Hawke’s Bay & Eastcoast

Hawkes Bay

Da wir das Unwetter nun ausgestanden hatten, entschieden wir uns, weiter in den Osten nach Hastings zu fahren, welches in der Hawke’s Bay liegt. Diese Gegend ist sehr bekannt für guten Wein, Obst und Gemüse, da dort irgendwie die Sonne doch sehr oft scheint. Dort angekommen, machten wir uns mit der Umgebung vertraut und stellten fest, dass wir dort nicht so gut übernachten konnten. Aber im ca. 15 Minuten entfernten Napier gab es wohl mehrere Schlafmöglichkeiten, die gratis waren. Also fuhren wir nach Napier. Als wir gegen 23 Uhr an dem offiziellen Campingplatz ankamen, der für unsere Art von Campervan ohne Self-Contained-Zertifikat zugelassen war, mussten wir feststellen, dass dieser leider absolut überfüllt war und wurden sogar von einem Securitymann mit dem Worten: Ihr könnt es morgen nochmal probieren, vielleicht so gegen Mittag, da dürfte noch Platz sein, weggeschickt! Krasses Ding! Also das ist uns bisher hier noch nie passiert, dass wir weggeschickt wurden. Und vor allem: Da ist extra ein Securitytyp von der Stadt angestellt, der die halbe Nacht auf dem Parkplatz ist und die Leute wieder wegschickt, wenn er voll ist. Ein paar Tage später erfuhren wir auch von einem anderen Camper, der da wohl schon ne Nacht geschlafen hatte und am nächsten Morgen eine Strafzettel mit 200 NZD Strafe am Fenster hatte, weil er wohl nicht in der vorgegebenen „Parkmarkierung“ stand, und somit dort nicht hätte schlafen dürfen.

 

Nun ja, wir wurden jedenfalls weggeschickt und überlegten kurz, ob wir auf einem Campingplatz übernachten sollten, welcher speziell mit SC-Zertifikat war. Hat man das nicht, kostets 200$. Wir entschieden uns es nicht zu riskieren und an der Straße zu „parken“ wo es wohl ok war (laut Security-Mann). Ist halt ein bisschen unkomfortabel, weil man ein wenig schräg steht. Da wir an einem Samstag dort ankamen und am Sonntag auf dem Parkplatz gegenüber Farmersmarket war, fiel das auch nicht weiter auf.

 

Natürlich gingen wir über diesen Farmersmarket, stellten aber schnell fest, das er sehr klein ist und wir nichts interessantes gefunden haben.

 

Hastings Farmersmarket

Also fuhren wir nach Hastings, wo es einen der größten Farmersmarkets in ganz Neuseeland geben sollte. Und jepp, das war er auch. Dort gab es Kaffee, frisches Obst und Gemüse direkt vom Bauern, „Freilaufende“ Eier, Marmeladen, warme Gerichte und natürlich Backwaren. Auch wenn es mehrere Stände mit Backwaren gab, die größte Schlange bildete sich vor allem bei Harald’s Bread World. Japp, ihr könnt es euch schon denken, es ist ein Deutscher Bäcker, der sich dort niedergelassen hat und seit 5 Jahren jeden Sonntag dort auf dem Markt seine Backwaren verkauft. Die Waren sahen umwerfend aus. Wir entschieden uns für 2 Leibe Roggenmischbrote namens „Berliner“ (ok, sie waren nicht ganz so groß, vielleicht 750g). Dazu kauften wir 2 Laugenbrezeln. An einem anderen Stand kauften wir noch ne kleine Tüte Avocados und machten uns danach auf den Weg zum Auto, frühstücken. Das Brot war umwerfend. Einfach nur mit frischer Avocado beschmiert, bissl Salz und Pfeffer drüber, Bombe!!! Definitiv das allerbeste Brot, was wir bisher hier in Neuseeland gegessen haben und an unsere Deutschen Brote herankommt. Die Laugenbrezeln waren auch ok. Mit Butter waren sie zwar nicht so gut, wie die, die wir sogar vom Aldi gewohnt sind, aber wenn man bedenkt, das wir schon seit 7 Monaten kein Laugengebäck hatten, war das schon sehr geil. Naja, ich denke ich brauch euch nicht zu erklären, warum die zwei Leibe Brot nach zwei Tagen auch weg waren, oder?

 

Cape Kidnappers

Nach dem Markt sind wir nach Clifton gefahren, weil es dort das Cape Kidnappers gab. Dieses besagte Cape erhielt seinen Namen von dem Seefahrer Kapitän James Cook, nachdem dort ansässige Maori einen tahitischen Jungen in einem Kanu entführen wollten. Das tollste an dem Cape ist allerdings, dass dort die größte vom Land zugängliche Tölpelkolonie der Welt niestet.

 

Wir fuhren also dahin und stellten fest, dass das Vorhaben gar nicht mal so ohne war. Entweder man bucht einen kommerziellen Transport dorthin, was wir aber schnell wieder ausgeschlossen haben, wir waren ja fit, oder man läuft selber die Strecke am Strand entlang zu diesem Cape. Sie ist etwa 7,5 Km lang, was an sich nicht das Problem ist. Viel eher ist eben der Untergrund ein Hindernis, denn es geht am Strand entlang. Somit über Sand, Kiesel. Felsen etc. Des weiteren hat man noch einen natürlichen „Feind“, die Flut. Tatsächlich ist es nur während der Ebbe möglich, dort hin zu kommen. Neben einem Gezeitenplan für diesen Ort stand auf einer Informationstafel, dass man frühstens 3 Stunden nach der Flut von dort aus starten kann und man sollte sich nicht später als 1,5 Stunden nach Ebbe wieder auf den Rückweg machen. Ach ja und dass das etwa 5 Stunden dauert. Natürlich waren wir völlig unvorbereitet und entschieden uns es an einem anderen Tag zu machen. Allerdings war die Wettervorhersage nicht wirklich toll. Es sollte regnen und wir entschieden das ganze gar nicht zu machen, da die Gezeiten sich ja verändern und wir dann im dunkeln hätten zurücklaufen müssen.

 

Ich merkte allerdings ein paar Tage später, dass Julia wirklich ganz schön enttäuscht darüber war und sie gerne gegangen wäre. Also entschied ich mich, es doch zu probieren. Tatsächlich hatten wir Glück und die Wettervorhersage hatte nur Wolken vorhergesagt. Also rüstete ich unsere beiden Stirnlampen mit neuen Batterien aus und wir marschierten los.

 

Wie ich schon dachte, superanstrengend auf dem Strand zu laufen. Egal. Die Kulisse war einfach der Hammer. Steilwände nach oben, bestimmt 100 Meter hoch. Als wir uns nach einer kleinen Weile umdrehten und eine große Staubwolke sahen, wo wir noch 10 Minuten vorher entlang gelaufen sind, wurde uns dann doch etwas mulmig. Später fanden wir dann raus, dass es in der nähe ein leichtes Erdbeben gab, welches wir bis auf die kleine Gerölllawine gar nicht mitbekommen hatten. Als wir endlich nach 2 Stunden immer näher an das Black Reef kamen, sahen wir schon vom weiten einige Tölpel. Auch ein Schild vom Department of Conservation machte uns auf die „Gannet-Colony“ aufmerksam. Und dann waren sie da. Dutzende Tölpel flogen umher oder chillten auf einigen Felsen vor uns. Für uns natürlich ein tolles Gefühl sie in Natur zu sehen, und dann noch soooo nah! Allerdings war das erst eine Vorkolonie, die Hauptkolonie kam erst noch, wenn man das Black Reef umrundet hat. Tja, das haben wohl auch welche gemacht, denn es standen überall Schuhe mit Socken auf den Felsen herum. Warum? Genau, es führte kein Weg daran vorbei durch das Wasser entlang am Felsen zu laufen. Genau in diesem Moment kamen auch welche von der anderen Seite des Reefs und wir mussten mit entsetzen feststellen, dass sie bis zu den Oberschenkeln im Wasser standen. Also nein, das war zu viel des Guten. Der Tiefpunkt der Ebbe war auch noch nicht mal erreicht sodass wir entschieden, hier abzubrechen. Tatsächlich haben uns die Tölpel interessiert, und die haben wir auch gesehen. Also war alles gut. Wir traten den Heimweg an und durften auch sicher eine Stunde komplett im dunkeln laufen, was aber gar nicht mal so schlimm war. War irgendwie wie früher in der Schule oder auf Freizeiten… Nachtwanderung 😉

 

Napier

In Napier war wie gesagt dieser Campingplatz, was eigentlich ganz cool war. Es war zwar nur ein Parkplatz mit zwei Toiletten, allerdings war dieser direkt am Strand und Meer. Eine unglaubliche Aussicht vorm Einschlafen, nach dem Aufwachen und zum Essen! Tatsächlich fanden wir die darauf folgenden Nächte immer einen Platz dort, ich glaube er war auch gar nicht mehr so voll wie die erste Nacht. Oder wir haben es einfach nicht mitbekommen. Allerdings war es nur erlaubt, 2 Nächte in Folge dort zu schlafen, sodass wir eben eine Nacht noch mal an der Straße schliefen. In den paar Tagen dort stellten wir immer wieder die selben Gesichter fest. Offensichtlich gab es dort gar nicht so wenige „Obdachlose“. Vor allem ein Pärchen, beide etwa um die 50 ist uns aufgefallen. Die lebten dort auch in einem Auto, welches baugleich zu unserem war. Und das mit einem etwa 75 cm großen und echt superbulligen Hund. Unglaublich! Und wie dreckig drin alles war. Morgens hingen sie die dreckigen Decken dann raus zum lüften. Nun ja, egal.

 

Was mir an Napier natürlich sehr gefallen hat war der Hafen. Das tollste war, es gab einen Aussichtspunkt direkt über dem Hafen, sodass das von oben aussah wie Spielzeug. Die riesigen Kräne, die die Container vom Frachter entluden, dann auf die LKWs luden oder auf die Güteranhänger einer Bahn. Ich stand bestimmt ne halbe Stunde oben und hab das alles beobachtet. Julia wurde indessen von lauter Sandfliegen zerstochen. Als sie dann nörgelte, habe ich mich schweren Herzens davon abbringen lassen und wir sind von dem Aussichtspunkt weggefahren. Ansonsten haben wir eher ein wenig am Meer gechillt und das gemacht, was man so normaler Weise macht: Essen, schlafen, duschen.

 

Gisborne

Nach ein paar Tagen sind wir weiter nach Gisborne gefahren. Auch dort gab es die Möglichkeit, kostenlos zu schlafen. Zwar eigentlich nur 3 Tage am Stück, das war uns dann aber irgendwann egal, und da eh Nebensaison war, hat es auch keinen interessiert. Und was haben wir da gemacht? Da tatsächlich wirklich schönes Wetter war und wir wieder etwas zur Ruhe kommen wollten, sind wir Angeln gegangen. Also ich zumindest, Julia hat gelesen. Sie hat viel gelesen. Sehr viel. 5 Bücher in einer Woche! (Anmerkung Julia: „Naja, irgendwas musste ich ja auch in der Zeit machen. Seitdem ich den Snapper geangelt hab lässt mich Michi nicht mehr in die Nähe… 😀 “)

 

Nun ja, leider hatte es ja davor stark geregnet und das Wasser war sehr dreckig, daher haben die großen Fische nichts sehen können, nur die kleinen. Ich versuchte allerdings immer wieder mein Glück. Allerdings wollte ich mir meinen eigenen Köder fangen. Das hat auch super funktioniert, nur mit den richtig großen Fischen wollte es irgendwie nicht so klappen. Nach 3 Tagen nur Köderfische war mir das dann egal, ich wollte Fisch. Ich suchte mir die 3 größten davon raus und sagte Julia, das ich diese nun zum Essen mache. Also nur damit das klar ist, es waren Gelbäugige Meeräschen, ein leckerer Fisch mit einem extrem hohen Anteil an Omega3-Fettsäuren.

 

Also entschieden wir uns, die zu braten und dazu Curry-Reis zu machen. Gottseidank ne größere Portion von dem Reis, am Fisch war ja nichts dran. Er war extrem lecker, keine Frage, aber auch klein. Einen anderen Tag holte ich einen Aal raus, etwa einen halben Meter lang. Wird hier auch oft gegessen, vor allem geräuchert. Räuchern konnte ich hier nicht, die Portion war nicht üppig, also ließ ich den Aal am Leben und warf ihn wieder zurück ins Wasser.

Einen Tag sind wir an die Tolaga Bay Wharf gefahren, ein Pier, der 660 Meter ins Wasser ragt und somit der längste Pier Neuseelands ist. Ich widmete mich mal wieder dem angeln, während Julia den Cooks-Cove-Trail wanderte, um ein Bild von dem Pier von oben zu machen. Aber leider hatte ich auch hier kein Glück. Julia kam jedoch überglücklich und völlig verdreckt nach 4 Stunden zurück. Es hatte die Tage zuvor geregnet und manche Abschnitte waren Schlammpools. Tja, ab durch die Mitte… 🙂

Zurück in Gisborne müssen wir euch noch von der Nacht und Nebel-Aktion erzählen, die wir erlebt haben. Als wir so dort herumfuhren, sahen wir ein relativ ausgeschlachteten Toyota Estima da stehen. Also unser Auto in halb. Die Räder fehlten, die Türen standen auf, eingeschlagene Scheiben etc. Allerdings hatte es noch alle Türdichtungen. An unserem Auto ist das Problem, dass die Dichtungen der Fahrer und Beifahrertür nicht mehr so 100% dicht sind. Es gibt da eine Stelle, in der es rein tropft, wenn es sehr stark regnet. Also was machen wir? Gehen auf „Dichtungsjagt“. Mit Großer Tüte, dunkel angezogen, Multitool und Stirnlampe bewaffnet sind wir zum Auto gegangen und haben uns die Dichtungen abmontiert. Obwohl das Auto schon totaler Schrott war, hatten wir echt ein schlechtes Gewissen. Neue hätten wir uns definitiv nicht leisten können.

 

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