Blenheim

Unser neues Zuhause

Nachdem wir die Zusage für das Zimmer hatten zogen wir am Donnerstag, den 8.06.2017, auch direkt ein. Wir kauften uns dann noch am Einzugstag ein Luftbett, damit wir auch ein wenig gemütlich schlafen konnten. Natürlich hatten wir im Hinterkopf, es beim Auszug entweder Peter (unser Vermieter) zu verkaufen, damit er ein Zimmer mit Bett anbieten kann, oder aber es mitsamt Kassenbon und Verpackung wieder zurückzugeben, ich weiß wirklich nicht, wie ich nur auf sooo eine Idee gekommen bin 😀

Ein anderer Aspekt war der Kaffee. Hier in Neuseeland ist der lösliche Kaffee absolut verbreitet und auch wenn man sich einen Markenkaffee leistet, schmeckt dieser dennoch einfach total kacke! Allerdings kostet gemahlener Kaffee ähnlich viel, sodass wir uns gesagt haben, wir wollen eine Kaffeemaschine!

Gesagt, getan, Filterkaffeemaschine gesucht, findest du hier nicht in den Geschäften. Online geschaut, neu unbezahlbar (ca. 100€), gebraucht auf Trademe, 7€, läuft! Noch am selben Tag abgeholt und seit dem genießen wir jede Tasse Kaffee!!!

Da dieser Haushalt eben noch nicht wirklich ausgestattet ist, da er noch neu ist, ist eigentlich alles von uns. Töpfe, Geschirr, Kochmesser, Pfannen, etc. Außer Besteck und Weingläser gab es hier nur 2 kleine Töpfe und das war alles. Läuft!

Kurz nachdem wir mit dem Einzug fertig waren kam auch Peters Freundin Kimberly vorbei und stellte sich vor. Sie sagte, dass sie 2 Jahre in Deutschland gelebt habe und auch ein klein bisschen Deutsch sprechen kann, allerdings nur wenn sie betrunken sei. Wir unterhielten uns und fanden sie gleich sympathisch. Sie sagte auch noch, dass sie Peter in den Arsch treten wird, damit das Internet so schnell wie möglich herkommt.

Die erste Nacht in unserem neuen WG-Zimmer war einfach unvergesslich und besonders…. besonders kalt!

Leider mussten wir feststellen, dass das Haus doch nicht so warm war, wie wir uns das vorgestellt hatten. Auch wenn der Kamin im Wohnzimmer loderte und es da eine absolut angenehme Temperatur von über 20 °C hatte, davon kam nicht so viel in unserem Zimmer an. Dann die Außentemperaturen von unter 0 °C und die schlechte Isolierung generell. Man konnte richtig spüren wie die Kälte vom Boden durch alles durchgekrochen ist. Daraus resultierte, dass wir die richtig dicke Daunenwinterdecke auf die Matratze gelegt haben und wir wieder im Schlafsack geschlafen haben, aber dennoch gefroren hatten.

Nach einer kurzen Nacht war klar, so kann das nicht weiter gehen. Also sind Julia und ich wieder zum Warehouse gefahren um zu beraten, wie wir das Problem lösen. Da der Strom ja in der Miete inkl. ist brauchten wir darauf nicht zu achten. Also packten wir ein elektrisches Unterbett in unseren Wagen. Gabs sogar 50% Rabatt drauf, wobei egal, wir geben es ja wieder zurück 😀

Allerdings war das Heizungsproblem noch nicht gelöst. Am günstigsten waren diese Heizlüfter, aber jeder, der diese kennt, weiß, dass diese nur die Luft austrocknen und die Wärme nicht wirklich gehalten wird. Also wäre die nächste Preisklasse sogenannte Ölradiatoren. Das sind so rollbare, mobile Heizkörper, die man mittels Strom betreibt. In den Kammern ist Öl eingefüllt, welches elektrisch erhitzt wird und eben Wärme abgibt. Im Grunde die gleiche Wärme und das gleiche Prinzip wie eine mit einen Wasserkreislauf betriebenen Zentralheizung. Anyway.

Wir fanden die Teile im Warehouse ziemlich teuer. Also kam ich auf die Idee wieder bei Trademe zu schauen, ob es nicht was Gebrauchtes irgendwo in der Nähe gab. 5 Minuten später war der Kauf für 7€ abgeschlossen und wir durften das Gerät einen Tag später abholen.

Peter und seine Flatmates

Am zweiten Abend war Kimberly mit Peter fürs Abendessen ausgegangen. Julia und Ich kochten uns was zu essen und tranken Wein dazu. Von der Küche konnten wir sehen, wie jemand auf den Hof fuhr. Die Scheinwerfer wurden nicht abgeschaltet. Ich sagte noch zu Julia, das sind bestimmt Peter und Kimberly, aber da beide noch nicht reinkamen, streiten die sich bestimmt.Vielleicht haben sie sich ja auch getrennt. Nach einer halben Stunde etwa kam Peter alleine rein und Kimberly fuhr davon. Wir schlugen vor, für morgen Abendessen für alle zu kochen und fragten, ob Kimberly auch dabei sei. Er erwiderte, dass es nicht so gut gelaufen sei und sie sich getrennt haben, und sie nicht dabei sein würde. Ok, dachten wir, eins zu null für mich! Wir sprachen auch nicht groß darüber, sondern tranken noch eine Flasche Wein und unterhielten uns über alles mögliche. Er lud uns ein, mit in die Innenstadt zu gehen und uns mit seinen Freunden zu treffen, allerdings waren wir nach dieser ersten kurzen und kalten Nacht wirklich ziemlich müde und lehnten ab. Er fuhr dann allein mit dem Taxi.

Am nächsten Morgen ging ich aufs Klo (welches direkt gegenüber von seinem Zimmer ist) und staunte nicht schlecht. Da lag er, mit Licht an, Tür auf, in seinem Anzug samt Schuhen mitten auf dem Bett und schlief. War wohl ein durstiger Abend.

Nach dem Frühstück verließen wir das Haus.

Als wir am Abend wieder nach Hause (fühlt sich komisch an das zu sagen :-D) kamen, erwartete uns eine gebrauchte, aber gemütliche Couchgarnitur samt Couchtisch vor dem Kamin.

„Deutsches Essen, deutsche Manieren! Deutsche Schokolade?“ Oder „Nicht nur Deutsche Schokolade kann ‚trösten’“

Ich fing an zu kochen. Ich wollte was typisch deutsches kochen, wollte aber auch net den ganzen Abend vor dem Herd stehen, somit entschied ich mich für Hessendöner. Das ist ein angeröstetes Brötchen, welches wie eine Tasche aufgeschnitten, die Innenseiten mit Senf bestrichen und mit einer Füllung aus gebratenen Zwiebeln und Kassler-Würfeln und Sauerkraut gefüllt wird. Klar gabs hier kein Kasseler, allerdings kamen die Ham-Steaks schon sehr an den Geschmack ran.

Ich war mitten drin als es an der Tür klopfte und eine Freundin von Kimberly da stand und Peter sprechen wollte. Sie wolle die Sachen von Kimberly abholen. Er stand grad unter der Dusche, bekam es jedoch mit und brachte nur mit Handtuch bekleidet Kimberlys Sachen vor die Haustür.

Ok, da ist wohl wirklich Schluss, dachten wir. Ich kochte weiter. Kurz bevor ich fertig war, etwa eine halbe Stunde nachdem Kimberly ihre Sachen abgeholt hatte, klopfte es an der Tür. Peter machte auf und kam mit einer Frau zurück, stellte sie nur flüchtig mit „Das ist Brenda“ vor und führte sie ins Wohnzimmer. Ich drehte mich zu Julia, sah sie an und bemerkte, dass sie nichts bemerkt hatte. Mir lief ein unangenehmer Schauer über den Rücken. Es war die unsympathische und unfreundliche Frau aus dem Maklerbüro!

Gastfreundlich, wie ich es gewöhnt bin, deckte ich gleich für vier Personen. Als ich sagte, dass das Essen fertig sei, kam allerdings nur Peter an den Tisch. Ich fragte Brenda, ob sie nicht auch Essen kommen möchte, doch sie lehnte mit ihrer unfreundlichen Art ab und sagte, sie habe bereits gegessen. Mir doch egal, bleibt mehr für uns, dachte ich mir. Nachdem Peter drei Hessendöner verdrückt hatte, schnappte er sich den Fernseher verschwand mit Brenda in seinem Schlafzimmer.

Nur als kurzer Einwand zu den Esskulturen: Auch die Kiwis sind es gewohnt, sobald das Essen vor einem steht direkt anzufangen, die warten nicht bis alle was haben und sitzen. Er stand auch während ich den nächsten Hessendöner für ihn zubereitet habe (dauerte 2 Minuten), immer wieder auf und ging rüber auf die Couch. Echt „höflich“! 😉

Ich fragte Julia ob sie die Frau erkannt hat. Sie verneintet und ich sagte ihr, dass das doch die Frau aus dem Maklerbüro sei, und da ist es ihr auch aufgefallen. Wir beteten, dass sie nicht seine neue Freundin wird und wir sie ab jetzt jeden Tag um uns haben würden!

Wir gingen in unser Zimmer und verbrachten noch etwas Zeit damit, am Blog weiter zu schreiben oder zu lesen. Als wir zwei Stunden später aufs Klo mussten und uns bettfertig machen wollten, stellten wir fest, dass die Zwischentür zwischen unserem Zimmer und dem Wohnzimmer geschlossen war und dahinter Musik zu hören war. Die werden doch nicht etwa im Wohnzimmer Sex haben? Wir wollten nicht durch diese Tür gehen, allerdings mussten wir echt dringend aufs Klo. Egal, wir zahlen schließlich Miete fürs Zimmer inkl. Klo zu jeder Tageszeit!

Ich öffnete die Tür und trat mit Julia ins das nur vom Fernseher (diesen hatte er offensichtlich wieder ins Wohnzimmer getragen um Musik zu haben) und dem Kamin beleuchteten Zimmer. Da lagen sie, zusammengekuschelt unter eine Decke auf dem Sofa. Vor ihnen lag Deutsche Schokolade?! Wer weiß ob diese die Vorspeise, die Hauptspeise oder das Dessert war, jedenfalls haben wir nicht mitbekommen ob sie nun Sex gehabt haben oder nicht. Wir gingen jedenfalls direkt aufs Klo und dann ins Bad um uns bettfertig zu machen.Als wir im Bad waren hörten wir, wie die zwei den TV ausmachten und wieder in Peters Zimmer verschwanden. Was für eine komische Nummer! Wir diskutierten hin und her, kamen aber zu dem Schluss, dass wir uns nicht falsch verhalten haben. Wenn er eben überall in seinem Haus ungestört sein möchte, darf er sich halt keine Mitbewohner zulegen! Etwa eine halbe Stunde später, wir waren kurz vor dem einschlafen, hörten wir eine Frauenstimme wütend etwas lauter werden und wie Peter anschließend lauter zurück keifte, dann knallte die Tür ins Schloss und es waren energisch weggehende Schritte zu hören (wir haben so Kieselsteine im Hof, sodass man immer hören kann, wenn jemand kommt oder geht).

Dafür hatten wir zwei Theorien: 1. Kimberly kam nochmal vorbei und kannte das Auto von Brenda und machte ne Szene… oder 2. Was auch immer Peter wollte, Brenda wollte es nicht und verließ das Haus. Wir wissen tatsächlich bis heute nicht, was genau geschehen ist. Wobei wir doch sehr stark auf Nummer 2 tippen.

Am nächsten Tag sagte Peter auch garnichts über den Abend und wir verhielten uns alle, als wäre nichts passiert.

Mal davon abgesehen wanderten wir ein wenig auf den Wither Hills entlang, einer Bergkette im Süden von Blenheim mit einer sagenhaften Aussicht. Bei ganz schönem Wetter kann man sogar bis auf die Nordinsel schauen! Bilder dazu sind wie immer in der ‎→Galerie!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere