwei Gründen: Freies Internet und eine 24 Stunden Toilette. Was braucht man mehr? So haben wir dort Filme geschaut oder mit Familie und Freunden telefoniert. So auch an einem Samstag Abend. Um das nochmal zu betonen, es ist Winter und das war es auch zu der Zeit schon, das heißt wir hatten höchstens 5 Grad in der Nacht. So saßen wir dann da in unserem Auto, eingepackt in keine Ahnung wie vielen Schichten Kleidung und unseren dicken Schuhen und mit Tee und hatten einen direkten Blick auf den Park und seine nächtlichen Besucher: das halbnackte Partyvolk 😀 Es war besser als Fernsehen. Die Mädels hatten so gut wie nichts an und waren von beschwipst bis völlig drüber. Die Jungs auch. Naja, wir haben jetzt nicht mitgezählt, aber durch Highheels und überschwängliches Rennen ist alle paar Minuten wieder eine/r dem Rasen näher gekommen als wahrscheinlich geplant war und hat die Ameisen gezählt. Es war völlig faszinierend zuzusehen, als wäre es so eine Art Choreografie für uns 😀 Wir haben uns köstlich amüsiert und schon Wetten abgeschlossen, wer sich als nächstes hinlegt.

Levin

In Levin haben wir nach Palmy ein paar Tage verbracht und auch nichts spektakuläres erlebt, sodass wir es einfach nur zum Nachvollziehen unserer Route erwähnen 🙂 Allerdings gab es dort auch ähnlich wie in Palmerston North einen wahnsinnigen Spielplatz für Kinder, in dem sogar im Sommer kostenlos eine kleine Eisenbahn fährt. Dort haben wir auch das erste mal in unserem Leben eine Schaukel für Rollstuhlfahrer gesehen. Absolut toll! Dazu gab es saubere Toiletten und einen Aufenthaltsraum, der ziemlich groß war und mit großer Theke, Kioskfenster, Tischen und Stühlen, Steckdosen, Mikrowelle, Spüle und kochendem Wasser ausgestattet war. Generell war der Park unglaublich gut ausgestattet. Und das alles for free! Kein Wunder, das er ausgezeichnet war als tollster Spielplatz Neuseelands.

Auf Wunsch werde ich noch ein bisschen was allgemeineres über das Leben in Neuseeland einfügen. Zuerst mal zu den Preisen. Neuseeland ist an Lebensmitteln deutlich teurer als in Deutschland. Aber dazu muss man auch sagen, dass Lebensmittel in Deutschland generell auch verglichen mit Panama wirklich günstig sind. Der Mindestlohn liegt hier bei umgerechnet ca. 10 Euro, was sich erst mal recht viel anhört, jedoch ist der Lebensstandart auch dementsprechend teurer und es ist wie bei uns auch schwierig damit eine Familie zu unterhalten. Wir finden vor allem das Obst und Gemüse sehr teuer, was jedoch aber auch klar Saisonabhängig ist und noch dazu kommt, dass dieses Jahr eine sehr schlechte Ernte wegen Unwettern war. So zahlt man in der Nebensaison für eine Paprika umgerechnet 3,20 Euro und für EINE Avocado 4 Euro. Die Importierten Produkte sind meist günstiger, was mich am Anfang eher gewundert hat. Aber mein Eindruck ist, dass versucht wird die Wirtschaft in Neuseeland auf einem gewissen Standard zu halten und vor allem die Bauern zu unterstützen, die auch klar flächenmäßig den größten Landteil ausmachen. Das heißt man sieht richtig viele Weiden mit Schafen und Kühen. Dementsprechend kostet natürlich auch das Fleisch, aber ehrlich gesagt, ist das absolut gerechtfertigt. Mehr Bio geht gar nicht und das schmeckt man dem Fleisch auch absolut an. Ich finde die Häuser erinnern mich mit ihrem einstöckigen und eher grundständigen Baustil eher an Häuser aus den Staaten. Das ist sicher das was sich optisch unterscheidet. Ansonsten ist das Leben an sich sehr ähnlich und verglichen mit Zentralamerika kommt es dem Leben und dem Lebensstandart von dem was wir gewohnt sind absolut gleich. Die Kiwis sind doch aber deutlich schmerzfreier was Kälte betrifft. Auch im Winter noch barfuß und mit kurzen Hosen und die Häuser sind nicht wirklich isoliert. Für eine gute Wärmeinstallation wird jedoch aber auch kein Geld ausgegeben, sodass davor eher noch ein Pullover mehr im Haus getragen wird. Wo das Leben besser oder schöner ist, ist schwer zu sagen. Ich kann sehr gut verstehen, warum es so viele Menschen hier her zieht und warum auch viele dauerhaft bleiben wollen. Ich habe definitiv auch ein Teil meines Herzens an dieses Land verloren. Die Menschen hier haben wir immer als sehr freundlich erlebt und die Landschaft und ihre vielen unterschiedlichen wunderschönen Gesichter sind einfach immer wieder atemberaubend und ich kann das manchmal immer noch nicht fassen, dass wir einfach Zeit haben das alles zu erkunden. Auch die Tatsache, dass man innerhalb von max. 3-4 Stunden Autofahrt von jedem Punkt auf den zwei Inseln das Meer erreicht werden kann, ist auch einfach was besonderes. Mein Eindruck ist, dass die Kiwis noch verbundener mit der Natur sind, da sie auch wenn sie in den Städten wohnen, relativ schnell die Möglichkeit haben in einen Nationalpark oder in ein Gebiet zu kommen, wo sie wandern, schwimmen, angeln, Goldschürfen oder was auch immer tun können. Das heißt viele Hobbies im Freien ausüben. Deutschland ist einfach viel dichter besiedelt und im Süden braucht man schon einige Stunden bis zum Meer, wie ihr ja alle wisst. Und ein weiterer Unterschied sind die Erdbeben. Ich habe mir davor kaum Gedanken darüber gemacht. Hier ist das an der Tagesordnung Erbeben zu haben, die meisten sind nur glücklicherweise so schwach, dass man es nicht spürt. Trotzdem ist das ein wichtiges Thema, da es hier jederzeit eintreten kann.

Was wir zusätzlich noch erfahren haben, ist, dass bei einem Unfall der ACC, ein Regierungstopf, einen Teil der Arztkosten übernimmt. Auch eine Form der Arbeitslosenunterstützung gibt es, wie diese gestaltet ist, wissen wir allerdings nicht genau. Außerdem gibt es eine Regelung für Paare: wenn diese 3 Jahre zusammen sind, dann fällt das Vermögen zu 50 % dem Partner zu, zumindest das was innerhalb der Beziehung dazugekommen ist. Zum Beispiel wenn ein Partner ein Haus gekauft hat während der Beziehung, gehört dem anderen Partner nach 3 Jahren die Hälfte. Das soll vor allem die Frauen, die sich zuhause um die Kinder kümmern finanziell absichern. Auch die Homosexuelle Ehe ist hier bereits seit 4 Jahren möglich (ja, auch wir haben das mitbekommen, dass das nun auch in Deutschland möglich ist, es kam sogar in den Neuseeländischen Nachrichten). Und was wir besonders witzig finden: Im Radio werden Songs mit „Fuck“ zensiert, das heißt das Wort wird einfach raus retuschiert, was sich bei manchen Songs, wo das halt nun mal bei jedem zweiten Wort vorkommt (bspw. Pink – Fucking Perfekt), super komisch anhört. Wir müssen jedes Mal lachen.

Ich hoffe, dass konnte etwas mehr Einblick geben, es ist aber sicherlich auch meine persönliche Sicht, also andere Neuseelandreisende sehen das vielleicht etwas anders oder finden andere Dinge nennenswert.

Waitomo Kiwi Cave Blackwaterrafting

Huhu,

ja wo soll ich anfangen. Ich war suuuuuuper mega aufgeregt, vor allem nachdem ich den Flyer gesehen hatte und war mir auch nicht mehr ganz so sicher ob das so ne gute Idee war mit der Buchung. Aber wie Michi ja auch schon gesagt hatte, es gab kein zurück und ich wollte mir diese Blöße vor mir selbst auch nicht geben, bereits aufzugeben bevor ich es überhaupt probiert habe. Also hieß es Arschbacken zusammenkneifen und los. Wir sind dann dort am „Büro“ angekommen, diese Tour wird von einer Familie betrieben in einem privaten Abschnitt der Waitomo Caves, die insgesamt etliche Kilometer lang sind. Auf jeden Fall hat sich diese Familie auf diese Touristische Tour spezialisiert und bietet noch ein Hostel direkt neben dem Büro an (es war beides mitten in der Pampa). Wir haben uns dann angemeldet (Name, Größe, Gewicht) und mussten eine Erklärung unterschreiben, dass wir das alles auf eigene Gefahr machen und uns bewusst ist, dass ein Sturz zum Tode führen kann… Das hat jetzt meiner Aufregung nicht gerade gut getan, wie ihr euch vorstellen könnt. Unser Guide, der Papa der Familie, dessen Name mir nicht mehr einfallen will (blöde Aufregung hat mich nur noch auf die wesentliche Dinge konzentrieren lassen, da sind Namen echt nicht mehr drin gewesen)[Michi: Er heißt Nigel], hat uns dann auch direkt nach unseren Berufen gefragt. Ich fand das irgendwie komisch, wie sich im Laufe der Tour herausstellte, fragte er das alle Teilnehmer und knüpfte immer wieder daran an, um mit uns in Kontakt zu bleiben und die Atmosphäre angenehm zu gestalten (mit Späßchen und so). Wir erzählten ihm, Michi Verkäufer, ich Sozialarbeiterin. Dann hatten wir noch etwas Zeit bis zur Abfahrt, ein Gruppenmitglied fehlte auch noch. So unterhielten wir uns ein klein wenig mit dem anderen zwei deutschen Jungs, die in unserer Gruppe dabei waren. Beide süße 18 und 19 Jahre alt. Endlich trudelte dann auch unser letztes Mitglied, ein Taiwaner, ein. So waren wir zu fünft plus Guide. Wir sollten uns in seinen Sprinter setzten und er jagte mit uns über die kurvige Landstraße zur „Base“ (wie es genannt wurde), wo wir unsere Ausrüstung bekamen. Das heißt, wir hatten einen Neoprenanzug an ohne Arm, also fast wie ein Blaumann, Gummistiefel, einen Helm mit einer kleinen Lampe befestigt und den „sexy pants“ (das waren quietschbunte Stoffhosen, die wir über den Neoprenanzug zeihen sollten, wahrscheinlich, damit wir auseinander gehalten werden können). Es sah schon wirklich zum schießen aus. Naja und schließlich das wichtigste: die Bergsteigerausrüstung, keine Ahnung wie sich das nennt, das was an den Beinen anliegt und vorne eine Halterung für Karabinerhaken hat. Uns wurde kurz gezeigt, wie wir das anziehen und schon mal locker festmachen sollten. Dann ging es wieder ins Auto und wir fuhren ein paar Minuten über Schotter-Holperstraße (auch da düste er ziemlich drüber) bis zu einem kleinen Wendeplatz. Dann hieß es aussteigen. Mein Herz klopfte wie die gesamte Blueman-Group. Wir liefen einen kleinen Weg an einer Weide entlang runter und er erklärte, dass wir jetzt erst mal eine kleine Übung zum Abseilen machen. Es waren ein paar Seile vorbereitet, die an einem Pfosten des Weidezauns festgemacht waren. Daran zeigte er uns, wie wir uns richtig einfädeln und festzurren, damit wir uns selbst an dem Seil nachher abseilen können. Das Ganze ging fünf Minuten, wir machten das alle parallel und dann hieß es, jetzt geht’s los. Michi war völlig perplex und rief dem schon weglaufenden Guide hinterher, ob wir das nicht noch etwas mehr üben könnten, aber er meinte nur, „ihr habt´s!“ und ist weiter gelaufen. Also wir hinterher. Nochmal ein kleines Stück den Hügel runter und dann ne Treppe und dann mussten wir uns auch schon seitlich mit unsern Karabinerhaken an ein Sicherheitsseil befestigen, es war da nämlich ziemlich glitschig. So tippelten wir dann im Gänsemarsch bis au einen Steg der in den Abgrund führte. Leute meine Beine sind echt weich geworden, als ich das gesehen hab. Es war einfach ein Steg und vor uns riesige Felswand und es sah einfach aus, als wäre ein Loch in dem Berg und da müssen wir uns rein abseilen. Der Guide fragte schon auf der Weide ob jemand Höhenangst hätte. Ich hatte ihn schon verstanden, hab mich aber dazu nicht geoutet, weil ich dachte, dass das jetzt wahrscheinlich auch nicht besser wird, wenn man das zerredet. Als wir auf dem Steg standen fragte er nochmals ob jemand Höhenangst habe. Da platze es dann aus mit heraus: YES! Der Guide war sichtlich amüsiert darüber und begann sich einen Spaß daraus zu machen. Er meinte, ich hätte doch sicher Psychologie in meinem Studium gehabt und gerade ich wüsste doch mit meinem Hintergrundwissen, was es mit Ängsten so auf sich hat und dass sie so unnötig sind und keine Ahnung was noch. Ich hab ihm erklärt, dass ich meine Höhenangst besiegen will und das deshalb auch mache. Die Antwort schien ihn erst mal zufrieden zu stellen, er beließ es zumindest erst mal dabei und half dem ersten sich beim Abseilen fest zu machen. Erst kamen die zwei deutschen Jungs, dann ich, dann Michi und dann der Taiwaner. Wie gesagt Leute, ich hatte es nicht mehr mit Namen, alles war in meinem Kopf reduziert… Die zwei Jungs waren super fix, sodass ich schneller als mir lieb war an der Reihe war. Ich tippelte ans Ende des Stegs und hielt mit genügend Abstand an. Er zurrte erstmal meine Gurte fest und meinte ich solle doch ruhig etwas näher kommen, so bewegten sich meine Füße genau einen Zentimeter weiter nach vorne. Er wartete kurz und als dann nichts mehr kam, meinte er, dass ich noch weiter nach vorne kommen muss, da er mich sonst nicht fest machen könne. Oh man! Ich wollte wieder einen Zentimeter, er hat dann aber an meiner Bergsteigerhalterung noch etwas mitgezogen, sodass ich DIREKT an der Kante stand und natürlich schön runter schauen konnte. Da war der Moment, wo ich am liebsten die Augen zu gemacht hätte, wie ein Kind, was ich nicht sehe ist auch nicht da, aber ich hab mich dann doch dazu entschieden, nach vorne zu schauen und mein Gleichgewicht zu kontrollieren und mich darauf zu konzentrieren. Ich war dann auch ganz schnell fest gemacht und er sagte mir nochmal, wo ich die Arme halten muss zum abseilen und dann sollte ich mich einfach „NUR“ in das Seil setzten. Haha, das hört sich so einfach an, aber ich setzt mich über einen ABGRUND. Da hat mein Kopf gesagt: WAAAAAAAAS, bist du eigentlich noch ganz dicht?“ Also hat mein Körper in dem Moment einfach gar nix gemacht. Er wiederholte und ich meinte, dass das aber nicht so einfach ist. Er meinte, doch, doch, einfach in die Knie gehen und … dann wurde ich ein bisschen geschubst und er hat wie ein Löwe gebrüllt, um mich auch richtig schön zu erschrecken. Und ich baumelte über dem Abgrund. Laut Michi habe ich in dem Moment ein Gesicht gemacht, dass er hätte schwören können, dass das der Moment war, wo ich abbreche. Ich hatte in dem Moment gar nicht wirklich die Möglichkeit mir zu überlegen, wie ich das genau finde. Ich habe einfach nur noch in so eine Art Überlebensmodus geschalten und versucht mich darauf zu konzentrieren, was ich genau machen muss, damit ich wieder Boden unter die Füße bekomme. Bevor ich anfangen konnte mich abzuseilen, hat der Guide noch ein Foto geschossen (das hat er von allen gemacht, man durfte selbst keine Kamera mitnehmen und es war im Anschluss als zusätzliche Einnahmequelle für die Familie möglich diese zu kaufen) und dann ging es los… im Schneckentempo. Der Guide rief mir dann zu, dass ich auch schön, die tolle Aussicht genießen solle und mir die Flora und Fauna am Felsen genau ansehen solle, und ja er machte sich weiter darüber lustig. Ehrlich gesagt, war mir das aber auch nicht unangenehm oder so. Ich war eh so konzentriert, dass er meinetwegen alles hätte sagen können… Nach den längsten Minuten meines Lebens bin ich dann endlich unten angekommen und hab es nicht geschafft mich los zu machen. Tolle Suppe. Dann hing ich da am Seil und gab mir fast die Finger abgebrochen, bis ich einen der deutschen Jungs hergerufen hab, damit er mir hilft. Das hat dann nach etwas hin und her endlich hin gehauen und Michi konnte sein Abseilen starten. Ich watete derweil durch den Fluss zu unserem Sammelpunkt, von wo aus man die abseilende Person sehen konnte. Michi sah auch schon mal entspannter aus, aber er meisterte das souverän und auch in nem Bruchteil der Zeit den ich gebraucht hab. Er hat mir dann im Nachhinein erzählt, dass er dem Guide oben während ich mich abgeseilt erzählt hab, gesagt habe, dass ich wirklich krasse Höhenangst hätte, schon wenn ich auf nem Stuhl oder ner kleinen Leiter stehe. Er machte einen etwas betroffenen Eindruck und änderte von da an auch seine Strategie mir gegenüber. Aber dazu später mehr. Wir haben dann unsere Bergsteigerausrüstung abgelegt, brauchten wir ja erst mal nicht mehr, und alle einen großen Gummireifen in die Hand gedrückt bekommen. Dann noch alle Lichter an den Helmen an und los ging es nach links in die Höhle. Wir marschierten und wateten so ein bisschen durch den Fluss, der übrigens arschkalt war und wer jetzt denkt, dass wir ja trockene Füße wegen den Gummistiefeln hatten, der irrt: die hatten alle schon Löcher, sodass die Zehen immer gut umspült wurden. Da mein Adrenalinspiegel jedoch die komplette Zeit jenseits von gut und böse lag, hab ich die Kälte nicht so sehr gemerkt, oder besser gesagt erst relativ kurz vor Schluss. Er erzählte uns ein wenig über die Höhle und die Stalagmiten und Stalaktiten, über die Spinnen (armer Michi) und führte uns in die Kathedrale, eine Art Raum, der eine sehr hohe Decke hatte und wir sollten uns auf einen kleinen Sandvorsprung setzten und die Lampen ausmachen. Das war ein wirklich wunderschöner Moment, da an der Decke über und über die kleinen Leuchtepunkte der Glühwürmchen waren. Naja ich glaube wir haben es schon mal geschrieben, eigentlich sind es keine Glühwürmchen wie wir sie kennen, sondern [„Dabei handelt es sich um durchsichtige wurmförmige Pilzmückenlarven, die an den Decken hängen. Diese lassen lange klebrige Fäden herunterhängen. Durch das bläuliche Licht werden Insekten angelockt, die sich in den Fäden verfangen. Die Larve holt den Faden mit der Beute anschließend ein. Das bläuliche Licht wird aus Luziferin mit Hilfe des Enzym Luziferase erzeugt.“ – Wikipedia] Naja aber Glühwürmchen verkauft sich halt besser an die Touristen. 😀

Beim Rückweg hielten wir an einem Punkt an, wo das Wasser nicht so stark floss und uns ungefähr bis zu den Knien ging. Der Guide hat dann immer wieder die Wasseroberfläche aufgeschlagen und uns erklärt, dass gleich etwas kommt. Erst wollte es nicht so recht funktionieren und nichts geschah, aber dann tauchte ein Aal auf. Kleiner als den den wir im Nativ Bird House gesehen hatten aber trotzdem noch ein stattliches Tier ein paar Zentimeter vor meinen Beinen. Der Guide erklärte uns, dass sei „Steve“. Ich war ganz verwundert: „Wie der Aal hat nen Namen?“ Er erklärte uns, dass das ihr „Hausaal“ sei, sie würden ihn schon immer kennen und er sei mittlerweile einundzwanzig Jahre alt und er bekommt normalerweise bei jeder Tour eine Kleinigkeit zu essen, daher sei er sehr zutraulich und auch ein richtiges Kuschelmonster. Das war er tatsächlich: mit dem einen deutschen Jungen, hat er sich immer wieder streicheln lassen und ist durch seine Finger durchgeschwommen und es schien als würde er das richtig genießen. Das war echt beeindruckend. Ein paar Meter weiter, kurz bevor wir wieder zu dem Ausgangspunkt der Höhle kamen, an dem wir uns abgeseilt haben, sollten wir uns mit den Reifen in einer Reihe aufstellen und das Rafting begann. Dazu gab es eigentlich zwei Teile. In dem ersten Teil, war es noch etwas gemütlicher und wir sollten die Lampen auslassen, damit wir die Glühwürmchen an der Decke genießen konnten. Bevor es jedoch los ging kam der Guide auf mich zu und sagte, dass er mich ab jetzt ein wenig ans Händchen nehmen wird, damit ich in der Höhle nicht ausflippe. Er kam darauf, weil er mich fragte warum ich so einen angespannten Gesichtsausdruck hätte und ich sagte ihm, dass ich nervös sei (das war ich aber wirklich die komplette Zeit über). So entschied er sich wohl, dass es besser sei, nah bei mir zu sein, damit er schnell reagieren kann oder so. In dem Moment fand ich das etwas übertrieben, denn das was mir Angst macht ist nicht das Wasser und die Dunkelheit, aber ich ließ es einfach zu. Wozu sollte ich diskutieren und die fürsorgliche Rolle stand ihm ganz gut, sodass ich tatsächlich auch etwas mehr entspannen konnte. Ich war also direkt hinter ihm, als wir und mit unseren Reifen auf den Fluss plumpsen ließen und jetzt hieß es Hintern immer schön oben halten, da waren nämlich Abschnitte dabei, die nicht ganz so tief waren und viiiiiiiieeeeeeele Felsen hatten. Das machte man jedoch nach dem ersten Felskontakt ganz automatisch, tat nämlich gut weh. Es war ne gemütliche Fahrt, der Guide hielt mich am Schuh fest und sagte ich solle mich einfach zurücklehnen und die Glühwürmchen betrachten. Das hab ich auch getan. War großartig. Wir hatten dann diesen Abschnitt passiert und kamen in einen etwas ruhigeren Teil, da rief der Guide: „Boys stand up!“ (Jungs, steht auf) Michi und der Taiwajaner hatten ihn gar nicht verstanden, da es in der Höhle sehr gehallt hat und er auch ein extrem krasses Kiwi-English sprach, sodass wir alle ihn kaum verstanden. Aber die zwei deutschen Jungs zu Befehl aus ihrem Reifen raus und rums waren sie weg, für eine Sekunde.Als sie wieder auftauchten schrien sie, weil das Wasser so kalt war. Das war ein weiterer böser Scherz von unserem Guide, den wir anderen natürlich mit schallendem Gelächter kommentierten. Ich glaube die zwei fanden das nicht so witzig und haben richtig gequält gelächelt. Dann kam ein Abschnitt des Raftings, der etwas schneller und zum Teil auch enger war als der vorige, sodass nun die Lampen an bleiben sollten. Dazwischen mussten mir aber auch etwas mit dem Reifen laufen, da an manchen Abschnitten das Wasser nicht tief genug war. Der zweite Raftingabschnitt war deutlich schneller und hat richtig Spaß gemacht. Immer schön auf den Kopf aufpassen und schauen, was einem da so entgegen kommt. Das war richtig Erlebnis-Rutsche. Danach sind wir im Prinzip die Strecke zurück „gelaufen“, wobei geklettert und gequetscht besser trifft. Das heißt, an starken Strömungen sind wir an der Seite der Steinwand entlang geklettert, auf den klitschigen Steinen mit Gummistiefeln. Der Guide sagte zum ersten, dann „geh da lang“ und man dachte erst, wie soll den das gehen, aber irgendwie ging es. So von allein wäre ich nie auf die Idee gekommen, gewisse Abschnitte entlang zu klettern, weil es echt steil war und wir GUMMISTIEFEL anhatten!!! Aber in der Situation, wie gesagt Adrenalin. Ich hab einfach nur noch seine Anweisungen befolgt, und das hat auch alles hingehauen. Ein weiterer Teil auf dem Rückweg war, durch enge Öffnungen zu kraxeln, wobei der Schwierigkeitsgrad immer weiter zunahm. Das heißt im Klartext, die Öffnungen wurden immer enger, gingen zum Teil so, dass du von oben nach unter rutschen musstest und dich mit deinen Armen auffangen oder wie bei der Bundeswehr auf allen vieren durchkriechen. Am Ende stand dann immer der Guide und hat ein nettes Foto gemacht. An den Bildern werdet ihr sicher erkennen, welches easy going war und bei welchen wir uns durchkämpfen mussten. In einem Loch ist Michi fast stecken geblieben. Es ging auf einmal weder vor noch zurück und Michi hat kurz richtig Panik bekommen. Der Guide hat dann ruhig auf ihn eingeredet und ihm Anweisungen gegeben, wie er sich abstützen muss, damit er wieder Bewegungsmöglichkeiten hat. Das hat dann auch hingehauen. Aber für Michi lief in dem Moment schon der Film ab, wie lange so eine Bergung in einer Höhle wohl dauert und ob sie ihn da mit Eisen und Pickel raushauen müssen… Aber so weit ist es ja glücklicherweise nicht gekommen 🙂

Als wir dann wieder an dem Punkt der Höhle angekommen waren, wo wir uns abgeseilt hatten, hieß es Steilwand hochklettern. Natürlich gesichert, sodass wir wieder die Bergsteigerausrüstung anlegen mussten. Michi und ich waren die letzten und ich war zwar etwas nervös, allerdings ist bei mir hoch immer einfacher als runter, also hatte ich den unangenehmeren Teil ja bereits hinter mir. Es war auch gar nicht so schwer wie ich gedacht hatte, man musste natürlich koordinieren, wo man seine Beine abstellt und wo man greifen kann, um sich hochzuziehen, aber es war machbar. Trotzdem die Steilwand nass war und viel Laub dran hing, ist keiner in die Situation gekommen, das Sicherheitsseil wirklich gebraucht zu haben. Als ich oben ankam und wir noch auf Michi warteten, hatte sich der Guide sehr für mich mitgefreut (ich war so unfassbar happy als ich oben ankam, weil ich das alles gemacht habe), dass er mich fragte, was ich denn jetzt als nächstes Level gegen meine Höhenangst machen würde, Skydiving, Bungyjumping??? 😀 Ehrlich gesagt: Wer weiß? Ich würde mal nichts ausschließen. Ich denke für Menschen ohne Höhenangst, wird das sicher nicht so ein aufregendes Erlebnis wie für mich gewesen sein. Aber Michi und ich fanden es eines unserer absoluten Highlights, uns auch einfach in so einer Ausnahmesituation zu sehen, und es war zum Teil auch für die coolen jungen deutschen Jungs nicht Ohne. Wir waren einfach stolz auf uns, es durchgezogen zu haben und ja, es hat auch geholfen. Seither ist meine Höhenangst zwar nicht weg, aber ich kann über sehr viel mehr Situationen schmunzeln, die mich früher in absoluten Stress versetzt hätten. Eine echt grandiose Erfahrung!!!!

Neuseeland: Northland

Hallo ihr Lieben,

jetzt sind wir: on the road! Zuerst einmal hieß das die ersten Tage im Alltag festzustellen, ob unsere Ausrüstung im Auto fürs kochen usw. praktisch und vollständig ist, oder wir was ändern müssen. Das war ein in meinen Augen ein laaaaaaaaanger Prozess, der beinhaltete viiiiiiiiiiiieeeeeele Stunden in den Kaufhäusern hier zu verbringen. Und wer Michi kennt weiß, dass er sich Stunden damit beschäftigen kann, in den Läden herum zu laufen und Preise zu checken und zu vergleichen und die Produkte anzusehen und durchzulesen. Naja, was für mich irgendwann zur absoluten Geduldsprobe wird, bedeutet am Ende jedoch (fast) immer ein sparsames und gut überlegtes Ergebnis. Michi hat das echt drauf! Naja so haben wir dann die erste Zeit unser Equipment vervollständigt und uns in unser neues fahrbares Zuhause eingewöhnt. Unser erster Plan: hoch an den nördlichsten Punkt nach Cape Reinga zu fahren. Da wir hier ja ein Jahr Zeit haben, sind wir das auch echt entspannt angegangen. So haben wir einige Tage in Whangarei verbracht, wo man kostenlos auf dem Parkplatz der i-site (das sind die Informationsstellen an den verschiedenen Orten) campen und schlafen durfte (naja so halb offiziell zumindest), sowohl beim hoch fahren als auch beim runter fahren. Dort gab es verschiedene Möglichkeiten einzukaufen und auch Wanderungen zu unternehmen, so dass wir beide auf unsere Kosten kamen 🙂 Beispielweise haben wir die Whangarei Falls angeschaut, von Wasserfällen gibt es in Neuseeland wirklich sehr viele. Es war schon ein unglaublich tolles Gefühl mit dem Auto los zu fahren und diese gigantische Natur auf uns wirken zu lassen. Auch die Straßen sind hier anders, klar erst mal Linksverkehr, aber ich mein vor allem die Kurven… Also ich bin ja vom Schwarzwald gut an Kurven gewöhnt und ich liebe das auch sehr, auf einer kurvenreichen Straße zu fahren, aber gegen manche Strecken hier ist das Kindergarten. Die Kurven sind zum Teil super eng, da geht gefühlt nur Schrittgeschwindigkeit, und über Berge und natürlich wieder runter und es geht nur die ganze Zeit rechts, links, rechts, links… Als Beifahrer kann einem da echt schnell schlecht werden 😀 Aber es wird nicht langweilig und bei jedem Berg den wir erklommen hatten, hatten wir oben angekommen und auf dem Weg runter wieder eine neue fantastische Aussicht! Einfach grandios! Ein paar Kilometer vor dem Cape hat uns die Landschaft noch mehr umgehauen. Super viele Palmen und Wald, aber gleichzeitig in der Ferne an der Westseite die Giant Dunes, das sind, wie der Name schon sagt, riesige Sanddünen, die aussehen als kämen sie direkt aus der Sahara. Es sieht im Vergleich zu dem anderen grünen Landschaftsbild drum herum irgendwie untypisch und unwirklich aus, man kann das gar nicht richtig glauben. Aber zu dieser Erfahrung gleich mehr.

Bei einer unserer Shoppingtouren in Whangarei waren wir im Warehouse, das ist ein großes Kaufhaus, was über Kleidung, Elektronik, Outdoor usw. so gut wie alles zu bieten hat. Wir waren grade am Stöbern, als plötzlich der Feueralarm los ging. Wir natürlich hellwach, was passiert jetzt, und haben uns umgeschaut… Keine Reaktion, alle Kunden weiter am stöbern, die Mitarbeiterin in unserer Nähe schaut genauso ratlos umher wie wir und läuft weg. Kurze Zeit später kommt sie zurück und schickt uns alle nach draußen. Alle Kunden strömen am Hauteingang raus und bleiben auch direkt davor stehen. Wir sind zu unserem Auto weiter gelaufen und sahen, dass die ganzen Mitarbeiter auf einem Versammlungspunkt auf dem Pakplatz etwas weiter weg vom Gebäude stehen. Kurze Zeit später hören wir auch schon die Sirene und die Feuerwehr war da, gleich mit zwei Wagen. Sie liefen in voller Montur rein und nach ca. 10 Minuten sind sie dann auch wieder abgedampft und haben das Gebäude wieder frei gegeben. Und was war? NICHTS. Ehrlich gesagt, haben wir keine Ahnung woher das kam, aber wir vermuten, dass das Ganze wohl eher aus versehen passiert ist… Alle Kunden und Mitarbeiter sind dann wieder rein und es ging weiter als wäre nichts passiert… Es war auf jeden Fall sehr beruhigend zu wissen, dass die Feuerwehr so schnell ist! (Einwand von Michi: Vielleicht hat ja jemand von den Mitarbeitern Chicken Nuggets als Mittagessen gebraten und sie anbrennen lassen 😛 Tatsächlich passierte es mir beim Aldi ein Tag vor Silvester. Das ganze Lager war voller Feuerwerk und der Laden voller Kunden. Nun ja, Feueralarm ist zu diesem Zeitpunkt keine gute Idee. Mein Chef war sichtlich wütend. Gottseidank waren wir nicht direkt an die Feuerwache angeschlossen, sondern vorher noch an den Sicherheitsdienst, der das nochmal per Anruf gegencheckt, sodass wir keine Feuerwehr zu sehen bekamen und wir auch nicht evakuieren mussten. Nun ja ich hab dann seit dem auf Chicken Nuggets verzichtet, zumindest als Mittagessen in der Arbeit 🙂 )

Zuerst sind wir zwei Tage auf einem Campingplatz in der „Nähe“ des Capes Reinga geblieben. Am ersten Tag sind wir von dort aus zum Cape gewandert. Das war bei praller Sonne und keine Ahnung 27 Grad oder so gar nicht so ohne, denn es ging über ein paar Berge, hoch und wieder runter und so weiter… Michi hat mich glaube ich an dem Tag mehr als einmal verflucht, weil ich das unbedingt machen wollte. ABER: wir wurden mit immer wieder unfassbar tollen Ausblicken auf dem Weg belohnt und auch einer fast einsamen Bucht, die super schön war. Nach 2 einhalb Stunden sind wir angekommen und haben mit diesem tollen Blick etwas entspannt. Zur Erklärung: Cape Reinga ist der nordwestlichste Punkt von Neuseeland und dort treffen sich das Tasmanische Meer und der Pazifische Ozean und schlagen in großen Wellen aneinander. Das sieht schon sehr spektakulär aus. Dort sind auch überall Besuchertafeln zur Geschichte aufgestellt und auf einer war erklärt, dass die Maori in diesem Treffpunkt der Meere das weibliche und männliche symbolisiert sehen. Ich fand die Vorstellung, dass zwei Meere Sex machen, echt witzig!

Michis neues Hobby

Ach ja etwas wirklich wichtiges hab ich ja ganz vergessen zu erwähnen: Michi hat ein neues Hobby. Angeln. Dies ist hier in Neuseeland im Gegensatz zu Deutschland komplett kostenlos und man braucht auch keine Lizenz für das Fischen im Meer. Er war ja schon in Fidschi ganz angetan davon, aber der Auslöser, warum jetzt auch eine Angel und gaaaaaaaaaanz viel Zubehör in unserem Zuhause mitfährt, war ein Moment auf dem Campingplatz der Puriri-Bay: Es war Abenddämmerung und wir standen direkt auf einem Stellplatz am Strand, ein wirklich super schöner Platz. Auf einmal standen drei Angler (auch von den Campern) am Strand und warfen von dort aus ihre Leinen rein. Wir waren gerade am Abendessen kochen und fanden das eine interessante Unterhaltung. Einer der Angler fing dann auch irgendwann an, sehr zu kämpfen und wir waren natürlich nur noch darauf fixiert und fragten uns, was für ein großer Fisch das denn sein könnte, wenn er sich so abmühen muss ihn rein zu holen. Nach einigen Minuten Kampf zog er einen Stachelrochen aus dem Wasser und wie ihr wahrscheinlich wisst, sind das nicht gerade kleine Fische. Dieses Exemplar war nicht der Größte, wir haben beim Schnorcheln schon größere Rochen gesehen, aber trotzdem groß. Der Angler hat den Rochen wieder befreit (ich glaube das war ihm auch nicht so geheuer) und er kam wieder in die Freiheit. Michi konnte an diesem Abend und auch glaube ich den nächsten Tagen, von fast nichts anderem reden. Er war so begeistert, dass es vom Strand aus möglich ist, so was riesiges an Land zu ziehen und so stand sein Beschluss fest: eine Angel kaufen und frischen (Michi: „frischer geht nicht!“) Fisch zu angeln für uns. Ob wir bisher solch frischen Fisch hatten? Ja, das hatten wir! Jedoch hat ihn nicht Michi gefangen, aber dazu später mehr.

90 Miles Beach

Erst einmal mehr zu den Stopps auf unserem Weg nach oben: an der Westküste gibt es einen 90 Miles Beach, der als offizielle Straße befahrbar ist, allerdings nur für Vierradantrieb empfohlen wird. Wir wollten da definitiv nicht mit unserem Familienvan durch den Sand versuchen zu kurven, aber wir wollten uns das Ganze dann doch einfach mal ansehen. Also sind wir zum Eingang und haben ein bisschen Strandspaziergang gemacht. Es sind einige Jeeps vorbeigekommen und ein Quad, aber eben auch ein junger Kerl mit einem kleinen frontangetriebenen Sportwägelchen. Als wir das sahen, waren wir natürlich gespannt wie ein Flitzebogen, wie weit er das schafft. Auch die Flut kam allmählich wieder… Was soll ich sagen, er kam nicht weit. Er wollte versuchen umzudrehen und dann stand auf einmal das Auto, nix ging mehr. Wir sahen das von weiter entfernt. Irgendwann stieg er dann aus und versuchte sich frei zu graben, stapfte dann aber erfolglos am Strand zurück zu der Einfahrt. Da war uns schon klar: er steckt fest und holt sich Hilfe. Wir sind natürlich hin gelaufen und wollten uns das Dilemma anschauen. Die Vorderräder waren fast komplett eingegraben in den Sand. Etwas später kam er dann in einem Jeep sitzend mit dem einem Mann zurück und sie versuchten das Auto heraus zu ziehen. Der Sand spritze nur so und es dauerte etwas bis die beiden erfolgreich waren. Als wir später zurück zum Parkplatz kamen, sahen wir, dass er ihm Geld gab. Da wir gehört hatten, dass das gerade hier von den Anwohnern sehr ausgenutzt wird und diese sehr viel Geld für das rausholen verlangen, waren wir sehr neugierig was er wohl bezahlt hat. Als er seine Fußmatten vom Sand befreit hat, sind wir einfach hin und haben ihn gefragt, was es ihn gekostet hat. Überraschenderweise hat der Einheimische nur 15 Dollar (ca. 10 Euro) verlangt!!! Wir haben gehört, das sie manchmal das zehnfache verlangen! Naja, seine Augen haben geleuchtet und wir haben da auch gesehen, dass er höchstens 20 Jahre alt war und an dem Tag richtig Spaß hatte und nun hat er definitiv eine tolle Geschichte zu erzählen 😀 Auf dem Weg zurück haben wir ein paar Meter weiter auch gesehen, dass der Einheimische, der ihm geholfen hatte, in der Straße wohnt. Das ist sicher ein ganz netter Nebenverdienst für die Anwohner dort…

Giant Dunes

Zurück zu den Sanddünen. Auf dem Weg wieder südlicher vom Cape haben wir auch einen Stopp bei den Sanddünen gemacht und haben uns ein Sandboard ausgeliehen. Darauf sind wir dann abwechselnd die Dünen runtergebrettert und es war ein Heidenspaß, auf dem Bauch auf dem Brett liegend. Manche haben auch versucht richtig darauf zu surfen, was allerdings nie wirklich lange gut ging und sie sich im Sand gewälzt haben. Außerdem sind auch ein paar zu zweit auf einem Board nach unten gerauscht und es sah nach viel Spaß aus. Also haben wir beschlossen, die vorletzte Düne auf dem Rückweg (warum runter laufen, wenn man ein Board hat????) auch zusammen runter zu fahren. Da wir das natürlich alles festhalten wollten, hatten wir die Action Kamera dabei. Gesagt getan, Michi schnallt sich die Kamera auf den Kopf, legt sich mit dem Bauch auf das Brett, ich oben drauf, los kann das Sandwich gehen. Oha, ich kann euch sagen, es war steil und es waren durch die ganzen Besucher Kuhlen in den Sand gelaufen und wir hatten echt gut Geschwindigkeit drauf und hatten keine Chance gegen die Physik. So sind wir unfreiwillig und ohne Flügel geflogen und natürlich durch den Sand gerollt. Ergebnis? Komplett paniert (noch Tage später konnten wir Sand in unseren Ohren entdecken), die Halterung der Action Kamera zerstört und ich hab mich an der Hand und Michi an der Rippe etwas geprellt. Ob es das wert war? Hahahaaaa, auf jeden Fall!!!!! Es war so arg witzig und wir haben uns gar nicht mehr einbekommen vor lachen. Zwei Jungs kamen direkt danach die Düne herauf und einer sagte zu uns : „Nice stunt!“ Michi und Julia die Stuntstars der Düne… 😀 Ich hätte es so gerne von außen gesehen. Naja am Auto angekommen, konnten wir uns ja so wie wir waren nicht rein setzten, also haben wir uns mit einem Handfeger abgefegt, um zumindest das Gröbste abzubekommen. Hat auch echt gut funktioniert. Aber merke: Sonnencreme + im Sandsuhlen = PANIERT! Also nicht sehr angenehm auf der Haut. Bis zur nächsten Dusche sind wir dann mit Plastikplane auf den Sitzen gefahren. Falls ihr das Video sehen wollt, schaut auf unseren YouTube Kanal 🙂

Kiwi

Ein Stopp auf dem Rückweg vom Cape war auch Aroha Island, das ist eine kleine „Insel“, die jedoch durch eine Straße mit dem Festland verbunden ist. Dort ist ein Eco Camp und viel Wald. Wir hatten davor gelesen, dass es dort Kiwi´s (die Vögel, nicht die Frucht) in freier Wildbahn zu sehen gibt. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Die Kiwis kommen erst in der Nacht zur Futtersuche raus, sodass wir beschlossen, dort auch zu übernachten. Bei der Anmeldung haben wir eine rote Folie, welche wir vor die Taschenlampen machen sollten, bekommen. Kiwis sind sehr scheue Tiere und das erschreckt sie nicht so sehr wie eine normale Taschenlampe. Die Besitzer erklärten uns noch den Weg, den wir nehmen können (im Prinzip einmal um die Insel, was auch nicht so lang ist). Zuerst haben wir uns Abendessen gemacht, da war es schon super windig, und haben noch ein Paar kennen gelernt, das auf der Südinsel wohnt und gerade auf Urlaub war. Auch sie wollten Kiwis gucken gehen nach Einbruch der Dunkelheit. Das Wetter wurde immer windiger und schlechter, es fing auch noch an zu regnen. Also: Regenjacken an, Rotfilter auf die Taschenlampen und los gings. Das Paar war schon vor uns los, und auch eine Familie, die auf dem Platz stand, naja es wollten viele Leute die Kiwis sehen. Wir sind, im Nachhinein muss ich sehr schmunzeln, fast auf Zehenspitzen, die Ohren gespitzt durch den Wald geschlichen, um ja keinen Laut zu verpassen oder die Kiwis zu verschrecken. Durch den starken Wind war es sehr schwierig etwas zu hören. Wir waren in höchster Konzentration und ich hatte bei jedem Baumstumpf und Stein Fatamorganas von Kiwis. Naja um es kurz zu machen: wir haben keinen Kiwi gesehen, dafür aber gehört (ich empfehle euch den Laut mal zu googlen, das ist unvergleichbar mit dem was ich kenne…). Irgendwie ist das aber auch nicht so verwunderlich, es sind so viele Menschen an dem Tag durch den Wald gestapft, (ein Paar kam uns ohne Magentafilter entgegen, da war klar, erfolgreich verscheucht und keine Chance mehr für uns), dass die Chancen insgesamt seeeeehr gering waren. Wir haben dann auch im Laufe des Abends und des nächsten Tages die anderen gefragt, ob sie etwas entdeckt haben und kein Kiwi wurde an diesem Abend gesehen. Trotzdem es etwas gruselig in der Nacht und bei dem Wetter war, wir pitschnass waren und keinen Kiwi gesehen haben, war es ein außergewöhnliches Erlebnis für uns.

Fishing

Auf dem Weg wieder nach unten Richtung Auckland, haben wir auch wieder ein paar Tage Halt in Whangarei gemacht. Dort haben wir unsere IRD Number (die Steuernummer) fürs arbeiten beantragt und ein wenig Regen überbrückt (der ist nämlich im Campervan echt richtig doof, weil nicht kochen, nicht raus, nix trocknet…). Aber an einem der Tage war es am Nachmittag etwas besseres Wetter und Michi hatte sich schon mit mir zum joggen gequält, deshalb haben wir nach dem duschen beschlossen, dass das Wetter gut fürs Fischen ist. Michi hatte seit er die Angel zu diesem Zeitpunkt hatte, zweimal probiert zu Angeln, was beides Mal damit endete, dass sich der Angelhaken auf felsigem Untergrund festgehakt hatte… So war er natürlich dementsprechend frustriert und fragte sich, was er falsch machen würde. Wir sind dann an die Onerahi-Wharf in der Nähe von Whangarei gefahren, im Prinzip eine Brücke zu einer Plattform auf dem Wasser, und haben dort den ersten Angler auf der Brücke angesprochen und erklärt, dass wir keine Ahnung haben weil wir Anfänger sind und ob er es uns zeigen kann. Er war nicht der Gesprächigste, aber zeigte uns ein paar Dinge und Michi war erst mal beschäftigt mit der Angel in der Hand. Tatsächlich fing er auch ein paar Minuten später seinen ersten Neuseeländischen Snapper. Dieser war allerdings viel zu klein, sodass er wieder ins Meer zurückgeworfen werden musste. Auf der Plattform waren noch weitere Angler, unter anderem zwei Inder, mit denen wir auch sofort ins Gespräch kamen. Sie gaben Michi auch Tipps und ich unterhielt mich nebenher mit Ihnen. Einer der beiden, ich nenne ihn einfach indischer Koch, ist Souschef in einem großen und feinen Hotelrestaurant, hatte sich vor kurzem ein Häuschen in der Gegend gekauft und lebt seit ein paar Jahren in Neuseeland. Kurzer Einschub: wir haben hier im Blog generell keine Namen von unseren Reisebekanntschaften genannt, so auch in diesem Fall nicht, deshalb heißt er hier nur „indischer Koch“. Er war sehr interessiert und offen und machte Scherze und fragte mich irgendwann ob ich auch einen Führerschein habe. Als ich bejahte schnappte er sich Michi und sie gingen zu seinem Auto um Vodka zu trinken. Und was passierte mit der Angel? Richtig, die wurde mir in die Hand gedrückt. Da stand ich jetzt und dachte mir, dass das so aber nicht geplant war. Der andere Inder hat mir super lieb und verständlich erklärt, was ich machen muss, wie ich die Angel halten muss und so weiter. Ich spürte, dass die Fische am Köder knabberten, aber mehr passierte nicht. Als Michi zurückkam war ich die Angel wieder los und er hatte innerhalb einer relativ kurzen Zeit mehrere Fische am Haken, die alle jedoch zu klein waren, sodass sie wieder in die Freiheit entlassen wurden. Die Jungs erklärten uns, die verschiedenen Fischtypen müssen jeweils eine bestimmte Mindestlänge haben, beispielsweise Snapper mindestens 30 cm in dieser Region, sonst müssen sie zurück ins Meer. Falls das nicht passiert, sind da sehr empfindliche Strafen angesetzt, pro fehlendem Zentimeter 250 Dollar. Und ja, es wurde kontrolliert, zwei Beamte von der Behörde sind zweimal an die Wharf gekommen und haben die gefangenen Fische mit nem Metermaß nachgemessen… Naja, Michi hat die zu kleinen Fische dann wieder zurück ins Meer getan und weiter sein Glück versucht. Der indische Koch bot uns auch an, den Fisch den wir fangen würden, für uns zuzubereiten und uns zu zeigen, wie man ihn säubert und so weiter. Das hat natürlich Michi noch mehr angeheizt, einen zu fangen. Irgendwann sind die beiden wieder einen Trinken gegangen und ich hab mich wieder mit der Angel in der Hand wiedergefunden. Ich spürte dann auch, dass auf einmal ein stärkerer Zug auf der Angel ist, als nur das beißen und der andere Inder sagte mir auch gleich, ich hätte was an der Angel und solle einholen. Also, ich gekurbelt und er meinte erst, ach es ist ein kleiner, aber ich musste dann immer mehr kämpfen und er revidierte: oh nein, das ist doch ein großer. Ich habe den ersten Fisch in meinem Leben gefangen und es war ein 33 cm langer Snapper! Ich war völlig baff und sagte nur zu den anderen, was für eine Ironie das sei, Michi sucht sich Angeln als neues Hobby und ich fang den ersten Fisch, den wir auch essen können 😀 Als Michi zurück kam und hörte was in seiner Abwesenheit passiert war, hat er erst mal gar nicht mehr den Mund zu bekommen. Ich glaube er dachte wir wollen ihn veräppeln. Das konnte er dann ja so nicht auf sich sitzen lassen und hat versucht und gehofft und ist dann auch nicht mehr zum trinken weg 😀 Aber: es hat nichts mehr angebissen. Der indische Koch lud uns ein auf seinem Grundstück zu schlafen und für uns zu kochen, was wir natürlich mit großer Freude angenommen haben. Auf dem Weg zu ihm haben wir dann noch bei seiner Arbeit Halt gemacht, wo er Fische, die er gefangen hat, an seinen Chef verschenkt hatte und noch eine Vodkaflasche (Alkohol an sich ist hier schon teuer, aber der harte Alkohol nooooooooch viel mehr) gekauft. Bei ihm angekommen hat er uns sein Haus und sein Garten gezeigt und uns angeboten Wäsche zu waschen oder zu duschen und war auch generell so super offen und lieb. Bei den Gesprächen (wir quatschten erst mal sehr viel vor dem kochen) kam raus, dass er immer mal wieder Gäste bei sich aufnimmt und zwar nicht durch Internetplattformen wie Airbnb oder Couchsurfing, nein er sammelt sie einfach auf der Straße ein. Er erzählte uns auch, dass er ein paar Wochen zuvor ein polnisches Backpackerpärchen im strömenden Regen von der Straße aufgelesen hatte und sie zwei Tage bei sich hat wohnen lassen. Als er am zweiten Tag von der Arbeit nach Hause kam, Achtung Klischee, waren sein Fernseher und Receiver weg… Uns interessierte natürlich brennend, ob er seither da nicht irgendwie vorsichtiger ist oder warum er auch einfach uns mitgenommen hat, wo er uns doch gar nicht kennt und schon so eine schlechte Erfahrung gemacht hat. Er meinte, dass die zwei Polen jetzt das schlechte Karma hätten, nicht er und wenn man schon so weit sei etwas zu klauen, scheint es einem nicht gut zu gehen. Er fand es nur traurig, dass sie ihn nicht gefragt haben, ob er ihnen Geld leiht, auch das hätte er getan. Manch einer mag jetzt vielleicht denken, dass er möglicherweise etwas naiv ist. Den Eindruck hatten wir ganz und gar nicht. Er hatte eine tolle Einstellung zu Gegenständen und Geld und dem Leben und worauf es so ankommt. Es hat großen Spaß gemacht sich mit ihm zu unterhalten.

Den Fisch haben wir dann auch irgendwann gekocht. Er hatte den Fisch von mir und einen den er gefangen hatte, entschuppt, den einen filetiert und den anderen mit Gräten einfach nur klein geschnitten. Das Ganze hat er mit Kurkuma, Chili und Salz gewürzt und in der Pfanne frittiert. Dazu gabs Reis. Ich weiß, vom Essen zu schreiben ist Michis Part, aber an dieser Stelle muss ich mal schwärmen: Es war fantastisch! So arg lecker, unfassbar! Im Laufe des Abends ergab es sich dann, dass der indische Koch eine Nachricht von der Arbeit bekam und am nächsten Tag statt frei zu haben, für seine kranke Kollegin einspringen müsste und zwar zum Frühstück, das heißt um 5 Uhr aufstehen. Außerdem bat er uns, mit ihm dann zum Hotel zu fahren, er würde uns auch Frühstück machen und wir könnten dann dort weiter schlafen. Einige von euch wissen das wahrscheinlich: es gibt kulturelle Unterschiede so im Umgang und so und Michi und ich sind schon eher direkter, in manchen Kulturen ist das aber nicht unbedingt so, möglicherweise aus Höflichkeit. In unserem Fall dauerte es auch etwas, bis wir herausfanden, dass am nächsten Tag ein Onkel in sein Haus kommen wollte, während er bei der Arbeit ist, um zu schauen ob es für die Geburtstagsparty der Mutter geeignet ist und schon mal einen Plan zu machen. Und es ist wohl nicht so von Vorteil für den indischen Koch wenn die Familie während seiner Abwesenheit eine Frau auf seinem Grundstück antrifft. Die Familie ist traditionell und er wollte da keine Gerüchteküche anfeuern. Wir versicherten ihm, das sei kein Problem für uns, er solle uns einfach wecken und wir würden dann mit ihm zum Hotel fahren (ich hatte auch auf den Vodka verzichtet und lediglich ein bisschen Bier getrunken). Er wollte unbedingt, dass wir in seinem Gästezimmer schlafen, aber er war schon so arg lieb und wir wollten ihm nicht noch mehr Umstände mit Überziehen der Betten und so was machen, sodass wir dankend ablehnten und im Van schliefen. Irgendwann wachten wir in der Nacht auf und stellten fest, dass es schon 6 Uhr (nach 3-4 Stunden Schlaf) ist und wir eigentlich seit einer Stunde hätten los sein müssen. Aber sein Auto stand noch da und es brannte Licht im Bad. Als sich dann aber auch nach ein paar Minuten nichts rührte beschlossen wir ihn anzurufen. Wir standen neben unserem und seinem Auto und riefen ihn an, als wir plötzlich feststellten, dass in seinem Auto ein Handybildschirm aufleuchtete und er verschlafen aus dem Auto sprang. Wir waren natürlich völlig irritiert und verstanden nicht, warum er in seinem Auto geschlafen hatte. Wir hatten weder die Zeit nachzufragen, noch wussten wir, ob wir ihn damit in eine blöde Situation bringen, so haben wir es einfach gelassen. Er zog sich nur kurz um und zehn Minuten später waren wir bei dem Hotel auf dem Parkplatz. Wir rätselten, ob es möglicherweise auch eine Art von Höflichkeit und Respekt war: wenn ihr im Auto schlaft, schlaf ich auch im Auto und nicht im Haus… Aber das sind reine Vermutungen. Der wirklichen Grund wissen wir bis heute nicht! Kurze Zeit später kam er mit leckerem Frühstück und wir versuchten zwar zu schlafen, aber irgendwie ging das dann auch nicht mehr. Geplant war den Tag mit ihm nach der Arbeit zu verbringen und wir hatten ihn am Vorabend schon die ganze Zeit damit genervt, dass wir uns so gerne irgendwie für seine Gastfreundschaft bedanken würden. Irgendwann sagte er, wir würden ihm eine Freude machen, wenn wir etwas typisches deutsches für ihn kochen. Also nutzten wir die Zeit während er arbeiten war uns zu überlegen, was umsetzbar und möglich ist. So haben wir uns für selbst geschabte Käsespätzle entschieden und dafür eingekauft. Nach der Arbeit haben wir dann dort in seiner Küche für ihn gekocht, was er immer wieder damit kommentierte, dass es total komisch sei, bekocht zu werden und das Premiere für ihn sei. Michi hat sich natürlich sehr ins Zeug gelegt und war unter großem Druck, einem Souschef etwas leckeres zu zaubern. Aber Michi hat mal wieder einen guten Job gemacht und es war sehr lecker!!! Wir haben uns noch ein Weilchen unterhalten und den ihn über Indien ausgequetscht, jetzt wo wir schon mal die Gelegenheit hatten. Es war sehr interessant, aber trotzdem ist Indien kein Reiseziel auf unserem Plan. Vielleicht irgendwann mal, wer weiß das schon. Wir haben uns nur auf Zeit von ihm verabschiedet, wahrscheinlich kommt er uns auf der Südinsel nochmals besuchen, wir würden uns sehr darüber freuen!

Das Erlebnis mit dem indischen Koch hat uns sehr berührt, diese offene unvoreingenommene Art auf Menschen zuzugehen und soviel Freundlichkeit entgegen zu bringen… Unbeschreiblich schön! Wir sind sehr dankbar, dass wir dieses Erfahrung machen durften!!!

Am gleichen Abend sind wir dann noch Richtung Auckland gefahren und haben am nächsten Tag unsere Post bei dem Paar, bei dem wir über Airbnb die ersten zehn Tage verbracht haben, abgeholt. Sie gaben uns freundlicherweise die Möglichkeit ihre Adresse für die Autoversicherung anzugeben.

Über weitere Abenteuer von uns bald mehr 🙂

See ya!

Fiji Islands

Bula ihr Lieben,

das sagt man in Fidschi zur Begrüßung. Nach einer Zeit lang Funkstille von uns hier nun wieder ein Beitrag. Wir sind mittlerweile in Neuseeland angekommen und touren seit einer Woche mit unserem fahrbaren neuen Zuhause auf der Nordinsel umher. Es gefällt uns sehr und wir haben bereits wieder super viel Neues erlebt und gesehen. Es ist so aufregend, dass wir gar nicht hinterher kommen, euch auf dem Laufenden zu halten.

Fidschi war ein 20-tägiger Stopp Richtung Neuseeland, den wir als Stopover in unserem Flug mit buchen konnten. Natürlich mussten wir dort vor Ort unsere Unterkunft und alles weitere bezahlen, versteht sich von selbst. Da Fidschi doch recht teuer ist und vor allem das Teleshopping auf den Yasawa Inseln sehr ins Geld geht, haben wir uns dafür entschieden die 20 Tage einfach fifty fifty zu splitten und einen Teil auf der Hauptinsel Viti Levu und den anderen Teil auf einer Yasawa Insel zu verbringen. Auf der Hauptinsel ist es auch budgetmäßig doch deutlich günstiger. Bei den Yasawas haben wir uns für die Waya Insel entschieden, das heißt für das Octupus Resort.

Wir sind am 19. Januar nach einem 11 einhalb Stunden langen Flug in Nadi, Fidschi angekommen. Davor hatten wir einen Flug von Panama City nach Los Angeles mit etwas mehr als 7 Stunden und einem Aufenthalt von über 10 Stunden in Los Angeles vor unserem Weiterflug auf die Fidschis. Um unseren Aufenthalt gut zu nutzen haben wir uns davor bereits überlegt, was vor Fidschi und Neuseeland eventuell noch nützlich sein könnte einzukaufen. So stellte sich nach vorherigen Recherchen heraus, dass Kontaktlinsenflüssigkeit, die in Mittelamerika wirklich teuer ist, auch in Fidschi als Importprodukt dementsprechend kostet. Da ich kaum noch etwas übrig hatte und gerade fürs tauchen und schnorcheln ohne Kontaktlinsen nicht so viel sehe, brauchte ich für die Fidschis natürlich dringend Nachschub. So stand unser Plan: Kontaktlinsenflüssigkeit für Julia in L.A. kaufen. Als wir in den USA ankamen, waren wir uns noch etwas unschlüssig, ob wir den Flughafen verlassen dürfen oder nicht. Da wir jedoch die Flüge getrennt gebucht hatten, sagte uns eine Mitarbeiterin am Flughafen, wir sollen uns frei fühlen. Also gut, und was nun mit unserer Freiheit, Michi? Hmmmmmm…. Das ist manchmal gar nicht so einfach wenn man die freie Wahl hat. So entschieden wir uns erst mal unseren Plan mit der Kontaktlinsenflüssigkeit weiter zu verfolgen und abzuschließen. Als wir auf dem Flughafengelände nur für viel Geld etwas bekommen hätten, half uns Google heraus zu finden, wo die nächste Apotheke ist. Interessanterweise ist in L.A. in der Nähe des Flughafens viel mit Apotheken, Ärzten oder Gesundheitszentren zu finden. Und was machen wir mit unseren Rucksäcken? Nach dem shoppen in Panama sind die doch etwas schwerer geworden und wollen wir die wirklich die ganze Zeit rumschleppen? Hmm, nö, das ist doof. Ok, dann lass uns einen Gepäckwagen nehmen. Gesagt, getan. So sind wir dann erst mal los gestapft bzw. gefahren. Michi war voll überzeugt, ich hatte noch die Straßen von Mittelamerika im Kopf: keine oder schmale durchlöcherte Gehwege wie ein Schweizer Käse. Wie sollen wir denn da mit dem Gepäckwagen vorankommen? Michis Optimismus hat sich voll und ganz ausgezahlt, denn es waren breite amerikanische Gehwege, die auch an einer vierspurigen Autobahn entlang führten und wir ohne Probleme und völlig sicher entlang laufen konnten. Ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr genau wie viele Kilometer wir zur Apotheke zurück legen mussten, aber es war zumindest über einem. Dort angekommen haben wir das Schnäppchen des Tages gemacht, da die No-Name Flüssigkeit an sich schon recht günstig war, aber die Flaschen auch Ende März abläuft. Wir sprachen die Verkäuferin darauf an, die nach Rücksprache mit ihrer Chefin uns das Ganze nochmals reduzierte, sodass ich nachher in dieser Apotheke die günstigste Flasche Kontaktlinsenflüssigkeit ever gekauft habe, hihi. Schon allein dafür hatte sich unser Ausflug gelohnt. Da es in L.A. doch deutlich kühler war als in Panama (naja wir waren auch durchgängig 30 Grad im Schatten gewohnt), hatten wir bald das Bedürfnis uns irgendwo was warmes zu trinken zu holen. Und wo? Na klar Starbucks… Also parkten wir unseren Gepäcktrolley an der Treppe zum Starbucks und schlossen ihn sicherheitshalber mit unserem Kabelschloss fest, damit wir ihn auch nachher ganz ordentlich wieder am Flughafen abliefern können und er uns nicht abhanden kommt. Als Michi kurz zur Toilette ging nachdem wir uns ein wenig aufgewärmt hatten, kam eine Mitarbeiterin von draußen wieder rein und erzählte ihrer Kollegin durch den ganzen Laden, dass sie etwas unglaublich witziges vor der Tür gesehen hätte: da hat doch tatsächlich jemand einen Flughafentrolley angeschlossen, das hab ich direkt mal gefacebookt! (Zur Erklärung, ich glaube manche kennen sich mit Facebook nicht aus, die unseren Blog verfolgen: das bedeutet, sie hat ein Foto gemacht, kommentiert und dann hochgeladen auf ein soziales Netzwerk, was jetzt öffentlich ist). Die Kollegin fragte sie, wer das gemacht hat und sie haben sich noch etwas darüber, lautstark, unterhalten. Ich musste mich in dem Moment weg drehen, weil ich die Situation so witzig fand und ich mich nicht verraten wollte. Ich fand es viel besser die Geschichte mit dem mysteriösen Gepäckwagen ungelöst für sie zu lassen. Das ist doch viel spannender 🙂

Wir haben dann natürlich ganz brav den Gepäckwagen wieder an Ort und Stelle gebracht, insgesamt ging der Aufenthalt doch recht schnell rum und wir hatten Spaß!

Der Flug mit Fiji Airways war auch ein Erlebnis der besonderen Art, bereits die Kleidung mit gemustertem Hemd und Röcken für die Männer (das ist die traditionelle Kleidung und heißt Sulu) war schon ein völlig anderes Bild von dem was wir sonst bei den Airlines gesehen hatten. Auch die Freundlichkeit war direkt schon auf dem Flug zu spüren, ja ich weiß sie müssen nett sein, aber trotzdem hat es einfach auch nicht aufgesetzt gewirkt. Wir wurden mit „Welcome in our home“ begrüßt, da hatte ich schon das erste mal Pippi in den Augen, und dann vor der Passkontrolle von einer Zwei-Mann-Band mit Gitarre und Gesang begrüßt, das war dann das zweite Mal. Keine Ahnung warum, aber es hat mich sehr berührt, ich hab mich gleich Pudelwohl gefühlt. Naja wie auch immer, auf jeden Fall war es ein guter Start. Wir wurden dann nach Fiji-Time nach eineinhalb Stunden warten vom Flughafen mit unserem Shuttle zum Wailoaloa Beach gebracht, wo wir ein Zimmer im Tropic of Capricorn gebucht hatten. Dort verbrachten wir die erste Woche und dann nach der Yasawa Insel nochmals drei Tage vor unserem Weiterflug nach Neuseeland. Der Strand dort war schon sehr schön, wie wir jedoch später feststellen würden, nicht so schön, wie unser zweiter Strand auf der Waya Insel. In den ersten Tagen organisierten wir uns erst einmal, das heißt, wir wuschen Wäsche, checkten die Preise in dem kleinen Einkaufsmarkt am Ende der Straße oder fuhren mit dem Bus nach Nadi direkt, was ca. 20 Minuten Fahrt war. Die Busfahrt war wirklich ein Erlebnis, wir hatten das ja schon in Nicaragua mit abenteuerlichen Fahrten erlebt, aber das war auch nicht schlecht. Die Busse hatten oft keine Fenster, also bestanden nur aus einer Art Gerüst mit Dach und falls es regnet werden Planen über die „Fenster“ gehängt. Es gab auch in einigen Bussen kein Stopp-Knopf, man musste dann an einem Seil ziehen, dass nach vorne führte und an einer Fahrradklingel befestigt war – einfach und funktional. Nadi selbst ist recht klein und es gibt dort viele Souvenir Shops. Auch viele indische Einkaufslädchen sind dort zu finden, da ein großer Teil der Bevölkerung indischer Herkunft ist. Es war sehr interessant, vor allem da wir direkt als wir ein paar Meter gegangen waren, von Fidschianern angesprochen wurden und sie uns auf den Handcraft Market lotsen wollten und uns mehrmals sagten, dass sei das „real Fiji“ und wir sollen uns von den indischen Läden fernhalten, das komme alles aus China. Das fanden wir echt ein bisschen skurril und hat bei uns den Eindruck hinterlassen, dass das Zusammenleben nicht ganz unproblematisch zu sein scheint (das wurde uns dann auch später von verschiedenen Menschen mit denen wir darüber gesprochen hatten bestätigt). Als wir so weiter durch die Straßen schlenderten, überholte uns ein Typ und sprach Michi während dem Laufen an. Er fragte, ob wir Interesse hätten ein fidschianisches Dorf zu besuchen. Michi und ich hatten natürlich Lust und so lotste er uns in einen Laden ein paar Meter weiter mit der Begründung, uns eine Adresse zu geben. Er lud uns ein, uns auf eine Matte zu setzten, natürlich Schuhe aus, und uns auf der Karte das Dorf zu zeigen und uns etwas darüber zu erzählen. Er war auch recht nett und verstand es eine gute Atmosphäre zu schaffen, lies immer wieder einen kleinen Scherz einfließen und stellte uns zwischendurch immer mal wieder eine Frage, während er erzählte. Achso und die Frauen müssen sich beim sitzen die Knie bedecken, mit einem Tuch. Naja und irgendwann fragte er uns dann, ob wir bereits eine Kavazeremonie gemacht hätten, als wir verneinten, meinte er, dass wir das jetzt unbedingt zusammen machen müssen, da wir erst nach dieser Zeremonie richtig in Fidschi ankommen und Willkommen geheißen wären. Also gut. Er erklärte uns, dass er dass Kavapulver (das Kavapulver wird aus der getrockneten und pulverisierten Kavaurzel hergestellt) in eine Art Socke, ein Stofffilter, füllt und es in einer Holzschüssel mit kaltem Wasser übergießt und immer wieder auswringt. Danach wird das bräunliche Getränk in eine halbe Kokosnussschale gefüllt, die als Becher dient und der Chief darf als erstes trinken, das heißt Michi, weil er ein Mann ist. Nein keine Angst ich werde das jetzt nicht feministisch durchdiskutieren, ich hab es in dem Moment einfach geschluckt, es ist für uns auch einfach eine Form von Respekt vor der Kultur. Michi musste davor drei mal klatschen und „Bula“ sagen, dann durfte er trinken und als er den Becher wieder zurück gegeben hatte, musste er einmal klatschen. Wir hatten die Zeremonie danach noch in verschiedenen Konstellationen und mit dem klatschen und dem Bula war es immer etwas unterschiedlich, deshalb wissen wir nicht genau was davon jetzt das offizielle ist. Aber wir sind einfach immer den vorherigen Anweisungen gefolgt. Vielleicht gibt es da auch Unterschiede zwischen den Familien oder Stämmen, das haben wir leider verpasst heraus zu finden. Danach durfte ich probieren. Kava schmeckt irgendwie schlammig, erdig oder auch wie ein sehr starker erdiger Chai Tee. Es ist schwer zu beschreiben, wir mussten uns auf jeden Fall erste einmal an den Geschmack gewöhnen, das war nicht so unseres. Es gibt auch fast einen direkten Effekt, die Zunge fängt an zu kribbeln und fühlt sich taub an. Das vergeht jedoch relativ schnell wieder. Aus verschiedenen Quellen konnten wir erfahren, dass viiiiiieeeel Kava auch eine Art von betrunken sein herbei führen kann und der Kater am nächsten Tag soll ähnlich sein wie bei Alkohol. Wir haben meist gemerkt, dass wir in den Nächten nachdem wir Kava getrunken hatten super gut geschlafen haben, es hatte einen beruhigenden Effekt. Was wir allerdings auch erst bei den folgenden Zeremonien mitbekamen war die tolle Stimmung: es waren immer ein paar mit Gitarre ausgerüstet und haben dann entweder traditionelle oder moderne Lieder gespielt und dabei gesungen. Vor allem hat sich das immer wunderschön angehört. Wir haben auch später erfahren, dass das Gitarre spielen und singen zur Kultur dazu gehört und bereits die Kinder das lernen und damit aufwachsen. Fanden wir richtig schön.

Aber zurück zu unserer ersten Zeremonie in dem Laden. Wir hatten dann ungefähr zwei Becher getrunken, es war eine nette Atmosphäre. Zwar lies er immer mal wieder einfließen, dass die Holzkunstwerke und Waffen in dem Shop von dem besagten Dorf hergestellt wurden und auch schon die Kleinen in der Schule Ketten o.ä. herstellen, jedoch war das alles noch völlig im Rahmen. Dann kam allerdings sein Kollege dazu, der sich neben mich setzte und dem anderen komplett ins Wort fiel und ihn auch nicht mehr zu Wort kommen ließ. Er war barsch und stellte uns nur Fragen und war einfach aufdringlich. Er sagte auf Englisch, dass er uns einlädt uns im Laden umzuschauen, vielleicht gefällt uns ja was. Ok, vielleicht gefällt uns wirklich was… Doch eh wir uns versahen, wollte er uns ein Kava Set mit Holzschüssel und Kokosnussschalenbechern und einem Platzdeckchen für 220 Fidschi Dollar, was umgerechnet ca. 110 € sind, aufschwätzen. Freundlich wie wir sind, haben wir ihm immer wieder nett erklärt, dass wir eine große Reise machen und nichts mit uns rumschleppen können. Er meinte, es sei auch möglich per Post zu schicken. Klar, aber das wollten wir nicht. Wir fanden die Sachen sehr schön, aber die ganze Situation war uns jetzt einfach nicht mehr ganz geheuer. Also versuchten wir freundlich aus der Situation zu kommen und sagten, wir würden es uns überlegen und eventuell später wieder kommen, was heißen kann, wir kommen vielleicht wieder oder wir haben damit zu verstehen gegeben, dass wir nicht interessiert sind. Von da an, hat sich dann auf einmal sein Ton verändert, von dem aufgesetzten Spaß machen und über griffig kumpelhaften (er war immer eine Spur zu nah und war etwas zu tatschi) fragte er in gereiztem Ton, wie wir das Dorf unterstützen wollen und dass wir die Kavazeremonie mit ihnen hatten. Michi verstand ihn erst nicht und dachte, er hätte uns nicht verstanden. Ich sagte zu Michi, dass er Geld haben wolle. Der Typ wurde immer lauter und als er uns die Pistole auf die Brust setzte und fragte, ob wir das jetzt kaufen oder nicht, haben wir ihm gesagt, dass wir es nicht kaufen werden. Da hat er plötzlich laut mit seinem Kollegen auf Fidschianisch geschimpft und gezetert und uns wahrscheinlich auch was auch immer an den Hals gewünscht. Michi hat ihm zurück gemeldet, dass er, dafür dass er zuvor so oft betont hat, wie freundlich die Fidschianer sind, das gerade aber überhaupt nicht freundlich ist, wenn er uns zwingen will etwas zu kaufen. Ich fand die Geschichte richtig ätzend und hätte ihm einfach 5 Fidschi Dollar in die Hand gedrückt, für die Kavazeremonie, und wäre gegangen. Er betonte dann auch immer wieder die Zeremonie und Michi zog ein paar Geldstücke aus der Hosentasche, ich glaube es waren nicht mal 2 Fidschi Dollar, und wollte sie dem Typ anbieten. Der hat dann jedoch abgewunken und gesagt, wir sollen das für den Bus behalten. Wir sind dann super genervt aus diesem Laden gestapft und haben auch noch ein paar Stunden gebraucht uns nicht mehr über dieses abgekaterte Spiel aufzuregen. Einen Tag später fanden wir auch in einer Touristenbroschüre eine Warnung vor genau dieser Masche, die wohl leider nicht so unüblich ist. Leider hat es auch sehr dazu beigetragen, dass wir danach sehr skeptisch bei Menschen waren, die uns einfach auf der Straße ansprachen, jedoch stellte sich in den meisten Fällen heraus, dass die Person sich einfach nur mit uns unterhalten wollten. Auch bei unseren nächsten Besuchen in Nadi liefen wir den zwei Typen noch mehrmals über den Weg. Das interessante dabei: sie erkannten uns nicht. Das lässt darauf schließen, dass der Durchlauf an Touristen nicht gerade gering sein wird… Wir fanden es eigentlich echt schade, dass diese blöde Aktion uns so misstrauisch gemacht hat, denn wir haben die Fidschianer als unfassbar freundliches Volk kennen gelernt!

Was wir auch direkt noch in der ersten Woche machen wollten, ja klar: endlich taaaaaauuuuccchhhhheen 🙂 Wir hatten ja bereits in Deutschland ein Zertifikat bei einem guten Freund von uns, der Tauchleher ist, gemacht und konnten das bis dato auf unserer Reise noch nicht im Ozean probieren. Wir planten bereits in Panama, dass Fidschi unser Tauchurlaub werden solle. So buchten wir für den nächsten Tag bei einem Tauchshop in einem Nachbarhotel bei Stefan einen Tauchtag, das heißt zwei Tauchgänge und mit einer Oberflächenpause auf dem Boot. Oh wir waren so aufgeregt, vor unserem ersten Meertauchgang. Es ging früh los und wir waren mit Stefan und einem italienischen Tauchgast insgesamt zu viert, was eine angenehme Größe war. Wir führen erst einmal 30-45 Minuten zu unserem ersten Tauchspot, dem Mushroom Reef. Dort angekommen gab es ein Briefing, in dem Stefan fragte, wie es so mit Haien bei uns aussehen würden, ob wir Angst hätten oder so. Michi und ich kannten die Riffhaie bereits aus Little Corn Island vom Schnorcheln, sodass wir das an sich ok fanden. Aber mein erster Gedanke war, dass er das vielleicht fragte, weil er sie anfüttern wolle, was wir gar nicht cool gefunden hätten. Wir erkundigten uns und er erklärte, dass wenn alle einverstanden sind, er eine halb gefüllte Plastikwasserflasche mitnimmt und sie dann zwischen beiden Händen dreht und drückt, sodass es ein Geräusch erzeugt. Er sagte, dass es sich für die Haie anhört wie ein sterbender Fisch und sie dadurch vorbei kommen und das checken. In dem Fall waren wir natürlich neugierig zu sehen, ob das auch so funktioniert. Das erste Mal eine Rolle rückwärts vom Boot mit voller Ausrüstung… eigentlich gar nicht so spektakulär wie man sich das vorstellt. Das Wasser war mit 28 Grad Badewannenwarm 🙂 Nach dem Abstieg auf ungefähr 15 Metern zückte Stefan auch schon seine Wasserflasche und drehte und drückte. Innerhalb von kürzester Zeit kam auch schon der erste Riffhai. Er schwamm kurz in unsere Richtung, dachte sich dann aber wahrscheinlich, dass ihm die komischen Gestalten nicht ganz Geheuer sind und drehte in einem Abstand von 5-10 Metern vor uns wieder um. Das wiederholte Stefan immer wieder, so sahen wir einige unterschiedliche Riffhaie, die auch zum Teil kurzzeitig neben uns her schwammen. Und nein, es ist auch gar nicht so angsteinflößend wie man vielleicht meinen mag, es sind einfach auch nur etwas größere Fische. Klar, ich würde sie trotzdem nicht anfassen, aber ich hatte auch zu keinem Zeitpunkt ein mulmiges Gefühl oder so. Es war einfach nur faszinierend. Nach einer Oberflächenpause bei Snacks (Hummus mit Crackern, Früchten und Schokokuchen) gings zum zweiten Spot, dem kleinen Rainbow Reef (es gibt wohl mehrere, wie wir herausgefunden haben und es war nicht das bekannte). Aber auch wieder: super schön! Ich kann das gar nicht beschreiben, es war alles so unwirklich für mich, zu Besuch in dieser völlig anderen Welt zu sein. Als wir zurück waren wollte ich mir sofort die Videos anschauen, die Michi mit der Kamera gemacht hat, um mir zu vergegenwärtigen, dass ich das nicht geträumt hab und auch wirklich dabei war. Es war wie kneifen, wenn etwas zu unfassbar scheint. Es war einfach fantastisch, großartig, super, genial, abgefahren,… Einfach gaaaaanz viele Glücksgefühle 🙂

Ja leider hatte Michi an diesem morgen schon ein Kratzen im Hals gespürt, was dann zu einer Erkältung heranwuchs. Damit war dann fürs erste auch mal wieder Schluss mit tauchen (beim Tauchen müssen die Nasen-Nebenhöhlen offen sein, damit ein Druckausgleich beim Abstieg möglich ist). Tja so mussten wir warten, bis das ganze wieder weg ist für den nächsten Besuch in der Unterwasserwelt. Dafür haben wir dann das Warten mit baden und relaxen verbracht. Auch nach Sonnenuntergang im Dunkeln ist das Meer noch genau so warm, ja fast wärmer als die Außentemperatur, das war schon echt toll.

Nach einer Woche auf der Hauptinsel kam dann endlich der große Tag an dem wir mit der Fähre von der Hauptinsel auf die Waya Insel gefahren sind. Die Fährfahrt ging zweieinhalb Stunden und führte an einigen kleinen Inseln vorbei. Eine der ersten war so groß, dass man sie innerhalb von 5 Minuten umrunden konnte, Strand, eine Hütte und Palmen, mehr nicht… Das war echt der Wahnsinn. Auch das Wasser war so klar, dass man die Fische an der Oberfläche sehen konnte. Zur Info, wir haben uns in Panama extra Tauchermasken und Schnorchel geholt, um nicht ständig Ausleihgebühr zu zahlen und unser eigenes zu haben. Die mussten wir am Strand an der Hauptinsel ja direkt ausprobieren. Was soll ich sagen, wir haben nichts am ersten Strand gesehen, nur Sand und Schwebeteilchen. Doch später…

Wie gesagt, war bereits die Hinfahrt ein echtes Erlebnis. An jeder Insel hielt die Fähre an und die Gäste wurden mit einem kleinen Boot von der Fähre mit Gepäck abgeholt. Als wir voller Vorfreude vor „unserer“ Insel ankamen, waren wir völlig geplättet von dem wunderschönen Blick, der sich uns bot. Die Insel saftig grün, der Strand weiß, und das Meer türkis. Wirklich wie im Reisekatalog. Wir wurden natürlich auch mit einem Boot abgeholt und am Strand warteten bereits ein paar Mitarbeiter, die uns Gitarre spielend und singend empfingen. Wir bekamen alle erst mal einen Begrüßungscocktail und wurden in unsere Unterkünfte geführt. Da man auf den Inseln die Essenspakete der Resorts mitbuchen muss, das waren ungefähr 50 Dollar pro Person pro Tag, da es auf der Insel auch keine anderen Essensmöglichkeiten gibt, mussten wir für die 10 Tage Aufenthalt den 7 Betten Schlafsaal buchen. War definitiv auch eine Erfahrung, so viele unterschiedliche Menschen innerhalb kurzer Zeit zu treffen. Wir haben uns natürlich sofort unsere Schnorchelsachen geschnappt und haben das Hausriff direkt am Strand erkundet. Das war so eine unglaubliche Farbenvielfalt an Korallen und Fischen… eine stechend blaue Korallenart, eine grasgrüne, orange, … in verschiedenen Formen und Größen… Schaut euch einfach die Bilder und Videos an, es ist und bleibt unbeschreiblich schön!

Auch tauchen wollten wir natürlich hier wieder. Michi fühlte sich wieder besser, der Druckausgleich funktionierte wieder, so besprachen wir mit dem Tauchguide Cooky vor Ort wann wir tauchen gehen können. Er buchte uns direkt für den nächsten Vormittag ein, wir machten noch ne kleine Anprobe des Tarierjackets und die Sache war gebongt. Bei unserem ersten Tauchgang war ein Schweizer Paar dabei, sodass wir zu fünft waren. Wir tauchten an einem Steilriff entlang und sahen vor allem viele Korallen, aber auch Fischschwärme. Das ist sehr beeindruckend, wenn man auf einmal (durch die Maske hat man ein eingeschränktes Sichtfeld) ein Schwarm an einem vorbei ziehen sieht oder sie unseren Weg gekreuzt haben. Die Oberflächenpause haben wir dann im Resort verbracht (der erste Spot war nur etwa drei Minuten Bootsfahrt). Nach der Pause ging es 10-15 Minuten mit dem Boot aufs offene Meer, es war auch noch ein weiteres Paar, dabei, sodass wir insgesamt zu siebt waren. Es war nicht nur beengt auf dem Boot, auch gingen die ganzen Abläufe viel länger, d.h. bis alle angezogen waren und vom Boot ins Wasser kamen etc. Es hat sich ziemlich gezogen und für Michi und mich, wir waren die letzten, auch irgendwie in Stress gebracht. Zu allem Überfluss ist bei Michi ein Luftschlauch, der mit dem Tarierjacket verbunden ist, geplatzt. Klar kann mal passieren, aber zwei Minuten später wären wir bereits beim Abstieg gewesen und der Skipper zeigte Michi auch die Stelle, die sehr porös war, sodass sich natürlich die Frage stellt, ob das bei einer Wartung nicht zu sehen gewesen wäre? Es sind rein Vermutungen, da wir uns auch nicht ausreichend damit auskennen, aber es hat doch ein komisches Gefühl hinterlassen. Naja und als hätte das nicht ausgereicht, hat Michi dann einen neuen Lungenautomat bekommen (so nennt man die Schläuche, die die zwei Atemreglern, immer einen für den Notfall, und das Jacket mit der Sauerstoffflasche verbindet. Er testete den neuen Lungenautomat und atmete durch seinen Atemregler und das Mundstück davon löste sich ab. Na toll… So ist Michi dann mit seinem Notfallatemregler getaucht, was an sich jetzt nicht sooooo schlimm war, weil auch der eigentliche im Notfall hätte genutzt werden können, es wäre einfach nicht so komfortabel gewesen. Tja so war der zweite Tauchgang super chaotisch, auch das Mädel von dem Pärchen, was dort erst dazu gestoßen ist, hatte zu wenig Blei dabei und kam nicht runter… es war alles wirklich nicht entspannt und geordnet. Trotzdem haben wir wieder super schöne Sachen gesehen. Und was kommt jetzt? Na klar: wir waren wieder krank! Ich hab eine Erkältung bekommen (Klimaanlagen sind einfach teuflisch) und Michi hatte Ohrenschmerzen. Trotz Paradies vor der Nase war die Stimmung erst einmal getrübt. Das hat uns echt frustriert. Vor allem da Michi auch erst mal Wasserabstinent sein wollte, damit seine Ohren nicht schlimmer werden und wir dann noch nicht einmal das tolle Riff vor der Haustüre nutzen konnten. Das war richtig ätzend! Im Grunde sind wir dann danach einmal zusammen schnorcheln gewesen und ich war am vorletzten Tag nochmal alleine, und haben sonst im Pool mit Kopf überm Wasser verbracht. Außerdem haben wir ein Angebot mitgemacht, was vom Ressort aus angeboten wurde: wir haben das Dorf dort besucht. Es war eine kleine Wanderung von ungefähr einer halben Stunde über den Hügel auf die andere Seite der Insel. Aus Respektgründen mussten sich die Frauen die Knie und Schultern bedecken und es sollten alle Hüte und Sonnenbrillen abgesetzt werden. Die Dorfbewohner lagen oder saßen im Schatten, da es in der Sonne schon seeeehr heiß ist und haben uns einen kleinen Einblick in ihr Leben ermöglicht. Ich hatte erwartet, dass das Dorf nicht sehr reich ist, aber es waren, mit meinen Erfahrungen in Afrika eingeschlossen, sicherlich die ärmlichsten Verhältnisse die ich bisher gesehen habe. Wir hatten zuvor bereits abgeklärt, ob wir Kekse für die Kinder mitbringen dürften. Uns war wichtig eine Art Gastgeschenk dabei zu haben. Die Dame vom Resort hat sehr positiv darauf reagiert und meinte, dass wir das sehr gerne tun können. Wir wurden im Dorf dann zur Schule geführt, da wartete eine Lehrerin mit zwei Kindern und sie sangen uns zwei Lieder vor. Danach sind einige der Touris nach vorne gestürmt und wollten Bilder mit den Kindern und der Lehrerin machen. Das fanden wir irgendwie echt übertrieben. Wie im Zoo. Ich bin dann irgendwann hin und hab den beiden einen Keks angeboten. Michi sagte nur, dass dieses Strahlen der beiden super schön war! Einige der anderen fanden das auch sehr „smart“ von uns. Ich glaube sie haben sich in dem Moment darüber geärgert, dass sie sich darüber keine Gedanken gemacht haben. Danach wurden wir weiter auf den Dorfplatz gelotst. Dort bekamen wir eine Kavazeremonie von den Dorfältesten. Das war schon ein sehr andächtiger Moment. Leider wissen manche Menschen nicht wie sie sich in so einem Moment zu verhalten haben: eine junge Holländerin probierte da zum ersten Mal Kava und dass es ihr nicht schmeckte sagte sie nicht nur, nein sie verzog angewidert das Gesicht und fragte einen der Dorfältesten, ob ihm das WIRKLICH schmecken würde. Das fanden wir echt daneben und respektlos. Danach führte das Dorf für uns ihre traditionellen Gesänge und Tänze auf. Ich find das immer wieder beeindruckend, wenn ein Volk noch seine Kultur bewahrt. Ich weiß nicht was wir in Deutschland da so nennen oder zeigen könnten…??? Danach mussten wir auch ran mit dem tanzen und jeder von uns wurde ans Händchen genommen und wir mussten in Zweierpaare hintereinander im Kreis laufen und auf Kommando vor und zurück und schön die Hüften schwingen. Die übrigen Dorfbewohner hatten bestimmt ihren Spaß beim zusehen und wir beim Tanzen allemal 🙂 Wir hatten bereits vor dem Dorfbesuch einen heiden Respekt vor den Menschen, aber danach hatten wir den Eindruck, noch ein besseres Gefühl dafür bekommen zu haben. Klar es war ein Ausschnitt für die Touristen, keine Frage, aber wir haben auch viele Mitarbeiter aus dem Resort im Dorf gesehen und das hat irgendwie ein Bild ergeben. Außerdem haben wir eine Schweizerin kennen gelernt, die seit ein paar Jahren mit einem Fidschianer verheiratet ist, der auch in diesem Resort gearbeitet hatte und sie sich auch genau da kennen gelernt haben. Sie kannte sich natürlich gut mit der Kultur aus und konnte uns viele Fragen beantworten. Zum Beispiel erzählte sie uns, dass sie gerne miteinander blödeln und dabei sich gegenseitig etwas foppen. Und das war auch so schön zu beobachten, sie haben sich dann so geschubst oder gekniffen wie die Kinder, wenn sie sich unbeobachtet gefühlt haben. Das war so locker und unverkrampft.

Achso und eines was wir noch gemacht haben, hätte ich fast vergessen und dabei ist es glaube ich der Beginn von Michis neuem Hobby gewesen: Wir konnten im Resort kostenlos für eine Stunde ein Kajak leihen und wir haben an einem der letzten Abende an der Bar einen der Küchenmitarbeiter kennen gelernt. Er erzählte uns vom Fischen und so was und Michi erzählte ihm, dass er das hier gerne machen würde. Naja so unterhielten sie sich darüber, ob eine Leine und ein Haken reichen würde und ob es mit Toast vom Frühstück klappen könnte. Michi war sehr angetan von der Idee und sagte zu mir, dass er gerne morgen mit dem Kajak angeln gehen wolle. Als Info, wir haben von unserem Tauchlehrer und Freund aus Deutschland einige kleine nützliche Dinge geschenkt bekommen, u.a. ein Angelset bestehend aus einer Leine, Haken, Schwimmer und kleinen Gewichten, was braucht man mehr. Und so wuchs an diesem Abend die Idee zu einem Plan, sodass es schließlich in Stein gemeißelt war als der Küchenmitarbeiter sagte, er würde den gefangenen Fisch auch für uns zubereiten. Außerdem gab er uns noch den Tipp, dass die kleineren Fische die wohlschmeckenderen sind. So sind wir dann am nächsten Morgen mit Angelausrüstung, Michi hat die Angelschnur um eine Flasche gewickelt, um sie auszurollen und einzuholen, und dem Kajak los gepaddelt. Kurz zuvor hatten wir uns noch mit der Dame vom Housekeeping unterhalten, die übrigens auch super nett war, und haben ihr erzählt, dass wir angeln gehen wollen. Sie bestätigte auch nochmals, dass die kleineren Fisch die wohlschmeckenderen seien. Wir im Kajak bei über 30 Grad im Schatten und die Sonne hat richtig schön gebrannt. Erst sind wir etwas weiter vom Riff weg gepaddelt, da hat sich aber nichts getan, sodass wir wieder näher ran sind. Nachdem der Toastköder ein paar mal weggefressen war, biss dann tatsächlich ein Fisch an, ein Sergeant, das sind die kleinen schwarz-weißen Zebrafische, die ihr auf den Bildern und in den Videos sehen könnt. Michi war natürlich suuuuuuuper happy! Er versuchte auch noch weiter sein Glück, aber für mich war das Ganze nicht so spaßig. Seit der Reise habe ich festgestellt, dass ich nicht so seefest bin und vor allem in einem Boot was sich nicht bewegt und von den Wellen hin und her geschüttelt wird sehr kämpfen muss, dass mein Mageninhalt auch da bleibt wo er ist. Michi musste sich mit dem einen begnügen und marschierte an Land angekommen direkt mit Stolz geschwellter Brust zur Küche. Dort bekam seine Freude jedoch einen herben Dämpfer: der Fisch ist zu klein und nicht genießbar. Na toll, aber wir hatten doch die Info, dass die kleinen… Der Mitarbeiter vom Vorabend lacht und meint, dass das zu klein ist, etwas größer muss er schon sein… Tja so diente dann unser Fang als Köderfisch für die Angler des Resorts, damit ein essbarer Fisch gefangen werden kann. Trotzdem das ganze nicht wie erhofft war, hat das den Grundstein dafür gelegt, dass Michi sich hier in Neuseeland eine Angel gekauft hat… Aber dazu mehr im nächsten Beitrag 🙂

Der Ablauf im Resort war eigentlich stark von den Essenszeiten geprägt: Frühstück, Mittagessen und Abends entweder à la carte, Fidschi-Abend oder Barbecue. Es war auf jeden Fall alles mega lecker, wir haben uns schon richtig verwöhnt gefühlt.

Mit Michis Ohren ist es leider eher schlechter als besser geworden, sodass wir an einem unserer letzten Tage auf die Idee kamen, vielleicht mal im Büro nachzufragen, ob sie irgendwelche Medikamente haben könnten. Sie hatten natürlich was und haben uns auch gesagt, dass Ohrenschmerzen öfters nach dem schnorcheln oder tauchen vorkommen. Sie sagten uns aber auch, dass wenn es nicht besser wird, könnten sie uns auch von der Fähre auf das kleinere Boot des Resorts umbuchen, damit wir einen Arzt auf dem Festland besuchen können. Auf das mussten wir dann auch zurück greifen, da es nicht deutlich besser geworden ist und Michi auch kaum noch was gehört hat. Da war natürlich jede Kommunikation, vor allem wenn dann noch Musik im Hintergrund lief, unmöglich. So isoliert macht das Ganze natürlich überhaupt keinen Spaß und so war Michi einfach nur noch still. Das hat mir richtig Sorgen gemacht. Deshalb war es dann auch nur konsequent uns in das Resorteigene Boot zu buchen, das ohne Stopp direkt zu Hauptinsel durchfährt. So kamen wir statt mitten in er Nacht, Nachmittags an und die Manager organisierten uns auch direkt einen Termin in einer Klinik. Leider gab es da ein paar Missverständnisse, sodass die Fahrer, die uns auch nach einem Telefonat mit der Managerin noch in der falschen Klinik ablieferten, sodass wir dort feststellten, dass die Klinik zwar den selben Namen trägt aber in einem Vorort und nicht direkt in Nadi ist. Endlich in der richtigen Klinik angekommen, empfing uns der Arzt sehr schnell und verschrieb Michi in Anbetracht des nahenden Flugs nach Neuseeland Antibiotikum. Er sagte auch, dass er uns in zwei Tagen nochmals besuchen könnte, um dann auch wirklich abschließend festzustellen, ob Michi den Flug nehmen kann oder wir verschieben müssten. Da Michi wegen seiner Altersgrenze und der Frist des Visa spätestens am 10. Februar eingereist hätte sein müssen und unser Flug auf den 08. geplant war, hätten wir also nur 2 Tage Spielraum gehabt. So saßen wir natürlich auf heißen Kohlen. Auch das Wetter war in den letzten Tagen auf dem Festland nur noch regnerisch. So verbrachten wir nochmals ein Tag in Nadi, es regnete fast komplett durch. Als wir am frühen Nachmittag den Bus zurück nehmen wollten, standen wir lange an der Straße und es kamen, im Gegensatz zu sonst, kaum Busse vorbei. Generell staute es sich stark in der Stadt. Wir beschlossen, nicht direkt dort zu fahren, sondern zum Busbahnhof zu laufen. Dort kam auch kaum ein Bus an und es war schon Einiges unter Wasser. So setzten wir uns auf eine Bank und warteten. Im Laufe dieser Zeit stieg das Wasser immer weiter an, sodass wir schon nicht mehr auf der Bank in der Wartebucht sitzen konnten, sondern uns auf die Lehne setzten mussten. Irgendwann war es so spät, dass klar war, dass kein Bus mehr in unsere Richtung fahren würde. Ein Mann gab uns den Tipp, einen anderen Bus in unsere Richtung zu nehmen und dann vorher auszusteigen und das letzte Stück mit dem Taxi zu fahren. Da wir auch noch einen anderen Mann dort kennen lernten, mit dem wir uns unterhielten und der genau das gleiche Ziel wie wir hatten, liefen wir mit ihm wieder zu dem Busstopp in der Stadt.Wir mussten an manchen Punkten fast knietief durch das Wasser waten, es war echt abenteuerlich. Tatsächlich kamen wir dann auch nach etlichen Stunden des Wartens und auf Umwegen in unserem Hotel an. Was uns allerdings am besten an der Sache gefiel, die Fidschianer nahmen das schlechte Wetter und die Überschwemmung mit Humor, spritzten sich gegenseitig nass, lachten sich schief, als sie durchs Wasser wateten und ihren wegschwimmenden Flip Flops nachlaufen mussten, oder nahmen sich Huckepack, falls einer keine Plastikflipflops sondern „gute“ Schuhe anhatte 🙂 Es war wirklich schön zu beobachten und so ging auch die Warterei schnell rum und trotz des schlechten Wetters war überall fröhliche Stimmung anzutreffen.

Einen Tag vor dem geplanten Flug kam der Arzt in unser Hotel, um Michi nochmal zu untersuchen und zu unserer Erleichterung gab er grünes Licht für den Flug.

Somit konnte unser neues Abenteuer Neuseeland beginnen… Bald mehr davon! 🙂

Ps: An unsere nette Bekanntschaft aus München:

Das Octopus-Resort gehört einem Neuseeländer, wird aber von einem australischen Pärchen geführt! Wir hoffen es geht euch gut und ihr genießt Neuseeland. Schreibt doch mal ne Email, zwecks Bildaustausch, wir haben noch ein paar tolle von euch! Liebe Grüße!

Panama, Panama City

Huhuuuuuuuuuu,

unsere Zeit in Mittelamerika neigt sich dem Ende zu und wir sind schon voller Vorfreude auf Fiji und Neuseeland:-)

Aber davor erst mal Panama… Wie ihr bereits gelesen habt, haben sich unsere Pläne für Silvester in Panama am Strand ja zerschlagen, sodass wir spontan entschieden hatten direkt nach Panama City zu fahren. Von dort wollten wir dann weiter schauen, was man hier noch weiter bereisen kann. Naja eigentlich muss man eher sagen, was wir von hier aus bereisen wollen, denn „können“ geht natürlich je nach Budget so einiges. Wir mussten allerdings schnell feststellen, dass weitere Reiseziele, wie beispielsweise die San Blas Inseln, nicht in unserem Budget lagen. Es ist wirklich sehr teuer und da wir noch die Fiji Inseln vor uns hatten, war klar, dass wir das Geld hierfür sparen wollten (nur so am Rande, Fiji kann wirklich teuer sein).

So entschieden wir uns, die Zeit bis zu unserem Flug auf die Fiji´s in Panama City zu verbringen, was für diese große Stadt immer noch zu wenig Zeit war. Wir hatten uns aufgrund vorheriger Recherchen erst einmal das „Panama House“ als mögliche Unterkunft ausgeguckt. Es war vergleichsweise günstig, hatte Frühstück dabei und eine Küche, was natürlich den Geldbeutel auch nochmals zum lächeln bringt. Wir wurden bei der Ankunft bereits super herzlich willkommen geheißen, auch ohne Reservierung. Die Zimmer, die zwar wirklich winzig sind (und unseres mit 3 weiteren Zimmern geteilten Bad), aber mit Liebe zum Detail eingerichtet sind, fanden wir irgendwie saugemütlich 🙂 Was braucht man mehr. Es war eine super familiäre Atmosphäre mit der Eigentümerin und ihren zwei kleinen Mädels, aber auch den anderen Mitarbeitern und den anderen Gästen. Wir hatten das Gefühl, dass wir in einer großen Familie angekommen sind. Und das war auch genau das was wir für diese Zeit gebraucht und sehr genossen haben: so ein bisschen Familiengefühl nach den Reisemonaten zu bekommen und die bisherigen Eindrücke sacken zu lassen. Wir haben neben den Aktivitäten auch viel Zeit auf der Terrasse, die zum Garten angrenzt verbracht, wirklich eine wunderschöne kleine und grüne Oase zwischen den Wolkenkratzern. Bei unserer Ankunft wurden wir auch direkt von Willy, dem Wachhund begrüßt, der noch sehr jung und verspielt ist. Der kleine Draufgänger (vor seinem Spielwahn musste man alles in Sicherheit bringen) hat unsere Herzen im Sturm erobert. Irgendwann hatte er eine Socke von mir geklaut, die auf meinem Schuh lag, wir haben bestimmt 15 Minuten zu dritt Katz und Maus gespielt, bis wir sie endlich wieder ergattert hatten, Willy hat uns auf Trab gehalten 😉

Außer Willy gibt es dort noch ein toll angelegtes Salzwasseraquarium, einen Vogel in einem großen Käfig im Garten (ich weiß leider nicht was für eine Art, er war klein und gelb und hatte einen roten Kopf, als würde er sich den ganzen Tag für irgendwas schämen) und bis kurz vor Silvester gab es auch noch einen großen Leguan im Käfig im Garten. Der Leguan war wirklich groß und beeindruckend. Eines Abends waren wir im Garten und Michi wollte nach dem Leguan schauen, als er sah, dass das Tor des Käfigs offen war und der Leguan weg war. Wir erfuhren als wir Bescheid gaben, dass der Leguan eigentlich als Essen geplant war, wir glauben für Silvester. So hatte wahrscheinlich eines der Kinder das Tor aufgemacht und dem Leguan die Freiheit geschenkt. Es gibt zwei große dicht bewachsene Bäume im Garten, sodass er auch nicht mehr auffindbar sein wird. Lucky Leguan!

Aber natürlich haben wir in Panama City vor allem Sightseeing gemacht. Gleich am ersten Tag nach unserer Ankunft sind wir ins Casco Viejo, dem Altstadtviertel, gefahren. Wir sind die komplette Strecke von unserem Hotel über die Uferpromenade dorthin gelaufen, wir haben unsere Füße abends doch gut gespürt. Die Uferpromenade ist sehr schön angelegt, mit viel grün mitten in der City. Überall da, wo ein kleiner Fleck Schatten in der Mittagssonne zu finden war, stand ein Verkäufer mit seinem Wagen (Getränke, Eis, Würstchen o.ä.). Wir haben uns auf dem Rückweg auch ein Eis zur Abkühlung gegönnt, d.h. es wurde mit einer Art Raspel ein dadurch mit Crushed Ice gefüllter „Eisbecher“ von einem großen Eisblock (wie ein Rieseneiswürfel) runter geschabt und man konnte dann aus verschiedenen Sirupsorten auswählen, sodass das gefrorene Wasser Geschmack bekam. Diese Eisverkäufer waren überall zu finden. Wir fanden es sehr beeindruckend mit dem riesigen Eisblock in der Hitze. In dem Viertel selbst gab es viele Möglichkeiten Souvenirs einzukaufen oder Kirchen zu besichtigen. Was wir auffällig fanden sind die Gebäude, die unten renoviert, im 1. oder 2. Stock jedoch Ruinen sind. Das sah so aus, dass es keine oder zerbrochene Fenster gibt und/oder die Gebäude sehr oft mit Stahlträgern abgestützt sind. Auf dem Weg zur Altstadt kommt man an der Uferpromenade an einem Fischmarkt vorbei, da wird man auf dem Weg bereits abgefangen und zugequatscht. Es war super viel los dort und das Gedränge, die Hitze und der doch sehr starke Geruch nach Fisch hat uns dann doch nicht so sehr Appetit gemacht, sodass wir nur durch liefen, aber nichts aßen. Bevor es anfing zu dämmern schlugen wir unseren Weg Richtung U-Bahn ein, um zurück zum Hotel zu fahren. Davor machten wir einen kleinen Stopp bei einem Weihnachtsmarkt, der in einem Zelt eine Eislaufbahn aufgebaut hatte, sodass bei 31 Grad im Schatten die Leute in kurzen Hosen und T-Shirts ihre Bahnen auf dem Eis zogen, naja besser gesagt sehr vorsichtig über das Eis wackelten. Das war bei der Hitze ein sehr skurriles Bild. Auf dem Weg zur U-Bahn sind wir dann mit zwei Ehepaaren über verschiedene Ampeln und haben alle die selbe Straße eingeschlagen. Dort standen drei Männer am Straßenrand, der eine pinkelte, die anderen warteten auf ihn. Sie versuchten uns anzuquatschen und in ein Gespräch zu verwickeln. Einer von ihnen lief sehr dicht an uns dran eine ganze Weile hinter uns her. Wir sind einfach weitergelaufen und haben nur kurze Antworten gegeben, da uns die Situation nicht ganz geheuer war. Wir haben uns direkt hinter eines der Ehepaare geklemmt, um den Anschein zu wecken, als wären wir eine „größere“ Gruppe. Ein Taxifahrer, der an uns vorbeifuhr, bremste auf Schrittgeschwindigkeit runter und rief Michi aus dem Auto aus zu, wir sollen vor dem Typ auf der Hut sein. Das bestätigte unser komisches Bauchgefühl. Bis wir wieder in die nächste belebtere Straße kamen, vergingen nur wenige Minuten, allerdings fühlte es sich durch die innere Anspannung und das innerliche wappnen auf mögliche Probleme, doch deutlich länger an. Wir hatten sie bis dorthin dann glücklicherweise endlich abgeschüttelt. Das war eigentlich so unsere schlimmste und einzige Erfahrung mit so einer Art von Situation, ansonsten haben wir uns bisher immer sehr sicher gefühlt. Von dort aus mussten wir uns mehrmals durchfragen bis wir die U-Bahnstation fanden. Um zu verstehen wie das System mit den Fahrkarten in der Bahn funktioniert, fragten wir mehrere Menschen, die auch an den Automaten standen. Wir hatten jedoch lange erst mal kein Glück, da sie kein Englisch sprachen. Eine Familie aus den Staaten, die selbst zu Besuch war und das ganze Prozedere am Morgen zuvor herausgefunden hatte, half uns dann weiter. So kauften wir beide eine Karte für 2 $ (in Panama wird vorwiegend in US Dollar gezahlt), die wir dann aufladen mussten. Wie sich später herausstellte, hätte uns eine Karte auch gereicht, da die 2 $ der reine Preis für die Karte ist, ohne Guthaben und man dies nicht zurück bekommt und man auch zwei Fahrten von einer Karte abbuchen kann. Naja das war mal wieder ein wenig Lehrgeld, was wir nun mal so ab und zu auf der Reise bezahlen, nicht weiter tragisch. Eine U-Bahnfahrt kostet 35 Cent und man geht durch ein Drehkreuz rein und ebenfalls wieder raus. Im Moment hat Panama City erst eine U-Bahnlinie, und das auch noch nicht so lange, weitere sind jedoch in Planung. Die Bahnsteige sind dementsprechend sehr neu und gepflegt und auch die U-Bahnen. Wir können uns nicht erinnern jemals so günstig U-Bahn gefahren zu sein. Ach ja und die Karte konnte man auch bei den sogenannten Metrobussen einsetzten, da gab es hinter dem Fahrer ein Drehkreuz. In den Metrobussen kostet eine Fahrt 25 Cent… Das Hotel Panama House liegt ein paar Gehminuten von der U-Bahn entfernt , sodass wir wirklich super mobil waren. Auch ein großer Supermarkt, der 24 Stunden offen hat, ist in ein paar Minuten erreichbar. Das war natürlich das Paradies für Michi. Ich will gar nicht wissen wie viele Stunden wir zusammengerechnet zwischen den Regalen verbracht haben. Wir kannten uns nachher so gut in dem Laden aus, als hätten wir dort gearbeitet… 😀 Michi war nicht nur glücklich über die Auswahl an Produkten, sondern auch die Küche im Hotel, die bisher auf unserer Reise am besten ausgestattet war (auch mit kleinem funktionierenden Ofen, das hatten wir die ganze Zeit nicht), sodass Michi ganz hin und weg war im planen und kochen von Gerichten, die wir schon eine ganze Weile nicht mehr hatten. So hat er beispielsweise selbst Pizza gemacht, oder auch selbst geschabte Käsespätzle (!!!). Michi war super happy und konnte seine Dosis an „selber-tolle-Gerichte-kochen“ wieder etwas auffrischen. Da strahlen dann seine Augen wenn das Essen auch noch richtig gut gelingt, so schön! So, aber übers Essen zu schreiben ist eigentlich Michi´s Part, deshalb komme ich wieder zurück auf die Erlebnisse 😛

Wie wir ja bereits geschrieben haben, hatten wir einen ganz tollen Start ins neue Jahr, den wir auch im Casco Viejo verbracht haben, mit unfassbarem Blick auf die Skyline und das Feuerwerk. Wenn 2017 so wird wie es begonnen hat… toi toi toi! Wir sind relativ planlos ins Altstadtviertel gefahren, mit lediglich dem Ziel ein wenig Feuerwerk über der Skyline zu sehen und dann vielleicht noch in einer Kneipe auf das neue Jahr anzustoßen. So suchten wir uns einen guten Platz, von dem wir aus einen wunderschönen Ausblick hatten. Wir rechneten damit, dass diese Idee noch mehr Leute haben würden und es dementsprechend voll werden könnte, jedoch war es hierfür wirklich recht wenig los. Wir hörten ein paar Meter weiter eine deutsch sprechende Gruppe und entschieden uns spontan rüber zu gehen und zu fragen, ob wir uns anschließen dürften. Die Gruppe war super nett (7 Leute) und es stellte sich heraus, dass 3 aus der Schweiz (ein Paar und ein Freund von ihnen), zwei Mädels aus Österreich und ein Paar aus Deutschland kamen. Sie lernten sich bereits einige Tage vorher bei ihrer Reise auf die San Blas Inseln kennen und hatten sich für Silvester verabredet. Natürlich tauschten wir direkt erst mal Reiseerfahrungen und Tipps aus. Zum neuen Jahr hatten die beiden Mädels eine Himmelslaterne mitgebracht, die wir letztendlich jedoch erst nach 12 Uhr flugbereit bekamen (sie wollte nicht brennen). Es flogen super viele dieser Himmelslaternen am Himmel und es sah wirklich sehr schön aus. Tatsächlich war das Feuerwerk im Größenvergleich zur Skyline nicht so imposant wie wir uns das vorgestellt hatten, lediglich ein paar kurze Szenen kamen von einem Hochhaus und erstrahlten über der Skyline oder wurden von einer Brücke vor der Skyline aus gefeuert. Das wiederum sah wirklich grandios aus und es war nur noch „Ahhhhh“ und „Ohhhhhhh“ zu hören. Das meiste Feuerwerk reichte von unserer Perspektive lediglich bis zu den Füßen der Skyline. Nach dem Feuerwerk beschlossen wir alle gemeinsam in der Altstadt irgendwo was trinken zu gehen. Es war eine tolle Stimmung in der Luft, von allen Seiten kam uns ein „Feliz año nuevo“ (Frohes neues Jahr) entgegen. Wir entschieden uns schließlich in eine Kneipe zu gehen, waren eigentlich schon im Begriff rein zu gehen, da wurden wir von einem Mann angesprochen, der direkt neben der Tür an einem Tresen stand. Er zeigte auf die Tür daneben und wir sollten rein gehen. So liefen wir alle im Gänsemarsch durch die Türe und stiegen, ich habe keine Ahnung wie viele, Treppen hinauf. Oben angekommen fanden wir uns auf einer sehr schicken Party auf einer Dachterrasse mit Blick auf die Skyline wieder. Die Gäste waren alle in sehr schicken Abendkleidern und Highheels bzw. Anzügen. Und wir? Flipflops!!! Es war so lustig, wir fielen natürlich direkt auf wie bunte Hunde. Es war eine super Stimmung mit der Gruppe und wir tanzten eigentlich direkt ab der ersten Minute, erst noch vor der Bar, später eröffneten wir die Poolparty. Der Pool hatte einen Bereich, in dem man bis unterhalb der Knie im Wasser stand und einen anderen, in dem wir komplett hätten baden können. Es wurde allerdings nur der tanzbare Bereich im Pool genutzt 😉 Es hat super viel Spaß gemacht und wir haben den Abend sehr genossen!

Am 2. Januar sind wir in die Albrook Mall etwas bummeln und shoppen gegangen. Ich kann mich nicht erinnern jemals so eine große Shoppingmall besucht zu haben. Wir haben uns direkt einen Plan geholt, damit wir auch wieder zurück finden, falls wir uns verlaufen sollten. Wir haben dort ein Top für mich gekauft (die Waschmaschine hatte eines von mir geschreddert) und ein aufblasbares Nackenkissen für Michi, dessen zweites, dass wir in San Francisco gekauft hatten, auch wieder ein Loch hatte. Ansonsten waren wir einfach am schlendern und gucken. Die Mall hat Geschäfte für den großen Geldbeutel (es ist vor ein paar Jahren mit einem Anbau vergrößert worden, sodass sie auch versuchen anderes Klientel zu bekommen), aber vor allem Geschäfte mit sehr günstiger Kleidung. So kann man bereits Jeans für 1,99 $ bekommen (qualitativ… klar, völliger Käse). Zu meinem geschredderten Top muss ich euch berichten: nach dem Waschen und Trocknen habe ich auf der einen Seite gesehen, dass der Träger (Spaghetti-Träger) gerissen war. Ich dachte, kein Ding, das nähe ich schnell. Gesagt getan, war auch sehr zufrieden mit dem Ergebnis, da man es nicht direkt auf den ersten Blick sah. Ich schau mir das Top im Ganzen an und denke: wo ist denn der andere Träger??? – Dieser wurde wohl von der Waschmaschine komplett abgerissen, da nichts mehr von ihm übrig war. Ich hab direkt erst mal einen Lachanfall bekommen, weil ich ein paar Minuten vorher noch so konzentriert an dem anderen Träger rumgenäht habe, mit dem Ziel, das so gut wie möglich zu machen und mir gar nicht aufgefallen war, dass das ganze Top hinüber ist… Ich musste beim aufschreiben gerade nochmal sehr über mich lachen 😀

Natürlich wollten wir uns auch DIE Sehenswürdigkeit in Panama anschauen: den Panamakanal. Nach Recherchen zuvor wurde uns immer wieder die Miraflor Schleusen in Panama City ausgespuckt, sodass wir beschlossen, dort mit dem Bus hin zu fahren und uns das zumindest mal von außen anzugucken. Von außen deshalb, da wir einige Bewertungen gelesen hatten, die beschrieben, dass der Eintritt 15 $ pro Person für ein winziges Museum, einen Werbefilm und vor allem das Warten auf den Balkonen mit Blick auf die Schleusen beträgt. Allerdings habe man da nicht unbedingt das Glück auch einen Frachter sehen zu können. Wir haben von Bewertungen gelesen, die stundenlang dort waren und gewartet hatten und kein Schiff kam. Falls man Glück habe, sei es dann ein schlimmes Gedrängel um den besten Platz für ein gutes Foto. Das hörte sich für uns alles andere als einladend an. Unser Plan war, dort vor Ort zu schauen, ob es sich doch lohnen könnte (die Aussichtsmöglichkeit mit den zwei Balkonen ist wirklich nicht groß und mit den oben beschriebenen Punkten kam es für uns nicht in Frage), oder einen alternativen Platz mit Blick auf den Kanal in der Nähe zu finden. So nahmen wir Plan B in Angriff und suchten nach einem alternativen Platz, was sich dann jedoch als Ding der Unmöglichkeit herausstellte. Aber eins nach dem anderen. Wir stapften also erst mal zurück Richtung Hauptstraße über eine Brücke (der Fluss wurde gestaut, sodass kaum Wasser darin war). Dort sahen wir ein Schild mit einem Krokodil drauf und einer spanischen Warnung. Wir waren ganz verwundert, dass es hier Krokodile geben soll und haben von der Brücke aus Ausschau nach ihnen gehalten. Und tatsächlich, halb von einem Busch verdeckt lag da ein Krokodil am Ufer und das war gar nicht mal so klein… Naja um das Vorweg zu nehmen, das war unser Highlight an diesem Tag! Wir versuchten an der Straße noch weiter nach oben zu laufen, in der Hoffnung dort eventuell noch eine Stelle mit Sicht auf den Kanal zu bekommen, aber das war alles entweder abgezäunt oder dichter Wald. Wir haben die Suche dann nach einigen Stunden aufgegeben und sind unverrichteter Dinge wieder ins Hotel gefahren. Das muss natürlich jeder für sich selbst entscheiden, aber uns waren es die insgesamt 30 $ nicht wert um vielleicht ein Foto von einem großen Frachter zu bekommen, die wir ja aus Hamburg kennen.

An zwei Tagen verschlug es uns auch durch umherbummeln in der Stadt in den Parque Omar, der mitten im Zentrum liegt und vor allem viele Sportmöglichkeiten bietet. So ist ein großer überdachter Platz am Eingang, wo um eine gewisse Uhrzeit (wir glauben) kostenlose Zumba-Kurse stattfinden. Und durch den Park verläuft eine Joggingroute, an der nach jedem halben Kilometer ein Schild mit den bereits gelaufenen Kilometern steht. Vor allem kurz vor dem Sonnenuntergang war es dort wirklich sehr gut besucht. Ich war dort zweimal joggen in der Zeit, was seit der Reise das erste Mal wieder möglich war (Nicaragua bietet wenn überhaupt nur seeeehr löchrige Bordsteine und die Parks sind eher klein und für Kinder und Familien ausgelegt, nicht fürs joggen). Das hat mich sehr glücklich gemacht mal wieder joggen zu gehen, Sport-Glückshormone… 🙂

Außerdem haben wir noch den Amador Causeway besucht. Das ist eine Straße, die drei Inseln mit dem Festland verbindet und künstlich angelegt wurde. Sie fungiert als eine Art Uferpromenade mit Blick auf die Skyline, mit Eisverkäufern, Aussichtsplattformen, Fahrradverleih, Yachthafen etc. Es gibt einen neuen und einen „alten“ Teil, der neue ist gerade noch am entstehen, sodass an vielen Stellen bereits Kabel aus der Erde schauen, aber die Laternen fehlen, oder Bushaltestellenhäuschen nur aus einem Gerüst bestehen. Der ältere Teil bot dann zwar von größerer Entfernung, aber immerhin, einen Blick auf einen Schleuseneingang, vor allem sah man dort viele größere Frachter oder Kreuzfahrschiffe passieren. Es war ein super schöner Tag mit viel Sonne und kleinen erfrischenden Schauern zwischendurch. An einigen Stellen standen Angler, die mit besserer oder auch notdürftigster Ausrüstung auf Fische warteten. So hatten einige lediglich eine Angelschnur um eine Flasche gewickelt und einen Haken mit Gewicht. Aber es funktionierte.

Ein auch sehr schönes Erlebnis war der Parque Metropolitano. Das ist ein großer Park mitten in der City mit Wanderwegen durch den Wald. Es kostet 4 $ Eintritt und man kann dann verschiedene Wege erkunden und nach Tieren Ausschau halten. Trotzdem wir mitten im Wald waren, waren an manchen Stellen die Flugzeuge und die Autos auf der Straße sehr laut zu hören, an anderen Stellen war es etwas leiser. Es wird als Lunge von Panama City bezeichnet und wir waren etwas überrascht, dass es so dicht bewachsener Wald ist, da wir uns unter einem Park etwas anderes vorgestellt hatten. Aber das fanden wir besser! Da wir unter der Woche dort waren und nicht am Wochenende, war nicht viel los und wir konnten auf das Rascheln und die Geräusche von Tieren achten. Wir sahen einige Agutis, das sind Nager, die aussehen wie große Meerschweinchen (sehr vereinfacht beschrieben). Ein Faultier haben wir direkt am Eingang an der Straße im Baum gezeigt bekommen (war wahrscheinlich angefüttert, was sicherlich umstritten gesehen werden kann, im Park selbst haben wir keines gesehen). Allerdings sind die Bäume auch so hoch und an manchen Stellen wirklich sehr dicht, sodass es natürlich auch schwierig ist dort Faultiere und Affen zu entdecken. Was wir viel zu sehen bekamen, waren Ameisenstraßen mit Blattschneideameisen. Es war sehr faszinierend den kleinen Kraftprotzen bei ihrer Arbeit zuzusehen. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Reise, der fehlende Stress und Druck, uns mehr die Augen für die kleinen Großartigkeiten des Lebens öffnet.

Am Ende des Wanderweges kommt man auf eine Aussichtsplattform. Als wir um die Ecke bogen und die Aussichtsplattform sehen konnten, „begrüßten“ uns direkt zwei Nasenbären, die wir wahrscheinlich gerade bei ihrer Futtersuche überraschten. Es war ein super witziger Moment, weil wir um die Ecke kamen und direkt stehen blieben, als wir die kleinen Tierchen sahen und sie auch stehen blieben und wir uns für den Bruchteil von Sekunden ansahen, bis sie gemütlich den Rückzug antraten. Das war ein wirklich schöner Moment. Auf der Aussichtsplattform konnte man dann natürlich nochmal auf die Skyline schauen, die auch wirklich beeindruckend ist. Als wir wieder auf dem Parkplatz am Eingang ankamen, begann es bereits zu dämmern und die Tiere kamen aus ihren Schattenverstecken. So tummelten sich einige Agutis auf dem Parkplatz und waren super neugierig. Einer war so unerschrocken, dass er immer weiter Richtung Straße lief und von einem Mitarbeiter wieder Richtung Wald getrieben werden musste. Das war ein wirklich schöner Tag mit viel Grün mitten in der Großstadt.

Achja, zwischendurch mussten wir für drei Nächte in ein anderes Hotel ziehen, da das Panama House eine große Gruppe erwartete, die im Gegensatz zu uns reserviert hatte, und sie somit voll ausgebucht waren. So zogen wir in die Nähe in ein Hotel, das jedoch deutlich unpersönlicher war. Es hatte auch Frühstück mit drin, was jedoch eher stressig und für den Preis nicht angemessen war. Der Frühstücksraum war super klein mit ein paar kleinen Tischen, das heißt es war sofort voll und die Auswahl war klein und sofort vergriffen. Dafür hatten wir ein Riesenzimmer mit zwei Doppelbetten und konnten uns beide mal wieder so richtig ausstrecken (ja auch als verliebtes Paar freut man sich über ein klein wenig Freiraum, wenn man 24 Stunden/ 7 Tage die Woche miteinander verbringt 😉 ). Und von dort aus gingen wir auch „Döner“ essen. Hm, wer jetzt das erwartet wie wir das so kennen, der liegt genauso falsch wie wir. Es war eine kleine Sandwichtasche, ungefähr so groß wie meine Handfläche, halb gefüllt mit einem Gemüsemix und Fleisch. Geschmacklich war das ganz gut, auch wenn es überhaupt nicht an Döner erinnert hat, jedoch war der Preis mit 3,50 $ für das Winzteil vergleichsweise teuer. Wir waren danach alles andere als satt und sind dann noch etwas Einheimisches essen gegangen (Reis, Hühnchen, Kochbanane, Bohnen) und haben 2,75 $ für einen gut gefüllten Teller bezahlt… 😀

Die letzten Tage vor unserem Abflug haben wir viiiiiiiiiieeeeeeel Zeit für das Planen von Fiji verloren, was wohl daran liegt, dass Fiji teuer ist und wir versucht haben, etwas bezahlbares und schönes zu finden, was unser Budget nicht völlig zerlöchert. Nein ich übertreibe leider nicht. Nach langem suchen und vergleichen und lesen und recherchieren und besprechen, hat sich dann alles schon in unseren Köpfen vermischt und uns wirklich zermürbt. So waren wir dann einfach nur erleichtert als wir endlich gebucht hatten (7 Tage ein Doppelzimmer auf der Hauptinsel am Strand, 10 Tage im 7 Betten-Schlafsaal auf Waya Island, 3 Tage nochmal auf der Hauptinsel wahrscheinlich im gleichen Hotel). Dann noch die Überfahrt und eine Reiseabbruchversicherung, man weiß ja nie was da so auf der Insel an Naturgewalt auf uns zukommen könnte. Wir kennen das mit der Naturgewalt ja noch von Little Corn, nur dort waren andere Summen im Spiel und kein geplanter Flug nach Neuseeland…

Als die Buchungen endlich abgeschlossen waren, konzentrierten wir uns darauf unsere Ausrüstung auszutauschen bzw. aufzustocken. So gönnten wir uns jeder eine gute Tauchermaske mit Schnorchel, um für Fiji gerüstet zu sein und nicht jedes Mal die Leihgebühr zahlen zu müssen (wäre uns tatsächlich teurer gekommen). Und wir haben uns jeder noch eine Jeans gekauft (die hatten wir beide nicht dabei und hätten sie bisher außer in den USA auch nicht gebraucht, nein, nicht die für 1,99 $… hihi). Die Gepäckorganisation war bisher wirklich wichtig, da jedes Gramm gezählt hat, als wir so viel mit dem Rucksack unterwegs waren. Jetzt, da wir bald in Neuseeland ein Auto haben und nicht mehr alles auf dem Rücken tragen, haben wir mehr Spielraum, worauf wir uns auch schon irgendwie freuen und was für uns einen wiedergewonnen Luxus darstellt.

Zum Schluss will ich euch noch von einer witzigen Situation mit Michi erzählen. An einem der letzten Tage haben wir uns im Supermarkt Bollos mitgenommen, das ist so eine Art Klosteig aus Maismehl, der die Form einer Wurst hatte. Da auf der Rückseite der Verpackung drei unterschiedliche Zubereitungsangaben standen (im Wasser kochen, Mikrowelle oder Grill), fragten wir bei der Köchin des Hotels nach, was denn am besten schmeckt. Sie erklärte uns, das wurde uns auf Englisch übersetzt, am besten in einer Pfanne mit Butter anbraten. Also gut, dann diese Variante. Die Mitarbeiterinnen, mit denen wir uns auch die ganze Zeit über mit Händen und Füßen verständigt hatten und die einfach auch super lieb waren, haben das mitbekommen und wollten mal gucken, was Michi da so in der Küche macht. Auf einmal sind alle drei (sie waren auch alle mindestens einen Kopf kleiner als Michi) um ihn rum gewuselt haben sich ausgetauscht, die Hitze des Herds kontrolliert und Anweisungen gegeben. Michi wollte die Bollos in die Pfanne machen, als diese heiß genug war. Eine der Mädels fragte, zumindest verstand das Michi, „classico?“ und Michi antwortete „no, con queso“ (nein, mit Käse). Die Mädels schauten sich an und fingen an zu lachen und sie wiederholte „con plastiquo“ (mit Plastik) und Michi entdeckte, dass die Bollos, die er schon in die Pfanne gelegt hatte, alle mit einer Plastikhülle überzogen waren. So namen sie schnell die Bollos aus der Pfanne und entfernten die Plastikhülle. Wir haben alle in das Lachen eingestimmt, aber Michis Blick war das herrlichste an der Situation: völlig überfordert von den drei temperamentvollen Ladies in die Mangel genommen und bemüht zu verstehen. Alle Mädels hatten uns am nächsten Tag gefragt, wie die Bollos waren und konnten sich ein Grinsen nicht verkneifen. Da unser Flug bereits früh morgens ging und wir um halb fünf bereits das Hotel verlassen mussten, verabschiedeten wir uns von der Inhaberin am Abend davor. Sie umarmte uns beide und meldete uns zurück, dass wir bereits als Teil der Familie gesehen wurden, das war wirklich süß! Wir hatten eine ganz tolle Zeit dort und wir können nur jedem empfehlen, der eine Unterkunft mit Charakter in Panama City möchte, dort hin zu gehen.

Fijiiiiiiiiiiiii wir kommen…….. 🙂 🙂 🙂 🙂 🙂

Nicaragua Teil 8 – San Juan del Sur

Hi ihr Lieben,

da wir hier im Moment etwas feststecken, es nicht viel zu machen gibt, beziehungsweise die Aktivitäten teuer sind, haben wir gerade viel Zeit zu lesen und uns um den Blog zu kümmern, deshalb jetzt schon der nächste Eintrag von uns 🙂

Wir sind am 13.12.2016 von Ometepe nach San Juan del Sur aufgebrochen. Wie wir ja bereits beschrieben haben, mussten wir aufgrund der Feiertage etwas mehr planen als sonst und haben uns bereits von Ometepe eine Unterkunft in San Juan del Sur reserviert. Diesen Tipp hatten wir von den deutschen Mädels bekommen, die wir nach Las Penitas auf Ometepe im Ojo del Agua wieder getroffen hatten. So stiegen wir die ersten 4 Tage im Buena Onda ab, einem Hostel, das auf einem Berg gelegen ist und einen unglaublichen Ausblick auf San Juan del Sur und den Strand bietet. Mit offener Küche und Sitz und Liegemöglichkeiten in Hängematten konnten wir diesen Blick in den Tagen während des kochens, abspülens und chillens ausgiebig genießen. Das Hostel wird von einem Franzosen geführt und unser Zimmer grenzte direkt zur Terrasse mit dem herrlichen Blick. Wir hatten seit langem (eigentlich seit Deutschland) mal wieder ein richtig großes Kingsize-Doppelbett, sodass wir uns ein paar Tage mit nächtlichem treten verschonten 😛 Das Zimmer war komplett aus Holz, das Bad mit Bambusholzstäben verkleidet. Es sah wirklich schön und originell aus. Der Nachteil an diesem Zimmer war nur leider, dass es zwischen Wand und Dach einen Zwischenraum gab, der nicht mit Fliegengittern abgeschirmt war, sodass wir in diesen vier Tagen die meisten und größten krabbelten Besucher in unserem Zimmer hatten. Die großen Käfer und Kakerlaken waren zwar bereits keine Mitbewohner über die wir uns freuten, aber als wir am vorletzten Tag einen wirklich großen Skorpion von ca. 15 cm Größe in unserem Zimmer fanden, war das echt nicht mehr witzig. Wir hatten bereits kleinere in unserem Zimmer, aber dieses Exemplar toppte alles bei Weitem. Skorpione sind hier zwar nicht giftig, jedoch soll der Stich sehr schmerzhaft sein und die betroffen Stelle schwillt wohl ziemlich an. Zumindest keine Erfahrung die wir hier mitnehmen wollen. Wir waren heilfroh über Michis Insektenspray, was er sich ja bereits nach der Spinnenerfahrung in Little Corn und Somoto gekauft hatte. Wir sind wirklich keine Fans davon Tiere direkt zu töten, aber ehrlich gesagt war uns das wirklich zu heikel das possierliche Tierchen in dieser Größe einzufangen und frei zu lassen. Der Ekel davor war einfach zu groß. So kämpfte der Skorpion geschlagene fünf Minuten um sein Leben und blieb dann reglos neben meinen Schuhen liegen. Ich schleifte dann mit meinem Schuh das tote Tierchen über die Terrasse und wischte es nach unten. Das war definitiv hier eine unserer ekelhaftesten Erfahrungen, was uns für mehrere Tage auch ziemlich die Laune verdorben hatte. Ja jetzt wissen wir das auch über uns: wir haben einen ausgeprägten Ekel vor diesen Insekten. Wir kennen solche Tiere nicht aus der deutschen Natur und wahrscheinlich schürt diese Unwissenheit unseren Ekel erheblich. Michi hatte bereits kurzzeitige Fluchtgedanken und sich eingehend mit der Tierwelt in Neuseeland, wo wir ab Februar sein werden, auseinander gesetzt. Da seine Recherchen ergaben, dass er dort nichts weiter gefährliches gibt, schlug er sofort vor, den Aufenthalt dort zu verlängern 🙂

Aufgrund der Tatsache, das Weihnachten vor der Tür steht, haben wir schon in Ometepe zwei Unterkünfte in San Juan gebucht. Zum einen eben das Buena Onda, zum anderen das Hostel Tadeo, was wir mit 35$ die Nacht im Doppelzimmer in der Woche vor Weihnachten als günstigste noch freie Übernachtungsmöglichkeit gefunden haben. Die Tage direkt zu Weihnachten war das nur noch freie 3-Bettzimmer zu 52$ zu haben. Auch das war die günstigste Möglichkeit. Wir waren sehr geschockt über den riesigen Preisanstieg und planten Silvester in Tamarindo Costa Rica zu verbringen. Nachdem wir auch dort die Preise gecheckt hatten und auch ein Hotel sicherheitshalber reserviert haben, war die günstigste Kombination aus Tagen über Silvester und Preis für ein Zimmer für 120$ die Nacht. Direkt um Silvester gab es nur noch welche für 230$. Nach dem Buchen besprachen wir uns aber nochmal, wägten Vor- und Nachteile ab und kamen zu dem Schluss, dass uns das zu teuer war. Wir wollten Costa Rica auslassen und direkt in Panama Silvester verbringen. Also buchten wir uns in einem Hostel am Playa Las Lajas ein, ein Strand, an dem wohl zu Silvester die Post abgeht. Genau das Richtige für uns 😉

Aber zurück zu San Juan del Sur:

Wir haben nach unserer Ankunft natürlich direkt erst mal das Zentrum erkundet und genau wie in unseren Recherchen zuvor ein kleines sehr touristisches Städtchen vorgefunden, das viele Einkaufs- und Restaurantmöglichkeiten auf einem wirklich hohen Preisniveau zu bieten hat. Auch die Touristen sind hier ein etwas anderer Schlag, als wir das bisher in den anderen Städten gesehen haben: viele Surfer, Alternative, Hippies jeden Alters (entschuldigt, dass ich schon wieder auf so Stereotype zurück komme, aber so habt ihr denke ich ein ganz gutes Bild vor Augen). Der größte Unterschied empfanden wir jedoch darin, dass hier einfach viele Urlauber sind, damit meine ich, Touristen, die nicht von Ort zu Ort reisen, sondern dort und in der Umgebung bleiben und ihren 2-3 Wochenurlaub verbringen und eben weniger Backpacker. Außerdem ist der Strand mit einer Restaurantpromenade zwar ganz schön, aber er bietet keinen Zentimeter Schatten, was bei der Kraft der Sonne hier für uns auf längere Zeit wirklich keinen Spaß macht. Es ist auch ähnlich wie in den europäischen Urlaubszielen, die Touristen liegen an den Stränden und lassen sich von allen Seiten grillen bis sie feuerrot sind. Das ist echt nicht so unser Ding. So verbrachten wir vor allem die ersten Tage damit uns hier etwas näher umzusehen, günstige Essensmöglichkeiten und Einkaufsmöglichkeiten ausfindig zu machen. Damit ihr euch das vorstellen könnt: Ein traditionelles Nica-Essen mit gegrilltem Fleisch (Huhn, Schwein oder Rind) und Kochbananenchips oder Reis und Bohnen und Krautsalat (ein wirklich richtig voller Teller von dem man seeeeeeeehr gut satt wird) kostet im Schnitt 3 Dollar. Die Touristenrestaurants wollen das dreifache für ein vollwertiges Gericht. Natürlich haben wir hier auch mal ne Pizza Margherita (5,30$) gegessen, denn den ganzen Tag nur Reis und Bohnen und das seit über zwei Monaten geht zwischendurch einfach manchmal nicht.

San Juan del Sur ist eine Surferhochburg und es reiht sich hier ein Surfshop neben dem nächsten. Allerdings ist der Strand hier direkt vor der Stadt nicht zum surfen geeignet, sodass man mit einem Shuttle für 5-10 Doller pro Person an einen anderen Strand fahren muss. So alles in allem ist es ein nettes Örtchen, gerade für Urlauber die Party machen wollen und chillen, wir fanden es schon recht schnell langweilig hier. Leider war es uns, wie wir ja bereits geschrieben habe, nicht möglich einfach spontan weiter zu reisen, sondern wir mussten hier leider planen und buchen, da die Unterkünfte bereits sehr überfüllt und ausgebucht waren und wir an sich mit Nicaragua fertig waren. So planten wir (wir waren ja gerade dabei mit dem planen) außerdem in den ersten Tagen im Buena Onda wie es nach Mittelamerika weitergehen sollte. Es war auch an der Zeit bereits etwas weiter in die Zukunft zu denken und an unserer Planung für einen Campervan in Neuseeland zu arbeiten. Außerdem beschäftigten wir uns mit der Frage, ob wir in Neuseeland einen Intensiv-Englischkurs machen sollten, um eines unserer Ziele, unser Englisch zu verbessern, voran zu treiben.

Wir mussten dann nach 4 Tagen Buena Onda verlassen und sind in das Hostel Tadeo, weiter Richtung Ortskern, gezogen, auch mit dem Plan über Weihnachten dort zu bleiben. Unser Vorstellung war eigentlich eine nette Hostel- und Backpacker-Atmosphäre zu haben und am Besten mit anderen Reisenden zusammen die Zeit zu verbringen. Da uns allerdings die Preise in unserem jetzigen Hostel echt tierisch überteuert vorkamen, in dem das Preisleistungsverhältnis echt daneben war, die allgemeine Küche mit 2 m² zu klein, der Pool zu klein mit ca. 6m² und vor allem voller Dreck und Blätter und auch sonst hier nicht die uns sonst so bekannte „Hostelstimmung“ aufkam, entschied sich Michi nochmal zu recherchieren. Tatsächlich hat er über Airbnb ein Studioappartment ergattern können, in das wir morgen ziehen. Mit eigener Küche, Klimaanlage und Bad ausgestattet soll es doch etwas besser sein und vor allem deutlich günstiger. Wir sind gespannt.

Jedoch sind wir neben dem Recherchieren natürlich auch mal am Strand gewesen und haben auch eines der Shuttles zum Hermosa Strand genommen und ein Surfbrett für einen Tag ausgeliehen. Da wir den Preis von zwischen 20$ und 30$ pro Stunde für einen Surflehrer zu überteuert fanden, haben wir uns vorher eben mit Youtubevideos weiter geholfen ;-).Wir hatten von verschiedenen Leuten gehört, dass man gerade hier an den verschiedenen Stränden in der Umgebung das passende für Anfänger bekommt. Der Hermosa Strand war auch ein touristisch angelegtes Areal mit einer Strandbar und Restaurants, sowie Sitzmöglichkeiten und Hängematten. Der Strand ist super lang und die Wellen waren wirklich gut für Anfänger. In dem Shuttlepreis von 10 Dollar waren 3 Dollar Eintrittspreis enthalten (wegen Duschen und Toiletten und eben den Sitz- und Liegemöglichkeiten). Wir ärgerten uns etwas nur so an den Strand zu kommen, aber wollten das Surfen ausprobieren. Wir hatten uns extra ein paar Tage zuvor fürs surfen und schnorcheln langarmige UV-Shirts gekauft. Beim Schnorcheln hatten wir uns schon einen Sonnenbrand zugezogen (es war bewölkt), sodass wir das nicht nochmal riskieren wollten (ja und wir wissen, dass wir Bleichgesichter sind und unsere Hautfarbe sehr schnell ins rot umschlägt, wir aber finden, dass uns das so gar nicht steht und es deshalb vermeiden unsere Haut kaputt zu machen). Michi startete zuerst mit dem Surfprobieren. Wir hatten extra ein wirklich großes Board für Anfänger bekommen, da die Chance darauf zu stehen wohl einfacher ist. Nach ein paar Einfindungs- und Annäherungsmomenten mit dem Board versuchte Michi auch direkt sein Glück bei den Wellen. Bei der zweiten oder dritten Welle stand er sogar bereits für ein oder zwei Sekunden, was uns beide super erstaunte. Jedoch konnte er dies erst einmal nicht direkt wiederholen, es wurde aber immer weiter probiert. Als ich das erste Mal auf das Board gekrabbelt war, merkte ich erst wie schwierig es ist, schon allein beim Liegen das Gleichgewicht zu halten. Als die erste Welle mich erfasste war das so ein tolles Gefühl, dass ich gar nicht mehr wusste, was ich eigentlich machen musste, es war wie fliegen oder so. Wir haben beide ziemlich Blut daran geleckt, auch weil es uns zum Ende des Tages doch ein paar Mal gelang für ein paar Sekunden auf dem Board zu stehen. Leider musste ich irgendwann die Flucht ergreifen, da ich ziemlich verbrannt wurde von Quallententakeln, die im Wasser rum schwammen (mit Aloe Vera hat das brennen schnell wieder aufgehört, war nur in dem Moment echt doof). Alles in allem war es ein super gelungener Tag für uns mit viel Spaß!

Ein kleines kulinarisches Highlight was wir hier in San Juan del Sur noch hatten war ein Falafelsandwich bei einem Falafelimbiss neben einem jüdischen Hostel. Wir waren erst skeptisch, ob Falafel in Nicaragua schmeckt, allerdings war er wirklich bombastisch lecker, sodass wir bereits zweimal schon dort waren. Beim letzten Mal haben wir auch eine kleine Babykatze die wohl zu dem Hostel gehört gesehen. Sie war höchstens 2-3 Wochen alt und noch sehr tapsig auf den Beinen. Als wir allerdings sahen, dass sie vom Hostel gefüttert wird und sie sich um sie kümmern, waren wir wirklich beruhigt (es hat uns sehr an unsere zwei Kater erinnert, die wir in Deutschland in ein schönes neues Zuhause mit viel Freigang gegeben haben. Trotzdem begleiten uns die Erinnerungen an die beiden ständig auf unserer Reise).

Ok, bald mehr von uns. Adios amigos!