Costa Rica – San José

Am 26.12.2016 wollten wir weiter nach Panama reisen um unser Silvester am Strand von Las Lajas zu feiern, eine Partyhochburg zu Silvester. Wir hatten das Hotel schon 3 Wochen vorher gebucht und wollten am 30.12.2016 dort einchecken. Unser Plan war es mit dem Chickenbus zurück nach Rivas zu fahren, um dann dort mit dem Chickenbus für 1$ pro Person nach Penas Blanca zu fahren, die Grenze zu Costa Rica. Dort wollten wir mit dem Bus nach der Grenze nach San José, dort eine Nacht bleiben um am nächsten Morgen dann mit dem Bus nach David, der dritt größten Stadt Panamas zu fahren. Dort wollten wir 3 Nächte bleiben um dann weiter zum Strand von Las Lajas zu fahren. Unser Silvesterabenteuer. Doch wie ihr wisst, es kommt immer als man denkt…

Kurz bevor wir auschecken wollten erreichte uns eine Email von dem Hotel in Las Lajas, unser Zimmer sei nicht mehr verfügbar. Schock!!! Und jetzt? Unsere ganzen Pläne waren futsch. Vor 3 Wochen war das schon das einzige noch bezahlbare Hotel, die anderen waren fast alle ausgebucht. Natürlich waren zu diesem Zeitpunkt wirklich alle Hotels ausgebucht. Ich schrieb dem Hotel was das solle und warum das Zimmer plötzlich nicht mehr verfügbar sei, sie sollen es mir erklären. Doch die Antwort ließ auf sich warten. Als dann der Verwalter des Apartments auf sich warten ließ um den Checkout zu vollziehen, hatten wir etwas Zeit und beratschlagten, was wir nun machen sollten. Da natürlich sämtliche schöne Strände oder Inseln in Panama nicht bezahlbar waren und wir auch völlig entnervt waren, entschieden wir uns, direkt von San José, Costa Rica nach Panama City durchzufahren um Silvester dort zu verbringen.

Endlich kam auch der Verwalter und wir checkten aus. Wir liefen zur Bushaltestelle und fuhren nach Rivas. Schon im Bus sprach uns einer an, der uns anbot im Taxi zur Grenze zu fahren, da der Bus nach San José schon um 15 Uhr fahren sollte. Leider merkte er selber nicht, dass er sich verrechnet hatte und es so oder so nicht geklappt hätte den Bus zu erreichen, weil es schon 13 Uhr war und die Fahrtzeit deutlich länger dauert. Somit haben wir abgelehnt und sind in Rivas (welch eine Überraschung…) natürlich noch in den Bus zur Grenze gestiegen. (Rivas ist was die Aufdringlichkeit der Taxifahrer betrifft das heftigste was wir in Nicaragua erlebt haben und sie versuchen es mit allen Tricks).

Diese Busfahrt war auch ein Abenteuer. Es kamen einfach immer mehr Menschen in den Bus und dieser war proppe voll. Dennoch kamen die Händler herein und boten ihre Waren an (manche haben damit Vorlieb genommen von vorne durch den Bus ihre Waren schreiend anzupreisen, einige haben sich aber trotz des Gedränges nicht davon abhalten lassen sich mitsamt ihrer Ware durch den Bus zu schieben, damit auch jeder ganz genau sehen kann, was es gibt). Endlich fuhr der Bus los, doch es wurden immer noch Menschen aufgesammelt. Letztendlich waren so viel Menschen im Bus, dass die sich schon fast gestapelt haben, sogar die Türen gingen nicht mehr zu. Dass wir, obwohl wir einen Sitzplatz ganz vorne hatten, die Fahrt nicht wirklich genießen konnten, lag evtl. an dem Hintern, der sich von hinten an meinen Kopf drückte, an dem Hintern von der Seite und irgendwelchen Ellenbögen, die zwangsweise immer wieder an mich anstießen und mich halb auf Julia drückten. Wir merkten bei jeder Bodenwelle wie sich der Stahl des Bodens unter uns auf und ab bewegte. Wir hofften inständig, dass wir heil ankommen und der Bus nicht unterwegs auseinander bricht. Kurz vor der Grenze stiegen ein paar Leute aus, allerdings waren es nicht genug um es erträglich zu machen. Plötzlich hielt der Bus an und wir sahen 4 Polizisten mit Maschinenpistolen bewaffnet, die in den Bus schauten. Sie deuteten auf mehrere Personen im Bus und zogen sie heraus. Dort wurden sie direkt an die Wand gestellt und mussten sich Schuhe und Socken ausziehen, wurden gefilzt und mussten sich ausweisen. Und der Bus stand davor und alle Passagiere drängten sich auf die rechte Seite um zu gaffen, Fotos zu machen und sie auszulachen.

Dann ging es ohne diese Typen weiter. Nach 5 Minuten hatten wir endlich die Grenze erreicht und konnten aus dem überfüllten Bus aussteigen.

Wir liefen auf das Grenzgebäude zu und uns sprach auch gleich einer an, der uns ein Busticket verkaufen wollte. Es war so gegen 15.30 Uhr und wir fragten ihn, ob der Bus direkt nach San José fährt und wann er abfährt. Als er es bejahte und die Abfahrt auf 16 Uhr angegeben hatte, wussten wir zumindest, dass ein Bus noch fährt. 16$ sollte die Fahrt kosten. Das war ok. Es kam ein Geldwechsler auf uns zu und bot an Geld zu wechseln. Da ich noch sehr viele nicaraguanische Cordobas hatte und die Banken an dem Tag noch zu hatten, war das die einzige Möglichkeit, Geld zu einem vernünftigen Kurs zu wechseln. Also wechselte ich alle meine Cordobas in US$ um, da ich gelesen hatte, das die Gebühr zum Grenzgelände 1$/Person kostet und die Ausreisegebühr um Nicaragua zu verlassen 1,51$ kostet.

Der Busticketverkäufer führte uns zum Gelände, wir zahlten jeder 1$ und durften ins Grenzgebäude, um unseren Ausreisestempel zu bekommen. Dort checkte die Grenzbeamtin unsere Pässe und bat uns, 1,51$ Ausreisegebühr zu zahlen, allerdings in nicaraguanischen Cordobas. Na super, jetzt hatten wir keine mehr und ich musste zum Grenzschalter, um mir einige Dollar wieder zurück wechseln zu lassen, was er zum Glück konnte. Also zahlten wir die Ausreisegebühr und durften passieren.

Gleich dahinter fing uns wieder der Busticketverkäufer ab und wollte, dass wir ihm folgen und unseren Pass wollte er haben. Das kam mir aber komisch vor, sodass ich mich weigerte und ihn fragte, ob es nicht nach der Grenze möglich sei. Netterweise übersetzte ein spanischsprechender Reisender und sagte uns, dass wir in den Bus gehen können mit dem Gepäck, wir dann zu der etwa 1 km entfernten Grenze zu Costa Rica fahren würden, und dort den Rest machen. Ok sagten wir uns, und gingen zum Bus. Nun ja was soll ich sagen, im Vergleich zu den Chickenbussen in Nicaragua war das die Präsidentensuite eines 5 Sterne Hotels. Klimatisiert, mit TV, Toilette und nach hinten verstellbaren Lederliegesitzen. Er fragte, wenn wir noch 4$ mehr zahlen, gibt’s noch einen Lunch dazu. Da wir uns jede Menge Sandwiches geschmiert hatten, lehnten wir ab und stiegen ein.

Dann gings zur Grenze zu Costa Rica. Alle mussten mit Handgepäck aussteigen und sich ihre Koffer und Rucksäcke aus dem Gepäckfach des Busses holen und wurden ins Grenzgebäude geschickt. Hier mussten wir nichts bezahlen, mussten aber eine Einfuhrdeklaration ausfüllen. Danach wurden wir nach dem Flugticket gefragt und wir sagten, dass wir am 17 .01.2017 aus Panama City fliegen. Das reichte wohl als Beweis, sie stempelte und wir gingen weiter, wo unser Gepäck dann durchgeleuchtet wurde. Und schon gings wieder in den Bus.

Die Busfahrt war ziemlich bequem und komfortabel, allerdings dachte der Busfahrer nicht daran, die Klimaanlage abzustellen. Somit hatten wir gefühlte 15°C im Bus und froren uns den Arsch ab. Zum Glück haben wir unsere Fleecejacken im Handgepäck und konnten uns etwas dagegen schützen.

Die 4$ Aufpreis bereute ich allerdings relativ schnell, denn fast alle außer uns bekamen Essen, mehrere Getränke, Kissen und Decken. Immerhin bekamen wir Kekse und auch ein Trinkpäckchen mit Apfelsaft 😉

Der Ausblick aus dem Fenster war vielversprechend. Viele Häuser, Autos, Zivilisation. Der Unterschied zu Nicaragua war deutlich zu sehen. Gerade in San José war das Großstadtflair, welches wir von Frankfurt kennen, doch deutlich zu spüren.

Wir erreichten San José etwa gegen 22.30 Uhr und wunderten uns sehr. Gewöhnt an die Temperaturen von über 30°C waren es hier nur ca. 18°C zu dieser Zeit. Wir beschlossen ein Hotel zu suchen. Schnell merkten wir die komischen Gestalten auf der Straße und uns beschlich das unheimliche Gefühl, das wir nicht wirklich in der besten Gegend gelandet sind. Immerhin gab uns die immer wieder patrouillierenden Streifenwagen ein etwas besseres Gefühl. Also liefen wir los auf der Suche nach einem passenden Hotel. Allerdings waren alle Hotels in dieser Gegend pro Stunde zu bezahlen. Komisch oder? Als wir realisierten, dass wir hier kein passendes Hotel für uns finden würden, wir wollten ja nicht unbedingt im Rotlichtviertel schlafen, liefen wir weiter in die Innenstadt.

Auf dem Weg stellten wir schon fest, dass wirklich alle Läden, Bars und Restaurants zu hatten, es war auch schon kurz vor 23.30 Uhr. Also nix mehr mit essen. Als wir endlich ein für uns sauberes und ausreichendes Hotel gefunden haben, welches wir sogar für die ganze Nacht zahlen mussten, checkten wir ein und freuten uns auf eine ausgiebige Dusche.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was es für ein tolles Gefühl ist, nach fast zweieinhalb Monaten endlich wieder eine warme/heiße Dusche zu genießen.

Da wir erst dort wieder eine Internetverbindung hatten, erfuhren wir auch da erst, warum das andere Hotel in Las Lajas abgesagt hatte: Angeblich sei das Dach undicht und ein großer Wasserschaden sei entstanden, das Zimmer sei momentan unbewohnbar. Sie hätten sich bemüht einen Handwerker zu bekommen, allerdings sei das erst nach Silvester wieder möglich. Okay, glauben wir das mal, kann ja wirklich so sein. Komisch ist allerdings dennoch, dass das gleiche Zimmer nun für 40$ mehr die Nacht noch zu buchen sei. Egal nun hatten wir uns ja entschieden.

Da wir ein Dreibettzimmer hatten mit 2 Doppel und einem Einzelbett haben wir die Nacht jeder in einem Doppelbett verbracht und den Platz darin echt genossen. Schön ausgeschlafen beschlossen wir zu frühstücken, Geld abzuheben und dann weiter zu schauen, um heute noch einen Bus nach Panama City zu bekommen.

Wir gingen an die Rezeption und fragten ob das Frühstück mit inklusive sei. Ja sei es, allerdings war es schon kurz nach 10, die Frühstückszeit sei zu Ende. Wir fragten ihn ob er uns sagen könne, welcher Bus nach Panama City fahre. Er sagte uns das es nur der Ticabus wäre und dieser um 12 Uhr fahren würde und um 23.55 Uhr. Also liefen wir los um Geld abzuheben, um dann die Sachen zu packen und auszuchecken. Wir ließen uns erklären wo das Terminal sei und wir liefen los in der Hoffnung, es rechtzeitig in dieser noch verbleibenden halben Stunde zu schaffen. Das war gar nicht so einfach, da San José an diesem Tag Carneval gefeiert hat und zu diesem Zweck viele Straßen abgesperrt waren. Nach ewigem herumirren haben wir das Terminal auch um kurz nach 12 Uhr gefunden und 2 Busse standen noch da.

Glück gehabt dachten wir und gingen an den Schalter um Tickets zu kaufen. Er fragte uns wann wir fahren möchten und ich erwiderte, am besten sofort. Das sei nicht möglich, da es keine freien Plätze mehr gab. Die nächste Möglichkeit wäre morgen.

So was nun? Ich hatte im Internet gelesen das es noch mehr Anbieter gibt die nach Panama fahren, auch ein Passant, den wir gefragt hatten bestätigte das. Also beschlossen wir diese Anbieter aufzusuchen. Blöderweise waren die natürlich nicht so nah beieinander sondern genau in der anderen Himmelsrichtung. Also stiefelten wir los. Der erste der beiden anderen Anbieter war gar nicht mehr aufzufinden, im Nachhinein lasen wir im Internet das dieser scheinbar den Dienst eingestellt hat, und der andere fuhr nur bis nach David, mit dem wollten wir ja ursprünglich fahren. Tolle Suppe. Nachdem wir nun ja auch immer noch nichts gegessen hatten und mörderischen Hunger hatten, beschlossen wir zu McDonalds zu gehen. Entscheidend war die kostenlose Internetverbindung und die Akzeptanz von Kreditkarten. Und nach zwei Stunden mit den kompletten Backpacks durch die Stadt zu irren hat uns ziemlich ermüdet. Wir aßen was und recherchierten, beschlossen noch eine weitere Nacht in dem vorigen Hotel zu verbringen, checkten ein, ließen alle Sachen dort und beschlossen wieder zum Ticabusterminal zu gehen, um das Ticket für den nächsten Tag zu kaufen.

Nachdem wir für 59$ pro Person das Ticket gebucht hatten, was uns ziemlich teuer im Vergleich zu den vorherigen Transportkosten vorkam, man dazu aber auch sagen muss, dass die Strecke ca. 1000 km betrug, fragten wir nach der Reisezeit. Ich war der Meinung dass ich irgendwas von 10 Stunden gelesen hatte, allerdings antwortete der Herr ca. 16 – 17 Stunden. Da blieb mir der Mund offen stehen. Wow, damit haben wir nicht gerechnet. Wir würden um 23.55 Uhr starten und ca. zwischen 17 und 18 Uhr in Panama City ankommen. Egal, nun hatten wir gebucht, nun mussten wir durch.

Nachdem wir das Ticket nun hatten entschieden wir uns, sicherheitshalber unsere Notvorräte an Müsliriegel und Keksen/Crackern aufzufüllen, Wasser hatten wir auch keines mehr. Anschließend sind wir in ein Chinesisches Restaurant gegangen, um das noch grade so bezahlbare 2-Stunden-all-you-can-eat-Buffet zu genießen. Leider waren die meisten Speisen höchstens lauwarm und kulinarisch nicht sonderlich ein Hochgenuss, wir wurden allerdings satt.

Anschließend gingen wir ins Hotel und planten, wie wir nun weiter vorgehen würden. Wir suchten uns zwei bezahlbare Hotels mit guten Bewertungen raus und entschieden, wenn wir in Panama ankommen, mit dem Taxi direkt ins Hotel zu fahren und vor Ort nach einem Zimmer und den Preisen zu fragen. In der Vergangenheit haben wir immer wieder feststellen müssen, dass die Zimmer so meist günstiger sind, da die Gebühren für die Buchungsplattformen wegfallen. Aber was ist mit der Zeit von 12 Uhr Mittags, wo wir auschecken mussten und 23 Uhr, wo wir am Terminal sein sollten? Wir entschieden uns in ein Einkaufszentrum zu fahren um dort eben zu warten. So könne einer auf das Gepäck aufpassen, der andere eben bummeln gehen. Allerdings kam mir die Idee einfach im Hotel zu fragen, ob wir das Gepäck nicht einfach dort lassen können um es dann später abzuholen. Zufrieden wiederholten wir die Reihenfolge der letzten Nacht, sprich warm duschen (geil!) – jeder in einem großen Bett für sich alleine zu schlafen – morgens früher aufstehen und tatsächlich das Frühstück zu genießen. Anschließend packten wir unsere 7 Sachen und checkten aus. Auf die Frage, ob wir das Gepäck solange hierlassen könnten, antwortete der zufällig anwesende Juniorchef, selbstverständlich, solange wir wollen. Perfekt, somit hat mein Plan funktioniert. Wir nahmen nur unsere Daypacks mit und hatten nun tatsächlich 10 Stunden Zeit, San José zu erkunden!

In San Jose gibt es ein paar Parks, wobei wir nur in einem Park waren, der auch etwas Rasen hatte und noch am meisten nach einem uns bekannten Park aussah. Alle anderen Parks waren einfach Plätze mit Brunnen oder irgendwelchen anderen Skulpturen oder Gebilden, ein paar Stadtbäume oder Palmen in einem kleinen betonierten Kübel und sonst nur alles zugepflastert, betoniert oder was auch immer. Abgesehen von den Bäumen keine Natur. Sehr schade fanden wir. Allerdings schien das die vielen wilden Papageien nicht zu stören, sie flogen von einem Baum zum anderen und zankten sich genüsslich.

San José hat viele Fußgängerzonen, die immer wieder von Straßen durchquert werden, an denen die Fußgänger dann an Ampeln warten müssen, da San José wie alle amerikanischen Städte in einer Blockarchitektur angelegt sind. Sämtliche uns bekannte Modegeschäfte gab es zu sehen, aber auch ein McDonalds an jeder Ecke. Praktisch, so hatten wir dann fast flächendeckend Wifi in der Innenstadt. Es gibt eigentlich alles, was es in einer Großstadt eben so gibt. Ob gute Seiten einer Großstadt, als auch die schlechten. Davon waren zumindest einige Obdachlose zu sehen, die sich abends dann Pappkartons zusammen suchten, die die Geschäfte weggeschmissen haben, um dann auf und unter diesen zu schlafen.

San José war sehr laut. Hupende Autos gehörte zum Stadtbild dazu, wie auch das lautstarke Signal der Fußgängerampeln, die signalisierten, ob man gehen kann oder stehen sollte. Aber am lautesten waren tatsächlich die sogenannten „fliegenden Händler“. Sie schrien und priesen ihre Waren an, manche boten Vogelpfeifen an und trällerten den ganzen Tag darauf herum. Es gab von A bis Z fast alles zu kaufen. Über gebrannte Kopien irgendwelcher Filme, zu Sonnenbrillen, Schuhe mit LED-Sohle, Socken, Schlüpper, Bhs… Wir kannten ja schon solche Arten des Handels aus Nicaragua, wo die Händler durch den Bus liefen um zu verkaufen, von Bar oder Restaurant zu Restaurant gingen und die Gäste vollquatschten oder einfach an der Straße irgendwo saßen und schrien. Aber irgendwie war das anders. Sehr beeindruckt hat uns die stetige Präsenz der Polizei an wirklich fast jeder Straßenecke, und weitere auf Streife laufenden Polizisten sowie fahrende Polizeiautos. Alle schwer bewaffnet mit Maschinenpistolen. Und dann gab es noch die Policia Municipal, die Stadtpolizei. Auch diese fuhren mit Autos oder sogar auf dem Fahrrad. Als wir die eine Fußgängerzone hinaufschlenderten, bekamen wir mit, wie plötzlich alle Händler in zwei Griffen ihre Sachen packten und weg rannten. Ein Händler war nicht schnell genug und verlor einen Teil seiner Ware. Und schon standen die uniformierten Fahrradpolizisten vor diesem. Er lächelte nur beschämt und packte die Sachen ein und verschwand. Nun hatten wir es kapiert. Diese fliegenden Händler waren illegal und nicht erwünscht. Das war uns vorher nicht aufgefallen. Von dem Schauspiel beeindruckt setzten wir uns auf eine Bank und beobachteten die Szenerie. Sobald die Fahrradpolizei weg war kamen die Händler, boten Ihre Ware an und packten blitzschnell alles zusammen und stopften es in schwarze große Tüten und setzten sich auf diese an die Straßenseite, sobald wieder die Stadtpolizei kam. Faszinierend war dann auch anzusehen, wie sie ihre Waren anboten. Die Dvds waren zu einem Teppich zusammengeklebt, sodass man ihn mit einem Mal hatte und reagieren konnte. Auch die Frauen, die Socken, Schlüpper oder sonstiges anboten, hatten alles auf einer Schwarzen Decke ausgebreitet, die sie bei Bedarf einfach an allen vier Enden schnappen konnten und fliehen konnten. Es war echt lustig dieses Katz- und Mausspiel zu beobachten. Da saßen die Frauen und legten die Schlüpper sorgfältig geordnet auf die Decke, um 5 Minuten später wieder abzuhauen und sobald die Stadtpolizei wieder weg war von Neuem zu beginnen. Und wenn doch jemand erwischt wurde, grinste dieser nur beschämend, packte sein Zeug und verschwand wieder. Sehr skurriles Spiel, vor allem interessierte es die normale Polizei keinen Meter und patrouillierten gemütlich an den Händlern vorbei.

Ansonsten war es wie eine normale Großstadt. Viele Menschen, viele Autos, viel Lärm.

Nachdem wir also den Tag weiter in San José verbracht, was gegessen hatten und Häckelzeug für Julia gekauft hatten, damit sie ein wenig Beschäftigung auf der langen Busfahrt hat, haben wir unsere Rucksäcke im Hotel abgeholt und sind dann gegen 22 Uhr ins Ticabusterminal gefahren (wir hatten uns wegen der späten Uhrzeit schon für ein Taxi entschieden) um dann weiter nach Panama zu reisen.

Der Bus startete pünktlich gegen 0 Uhr. Der Reisebegleiter laberte irgendwas auf Spanisch was wir nicht verstanden haben, wahrscheinlich erzählte er uns das wir schlafen sollen, denn das Licht ging aus. Also versuchten wir zu schlafen. Es war gar nicht einfach, die Klimaanlage lief, der Bus wackelte und rumpelte, der Busfahrer fuhr wie eine gesenkte Sau. Mit Ohrenstöpsel ging es dann doch etwas. Die Panamericana ist nun mal keine deutsche Autobahn, hat Kurven und Schlaglöcher..

Um kurz nach 5 wurden wir vom Licht geweckt, der Begleiter faselte auch wieder irgendwas, also machten wir einfach das, was die anderen auch machten. Und die standen auf, nahmen ihr Handgepäck und verließen den Bus. Okay, wir werden an der Grenze in Paso Canoa sein denke ich und stieg mit Julia aus. Dort gesellten wir uns dann in die schon wartende Schlange, um die Grenzformalitäten zu vollziehen, während der Bus weiter fuhr. Es wurde hell und die Sonne ging mit einer gnadenlosen Hitze auf. Wir warteten schon über eine halbe Stunde, waren Hundemüde und es nervte uns, dass es einfach nicht voran ging. Also wartete Julia in der Schlange während ich nach vorne ging und schaute, warum da nichts ging. Ich traute meinen Augen nicht. Kein einziger Schalter hatte geöffnet. Ich ging direkt davor und sah einen Zettel, der die Öffnungszeiten ab 8 Uhr angab. Ich dachte mich laust der Affe. Ich ging zu dem Busbegleiter, der auch irgendwo neben der Schlange stand und fragte ihn auf Englisch, ob es richtig sei, dass die Schalter erst um 8 Uhr öffnen. Er gab mir zu verstehen, dass die Schalter in 10 min. öffnen würden, also um 6 Uhr. Als die Schalter endlich öffneten, also nachdem sie sich erst gemütlich Kaffee gemacht haben, ging es los. Langsam kamen wir voran. Auf einen Zettel las ich, was zu Ausreise benötigt wurde: Ein Reisepass, eine ausgefüllte Zollerklärung und 7$ Ausreisesteuer.

Als wir endlich an der Reihe waren gaben wir unseren Pass und die Zollerklärung ab, wir bekamen den Stempel. Als ich dann den Reisebegleiter fragte, wo ich denn nun die Steuer bezahlen muss und er auf einen Container weiter hinten zeigte, dachte ich schon na toll, wieder anstehen. Aber dann guggte mich der Begleiter an, fragte ob ich den Ausreisestempel bekommen hab was ich natürlich bejahte. Also grinste er mich an und sagte, das wir nur noch 1$ in Panama zahlen müssen. Scheinbar haben wir uns die Steuer nichtsahnend gespart.

Also liefen wir auf die Grenze Panamas zu. Dort angekommen durften wir uns wieder in eine lange Schlange stellen. Und warten. Die Sonne knallte auf uns nieder, wir versuchten im Schatten zu bleiben. Tatsächlich dauert es auch an diesem Grenzübergang so lang, dass wir im Wanderschatten der Sonne standen, die immer höher ging. Endlich angekommen wurden wir gefragt wo es hin geht und unsere Weiterflugticket wollten sie sehen. Dann mussten wir an hochmodernen Fingerabdruckscannern unsere Fingerabdrücke nehmen lassen. Wow dachten wir, ganz schön modern. Wir liefen hinüber zum Bus in der Hoffnung, endlich wieder einsteigen zu können, doch jetzt war erst mal unser Gepäck dran. Wir mussten mit dem kompletten Gepäck nun wieder an einer Schlange anstehen. Nach 5 Minuten wurden wir alle in einen Raum mit 6 oder 8 Tischen geleitet. Absolut stickige Luft drin, die Klimaanlage funktionierte nicht. Nur ein Ventilator an der Wand hat wenigstens dem Panamenischem Grenzbeamten etwas kühle Luft zugeführt. Nachdem alle Leute in diesem Raum waren, wurden wir auf Spanisch von dem Beamten begrüßt. Er erklärte wohl, dass wir wieder eine Zollerklärung ausfüllen müssen und wir Schritt für Schritt zusammen ausfüllen. Anschließend solle das Gepäck auf den Tischen ausgepackt werden, damit die Beamten das durchsuchen können. Netterweise hat ein Reisender alles auf Englisch übersetzt. Das Formular war zweisprachig. Nachdem wir auch das endlich ausgefüllt hatten haben wir unser Gepäck auch auf die Tische getan und wollten anfangen auszupacken, wie die anderen es auch gemacht haben. Da an den anderen Tischen nichts mehr los war wechselte ich noch den Tisch, Julia blieb. Ich ging rüber und überreichte der Beamtin das Formular. Sie fragte nur Ticabus? Ich antwortete: Si! Und sie: Ok! Mit einer winkenden Bewegung gab sie mir zu verstehen, dass ich gehen kann. Ich ging zu Julia, die ihren halben Rucksack schon auf dem Tisch ausgeleert hatte und auf den Beamten wartete, der ihr Gepäck untersuchen sollte. Der hatte aber gerade wohl ein anregendes Gesprächsthema mit den anderen Beamten gefunden, jedenfalls ignorierte er sie komplett. Ich sagte zu Julia, komm geh auch rüber und sie rastete aus. Mit Mühe und Not konnte ich Julia etwas beruhigen, nahm ihr Formular, gab das der Beamtin, bei der ich gewesen bin und zeigte auf Julia, sie sagte wieder Ok. Dann zerrte ich Julia mitsamt dem Gepäck raus um es wieder in den Bus zu laden und wieder einzusteigen. [Julia: „Ich hab mich gefühlt wie in der Schule und konnte überhaupt nicht nachvollziehen, warum wir diesen simplen Zettel alle gemeinsam ausfüllen und uns die Beine in den Bauch stehen dürfen, bis jeder endlich irgendwie einen Stift organisiert hatte und das ausfüllen konnte. Und als wären die Nerven noch nicht genug strapaziert, war dieser komplette Ablauf so unfassbar chaotisch und dann dachte ich mir, ich beschleunige das Ganze und packe schon mal ein Teil für die Gepäckkontrolle aus und dann werde ich auch noch komplett ignoriert und es scheint überhaupt keinen zu interessieren! Ihr kennt mich, ich hab echt eine Eselsgeduld, aber wenn ich mir veräppelt vorkomme, dann ist es rum damit! Ich hab dann halt ein bisschen vor mich hin geschimpft (war einfach eine Entlastung für mich in dem Moment) und ich glaube für Michi kam das ziemlich abrupt. In diesen anstrengenden Momenten bin ich in der Regel sehr still, Michi lässt seinen Unmut immer meist in kleineren Portionen raus (manchmal braucht man das Schimpfen, tut echt gut) und bei mir hat sich das in der Situation innerlich so angestaut, dass der kleine Funke des Ignorierens mich zum Explodieren gebracht hat. Hat auch ein paar Stunden danach noch gedauert bis ich mich abgeregt hatte“ Julia Ende].

Wir haben an diesem chaotischem Grenzübergang sage und schreibe 4 Stunden verbracht! Nun weiß man auch warum die Busfahrt so lange dauert.

Endlich ging es weiter. Willkommen in Panama. Die Zeit ging sogar relativ schnell vorbei. Es gab ein paar Getränke und was zu essen, das erste war von der Grenze mitgenommen, ein kleines Frühstück mit Reis, Bohnen, Wurst und Toast. Das Mittagessen war ein McChicken von McDoof, aufgegabelt an einem auf dem Weg liegenden Restaurant. Zum Glück hatten wir unseren Vorrat an Keksen aufgestockt. Gegen 17.20 Uhr fuhren wir über den Panamakanal und kamen endlich 10 Minuten später in Panama City an.

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