Peter und seine Flatmates Teil 2

Peter und Kimberly kommen wieder zusammen

Also um eins vorweg zu nehmen, eigentlich war unser Ziel hier in Blenheim zu überwintern und sich gegen die Langeweile etwas Arbeit zu suchen. Wir haben absolut nicht damit gerechnet, dass wir in dieser Zeit groß was erleben und hätten nichts dagegen gehabt, darauf zu verzichten. Aber es kommt wie es kommt…

Im letzten Beitrag über unsere Arbeit haben wir ja schon berichtet, dass Peter nach seinem Housesitting im Krankenhaus lag, eine Schädelfraktur, Schulterfraktur, sowie angebrochene Knochen an Hand und Arm hatte. Das erfuhren wir durch die Textnachricht, was jedoch passiert war, wussten wir bis dahin nicht.

Ich knüpfe vielleicht besser direkt an. Nachdem Peter ja mit Kimberly Schluss gemacht hat und den darauffolgenden Abend, ein Samstag, die Trulla aus dem Maklerbüro bezirzt hatte, war es schon ein wenig komisch, am Dienstag darauf Peter zu sehen, der mit Kimberly hereinspaziert kam. Sie setzten sich kurz ins Wohnzimmer um ihr Takeaway von McDoof zu essen, anschließend verschwanden beide in Peters Zimmer. Ich vermute, sie haben sich ausgesprochen. Sie ging auch nach ein paar Stunden nach Hause.

Dann kam der Donnerstag und wie gesagt, sagte uns Peter, dass wir heute Sturmfrei haben, da er auf ein Haus aufpassen soll etc. Dann am Freitag die SMS, dass er mit den Brüchen im Krankenhaus liegt. Er wurde dann aber auch am darauffolgenden Tag entlassen und entschied sich wegen seiner Einschränkungen erst mal bei Mutti, ein paar Straßen weiter, zu bleiben. Diese kam dann auch die Tage danach vorbei und brachte uns Feuerholz, da Peter ihr sagte, es würde wahrscheinlich bald ausgehen. Von ihr erfuhren wir auf Nachfrage, dass er einen Balkon hinunter gefallen war. Wir dachten: entweder es war glatt/glitschig oder er war besoffen, naja oder beides… Nach ca. ner Woche (ja wir hatten das Haus komplett für uns allein) kam er uns dann abends „besuchen“ (ist ja sein Haus, aber er kam halt nur kurz vorbei), um uns zu sagen, dass er ab morgen wieder zurück in sein Haus kommen würde. Er hatte den Arm in der Schlinge und erzählte auch, dass er starke Schmerzmittel und Schlafmittel nehmen müsse (wegen der Schädelfraktur) und sah auch sehr mitgenommen aus. Natürlich stellten wir dann auch irgendwann die Frage:

Was zum Geier ist eigentlich passiert?

Peter erzählte, dass er und Kimberly in dem Haus des Freundes waren, wo es eine Art von Balkon gab. Diese Brüstung war wohl an sich nicht gerade hoch, etwa bis knapp unter die Hüfte. Dort stand er wohl nicht mehr ganz nüchtern und rauchte. Kimberly hatte in Peters Handy geschnüffelt und Nachrichten von Brenda entdeckt, ihr wisst schon, die Schnalle aus dem Maklerbüro. Jedenfalls war Kimberly überhaupt nicht erfreut zu sehen, dass er mit einer Brenda schrieb und lief zu ihm und schubste (!) ihn mit den Worten: Wer zum Teufel ist Brenda? Der Schubs war wohl nicht mit der Absicht dahinter, ihn wirklich da runter zu schubsen, sondern schätzte er es eher so ein, dass sie einfach super eifersüchtig war und ihr Temperament mit ihr durchgegangen ist. Peter war so überrascht darüber, dass er sein Gleichgewicht nicht halten konnte und 4 Meter tief runter auf Beton fiel. Nun ja, auch wenn dies nicht absichtlich war, sie hatte ihn geschubst.

Da Kimberly sich allerdings bei der Polizei bewerben wollte, redete sie auf Peter ein, nicht zu sagen, dass sie ihn geschubst hat. Wie auch immer, der Sanitäter hats wohl mitbekommen. Um kurz noch die Eifersucht von ihr zu erklären: Peter hatte sie wohl ein paar Wochen zuvor betrogen, was auch der Grund für die Trennung war. Wahrscheinlich haben wir das schon geschrieben, aber nur nochmal zum vollständigen Bild. Wie auch immer, Peter sagte, er wolle sie nicht anzeigen, da er nicht den Eindruck hatte, dass sie das Ziel hatte ihn vom Balkon zu schubsen, sondern, dass sie dies nicht bedacht hatte, dass er über die Brüstung fallen könnte. Er wollte ihr keine Schwierigkeiten für ihre Zukunftspläne bereiten. Das war seine Begründung. Als er wieder zurück im Haus war zog zwei Tage später eine weitere Mitbewohnerin aus Tschechien bei uns ein: Olga. Wir hatten bereits unsere erste Arbeitswoche hinter uns. Auch Olga hatte frisch einen Job auf dem Weinfeld angefangen.

Rückkehr im Haus nach dem Unfall

Nach dem Unfall blieb Peter, wie gesagt, ne Woche bei seiner Mutti. Er sagte, er war sehr sauer auf Kimberly und wollte Abstand. Als er dann wieder im Haus zurück war, war sie jeden Tag abends da. Wir haben dann abgesprochen, dass wir abends gemeinsam kochen und WG-Essen machen, einmal wir und einmal die beiden, abwechselnd halt. Es waren wirklich ein paar nette Abende. Olga hat sich daran nicht beteiligt, sodass wir mit den beiden allein die Abende verbrachten. Am Donnerstag, es war unsere zweite Arbeitswoche, vielleicht erinnert ihr euch, es war die Woche in der wir an die 50 Dollar Stundenlohn erarbeitet hatten und dementsprechend müde waren, kamen noch Freunde von Peter für einen Umtrunk vorbei. Ich war bereits im Bett, Michi wollte sein Bierchen noch leer trinken und saß schon im Pyjama auf dem Sofa als die Freunde aufgetakelt wie bei ner Hochzeit hereinspaziert kamen. Michi fühlte sich nicht wirklich wohl und beeilte sich dann auch schnell ins Bett zu kommen. Wir hörten sie noch etwas lachen und Wein trinken, wir waren jedoch echt müde und sind dann auch direkt eingeschlafen. Peter entschuldigte sich am nächsten Tag, wir versichertem ihm jedoch, dass es kein Problem gewesen ist. Kam ja nicht jeden Tag vor und die Freunde wollten sich verabschieden, da sie in eine andere Stadt ziehen würden. Er sagte auch, dass sie um 24 Uhr im Bett waren, er musste am nächsten Tag ja auch arbeiten (es waren seine ersten paar Tage nach dem Unfall).

Die Freakshow

Am Freitag nach der Arbeit waren wir richtig am Arsch. Sorry, aber es beschreibt genau unseren Zustand: wir sind täglich fast 20 km gelaufen… Das heißt mit uns war nicht mehr viel anzufangen. Wir wollten ein Bier trinken, ein Film schauen und ins Bett. Olga war ausgegangen und Kimberly kam am frühen Abend vorbei, die beiden verschwanden in seinem Zimmer für ne Weile und verließen dann das Haus mit ner Flasche Hochprozentigem unterm Arm. Sie baten uns noch auf den Hund von Peters Mutti aufzupassen, der ab und an da war, wenn Peters Mum geschäftlich unterwegs war. Der kleine Kerl ist richtig toll, sodass wir sofort zusagten und einen Abend kuschelnd mit Hund auf dem Sofa verbrachten. Wir sind dann um halb zwölf ins Bett gefallen. Einige Minuten später hörten wir, dass Peter zurück kam und weitere Stimmen. Wir dachten: na toll schon wieder ne Party. Wir waren richtig fertig und wollten einfach nur schlafen, ich zog mir die Decke über den Kopf und versuchte zu schlafen. Es war ein sehr unruhiger Schlaf, da es immer wieder sehr laut war und ich immer wieder aufwachte. Um halb vier wachte ich wieder auf, keine Ahnung ob durch Geräusche, auf jeden Fall merkte ich, dass ich pinkeln musste. Die Party war im vollen Gange, man hörte verschiedene männliche Stimmen und Kimberly, Gläser klirren. Ich war mir noch unschlüssig ob ich warten sollte, ich hatte eigentlich keine Lust in meinem Schlafanzug in die Party zu platzen, denn um auf Toilette zu kommen, musste ich definitiv an der Meute vorbei. Während ich noch überlegte, was ich tun würde, wurde es unter den Feiernden lauter. Plötzlich hörte ich Peter brüllen: Verlass mein Haus! Verlass mein fucking Haus!“ (naja auf englisch halt). Und auch Michi erwachte. Es entstand eine Rangelei, wir hörten getrampel auf dem Fußboden und wie jemand gegen die Zwischentür, die die Küche/Wohnzimmer von unserem und Olgas Zimmer abtrennt, knallte. Peter rief, er solle aufhören, da er eine Schädel- und Schulterfraktur habe. Daraufhin hörten wir schwere Schritte weg von der Zwischentür hin zur Hintertür des Hauses. Diese wurde mit einem lauten Knall zugeschlagen. Unser Zimmer geht in Richtung Vorgarten raus, dort ist überall Schotter, sodass wir hörten wie jemand auf dem Schotter lief, jedoch nicht weg vom Haus, sondern zur Vordertür. Dort angekommen gab es einen lauten Knall und das Geräusch von splitterndem Glas. Die Vordertür ist aus Holz, hat aber mehrere große Fensterelemente. Eigentlich besteht sie mehr aus Glas, als aus Holz.

Das war dann auch der Moment als wir aufsprangen. Michi war total geladen und ist imposant in den Raum gestürmt und hat gerufen, was zur Hölle hier eigentlich los ist (auch auf englisch). Kimberly stand in dem kleinen Gang vor der Haustüre, überall Glassplitter und redete auf einen Typ an der Tür ein. Außerdem war da noch ein fijianischer Kerl, der die Glasstücke aufsammelte und versuchte aufzuräumen. Ich fand es echt schwierig die Situation einzuschätzen, da einer der Kerle wohl anscheinend ja ziemlich aggressiv war und die Tür eingetreten hatte und nun überall Glassplitter lagen, ich versuchte erst mal Michi aus der Situation etwas weg zu holen. Dann fragten wir Kimberly was hier eigentlich los sei. Ich kümmerte mich parallel um den Hund, der völlig verängstigt und zitternd auf dem Sofa stand, in sicherer Entfernung. Kimberly sprach mit uns das erste mal komplett nur in Deutsch und das mehr als einfach nur gut. Wir wussten nicht, dass ihr Deutsch auf so einem Niveau ist! Auf jeden Fall erzählte sie uns, dass Peter sie betrogen hätte, er manchmal scheiße ist und deshalb der eine Typ die Tür eingeschlagen hat. Das machte für uns alles überhaupt keinen Sinn. Außerdem erzählte sie uns, dass Peter die Männer in einer Kneipe an diesem Abend kennen gelernt hatte. Sie war bereits im Bett und diese hätten sie aus dem Bett geholt. Allerdings hatte sie nicht wie wir einen Pyjama an, sondern war noch in Jeans und Bluse, was irgendwie auch nicht zusammen passte. Peter war zu dem Zeitpunkt nicht zu sehen. Kimberly diskutierte weiter mit dem Typ an der Tür, der ein paar Minuten nachdem er die Tür eingeschlagen hatte, fragte, ob ER das gewesen sei. Irgendwann kam die Polizei (wir erfuhren später, dass Peter sie angerufen hatte) und Peter sprach mit ihnen draußen im Vorgarten. Kimberly versteckte sich hinter der Tür, sie wollte offensichtlich nicht mit der Polizei reden. Aber Peter holte sie irgendwann, damit sie mit der Polizei redete. Der Fijianer war immer noch damit beschäftigt aufzuräumen und wollte die geladene Atmosphäre etwas entspannen, indem er immer wieder sagte, relaxt Leute und versuchte Scherze zu machen. Allerdings hatte er echt Mühe damit, da er selber absolut betrunken war. Irgendwann war die Polizei weg, Peter war ziemlich angepisst und sehr betrunken. Wir versuchten nach dieser Aufregung etwas Ruhe rein zu bringen und machten Kaffee. So saßen wir mit Peter, Kimberly, dem Fijianer und einem Kerl, der draußen war und den wir davor noch nicht gesehen hatten (wir nennen ihn John), zusammen am Esstisch. Die Männer allerdings entschieden sich neben dem Kaffee weiter Rotwein zu trinken und boten uns auch etwas an. Wir fanden das echt so unfassbar schräg, weil wirklich alle, vor allem Peter, suuuuuuuuuper betrunken waren und für unser Verständnis das der Moment gewesen wäre eine Party aufzulösen, alle nach Hause zu schicken und ins Bett zu gehen. Naja dem war nicht so. Das führte dazu, dass ständig ein volles oder fast volles Glas Rotwein beim Gestikulieren oder beim Versuch es zu greifen oder bei was auch immer umfiel. Der Fijianer war fast durchgängig damit beschäftigt die Sauerei aufzuwischen. Wir versuchten herauszufinden ob der Typ von der Polizei mitgenommen wurde, das bejahte Kimberly. Die ganze Situation war echt schwierig durchzusteigen, schon bei deutsch sprechenden Betrunkenen ist es ja fast immer ne anstrengende bis aussichtslose Sache eine zusammenhängende situationserklärende Geschichte herauszuhören. In Kiwi-Englisch war das nachts um 5 ne wirklich unmögliche Nummer gewesen! Das Einzige was wir irgendwie wahrnahmen war, dass Kimberly und Peter sich mehr oder weniger ignorierten, John immer wieder zu Peter sagte, er müsste Kimberly mehr respektieren. Er wurde dann irgendwann gebeten zu gehen, von Peter und Kimberly, das dauerte jedoch ne Weile, da er sich erst noch von Kimberly mit einer Umarmung verabschieden wollte (diese verzog angewidert das Gesicht und versuchte ihn abzuschütteln) und dann ein paar mal wieder zum Haus zurück kam, unter seltsamen Vorwänden. Dem Fijianer wurde angeboten auf dem Sofa zu schlafen. Davor machten jedoch Peter und er noch eine weitere Flasche Wein auf. Ich glaube, als wir dann alle im Bett waren, war es 6 Uhr morgens. Peter hatte wohl im Laufe des Abends sein Feuerzeug verlegt, sodass er seine Zigaretten an der elektrischen Spiralherdplatte anzündete. Glücklicherweise musste Michi nochmal auf Toilette und hat gesehen, dass er bei seiner letzten Zigarette wohl vergessen hatte die Herdplatte auch wieder aus zu machen. Das wäre ja großartig gewesen. Nicht nur Tür kaputt, sondern noch die ganze Bude abgefackelt! Um ca. 9 hörten wir bereits, wie die Vordertür etwas lauter zugemacht (nicht so geknallt wie in der Nacht zuvor, aber es war eben laut genug zum aufwachen) wurde und hörten, wie jemand auf dem Schotter vom Haus weglief. Ich war völlig entnervt, nur ein paar Stunden Schlaf, außerdem konnte ich nach der ganzen aufwühlende Geschichte auch nicht direkt einschlafen und jetzt sind die schon wieder wach? Ich hab dann gehört, wie Peter und der Fijianer sich unterhalten und auch gelacht haben und es wurde abgespült. Kurz danach hörten wir wieder die Haustür und wie Peter mit seinem Auto weg fuhr. Dann war es still im Haus. Wir beschlossen aufzustehen und uns ein gutes Frühstück nach der Nacht zu gönnen. Da wir von Olga nichts gesehen und gehört hatten und sie auf keinen Fall bei dem ganzen Lärm der vergangenen Nacht nichts mitbekommen haben kann, lag die Annahme nahe, dass sie die Nacht nicht im Haus verbracht hatte. So war es dann, in ihrem Fall glücklicherweise, wie sich später herausstellte auch. Wir genossen dann unser Frühstück, ließen die Nacht Revue passieren und dachten zu diesem Zeitpunkt die Geschichte wäre geschrieben. Hahaha, da hatten wir uns sehr getäuscht. Während wir noch am Frühstückstisch saßen, mit Blick auf die kaputte Tür (es war im übrigen echt kalt dadurch in der Bude), kam Peters Mutti vorbei. Sie erzählte, dass sie gleich einen Termin mit einem Glaser habe, der sich die Tür ansieht. Der Glaser hat dann nur ein Brett drüber geschraubt und wollte dann Anfang der nächsten Woche kommen, um neues Glas rein zu machen. Die Mutti hatte sich dann nach uns erkundigt, wie es uns geht. Wir haben ihr dann ein bisschen von der Nacht erzählt. Sie war sehr schockiert, anscheinend hatte ihr Peterchen nicht so viel davon erzählt. Der Knaller war jedoch, als sie sagte, er sei bei ihr zuhause und mache ein Nickerchen. Der Kerl ist über 30 Jahre alt und schickt seine Mami um seinen Mist von der Vornacht auszubaden? Die dann auch noch etwas aufräumt nach der rauschenden Party? Michi und ich waren echt baff. Und ehrlich gesagt auch echt sauer. Unser Vermieter schmeißt ne Party, die sowas von aus dem Ruder läuft, wir sitzen in unserem Pyjama verschlafen inmitten dieser Freakshow und haben bestimmt die schrägste Nacht unseres Lebens und dann haut der Herr ab, um bei Mami seinen Rausch auszuschlafen und uns in der kalten Bude hocken zu lassen, übermüdet!!!!???? Ich war richtig sauer! Naja Mutti kam dann noch n paar Mal an dem Tag, jedoch war das Ganze immer noch nicht beendet. Nein, wo denkt ihr hin. Zwischendrin, also irgendwann nach dem Frühstück, klopfte es an der Tür. Als ich aufmachte standen da zwei Polizisten in Uniform. Mein erster Gedanke war, sie kommen wegen der Tür und der Geschichte in der Nacht. Sah auch erst mal danach aus, als sie nach Peter fragten. Wir erzählten ihnen, dass er bei seiner Mum sei. Als sie nach der Adresse fragten, mussten wir passen, aber wir boten ihnen an, seine Handy Nummer zu geben. Wir baten sie rein. Michi musste sich dann erst mal ausweisen, damit sie sicher waren, dass er nicht Peter ist. Dann fragten sie uns, ob wir wüssten, warum sie da seien. Wir verneinten. Sie sagten, dass es einen Zwischenfall zwischen Kimberly und Peter an diesem morgen gab und Kimberly Peter angezeigt habe. Ob wir etwas gehört hätten? Wir berichteten, dass wir gehört haben, dass jemand um 9 rum das Haus verlassen hat, mehr haben wir jedoch nicht gehört. Dazu muss man sagen, dass unser Schlafzimmer und Peters Schlafzimmer direkt nebeneinander liegen und die Wände hier sind zwar nicht ganz so typisch Kiwi pappartig, aber natürlich auch nicht so, dass man gar nix hört. Wenn sich die beiden etwas lauter unterhalten haben, konnten wir das nicht unbedingt wortwörtlich verstehen, aber das Geräusch hören. Ich war natürlich sofort alarmiert und hab da nur rausgehört, dass Peter Kimberly etwas angetan hat, weshalb sie jetzt Anzeige erstattet hat. Ich hab direkt gefragt, wie es Kimberly geht und im gleichen Atemzug gemeint, dass ich weiß, dass sie wahrscheinlich nichts sagen dürfen. Er meinte nur, sie sei verärgert im Moment. Die zwei Polizisten sind dann gegangen und wir waren echt betroffen und wussten gar nicht mehr was wir denken sollten. Ist Peter nach dem ganzen Alkohol und den nur wenigen Stunden Schlaf, die ihn definitiv nicht ausgenüchtert haben, aggressiv und gewalttätig geworden? Und wir waren direkt im Nebenzimmer? Aber wir haben auch niemanden schreien hören. Sind wir hier eigentlich noch sicher (wir können unser Zimmer nicht schließen bzw. abschließen, da ist kein Schloss drin, das heißt die Tür ist immer irgendwie nur angelehnt)! Das war bis dato kein Problem, weil wir uns auch nicht unsicher gefühlt haben, aber wir wussten nicht, ob diese Art von Nacht bei Peter öfter vorkommt und wir uns überhaupt noch sicher in dem Haus fühlen können. Am liebsten hätte ich meine sieben Sachen gepackt und wäre direkt mit dem Campervan weiter gezogen. Aber es war zu dieser Zeit nachts sehr kalt und wir hatten ja noch die Arbeit. Außerdem stellen sich so überstürzte Sachen im Nachhinein oft nicht als die besten Entscheidungen heraus. So versuchten wir für uns heraus zu finden, ob es eine gute Idee zu bleiben sei oder nicht. Ein Sache die wir dafür unternahmen war zu klären, wie es Kimberly ging. Nicht nur wegen uns, sondern weil wir uns natürlich erst mal Sorgen machten. Wir wussten ja nicht was passiert war. So schrieben wir ihr über ein soziales Netzwerk eine Nachricht. Sie antwortete nur, dass Peter sie verletzt hätte (nicht näher ob physisch oder psychisch) und dass sie nicht mehr vorbei kommen wird. Naja so viel schlauer waren wir dadurch auch nicht. An diesem Tag kamen Peter und seine Mutter noch ein paar mal vorbei um nach dem Autoschlüssel von Kimberly zu suchen. Sie hatte einen Firmenwagen. Die Polizei hatte uns auch danach gefragt, ob wir in der Nacht diesen Schlüssel irgendwie irgendwo gesehen hatten. Tja der Schlüssel war vom Erdboden verschwunden. Am nächsten Tag kam Peter mit seiner Mutti vorbei und wollte mit uns sprechen. Wir waren noch im Bett und sehr überrascht. Nachdem wir uns angezogen und Kaffee gekocht hatten, kam heraus, dass Peter wohl von seiner Mutti überzeugt wurde, dass er sich bei uns entschuldigen sollte. Er war super gestresst, sprach sehr schnell und seine Mutter, sagte mehrmals, dass er sich beruhigen sollte. Er erzählte dann ein wenig über den Verlauf des Abends aus seiner Perspektive und sagte, er habe Kimberly rein gar nichts getan. Er habe an diesem morgen mit ihr Schluss gemacht und sie kam damit wohl nicht zurecht und habe daraufhin diese Geschichte bei der Polizei erfunden. Wir haben ihm bei diesem Gespräch auch gesagt, dass wir echt ziemlich enttäuscht waren, dass er sich so rücksichtslos uns und der anderen Mitbewohnerin gegenüber verhalten habe. Auch dass er den fremden Mann auf der Couch hat schlafen lassen, Olga war zwar in dieser Nacht nicht da, jedoch wusste keiner davon und wir kannten diesen Mann alle nicht… Das sind alles in der Summe Entscheidungen von ihm gewesen, die seine Mitbewohner irgendwie nicht vorgesehen haben. Wir haben ihn nochmals daran erinnert, dass ER sich dafür entschieden hat, sein neu erworbenes Haus mit anderen Menschen zu teilen… Ich hab das nicht böse oder laut gesagt, aber ich habs halt einfach gesagt. Er hat sich entschuldigt und sah aus, wie ein kleiner Junge, der gerade ausgeschimpft worden war. Puh, naja, es war auf jeden Fall ne schräge Geschichte. Ach ja und er eröffnete uns, dass er bis auf weiteres bei seiner Mum bleiben wird. Wir fanden den Abstand nach der Geschichte erst mal ganz gut. Rückblickend war das auch wirklich hilfreich, um das Verhältnis wieder zu entspannen. Naja, so hatten wir dann erst mal das Haus alleine mit Olga.

Der Anwalt vom Anwalt

Zwei Tage später hat uns Peter nach der Arbeit angerufen und uns gebeten mit seinem Anwalt zu sprechen. Wir waren erst einmal verwundert und wussten das Ganze auch nicht so gut einzuschätzen. Bei der Zusage haben wir uns dann auch erst mal nix weiter dabei gedacht. Der Termin sollte am selben Abend bei uns im Haus stattfinden. Wir schnell nach Hause und duschen. Wir hatten dann eigentlich geplant unser Abendessen nach dem Termin zu essen und haben gewartet und gewartet. Da er dann 20 Minuten über der Zeit war, haben wir gedacht, ok wie immer mal wieder hier in Neuseeland, er sagt er kommt heut, kommt aber morgen… Also haben wir angefangen fertig zu kochen und zu essen. Na klar, und wie das dann so ist, als wir die erste Gabel in den Mund schieben wollten, klopfte es und der Anwalt stand vor uns. Wir hatten zwischen Peters Anruf und dem Termin mit dem Anwalt etwas Zeit über das Ganze nachzudenken und uns ist bewusst geworden, dass das Ganze doch wohl eine hochoffizielle Geschichte wird und wir da grade volle Granate mit rein gezogen werden. Und es kommt dazu, dass wir Gäste hier in diesem Land sind, ihr wisst, das bedeutet immer nochmal eine andere Stellung. Und das Ganze war ja noch nicht mal unser Ding. So hatten wir, bevor wir was zu dem Abend und dem Morgen zu dem Anwalt gesagt haben, erst mal ein paar Fragen: Machen wir damit eine offizielle Aussage? Was bedeutet das für uns, wenn es zu einem Gerichtsverfahren kommt? Müssen wir vor Gericht auch eine Aussage machen? Was ist, wenn wir in einem anderen Land als Neuseeland sind? Könnten wir irgendwelche Einschränkungen mit unserem Visa haben, da wir jetzt in eine polizeiliche Geschichte verwickelt wurden? Ich weiß, es mag sich vielleicht etwas überverunsichert anhören, aber wir lieben es wirklich sehr hier zu sein und wollen es so lange wie möglich hier genießen. Und wir wollen die Option haben, Neuseeland wieder zu besuchen wenn wir das möchten. Das alles haben wir dadurch in Gefahr gesehen. Wir haben ja überhaupt keine Ahnung wie das Rechtssystem hier funktioniert und welche Rechte wir als Ausländer haben… Der Anwalt hat uns beruhigt und auch sehr gut darüber aufgeklärt, was eine Aussage für uns bedeuten könnte. Mit unserem Visa kann es nicht in Verbindung gebracht werden, es wird berücksichtigt, dass Englisch nicht unsere Muttersprache ist, und falls wir in einem fremden Land sein sollten, das mit Neuseeland kein Abkommen hat, und der Richter gerne persönlich unsere Aussage hören wollen würde, dann würden wir auf Staatskosten eingeflogen werden und das Hotel würde auch bezahlt. Ich denke es gibt schlimmere Aussichten, als nochmals einen kurzen bezahlten Urlaub in Neuseeland zu verbringen 🙂

So haben wir ihm dann unsere Beobachtungen geschildert, wobei es grundsätzlich ganz gut lief mit dem Englisch, es jedoch auch an der ein oder anderen Stelle wirklich schwierig war das exakte Wort, das die Beschreibung auf den Punkt bringt, zu geben oder zu wissen. Außerdem gab es Missverständnisse mit Doppeldeutigkeiten von Wörtern. Er hat sich das alles notiert. Nach knapp zwei Stunden waren wir alle ziemlich erschöpft und er bat uns noch einmal mit uns einen Termin zu machen, da es so viele Infos seien und er sie jetzt auch nicht mehr aufnehmen kann. Wir hörten nach etwa einer Woche wieder von ihm, da bat er uns sonntags zu sich ins Büro. Er fragte zu ein paar Dingen nochmals genauer nach. Irgendwann schloss er dann die Akte, sagte uns, er wird das Ganze die Tage abtippen und uns dann bitten es zu unterschreiben. Unsere und ein paar weitere Aussagen von Bekannten und Freunden von Peter, die an dem Abend zuvor mit dabei im Pub waren, wurden zusammen getragen und dann gebündelt an die Polizei gegeben. Auch von den Männern, die an dem Abend im Haus waren, wurde versucht Aussagen zu erhalten. Soweit wir wissen hat jedoch keiner ausgesagt. Die gesammelten Aussagen würden mit der Aussage von Kimberly verglichen und die Polizei kann dann entscheiden, ob es Sinn macht, eine weitere Instanz höher zu gehen. Das wäre dann das Gericht mit Schiedsgericht (heißt das so in deutsch??? Naja, eine Jury, die dann die Glaubwürdigkeit und die Schuld der Beteiligten einschätzt). Ich weiß nicht ob ich das so hundertprozent wiedergegeben habe, aber ich denke es geht mehr drum, dass man ne grobe Vorstellung bekommt. Die abgetippte Aussage zum unterschreiben haben wir dann erst ein paar Wochen später erhalten. Nach einigen Änderungen haben wir diese dann auch unterschrieben. Das war vor etwa 1,5 bis 2 Monaten. Peter wohnt immer noch bei seiner Mutter. Ein Ergebnis gibt es noch nicht. Ob wir das noch erfahren? Keine Ahnung… Was genau passiert ist? Ja das haben wir uns auch gefragt. Hier die Story:

Die „wahre“ Geschichte, oder zumindest das was uns erzählt wurde, wir waren ja nicht dabei…

Diese Version ist von Peter, wir kennen nur seine:

Peter und Kimberly sind an dem Abend ausgegangen, in einen Pub. Dort trafen sie auf Megan, das Mädel mit dem Peter Kimberly betrogen hat. (Von ihrer Existenz wussten wir bis dato auch noch nix). Das Ganze war wohl auch vor unserem Einzug. Megan war mit ihrem Bruder bei der Party. Kimberly kam mit dieser Situation wohl überhaupt nicht klar und hat Megan lauthals im Pub beschimpft: Schlampe, Hure, ihr wisst schon, weitere nicht so schöne Sachen. Lasst eurer Fantasie freien Lauf. Sie ist da wohl ziemlich aggressiv aufgetreten, wohl auch weil sie schon ziemlich einen in der Krone hatte. Kimberly wollte dann der Situation entfliehen und mit dem Auto (ein Dienstwagen wie gesagt), nach Hause fahren. Davon haben sie Freunde abgehalten und ihr den Schlüssel abgenommen (das ist der wohl vernünftigste Teil dieser Geschichte :-D). Da wohl alle Beteiligten der Party gut im Alkohol standen, war nicht mehr so ganz klar, bei wem der Schlüssel verblieben war. So gab es eine Einschätzung, die auch gegenüber der Polizei geäußert wurde, dass der Schlüssel an Peter weiter gegeben wurde und bei ihm verblieb. Der wusste davon nix und wusste auch nichts anderes. Deshalb die Suchaktion am darauffolgenden Tag. Peter war die ganze Situation im Pub auch zu blöd und er wollte gerne weiter trinken. Deshalb verließ er die Party mit Megan und ihrem Bruder um in sein Haus zu gehen (da wo wir schlafen wollten). Das waren auch die Stimmen, die wir hörten als wir erst kurz im Bett waren. Dann tauchte Kimberly auf und legte wohl eine Szene hin, sodass Megan und ihr Bruder entschieden zu gehen. Peter und Kimberly hatten einen Streit und Peter sagte ihr: Ich gehe jetzt in die Stadt ins Pub, wenn ich wieder komme, bist du weg! Das hat er dann auch gemacht. Dort im Pub lernte er die drei Männer kennen und lud sie spontan ein, bei sich zuhause (wo wir immernoch schliefen) weiter zu trinken, ist ja deutlich günstiger als in der Kneipe. Kimberly hielt nix von Peters Anweisung und blieb einfach im Haus, bombardierte ihn mit Nachrichten und Anrufen auf dem Handy. Als er dann mit den Männern im Haus ankam, warf Kimberly schnell das Thema in die Runde, dass Peter sie betrogen habe. In dieser schrägen Therapierunde wurde dann von den drei Männern festgestellt, dass es dafür eine Lösung ihrer Beziehung gibt: Kimberly hat einfach einen Freibrief und kann ja einfach auch mit einem anderen Mann schlafen. Dann seien sie quitt. Und ach welch Überraschung: gerade seien ja auch drei zur Auswahl… Ihr könnt euch vorstellen, so oder ähnlich schräg wird das gewesen sein. Auf jeden Fall war der eine der nicht gehen wollte, John, ganz angetan davon, dass Kimberly den Freibrief mit ihm haben könnte. Peters Standpunkt dazu war: schlaf mit wem du willst, nur nicht in meinem Haus. Ab hier wird es noch konfuser: Ich könnte mir vorstellen, vor allem der Alkohol aber auch die Aussicht auf möglichen Sex hat die Männer ein wenig gaga gemacht. Auf jeden Fall waren sie mit Peters Aussage nicht so einverstanden und haben darüber diskutiert. Der Freund von John, war dann derjenige der angefangen hat Peter anzuschreien und auf ihn los zugehen, als Peter ihn rausschmeißen wolle. Er wollte wohl seinen Freund beschützen, weil er fand, dass Peter so nicht mit ihm sprechen dürfe. Keine Ahnung. Dann wie gesagt, gab es diese Rauferei, der Typ hat dann von Peter abgelassen, ist zur Hintertür raus und hat das Glas der Vordertür eingetreten. Den Rest kennt ihr ja bereits.

Hier anzumerken ist: Peter hatte die Polizei gerufen, um den Fenstereintreter abholen zu lassen. Er hat jedoch bei dem Anruf gesagt, dass jemand in sein Haus einbrechen wolle. Als die Polizei kam und raus kam, dass die Männer von ihm in sein Haus zuvor eingeladen wurden, meinten sie, Peter hätte eine falsche Angabe gemacht und ein Einbruch höhere Priorität hätte als eine Sachbeschädigung, oder so ähnlich. Sie haben sich auf jeden Fall verarscht gefühlt und das war der Grund, warum Peter Kimberly bei dem Gespräch mit der Polizei dazu geholt hat. Diese hat dann Peter einfach weg geschickt und allein mit der Polizei geredet. Die Polizisten sind dann kurze Zeit später weg gefahren, übrigens ohne den Typ mitzunehmen. Peter hatte als die beiden zu Bett gingen das Thema nochmal angesprochen, er hatte mitbekommen (trotz Alkohol), dass da wohl was schräg gelaufen ist, sodass er Kimberly gefragt hat, ob der Typ wirklich mitgenommen wurde, so wie sie es zuvor uns allen erzählt hat. Sie hat das dann verneint. Er wollte wissen, was sie zur Polizei gesagt habe. Sie wollte erst nicht weiter darüber reden, sagte aber schon sowas wie, dass sie ihnen gesagt habe, dass Peter einfach sehr betrunken sei und das Ganze nicht mehr so peilt. Sie wollte aber nicht wirklich was darüber raus lassen und sagte, sie wolle schlafen. Am nächsten Morgen habe er ihr dann gesagt, dass die Beziehung nicht mehr funktioniert, er Schluss macht und sie nun seine Sachen packen soll. Das hat sie nicht getan, sodass er ihre Sachen zusammen gepackt hat und vor die Tür gestellt hat. Weil sie nicht raus gehen wollte, habe er sie am Rücken aus der Tür geschoben und diese geschlossen. Was jetzt natürlich ganz genau vorgefallen ist, wissen wir nicht, wir waren nicht dabei. Wir werden uns auch kein Urteil darüber erlauben. Wir denken, die Wahrheit liegt da irgendwo dazwischen. Kimberlys Aussage bei der Polizei soll sich in verschiedenen Punkten sehr widersprechen.

Für uns war diese Geschichte die schrägste Nacht in unserem Leben. Für Peter ein riesen Rattenschwanz, der sich da bisher immer noch zieht und wenn es richtig blöd läuft, auf Lebzeiten ein Makel in seinem Lebenslauf bleiben wird, da er seinen Job verlieren kann und nie wieder als Anwalt arbeiten kann. Wir haben uns gefühlt als wären wir mitten in einer Daily Soap im Fernsehen: Peter und seine Flatmates oder Gute Zeiten, schlechte Zeiten in Neuseeland. Haha.

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