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Roadtrip nach San Francisco

Ich schreibe diese Zeilen gerade von Nicaragua aus, mit einem wunderschönen Blick ins Grüne und Vogelbeschallung, mit wirklich sehr ungewohnten Geräuschen. Es ist eine völlig andere Welt zu dem was wir in den letzten zwei Wochen erlebt haben, deshalb versuche ich so gut wie möglich alles Revue passieren zu lassen:

Wir haben uns erst mal etwas nackig gefühlt als wir uns nicht mehr auf die Sprachkenntnisse von Lea verlassen konnten, sondern uns selbst durchschlagen mussten. Aber als wir mussten, hat sich gezeigt, dass wir uns gut ergänzen und die Kommunikation funktioniert. Wir schlagen uns so durch, Michi auch manchmal mit Deutsch-Englisch-Mix, was wirklich sehr witzige Kombinationen mit sich bringt.

An unserem ersten Tag als wir von Lea weggefahren sind, 9.10.2016, sind wir, wie bereits beschrieben in Spokane untergekommen. Am nächsten Tag sind wir zu den Palouse Falls gefahren. Das Landschaftsbild hier war völlig anders, kaum Berge und Bäume, eher flach mit einer weiten Sicht. Und mittendrin dieser Canyon mit dem Wasserfall, was wir in dieser Landschaft nicht erwartet hatten. Es war einfach nur Straße, schnurgeradeaus, Felder so weit das Auge reicht und im Nirgendwo eine Kreuzung, die zu diesem Wasserfall führte. Am Abend haben wir uns ein Motel in Rufus genommen, das ist ein winziger Ort, und waren, na klar, Burger essen. Wir wurden von der Dame die uns bediente auf unseren Akzent angesprochen und sie wollte wissen woher wir kämen. Als sie hörte, dass wir aus Deutschland sind, erzählte sie von einer Freundin, die auch aus Deutschland ist und ihrem Arzt aus Russland. Wir haben den ganzen Zusammenhang nicht wirklich verstanden, aber sie war sehr freundlich. Am Tag darauf sind wir nach Portland. Nach der ganzen gemütlichen Fahrerei auf Interstates und Highways war eine große Stadt mit dem Verkehr dort, wie überrannt zu werden. Nachdem wir eine bezahlbare Parkmöglichkeit gefunden hatten (nur schlappe 15 $ pro Tag und ja es gab deutlich teurere…) haben wir die Stadt erkundet. Es war ganz nett, aber es hat uns nicht umgehauen, vielleicht weil uns die Natur der Vortage mehr in ihren Bann gezogen hatte, als eine laute Stadt. Außerdem war für uns sehr eindrucksvoll wie viele Obdachlose und Drogenabhängige in jeder Straße zu finden waren, vor allem allerdings in Chinatown. Als wir am Abend nachdem es dunkel wurde zurück zu unserem Auto wollten, haben wir uns erst mal prompt verlaufen. Dadurch, dass wir außerhalb von Portland in ein Motel wollten, was deutlich günstiger ist, wollten wir noch ein Stück fahren. So hat sich das Ganze so lange gezogen, dass wir nach mehreren geschlossenen Motels um halb 12 noch eins gefunden hatten, was auf hatte. Man sollte sich im nebenan gelegenen Hotel an der Rezeption melden. Es war eine Rezeption für die Motelzimmer und gleichzeitig die Zimmer des Hotels. Da das Hotel eher schick aussah haben wir nach den Motelzimmern gefragt und uns ein Zimmer angeschaut. Das war wie im Film. Sehr heruntergekommen und vor allem stinkend, als wären die Leichen gerade entsorgt worden. Wir entschieden uns doch nachzufragen wie viel das Hotelzimmer kostete. Der Preis war überraschenderweise im Rahmen dessen, was wir die ganzen Nächte zuvor auch gezahlt haben und nach einem Blick in das Zimmer war klar, dass wir die paar Dollar investieren würden. Wir hatten ein Picknick auf dem Zimmer mit Mikrowellensuppe (war wirklich gar nicht schlecht), Tortillas mit Dipp und Babykarotten. Es gab in den Supermärkten bereits alles geschält und in Stücke geschnitten zu kaufen (was allerdings ein vielfaches teurer war).

Am nächsten Tag fuhren wir auf dem Highway US101 die Küste entlang, woraufhin wir an einer Aussichtsplattform aufs Meer zwischen Depoe Bay und Otter Rock Halt machten und Wale entdeckten. Wir sahen ihre Pustewolken aufsteigen, ihren Rücken und ihre Hinterflossen. Es waren mindestens fünf. Das war ein toller Zufall und wir genossen es sehr diesen Anblick live zu haben (Youtube!). Wir machten an diesem Tag noch mehrerer solcher Stopps, unter anderem um Kuchen zu essen und aufs Meer hinaus zu blicken. Es war fabelhaft. An diesem Abend begann dann auch etwas, dass uns die weiteren Tage begleiteten würde: Regen. Wir stiegen in einer Stadt am Hafen ab, Crescent City. Am nächsten Tag, nach einem amerikanischen Frühstück mit Toast, Waffeln und allem was irgendwie süß ist, sind wir ca. 7 Stunden noch bis San Francisco gefahren. Auf diesem Weg haben wir wilde Elks (im deutschen Waipitis, eine Unterart des Hirsches) gesehen. Das war so eine Attraktion, dass alle Autofahrer angehalten haben, um ein Foto zu schießen.

Wir sind im Dunkeln in San Francisco angekommen und haben natürlich die Fahrt über die Golden Gate Bridge gefilmt (könnt ihr in unserem youtube Kanal schauen). Nach einer anstrengenden Suche unseres privaten Gastgebers (wir haben in einer privaten Wohnung mit unserem Gastgeber gewohnt, was wir über airbnb gebucht hatten) sind wir hungrig und müde dort angekommen. Der Versuch zu Fuß in einem Restaurant etwas zu Essen zu bekommen, scheiterte kläglich (wir haben jeden doofen Fast Food Laden an der Straße abgeklappert, aber alle hatten schon lange vor der Schließzeit geputzt und wollten nur noch durch den Drive Thru etwas raus geben und das auch nur mit Auto…). Also liefen wir zurück und holten das Auto, um dann original im bzw. vom McDonald´s zu essen. Es war so schräg, dass wir uns köstlich darüber amüsierten. Am nächsten Tag hatten wir Karten für Alcatraz, die wir bereits von Deutschland aus gebucht hatten. Es hat in Strömen geregnet und die öffentlichen Verkehrsmittel sind halt etwas anders als in Deutschland, so sind wir fast 20 Minuten zu spät gekommen, unsere Fähre hatte schon abgelegt. Jeder der Michi kennt, kennt sein kleines Pünktlichkeitsproblemchen und jeder der mich kennt, weiß, dass ich nicht so gut im Druck machen bin. Und jeder der Michi kennt, weiß dass er ein Glücksschweinchen ist, sodass sich die Dinge bei ihm (fast) immer richtig gut fügen. Was soll ich sagen, der Lerneffekt war dahin, als die Frau am Schalter meinte, dass wir auch die Fähre eine halbe Stunde später nehmen dürften. So waren wir kurze Zeit später auf der Überfahrt zu Alcatraz mit echt miesem Wetter, was die Stimmung dieses Ortes nur noch unterstrich. Es gab eine kostenlose Audiotour, sodass alle Touris mit Kopfhörern rumrannten. Ich fand die Erzählungen sehr gut gemacht und es war ein guter Einblick, aber das war doch schon mega touristisch. Michi war ganz selig und bester Laune, sodass ich mich natürlich gefreut hab, dass es meinem Glücksschweinchen gut geht:-) Danach haben wir uns in weiterer touristischer Manier das Pier 39 angeschaut und sind im Bubba Gump, für welches wir von Freunden einen Gutschein geschenkt bekommen haben, lecker Fisch essen gegangen. Am nächsten Tag sind wir im Regen durch San Francisco gelaufen, wobei wir auch viel in Häusereingängen das schlimmste abgewartet haben, sodass wir den Tag viel mit laufen und warten verbrachten. Aber den Donutladen, den uns eine Freundin empfohlen hat, den haben wir gefunden. Die Weltbesten Donuts, die wir je gegessen haben. Auch haben wir uns die legendären Cable Cars angeschaut. Wir wollten eigentlich damit fahren, allerdings war uns die Schlange vor den Cars viel zu lang, sodass wir lieber weiter durch die Stadt gezogen sind. Nachdem wir irgendwann komplett durchweicht waren, sind wir in eine Kneipe und haben uns erst mal ein Bier gegönnt, das hat zwar nicht die Klamotten getrocknet, tat aber der Seele gut.

Am letzten Tag unseres Aufenthalts in San Francisco und in den USA mussten wir bereits sehr früh aus unsere Unterkunft, unser Flug ging allerdings erst spät abends, sodass wir den Tag noch in San Francisco verbringen wollten und auf besseres Wetter für das Bilderknipsen hofften. Als wir ankamen, fing es auch direkt wieder an zu regnen (nein, ich war überhaupt nicht genervt, dass hört sich jetzt nur so an…) und wir beschlossen in die Cheese Cake Factory zu gehen und einen Käsekuchen zu essen. Wir kannten die Kette aus der Serie Big Bang Theory und wollten wissen wie sie in „echt“ so ist. Michi hatte einen Käsekuchen mit Macadamia und weißer Schoki und ich einen mit Haselnuss und Nougatschoki gegessen. Ich kann euch nur sagen: Wie zum Teufel kann man das als Nachttisch noch nach einem ganzen Gericht essen? Ich hab ja noch nicht einmal das ganze Stück auf leeren Magen geschafft. Das lag, zur Erklärung, nicht an der Größe, sondern viel mehr an der Beschaffenheit (schon nach dem ersten Bissen zeigt die Waage sicherlich 3 Kilo mehr an). Das bekam unseren beiden Mägen mal so gar nicht, sodass wir abwechselnd wie die Detektive nach Toiletten Ausschau hielten. Als dann am Nachmittag doch noch der Regen aufhörte, kamen wir auch noch zu ein paar schönen Bildern. Am Abend ging es dann mit dem Auto zum Flughafen, welches wir dort abgaben. Insgesamt sind wir somit genau 1363 Meilen, also ca. 2200 km innerhalb von 5 Tagen gefahren (in San Francisco stiegen wir auf öffentliche Verkehrsmittel um, da die Parkpreise pro Tag um ein vielfaches teurer waren als in Portland). Nach einem Abendessen (Michi bekam noch sein Philly Cheesesteak) am Flughafen, ging es mit Zwischenstopp über Mexiko City nach Managua in Nicaragua. Von hier folgt bald mehr von uns, sobald wir uns ein wenig eingewöhnt haben.

Abschließend können wir sagen, dass die USA uns Landschaftlich sehr beeindruckt hat, da es so verschiedene Facetten in doch so kurzer Reichweite gab. Wir haben viel in kurzer Zeit gesehen und hatten ne schöne Zeit.

Missoula & Idaho

Hallo zusammen,

nun sind wir seit einer Woche unterwegs. Da wir nur eine Woche bei Lea und Jake geplant haben war das Programm relativ straff. Am ersten Tag sind wir ein wenig in Missoula gewandert, haben ein paar Lebensmittel für die folgenden Tage eingekauft und sind relativ früh ins Bett, dem Jetlag wegen. Am nächsten Morgen sind wir zum Glacier National Park gefahren. Als wir nach 2,5 Stunden dort ankamen, brauchte es weitere 2 Stunden um nur eine Hauptstraße Richtung Osten zu fahren. Dabei hatten wir Temperatursprünge von ca. 15°C bis -2°C. Die Landschaft war einfach traumhaft. Die Bilder dazu sind in der Galerie. Leider haben wir keine Bären gesehen, was auch eher seltener ist, dafür hab ich euch einen schönen Haufen „Bearpooh“ fotografiert 🙂 Allerdings haben wir wilde Bergziegen gesehen, was natürlich auch toll war.

Nachdem wir dann wieder die 4,5 Stunden zurück gefahren sind, hat Jake uns schon mit sehr leckeren Tacos, Bohnenpüree und Reis erwartet. Danach ging es wieder müde ins Bett, da wir am nächsten morgen relativ früh los wollten, um nach Idaho zur Whitebird Summit Lodge zu fahren, Leas ehemaliger Arbeitsplatz. Die Ranch liegt ca. 4 Stunden von Missoula entfernt, somit kamen wir gegen Nachmittag an. Nachdem wir Frank und Terri begrüßt haben, unsere Zimmer bezogen haben und uns mit einem Kaffee gestärkt haben, ging es auch schon los. Lea zeigte uns die komplette Ranch und alle Tiere, sowohl die lebenden als auch die ausgestopften. Neben Ziegen, Schafen, Truthähnen, Hühner, Gänsen, zwei großen Hängebauchschweinen und einem Widder waren da ca. 15 Pferde und ein Mini-Hängebauchschwein unter den Lebenden. Dieses fütterten wir mit Gras welches dadurch fröhlich vor sich hin grunzte (Julia: „Ihr könnt euch nicht vorstellen wie süß das aussah, die Zunge und das Geschmatze…“). Als Frank es aus seinem Gehege holte hat es so laut gequiekt, dass alle Pferde auf der Koppel angelaufen kamen um zu schauen was los ist. Des weiteren leben noch zwei Hunde auf der Ranch, Dexter und Hobo. Dexter ist leider schon sehr krank, sodass er eher nur noch auf seinem Platz liegt. Hobo dagegen ist ein totaler Wirbelwind. Er war dauernd irgendwo mit dabei. Anschließend sind wir ausreiten gegangen. Lea ritt auf „Tiny“, Julia auf „Bug“ und ich auf „Oreo“. Es war einfach eine traumhafte Umgebung. Und es war Freiheit. Ich kann es eigentlich gar nicht in Worte fassen, daher weise ich nochmals auf die Bilder bzw. die Videos (in unserem Youtubekanal) hin.

Nach dem Ausritt sind wir dann in Grangeville in einem Lokal essen gegangen. Ich sag nur US-Rib-Eye-Steak…

Nach dem Essen haben wir den Abend bei einem Bier am Kamin ausklingen lassen. Am nächsten Tag war es leider sehr stürmisch, sodass wir leider nicht ausreiten konnten, sehr zum Bedauern von Julia, die nun mit dem Reiten Blut geleckt hat. So beschlossen wir noch eine weitere Nacht in Idaho zu bleiben und Lea zeigte uns stattdessen den Hells Canyon, den tiefsten Canyon Nordamerikas. Oben bot sich wieder ein sagenhafter Ausblick. Als wir unten am Snake River ankamen, welcher durch den Canyon fließt, war es richtig warm. Statt den vorigen 12-15 Grad hatten wir plötzlich 22 Grad da unten. Wir wanderten den Trail am Fluss für etwa 2 km entlang und wieder zurück. Auf der Heimfahrt haben wir viele Rehe gesehen. Wir haben den Abend dann bei ein paar Bier ausklingen lassen, wobei wir das letzte Bier draußen im „Hot Tub“ genossen haben, einem beheizten Whirlpool.

Am nächsten Morgen war das Wetter echt schön, sodass wir vor dem Frühstück ausritten.

Als wir uns schweren Herzens verabschieden mussten und wieder nach Missoula gefahren sind, beschlossen wir Abends was Essen zu gehen und anschließend das Tanzbein in einem Countrysaloon zu schwingen. Es war echt unbeschreiblich. Neben „echten“ Cowboys waren Leute jeglicher Altersklasse vertreten Eine Liveband hat Country und Rock gespielt und fast jeder hat getanzt. Sogar ein „spoon man“, ein alter zotteliger Cowboy mit langem Bart, der mit zwei Löffeln zur Musik „gelöffelt“ hat. Wir haben getanzt und leckeres Bier getrunken. Glücklich sind wir nachts irgendwann ins Bett gefallen, um am nächsten Morgen wieder unsere Sachen zu packen. Nach einem tollen Frühstück holten wir am Flughafen unseren gemieteten „Kleinwagen“ ab, der sich letztendlich durch ein kostenloses Upgrade statt einem Chevrolet Spark als einen Ford Edge Titanium entpuppte. Ein Schlachtschiff mit allem drum und dran. Wir verabschiedeten uns von Lea, Jake und Roy und fuhren bis nach Spokane, Washington. Obwohl wir ernsthaft überlegt haben in dem riesigen Auto zu übernachten, haben wir in einem Motel eingecheckt und schrieben diese Zeilen. Gleich geht’s müde aber glücklich ins Bett, um morgen zu einem neuen Abenteuer zu starten.

Wir wollen uns nochmal gaaaaanz herzlich bei Lea und Jake für die tolle und unvergessliche Zeit bedanken, für das leckere Essen und eure Gastfreundschaft. Ihr habt uns einen wunderschönen Start in unser Abenteuer beschert. Vielen, vielen Dank für alles!!!

Startschuss

Hallo ihr Lieben,

das Abenteuer hat begonnen.

jumi-flughafen

Wir sind gut in Missoula angekommen und haben auch schon ein bisschen was gesehen. Die Bilder dazu findet ihr in der Galerie.

Wir kämpfen nach fast 18 Stunden Reisezeit und Zeitverschiebung mit dem Jetlag, deshalb fällt dieser Beitrag kürzer aus, aber die nächsten Tage folgt mehr von uns…