Malaysia

Zuerst einmal nur ein Hinweis, dass wir nun alle Bilder von Neuseeland und auch Singapur und Malaysia online haben, zu finden in der Galerie 😉

Kuala Lumpur zum Ersten

Naja der Flug von Singapur war nicht lang, Gott sei dank, denn er war echt holprig. Wir waren froh als wir wieder Boden unter den Füßen hatten. In Kuala Lumpur haben wir uns dann vom Flughafen direkt aus ein Hotel gebucht. Aber diesmal nicht irgend eins. Nein, wir wollten ein wenig auf die Kacke hauen und es uns gut gehen lassen und haben ein Hotel mit riesigem Zimmer, Dachpool, Spabereich, Fitnessstudio und und und gebucht. In Deutschland wäre das für uns wohl eher nicht erschwinglich gewesen, in Kuala Lumpur war es möglich. Um ehrlich zu sein waren wir von Singapur auch richtig fertig. Trotz Touristenpass sind wir fast alles zu Fuß gegangen und waren von morgens bis spät abends unterwegs. Uns haben so die Fußsohlen geglüht… So haben wir es uns 2 Tage im Hotel gut gehen lassen und das Sightseeing auf die Tage vor unserem Flug nach Bangkok verschoben.

Cameron Highlands

Um das erst mal vorweg zu nehmen, für die unter euch, die auf dem Wissensstand sind, auf dem ich vor Malaysia auch noch war, Malaysia besteht nicht nur aus dem Teil über Singapur, sondern es gibt auch noch einen östlichen Teil, Borneo. Um ehrlich zu sein, haben wir unsere Hausaufgaben für Malaysia nicht gut gemacht und sind mehr oder weniger unwissend angereist. Der Vorteil davon ist, es ist alles offen, der Nachteil ist, es ist alles offen. Nein ich hab mich nicht verschrieben, ich versuch es zu erklären: da wir von Malaysia aus ein Weiterreise Datum hatten (Michis Familie in Thailand treffen) waren wir zeitlich nicht so flexibel und mussten uns einen sinnvollen Plan für die Zeit überlegen, um das was uns interessiert sehen zu können. Dass ich dann bei meinen Recherchen auf viele tolle Berichte von Borneo gestoßen bin, hat das Ganze nicht einfacher gemacht. Also musste eine Entscheidung her: vor Thailand bereisen wir auf jeden Fall den westlich gelegenen Teil von Malaysia. Also haben wir uns bei den Recherchen darauf konzentriert. Klar, dabei werden einem natürlich vor allem die Touristenziele ausgespuckt. Aber das generell abzuwehren macht auch keinen Sinn, denn die Orte haben ja in der Regel was besonderes, sonst würden sie Nicht-Ortsansässige nicht besuchen, oder? Also entschieden wir uns für drei sehr unterschiedliche Reiseziele: Cameron Highlands, Penang und Perhentian Islands.

Also erster Stopp Cameron Highlands. Wir buchten online einen Bus, was sehr easy geht und recht günstig ist und wollten mit Grab (privates Taxi, ähnlich wie Uber, sehr verbreitet und sehr günstig in Asien) zum Busbahnhof in Kuala Lumpur fahren. Jeder der die App kennt weiß, manchmal kann der Fahrer, wenn er in der Nähe ist, innerhalb von wenigen Minuten da sein, manchmal dauert es etwas länger. Tja an diesem morgen sind wir weder aus unseren kuschelweichen Betten im Luxushotel gekommen, noch war der Grab-Fahrer um die Ecke. Zwei Dinge die zusammen nicht so gut auf unsere Nerven gewirkt haben. Als er dann da war und wir ihm sagten, wann wir da sein müssen, versprach er sein bestes zu tun. Doch es ist immer noch Großstadt und das heißt Staaaaaauuuuuuuu! Er war so süß, dass er schon angefangen hat zu beten. Wir sind dann grad noch so pünktlich angekommen und haben nach kleineren Orientierungsschwierigkeiten (der Busbahnhof ist größer als so mancher Flughafen) endlich den Bus erreicht. Los ging die Fahrt. Wir waren schwer beeindruckt von der Größe der Sitze, der Beinfreiheit und dem Komfort! Das haben wir in Nicaragua ganz anders erlebt. Nach ca. 2 Stunden gab es einen Pinkelstopp, besser gesagt, der Busfahrer hielt einfach und stieg aus. Als alle wieder im Bus versammelt waren wunderten wir uns irgendwann warum es nicht weiter ging. Irgendwann hielt ein anderer Bus neben uns und der Fahrer signalisierte uns, dass wir den Bus tauschen müssen. Warum? Haha, das wissen wir auch nicht. Wir vermuten, dass der Bus zu alt war für die Berglandschaft der Cameron Highlands oder ein anderes technisches Problem. Naja war auch kein Ding. Mit dem neuen Bus ging es dann auch schon recht bald den ersten Berg hoch. In Serpentinen, über „Brücken“ (wenn man da einen im Tee hat landet man auf alle Fälle in dem Fluss unter der Brücke, sehr eng und keine Absicherung). Aber hey, wir fanden die Fahrt super komfortabel und sind von Nicaragua ganz anderes gewöhnt. Nach weiteren drei Stunden kamen wir dann an. Da die Unterkunft nicht weit weg vom Busbahnhof war, konnten wir hinlaufen. Wir hatten uns ein Hostel gebucht, was trotz absoluter Basic Ausstattung und gemeinsamem Badezimmer immer noch 21 Euro die Nacht gekostet hat. Und es war noch eines der günstigsten. Ja da merkt man dann halt wieder die Touristengegend. Dafür hatten wir auf dem Nachtmarkt ein sattmachendes und leckeres Abendessen für umgerechnet 1€. Was wir jedoch toll fanden war die Email der Unterkunft nach der Buchung. Sie haben sich selbst beschrieben, also was einen erwartet und was eben nicht. Das war so herzerfrischend ehrlich, dass ich für meinen Teil fand, dass sie jeden Cent verdient haben.

Wir hatten zwei Nächte vor uns aber nur einen vollen Tag, wegen der Weiterreise nach Penang. Zu sehen gibt es in den Cameron Highlands vor allem viele Plantagen mit unterschiedlichem Anbau. Ihre bekanntesten und meistangebauten Produkte sind vor allem Tee und Erdbeeren. Außerdem ist das Klima durch die Höhenlage deutlich kühler und regnerischer. Da Michi noch nie Teeplantagen gesehen hatte, ich hatte das Glück in Ruanda welche zu sehen, wollten wir auf jeden Fall eine Teeplantage anschauen. Und wir haben gelesen der Erdbeermilchshake soll seeeeehr lecker sein, also stand auch das auf unserer Liste. Jetzt hatten wir zwei Möglichkeiten: entweder wir entdecken das auf eigene Faust und riskieren durch die Weitläufigkeit der Highlands, dass wir vielleicht nicht da ankommen wo wir hin wollen. Oder wir machen ne vorgefertigte Touritour. Im Klartext, man hat die Möglichkeit zu trampen oder eine Tour zu buchen, bei der man an die Plätze gebracht wird. Tja durch unseren Zeitmangel haben wir uns für die Touritour entschieden. Ihr dürft mich nicht falsch verstehen, ich hab da nicht grundsätzlich was dagegen, ich mag es einfach nur viel lieber auf eigene Faust Neues zu entdecken und an passender Stelle durch Fragen bei den Einheimischen das Gesehene verstehen zu lernen. So hätte ich viel lieber den Daumen raus gehalten und mich überraschen lassen, wer uns da aufgabelt und was die Person zu erzählen hat. Naja aber auch wenn mir das Ganze nicht so passte und ich sicherlich auch so meine Vorurteile gegen diese Touren hab, hab ich versucht unvoreingenommen da rein zu gehen. Ob mir das gelungen ist? Hm, erster Pluspunkt: es war keine rein deutsche Tour, sondern wirklich sehr international und auch Malaysier, was dem ganzen eine gute Grundatmosphäre gab. Wir kamen auch gut in Kontakt mit einigen der Teilnehmer und da gings auch gar nicht um ein „wo kommst du her“ Unterschiedlichkeitsdenken, sondern wir haben eher geteilt was wir als Mitglieder der Gruppe gesehen und erlebt haben. Deshalb allein würde ich sagen habe ich die Tour als was positives abgespeichert. Über die Dinge, die wir gesehen haben kann man streiten. Wir haben halt in kurzer Zeit viele kleine Bröckchen hin geworfen bekommen. Was da leider immer mitschwingt ist das Müllproblem, keine/kaum Aufklärung für Abwasser und vor allem die schlimmen Zustände der Tierhaltung. Aber dazu braucht man keine Tour machen, das sieht man auch bereits beim Reisen von A nach B. Das würde Bücher füllen…

Zurück zur Tour: wir haben in kurzer Zeit doch einiges gesehen: eine Schmetterlingsfarm, eine Blumenfarm, einen lokalen Markt, eine Erdbeerplantage, eine Teeplantage und einen Buddhistischen Tempel. Ich werde nicht auf alles eingehen, nur auf die Erdbeerplantage und die Teeplantage. Die Erdbeerplantage war an sich jetzt nicht so das Highlight für uns, da wir uns dachten: kennen wir ja schon. Allerdings war es doch interessant zu sehen, dass diese Plantage nicht aussah wie ein Erdbeerfeld aus Deutschland. Möglicherweise gibt es auch Plantagen, die es ähnlich machen wie hier in Malaysia, aber wir kennen eben nur das Erdbeerfeld. Anders war, dass eine Konstruktion errichtet wurde, sodass die Erdbeeren erhöht waren, um sie bequem im stehen und laufen zu ernten. Außerdem haben die Erdbeerpflanzen keinen Kontakt zu Erde, sie sind in einem Gemisch aus Wasser und Kokosnussfasern, die den Wurzeln die nötigen Nähstoffe geben sollen.Wir haben dann dort auch einen Erdbeershake getrunken und was soll ich sagen? Er war wirklich suuuuuper lecker.

Die Teeplantage war sehr gut besucht, also zumindest dort wo die Produktion gemacht wird und man den Tee im Café probieren kann. Es war die größte Teeplantage und wird von einer schottischen Familie seit fast 100 Jahren geführt. Wer schon mal ein Teefeld gesehen hat wird mir sicher zustimmen, dass es nicht einfach nur kleine grüne Büsche sind, sondern es schon wirklich sehr schön aussieht und ähnlich wie die Reisterrassen eine Faszination und besondere Schönheit ausstrahlt. Man kann nur erahnen wie viel Arbeit dahinter steckt! Nicht erst seit unserer Arbeit in den Weinfeldern in Neuseeland, doch seither noch mehr, hab ich den höchsten Respekt vor den Menschen die auf dem Feld arbeiten!

Penang

Am nächsten Tag ging es früh morgens mit dem Bus nach Penang. Tja ich könnte jetzt eine Vielzahl an Ausreden aufzählen aber Fakt war, wir waren mal wieder zu spät… Das hieß wir sind mit unseren Rucksäcken im Stechschritt zum Bahnhof gehechtet um, nein nicht als letzte, vorletzte einzusteigen. Einer war noch später, haha. Der Bus war komplett voll und deutlich enger als der vorige, aber immer noch echt komfortabel. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht mehr wie lange wir gefahren sind, aber die Zeit ist auch recht schnell vergangen. In Butterworth sind wir dann auf die Fähre umgestiegen. Ja Penang ist eine Insel an der Westküste. Sie ist nicht weit vom Hauptland entfernt, sodass es auch eine Brücke gibt, aber die Fähre war die direktere Möglichkeit nach Georgetown zu kommen. Dort hatten wir einen Homestay über booking gebucht. Was wir so gar nicht richtig bedacht haben, sich dann aber sehr gut gefügt hat war, dass das Chinesische Neujahr in diese Tage unseres Penang-Aufenthalts fiel und wir bei einer chinesischen Familie zuhause waren. Wir waren zwar nicht bei irgendwelchen Familienfeiern oder Traditionen dabei, was auch sehr verständlich ist, da wir nicht zur Familie gehören, aber wir haben die Stimmung aus erster Hand mitbekommen. Alle waren total ausgelassen und fröhlich, total angeknipst, wie kleine Kinder an Weihnachten. Das war so arg schön mitzuerleben.

Das Chinesisches Neujahr ist ein nationaler Feiertag in Malaysia, eigentlich waren es sogar 2-3 Tage, an denen die meisten Geschäfte und Restaurants geschlossen waren. Vor allem die Touristengegenden blieben davon unbehelligt.

Am Silvesterabend haben wir auf dem Nachtmarkt gegessen und uns dann an die Uferpromenade gesetzt und auf das Feuerwerk gewartet. Das war dann auch deutlich imposanter als in Christchurch, aber das ist im Grunde auch nicht schwer, hihi. Und wir haben vor allem ständig gehört was uns unter dem Begriff „Chinaböller“ bekannt ist: trotzdem wir immer recht weit von den Feuerwerken entfernt waren, war es sooooo laut, dass es noch richtig in den Ohren nachgedröhnt hat. Die Menschen auf der Straße saßen zusammen und haben gequatscht, aber es war kein Saufgelage wie bei uns (Malaysia ist auch ein muslimisches Land in dem der Verkauf und der Verzehr von Alkohol für Muslime verboten ist). Aber auch die Nicht-Muslimen (Malaysia ist geprägt von einem sehr bunten Bild, vorwiegend jedoch Inder und Chinesen außer den Malayen) haben ganz entspannt und Familienorientiert gefeiert. Das war eine wirklich schöne Atmosphäre und an jeder Ecke wurde uns ein „Happy New Chinese Year“ gewünscht.

Wir sind am Neujahrsabend an einen der größten Buddhistischen Tempel Kek Lok in Penang gefahren, der extra für das Neujahrsfest mit unglaublich vielen Lichtern geschmückt wird! Es sah wunderschön aus und muss wochenlange Arbeit gewesen sein. Es hat uns sehr beeindruckt und dafür haben wir auch gern den mega Stau im Bus dorthin auf uns genommen. Es wollten eben alle dorthin, da war dann kein Weiterkommen mehr. So sind wir den Rest der Strecke irgendwann gelaufen. Da wir bereits am Vortag im Hellen den Tempel besichtigt hatten, haben wir da dann nur noch Bilder von „außen“ gemacht, also so, dass die volle Pracht der Lichter zur Geltung kommt. Der Tempel war sehr interessant zu sehen, da relativ wenig Touristen waren, die nur geschaut haben, wie wir, sondern die meisten es als Tagesausflug mit der Familie zum Besuch des Tempels und zum beten genutzt haben. Das Highlight des Tempels ist eine 30m hohe Bronzestatue, zu der man mit einem Aufzug nach oben fahren kann und auch wie eine Art Wächter über der Tempelanlage platziert wurde. Es war sehr interessant die verschiedenen buddhistischen Rituale zu sehen, ich jedoch viel zu wenig darüber weiß, um euch das jetzt näher erklären zu können.

In Penang haben wir uns auch etwas mehr die Mall-Kultur angeschaut. Ja es scheint tatsächlich eine Art von Kultur zu sein, dort war nämlich tagsüber unfassbar viel los. Klar, klimatisiert. Besser gesagt: Kühlschrank. In der Regel waren Grüppchen unterwegs, Freunde, Familie. Ich hatte weniger den Eindruck, dass es darum geht etwas bestimmtes zu besorgen oder, generell darum etwas zu kaufen, es war schon irgendwie mehr ein Ort an dem man sich aufhält und mit anderen trifft.

Von einem der Bewohner im Homestay bekamen wir die Tipps in Georgetown ins Chinesische Tee Haus zu gehen, da solle es tolle Kuchen und Torten geben. Außerdem empfehle er uns das Chew Jetty anzusehen, da ist eine Ansammlung an Häusern auf Stelzen, die direkt über dem Wasser gebaut sind. Kurz nach dem Chinesischen Neujahr fuhren wir los nach Georgetown in die Innenstadt und machten an diesem Tag Sightseeing. Angefangen in little India, was wirklich sehr klein war, ging es zu dem besagtem Teehaus. Die Auswahl an Torten und Kuchen war wirklich riesig und es war auch komplett voll. Michi aß ein Stuck Tiramisu Torte (war in Tortenform) und ich Grünen Tee Torte. Haha, ja wirklich. Grüner Tee wird in Asien in verschiedenen Formen in Süßigkeiten integriert. Es gibt auch eine Oreo Keks Sorte mit grünem Tee. Und es war echt hmmmmmmmmmmm lecker. Und mächtig. Interessant war auch die Stimmung dort. Für die Einheimischen und die Touristen war das Teehaus „the place to be“. Es wurden Fotos ohne Ende gemacht. Und auch das System im Service war hoch spannend zu beobachten. Wir haben alles einzeln von einem anderen Kellner nacheinander erhalten. Ein italienisches Pärchen gegenüber am Tisch haben die komplette Zeit nur den Kopf geschüttelt über das vermeintliche Chaos. Aber hey, wir haben alles bekommen und es hat alles funktioniert. Wir brauchten Zeit und Geduld, aber nur weil es für europäische Augen chaotisch aussehen mag, heißt das noch lange nicht, dass es auch so ist. Vielleicht waren wir auch einfach blind für dieses System.

Während wir im Teehaus waren, hörte ich laute Trommelmusik draußen. Ich schnappte mir den Fotoapparat und flitzte nach draußen (Michi blieb natürlich an unserem Platz, nicht dass noch der Eindruck aufkommen sollte, dass wir die Zeche prellen wollen). Ich wusste was die Trommelmusik bedeutet: Lion dance. Darauf hatte ich mich schon die ganze Zeit gefreut. Ich kannte es nur aus dem Fernsehen und hatte darüber gelesen und vor allem erinnerte es mich an den Disney Film Mulan. So hatte ich die große Hoffnung die Tradition zum chinesischen Neujahr direkt mitzuerleben. Dabei werden Gruppen von Geschäften angeheuert, die in ihrem Laden spielen und tanzen. Dabei kommen vor allem Trommeln und Gesang zum Einsatz und die Verkleidung der Tänzer, die aussieht wie eine Mischung aus Löwe und Drache. Die Drachen werden im Chinesischen übrigens nicht als böse angesehen, sondern mehr als etwas Gutes und Beschützendes. Ich bin dann also da hin gelaufen und konnte leider nur die Rücken der Musiker sehen. Die Tänzer waren in dem Geschäft und die Musiker standen im Halbkreis davor. Ich war natürlich nicht die einzige Schaulustige, da waren noch ein paar andere. Allerdings habe ich mich mit meinem Platz begnügt. Ich habe gesehen, wie ein paar Mädels sich an den Musikern vorbei in den Laden gequetscht haben um ein gutes Foto auf die Tänzer zu erhalten. Das war allerdings keine Option für mich, ich wollte nicht in ihrem traditionellen Ritual stören und hörte mir einfach nur die Musik an. Im Enddefekt habe ich in den paar Tagen immer wieder vom Auto aus Vorbereitungen gesehen (Kostüm anlegen bspw.) jedoch nie so, dass ich hätte ein Foto machen können oder den Tanz sah. Tja auch damit muss man leben lernen wenn man nicht um jeden Preis ein Foto macht. Vielleicht bietet sich irgendwann mal eine Gelegenheit.

Nach dem Teehaus sind wir zum Chew Jetty gegangen. Wir hatten bereits zuvor darüber gelesen und wären nicht extra dorthin gefahren, wenn wir nicht sowieso durch die Straßen geschlendert und auch dort um die Ecke gewesen wären. Dieser Eindruck hat sich auch bei unserem Besuch bestätigt. Sehr viele Touristen. In diesen Häusern wohnen Familien und haben aus ihrer Not eine Tugend gemacht und Souvenirgeschäfte eingerichtet, Angebote für Henna Tattoos gemacht, Essen und Trinken angeboten und das alles auf ihren Terrassen vor dem Haus. Schilder an den Hauswänden, die von den Bewohnern selbst gebastelt waren, wiesen darauf hin keine Fotos von ihren Häusern, vor allem drin, zu machen und nicht in ihr Haus zu gehen. Irgendwie kamen wir uns etwas komisch vor und die Schilder ließen auch darauf schließen, dass es wohl schon vorgekommen sein muss, dass Wildfremde in die Häuser gelatscht sind und Fotos gemacht haben. Echt heftig. Wir sind recht schnell wieder abgedampft.

Vor einem Buddhistischen Tempel konnten wir zufällig beobachten wie sich eine lange Schlange bildete, jedoch nicht in Richtung des Eingangs, sondern in Richtung eines kleinen Tischs, der dort aufgestellt war. Wir beobachteten das Treiben eine Zeit lang und sahen, dass den Leuten die roten Umschläge, die an Chinesisch Neujahr mit Geldinhalt verschenkt werden, ausgegeben wurden. Bei näherem hinsehen fiel uns auch auf, dass die Menschen vorwiegend sehr alt waren und arm (rein äußerlicher Eindruck). Was in den roten Umschlägen war, wissen wir natürlich nicht, aber die Menschen machten einen recht zufriedenen Eindruck, als sie ihr Geschenk abgeholt hatten und weg liefen.

Von Penang nach Kuala Besut

Von Penang sind wir dann nach drei Nächten nach Kuala Besut gefahren. Das heißt einmal von der Westküste zur Ostküste. Dort haben wir für eine Nacht übernachtet, um dann am nächsten Tag auf die Perhentian Islands, besser gesagt auf Pulau Perhentian Kecil zu fahren. Statt geplanten 7 Stunden mit dem Reisebus waren wir 11 Stunden mit dem Bus unterwegs, wovon ungefähr 45 Minuten eine Essenspause war. Ansonsten gab es nicht so viele Pausen, aber immer wieder kurze Stopps, um einzelne Leute oder Familien am Straßenrand aussteigen zu lassen. Unser Stopp war Endstation und außer uns waren auch nur noch eine Handvoll Menschen im Bus (zur Ergänzung, es war ein Doppeldecker). Das hat sich natürlich alles sehr gezogen. Dazu kam, dass auf den Straßen durch das Chinesische Neujahr mehr los war, da die meisten von ihren Familien wieder zurück an ihren Wohn- und Arbeitsort fuhren. Auf der Strecke passierten wir leider auch einen schlimmen Unfall, der für einen langen Stau auf der Landstraße sorgte. Wir wissen nicht was passiert ist, aber das eine Auto sah schon wirklich stark kaputt aus. Der Verkehr ist meiner Meinung nach auch die größte Gefahr, die sich in den bisher bereisten asiatischen Ländern bietet. Wir waren natürlich froh nach diesem Busmarathon unversehrt in Kuala Besut angekommen zu sein.

Unser Homestay war etwas außerhalb vom Stadtkern und wir wurden interessiert beobachtet, wenn wir zum naheliegenden Supermarkt oder Restaurant liefen. Mit Englisch war nicht so viel, deshalb ging mehr über draufzeigen und Händisch. Hat super funktioniert. Bei ein paar malaysischen Wörtern wussten wir ja auch schon was sie bedeuten. Hier hat uns auch wieder die Freundlichkeit der Menschen umgehauen. Eine Szene will ich kurz schildern, die mir seither immer in den Kopf kommt, wenn ich an Malaysia denke: Wir waren auf dem Weg zum Supermarkt, drei junge Frauen mit Kopftuch kamen uns auf dem Roller entgegen. Alle schauten uns an. Michi und ich lächelten sie an. Alle drei schenkten uns gleichzeitig ein strahlendes breites Lächeln. Das war so schön!

Perhentian Islands

Von Kuala Besut ging es dann am nächsten Tag auf die Perhantian Islands, besser gesagt auf die kleinere Insel zum Long Beach. Dazu fährt man auf kleinen Boten etwa eine halbe Stunde. Ich glaube wir waren deutlich schneller, da der Kapitän sehr schnell gefahren ist. Wir schlugen immer wieder hart auf die Wellen auf. Für Michis Rücken war das natürlich nicht so gesund. Naja die Fahrt war nicht gerade toll, aber noch voll im Rahmen, vor allem verglichen zu unserer Rückfahrt, aber dazu später mehr.

Auf der Insel haben wir dann erst mal eine Unterkunft gesucht. Plan war unser Gepäck an einer Tauchschule abzugeben und uns vor Ort ein Zimmer anzusehen. Allerdings war die Tauchschule überhaupt noch nicht geöffnet. Generell bot sich uns genau dieses Bild am Strand: die Hütten und Häuser, die noch standen sahen sehr mitgenommen und demoliert aus und vor allem nicht offen. Da war keiner. Wir wussten, dass wir am Anfang der Saison dort sein würden, aber dass die Saison irgendwie noch gar nicht wirklich angefangen hatte war uns so nicht bewusst. Außerdem lag am Strand richtig viel Müll herum. Bevor wir in Kuala Besut mit dem Boot los fahren konnten, mussten wir eine Konservierungsgebühr bezahlen, da die Perhentian Islands in einem Marine Nationalpark liegen. Die Gebühr für Touristen war sechs Mal höher als für die Einheimischen. Direkt am Steg wo wir die Tickets kaufen sollten lag entlang der Wasserkante nicht nur eine Hand voll Müll, sondern leider sehr viel. Außerdem war der Preis nicht lange zuvor um ein vielfaches geringer und wir wussten nichts von dieser Erhöhung. Wir fanden es sehr überraschend und komisch und fragten bei dem Ticketverkäufer nach, seit wann die Erhöhung sei. Plötzlich verstand er keine englische Formulierung mehr. Schon leicht wütend kam ich auf der Insel an und sah den Müll am Strand. Und fragte mich unweigerlich: was wird mit dieser Konservierungsgebühr eigentlich gemacht? Nachdem wir die Gebühr bezahlt hatten, bekamen wir ein Ticket auf dem nochmal stand was man nicht machen soll im Marinepark (kein Angeln, kein Müll irgendwohin werfen, keine Korallen berühren, zerstören oder mitnehmen,…) und wofür das Geld verwendet wird (Erhaltung des Parks und seiner Tierwelt, was im Detail wurde nicht weiter ausgeführt)… Hm. Irgendwie hat sich uns ein anderer Eindruck geboten. Wie wir in den folgenden Tagen herausfanden, sind wir direkt nach der Monsun Saison auf der Insel angekommen. In dieser Zeit leben lediglich ein paar Menschen auf der Insel. Der Monsun zerstört in dieser Zeit viele Gebäude (die auch mehr aus Naturmaterialien für eine Saison gebaut waren) und schwemmt sehr viel Müll aus dem Meer am Strand an. Dieser Müll wurde in den folgenden Tagen dann zumeist eingesammelt und direkt am Strand verbrannt. Auch die Regel, dass das Angeln auf den Inseln verboten ist, hat so irgendwie keinen interessiert. Wir haben einige Leute gesehen, die stolz mit ihrem Fang vom Strand gelaufen sind. Dieses ganze Bild hat mich schon seeehr wütend gemacht und sicherlich auch für ein nicht so tolles Gefühl bei der Ankunft gesorgt. Dieses Scheinkümmern um die Umwelt fand ich daneben. Was genau mit dem Geld passiert, was wirklich für die Konservierung gemacht wird und ob sich uns einfach ein falsches Bild bot, weiß ich im Enddefekt jedoch nicht. Es mag sein, dass ich mir zu Vorzeitig ein Urteil gebildet habe, es war einfach der Eindruck der sich mir bot. Aber zurück zur Zimmersuche. Da der Tauchshop geschlossen war sind wir am Strand entlanggelaufen, um was anderes zu finden. Wir wurden direkt von einem Mitarbeiter des teuersten Hotels an diesem Beach angesprochen. Auf Nachfrage wieviel ein Zimmer kosten würde, sagte er uns, er würde uns für einen Nachlass den super Preis von umgerechnet 100 € anbieten. Das war natürlich keine Option und so lehnten wir dankend ab. Er bot uns jedoch an, unsere Sachen an der Rezeption abzustellen während wir suchen. Wir hatten natürlich unsere Hausaufgaben gemacht und zuvor im Netz geschaut, bei welchen Hotels wir uns die Zimmer anschauen können. Aber ehrlich gesagt, gab es auch nicht wirklich Auswahl, haha. So sind wir zu dem ersten Hotel, dass glaube ich als einziges das ganze Jahr auf hat. Dort wollten wir uns dann erst mal das niedrigpreisigste Zimmer ansehen. Ein Raum mit Bett und geteiltem Badezimmer. Lediglich ein paar Euro. Mehr war es auch nicht wert. Wenn es nicht so gemüffelt hätte und die Kissen nicht verschimmelt gewesen wären, hätten wir das auch gemacht. Auch die nächste und übernächste Preiskategorie hatte verschimmelte Kissen. Als wir den Rezeptionisten darauf aufmerksam machten, sagte er sehr unbeteiligt, kann man wechseln. Machte auf uns den Eindruck, dass es ein bekanntes Problem sei. Na toll. So entschieden wir uns erst mal das Hotel nebenan anzusehen. Das war direkt am Hang gebaut und machte von außen einen neuen Eindruck. Wir wussten, dass die Preise für die Unterkünfte auf der Insel happig seien, so wussten wir, dass es voraussichtlich teurer wird. Das einzige was Michi und ich erwarten in unseren Unterkünften ist, dass es sauber ist. Und damit meine ich keine deutsche Sauberkeit, dass kein Krümel auf dem Boden sein darf, oder kein Fleck auf der Bettwäsche. Das haben wir eher als Standard, fast egal welche Preisklasse immer erlebt. Nein, wir meinen eher keinen Schimmel, keine größeren Hinterlassenschaften vom Vorgänger und keine tierischen Mitbewohner. Ok Gecko ist in Ordnung, wenn er nachts nicht zu laut schreit. Ich weiß, da ist die Hemmschwelle von jedem anders. Wir haben uns dann ein Zimmer dort angesehen und es war gleich um Welten besser, als die anderen im Hotel daneben. Es roch nicht unangenehm, es war alles in einem deutlich gepflegteren Zustand und die Kissen waren Schimmelfrei. Und vor allem: die Aussicht war der Hammer. So ging es ans Verhandeln. Da die meisten Zimmer durch die Nebensaison leer standen, wurde uns ein deutlich geringerer Preis als üblich angeboten. Verglichen, was wir sonst so für das Geld hatten, naja immer noch hoch. Im Vergleich zu dem Gegebene war es jedoch ein Angebot, was wir gerne Annahmen.

In Grunde galt das alles aber auch fürs Essen. Dort in unserem Hotel gabs nix wirkliches,und nebenan hatten sie nur die Hälfte der Karte verfügbar. Also gabs Gebratenen Reis, oder Nudeln. Und das ins verschiedenen Variationen. Auch wenn die Preise hier dreifach so teuer wie auf dem Festland waren, wars noch recht günstig. Auf dieser Seite der Insel hatte nur noch ein Restaurant/Resort auf, und das war das teuerste. Die Preise fürs Essen dort war locker Europäisch. Lecker, aber teuer. Erst als wir auf die andere Seite der Insel gegangen sind haben wir festgestellt, das dort wesentlich mehr los war und mehr Restaurants auf hatten. Sogar welche, die nur doppelt so teuer waren.

Geplant war eigentlich auf der Insel tauchen zu gehen. Tja, da war unser Inselfluch wieder und Michi bekam ne Erkältung. Das wars dann auch mit tauchen. So haben wir die Woche damit verbracht schwimmen zu gehen, schnorcheln, zu relaxen und vor allem hinter die Kulissen der sich wiederaufbauenden Insel zu schauen. Direkt am Steg an dem die Bote anlegen wird ein großes schickes Luxusresort gebaut. Dafür werden natürlich auch Maschinen benötigt. So konnten wir dank unserer guten Aussicht beobachten wie ein Bagger von einem Boot an den Strand fuhr. Auch die Anlieferung von Materialien sahen wir. Es war wirklich das Gefühl hinter die Kulissen zu sehen. Innerhalb der paar Tage unseres Aufenthalts konnten wir zusehen wie sich der Strand von so gut wie ausgestorben zu einem sehr wuseligen Ort entwickelte an dem an jeder Ecke etwas repariert oder neu aufgebaut wurde. So entstand in ein paar Tagen beispielsweise eine Beach Bar aus Holz.

Rein zur Ergänzung des Mülls am Meer. Ihr werdet in der Galerie Bilder von Müll der an den Strand geschwemmt wurde sehen. Dort hatten sich bereits Muscheln angesiedelt. Lasst die Bilder auf euch wirken und denkt an morgen, die nächste Generation, die nächsten hundert Jahre, an eine Zukunft… Wir fanden es sehr eindrucksvoll!

Zurück aufs Festland

Die Fahrt zurück nach Kuala Besut nach einer Woche war eine Bootsfahrt, die ich sicher nicht mehr vergessen werde in meinem Leben. Ich hoffe es zumindest, denn sonst werde ich eine Fahrt erleben, die noch schlimmer ist… Wir mussten auf die andere Seite der Insel an den Coral Beach, da die Wellen hoch waren, und sie wohl somit nicht alle per Boot einsammeln wollten. So sind wir über die Insel zum anderen Strand gelaufen. Dort wurde dann das Boot rappel voll gepackt mit ca. 15 Menschen und Gepäck (auf der Hinfahrt waren wir lediglich zu fünft) und los ging die Fahrt. Wenn man vom Ufer aufs Meer geschaut hat, sah das Meer zwar nicht spiegelglatt aus, jedoch war für unsere Augen nicht zu erahnen was uns auf dem offenen Meer erwarten würde. Durch den starken Wellengang haben wir dreimal so lange als üblich für die Strecke gebraucht. Schneller fahren war nicht möglich. Durch den Wellengang hat das kleine Boot sooooo sehr geschaukelt, dass ich immer wieder dachte: gleich kentern wir, dann liegen wir im Wasser. Ich hatte echt Angst. Einige schrien auch immer wieder auf als das Boot mal wieder hart auf eine Welle aufschlug und sich so anhörte als würden wir gleich auseinanderbrechen. Das Sahnehäubchen erlaubte sich der Kapitän, als wir ungefähr 50 Meter vor dem Anleger waren. Er stoppte und fragte jeden einzelnen nach dem Weitertransport, ob wir schon was gebucht hätten. Falls jemand nein antwortete, vermittelte er den Transport und stellte ein Ticket aus. Wir hatten bereits zuvor schon einen Transport gebucht und mussten sowieso nur ein paar Kilometer in den Homestay in dem wir ja auch schon vor der Insel waren. Wir fanden diese Situation jedoch so aufdringlich und abartig, vor allem nach so einer Fahrt, dass wir beide echt sauer waren. Während ich ihm auf Nachfrage nur mit sehr verärgertem Ton sagte, dass ich keinen Weitertransport brauche, setzte Michi noch hinzu, dass wir einfach nur an Land wollen. Seine Antwort war: dann schwimm! Und stimmte ein super dreckiges Lachen an. Boah, das war eine echt ekelhafte Situation.

Nach einer Nacht im Homestay in Kuala Besut sind wir am nächsten Morgen wieder sehr früh mit dem Bus nach Kuala Lumpur gefahren.

Kuala Lumpur die Zweite

Unser erster Stopp nach Singapur war ja in Kuala Lumpur nur kurz und wir hatten ja noch nichts gesehen. So wollten wir den zweiten Besuch dazu nutzen etwas Sightseeing zu machen und zu shoppen. Auch diesmal hatten wir eine tolle Unterkunft: ein Apartment in einem sehr schicken Hochhaus mit mehreren Pools, Sauna und Fitnessstudio über air bnb. War echt toll und gar nicht so teuer, jedoch hatten wir eigentlich nicht so viel davon, da wir die meiste Zeit unterwegs waren. Abends hüpften wir jedoch nochmal für ein paar Minuten in den Pool oder in die Sauna.

In Kuala Lumpur haben wir uns einen Tag raus gepickt um shoppen zu gehen. Da wir unsere Kleidung oft waschen müssen und nicht wie zuhause einen Schrank voll Unterschiedlichem haben, werden die Sachen stark beansprucht. So muss das ein oder andere auch mal zwischendurch ausgetauscht werden. Und wo kann man das besser als in Kuala Lumpur. Da gibt es Shopping Malls wie Sand am Meer. Und sie bieten zum Teil noch mehr als reines Shoppingvergnügen. Wir waren im Berjaya Times Square und da gibt es neben unzähligen Geschäften auch ein Freizeitpark mit Achterbahn. Das fanden wir echt abgedreht. Oder auch eine Treppe, die vom Erdgeschoss ins Untergeschoss führt: Die Treppenstufen waren weiß und teilweise mit einem schwarzen Streifen. Jedes Mal wenn man die Treppe hoch oder runter lief erklang Klavier. Beim ersten Mal habe ich mich noch gefragt, wer hier wo Klavier spielt. Bis wir entdeckten, dass es die Treppenstufen sind, die erklingen, wenn jemand hoch oder runter läuft. An der Seite der Treppenstufen waren Lichtschranken angebracht, sodass bei Bewegung ein Ton erklang. Wir sprangen wie die Kinder die Treppe hoch und runter und versuchten verschiedene Melodien zu spielen. War super lustig!

Außerdem haben wir uns die Stadt ein wenig angeschaut und die Petrona Towers. Auch dort gab es einen Park mit einer Wasser-Lichter-Show. Im Vergleich zu Singapur war dies jedoch bei weitem nicht so spektakulär. In den Petrona Towers gibt es ein Shopping Center, die Suria KLCC. Viele teure Markenläden. Nix für unseren schmalen Traveler Geldbeutel. Aber wir haben es uns zumindest mal angesehen, wie etliche andere Touristen auch. Als wir vor dem Aufzug standen wurden wir von hinten angesprochen. Als wir uns umdrehten stand da eine Gruppe indischer Männer mit Turban. Einer von ihnen fragte uns, ob er mit uns ein Foto machen dürfe. Wir, etwas perplex: „Ja, ok. Dann hat er noch schnell seine Sonnenbrille aufgesetzt und cool mit uns gepost, sich bedankt und weg waren sie auch schon wieder. Michi und ich haben uns nur angeschaut und losgelacht. War ein sehr witziges Szenario.

Batu Caves

Am letzten Tag in Kuala Lumpur haben wir die Batu Caves angeschaut. Diese liegen etwas außerhalb, sind jedoch gut mit den Öffentlichen zu erreichen. Das interessante daran ist, dass eine hinduistische Tempelstätte in einer großen Höhle errichtet wurde. Bereits am Eingang empfängt einen eine riesige goldene Statue. Während man die gefühlt eine Million Stufen zum Höhleneingang erklimmt begegnet man auch direkt einer weiteren Attraktion an diesem Ort: unzählige Affen. Die leben dort und überleben, indem sie von den Touristen alles klauen, was diese in den Händen halten und wirklich geübt aus Plastikflaschen trinken. Leider werden sie auch von den Touristen gefüttert, vor allem um sie anzulocken und einen tollen Schnappschuss zu ergattern. Da wird dann einfach das ausgepackt was man so dabei hat, wie Chips. Während das Äffchen dann gierig das Angebotene verschlingt, werden sie dann gestreichelt und für Bilder gepost. An jeder Ecke stehen Schilder, auf denen informiert wird, die Affen nicht zu füttern. Wir konnten Touristen beobachten die wirklich direkt vor diesem Schild stehend die Affen gefüttert haben. Das waren leider keine Einzelfälle, egal wo man hin geschaut hat, haben die Touris Grenzen mit den Tieren überschritten. Zum Teil festgehalten, wollten sie hoch heben, immer wieder angefasst… Ich war so wütend, und es tut mir jetzt leid so deutlich zu werden, über die grenzenlose Dämlichkeit und den Egoismus mancher Menschen. Wir haben bereits unzählige Momente auf unserer Reise erlebt wo Touristen Grenzen für tolle Fotos überschreiten. Wenn sie sich dabei selbst in Gefahr bringen ist das die eine Sache, wenn sie dabei jedoch andere Lebewesen für ein Bild so in die Enge treiben und kurzsichtig handeln dann ist das nicht ok. Wir haben auch tolle Fotos von den Affen gemacht, aber eben nur mit Zoom und Geduld und vor allem mit Respekt. Das ist ihr zuhause. Warum denken Menschen, dass sie sich im Zuhause der Tiere aufführen können wie sie wollen???? Für Fotos??? Ich war wirklich schockiert über diese Szenen die sich uns da boten.

Die Höhle war wirklich eindrucksvoll und schön und hat uns sehr gut gefallen.

Am folgenden Tag ging es dann seeeeeeeehr früh morgens zum Flughafen. Ab nach Bangkok. Dort reisten wir dann einen Monat mit Michis Mama und Bruder zusammen. Wieder Familienbesuch, jipppppppiiiiiiiiii. Die Freude war riesig! 🙂

Singapur

So mussten wir nach einem Jahr Neuseeland wieder unseren Rucksack packen und in eine völlig neue Kultur eintauchen. Wenn uns jemand fragte, wo es nun hin ginge, war die Antwort stets die selbe: Südostasien. Da wir bereits eine fixe Verabredung mit Michis Mama und Bruder in Thailand Anfang März haben, entschieden wir in der Zwischenzeit Singapur und Malaysia anzuschauen.

So ging unser Flug am 7.2.2018  von Christchurch nach Singapur mit Singapore Airlines. Wie ihr wisst, sind wir ja jetzt schon ein paar mal geflogen und haben da schon einige unterschiedliche Airlines erlebt. Über Singapore Airlines können wir sagen, dass es ein toller Flug war. Super Service, gutes Essen und naja so viel Platz wie überall halt. Wir waren rundum happy und die Zeit verging wie im Flug (haha).

Wir kamen abends in Singapur an und haben uns über das Wlan des Flughafens einen Fahrer auf Grab bestellt. Ist günstiger als ein Taxi und Grab und Uber funktionieren in Singapur und Malaysia im Vergleich zu Bali ohne Probleme, falls wir Wlan hatten.

Unser Hotel lag etwas außerhalb des Stadtzentrums, einfach weil alles andere nicht bezahlbar war für uns. Die Unterkunftspreise sind sehr hoch in Singapur, da viele Menschen auf wenig Raum leben. So lag unser Hotel, was schon untere Preiskategorie war und trotzdem noch 50 € die Nacht kostete, im Rotlichtviertel. Davon merkten wir allerdings nicht sehr viel, es war eher sehr versteckt. An den umliegenden Straßen gab es ein paar eindeutigere Etablissements und vor allem viele Straßenhändler, die Viagra in allen Formen und Farben verkauften. Da ihre „Tische“ eher nach improvisierten Unterlagen und ihre Waren alle auf Tüchern lag, die sie schnell schnappen konnten um sich schnell aus dem Staub machen zu können. Das erinnerte uns sehr stark an die fliegenden Händler in Costa Rica. Im Grunde wissen wir nicht, ob sie das jetzt durften oder nicht, aber es sah eher nicht danach aus.

Wir hatten zuvor in unseren Recherchen gelesen, dass man am besten in sogenannten Hawker Centern essen gehen kann: günstig, frisch und lecker. Leider war das Center bei unserem Hotel um die Ecke schon geschlossen, sodass wir eigentlich in ein Hawker Center in der Stadt wollten, das noch auf hatte. So war der Plan zur nächsten MRT Station zu laufen, wo wir einen 3-Tages Touristenpass kaufen können, damit wir unbegrenzt drei Tage damit fahren können, und dann von da in die Stadt fahren. Laufen wäre zu weit gewesen. So ließen wir uns vom Hotel erklären wo wir hin müssen. Was man uns nicht gesagt hat: der Touristenpass ist nur an einem bestimmten Schalter an bestimmten Stationen erhältlich und nicht etwa am Automaten. Diese haben Öffnungszeiten. Und als wir nach gefühlt einer Ewigkeit endlich an einer Station ankamen (wir sind gelaufen) an der es einen Schalter für den Pass gibt, war dieser bereits geschlossen. Na toll. Wir waren hungrig und müde und haben bei Nacht schon mal gefühlt die halbe Stadt außerhalb des Stadtzentrums gesehen. Das hatten wir uns irgendwie nicht so vorgestellt. Nicht weiter drüber ärgern, dann musste einfach einer neuer Plan her: wieder zurück Richtung Hotel und auf dem Weg was essen, den Pass dann am nächsten Tag holen. So haben wir das dann auch gemacht.

Hawker Center

Am nächsten Tag sind wir direkt zum Hawker Center zum Frühstücken. Wir waren absolut beeindruckt! So viele kleine Lädchen nebeneinander, alles sah lecker aus und roch himmlisch. Wir liefen einmal durch, naja zumindest die eine Ebene, ich glaub es gab noch eine weitere, was bereits einige Zeit dauerte. Das ist nix für Menschen die sich schwer tun mit Entscheidungen… Wir wollten am liebsten vorne anfangen und uns bis nach hinten durchprobieren… Naja, wir haben uns dann darauf beschränkt zum ersten Mal Zuckerrohrsaft zu probieren und ein Gericht mit gebratenen Reisnudeln, Sojasoße, Schweinebauch und Gemüse. Danach haben wir eine Chinesische Leckerei ausprobiert, die es mir sehr angetan hat: Pau. Man findet sie unter verschiedenen Namen. Im Prinzip sind es gefüllte, gedämpfte Hefeklöße. Die Füllung kann Hühnchen, Mais, Bohnen oder mein Favorit Lotuspaste sein. Die werden warm gehalten und somit bekommt man sie für ein paar Cent direkt warm serviert. Yammi. Die kleinen Lädchen, oder auch Stalls genannt, in den Hawker Centern haben alle ein Buchstabe, der entweder A, B oder C ist. Diese beziehen sich auf die Sauberkeit in den einzelnen Stalls und werden monatlich überprüft. Wir haben in Singapur außer viel laufen um alles anzugucken, vor allem auch viel gegessen. So bieten die Hawker Center für jeden Geschmack etwas. Durch die Kulturenvielfalt bekommt man Chinesisches, Indisches, Malyisches. Koreanisches und Westliches Essen. Die Preise dabei sind wirklich niedrig: ein vollwertiges Gericht für etwas mehr als zwei Euro. Klar auch hier gibt es Delikatessen, wie Meeresfrüchte, die etwas höher liegen können. Ich glaube um die ganzen Köstlichkeiten, die wir gegessen haben ausreichend zu beschreiben bräuchte es den kompletten Bericht und irgendwie macht es doch auch keinen Spaß nur über Essen zu lesen. Macht nur Hunger. Deshalb: Fahrt lieber selbst hin und holt euch vor Ort richtig Appetit.

Sterneessen

Eine Sache ist jedoch noch interessant zu erwähnen: Habt ihr schon mal ein Essen gegessen, was einen Michelin Stern bekommen hat? Nein? Zu teuer? Da bietet Singapur euch die einmalige Möglichkeit für ungefähr 2-3 Euro ein mit einem Michelin-Stern ausgezeichnetes Essen zu probieren. Angefangen hat das auch in einem Hawker Stall, doch nachdem sie den Stern bekamen, haben sie ein Restaurant in Chinatown aufgemacht. Was ausgezeichnet wurde? Chicken Rice mit einer Hongkongsauce. Wir habens auch probiert. Hm, war lecker, aber hätten wir nicht gewusst, dass es einen Stern bekommen hatte, hätten wir es nicht gedacht. Aber wir sind da ja auch echt keine Experten drin.

Im selben Hawkercenter in Chinatown ist übrigens auch ein Kaffeeshop, der den Singapurkaffee mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet bekommen hat. Wir haben ihn probiert, waren ca. 1,20€ und er war echt Top!!!

Sightseeing

Angeschaut haben wir uns das Marina Bay Sands, das riesige Hotel von außen, die Bayfront, die Mall Shoppes by the Sands und Gardens by the Bay. Das Hotel ist ohne Frage sehr beeindruckend und vor allem wenn man sich ein Paar Dokumentationen darüber anschaut wie es entstand und was hinter der Fassade passiert. Direkt davor ist eine riesige Mall, die Mall Shoppes by the Sands, die vor allem viele Luxusmarken anbietet. Das abgefahrenste jedoch war, dass es ganz unten in der Mall einen Kanal gab von ein paar Metern (vielleicht 50 Meter?) mit einer Gondel und einem Gondoliere, womit die Mallbesucher fahren konnten. Auf der anderen Seite der Mall war ein riesiger Kronleuchter, der über mehrere Stockwerke nach unten reichte und mit LED Lichtern ausgestattet waren, die wie fließendes Wasser von oben nach unten flossen. Das war schon super schön anzusehen, aber der Platz über dem der Kronleuchter hing war noch atemberaubender. Es war ein riesiger runder Bereich, der aussah wie ein Teich mit Fischen darin. Im Grunde war es ein mega großes Touchpad und bei jeder Berührung sind die Fische von dem Punkt weggeschwommen. Der Bereich war abgetrennt und nur für Familien mit Kindern zugänglich und auch nur eine bestimmte Anzahl. Die Kinder hatten natürlich einen riesen Spaß mit ihrem Rennen neue Fischschwarm-Formationen entstehen zu lassen. Sah super schön aus. Von der Shopping Mall kommt man durch das Marina Bay Sands Hotel, es ist nur ein kleiner Durchgang mit Blick auf die Eingangshalle/Essenssaal, in den Park Gardens by the Bay. Der ist super schön angelegt und auch super faszinierend. Die „Bäume“ die dort angelegt sind, sind alle mit Lichtern ausgestattet, sodass man jeden Abend eine Lichter-Musik Show genießen kann. War toll! 🙂 Auf dem Weg zurück auf der anderen Seite des Hotels wieder sagte Michi irgendwann, da sei ein Laser. Kurze Zeit später hörten wir laute Musik. Wir liefen auf dem Balkon an der Shopping Mall in die Richtung und sahen, dass direkt vor der Shopping Mall eine Wassershow mit Musik stattfand. Michi war gleich Feuer und Flamme, er steht total auf Licht, sodass wir uns vornahmen am nächsten Tag, seinem Geburtstag, das Ganze von unten anzuschauen. Auf dem Balkon sah man leider durch die architektonische Verzierungen nicht allzu viel.

Michis Geburtstag

Am nächsten Tag, Michis Ehrentag, haben wir alles gemacht, was er sich wünschte: zuerst sind wir nach Little India gefahren. Dort wurde für diesen Tag eine kostenlose Tour durch Little India angeboten. Ging 2 ein-halb Stunden und war ne ganz tolle Sache. Wir haben super viel über die Geschichte von Singapur gelernt und es war wirklich spannend zu sehen, da Little India ganz anders aussah und wie die Tourleiterin uns sagte auch sehr authentisch sei. Unter anderem haben wir einen hinduistischen Tempel besichtigt. Auch dort gab es ein Hawker Center, das viele indische Stalls hatte und auch ein etwas anderes Flair mit sich brachte. Es wurde nicht einfach unsere Bestellung aufgenommen, sondern vor allem ich wurde von den Männern fast schon überredet, etwas anderes zu nehmen, oder noch etwas zusätzlich. Auch wurde ich einfach angestarrt, egal ob ich das mitbekam oder nicht und es war kein interessiertes gucken, sondern eher ein unangenehmes „mit-den-Augen-ausziehen“- Starren. Naja, ich habs einfach ignoriert. Wir sind dann nach Chinatown gefahren und sind dort über den Markt geschlendert und haben dort wieder im Hawker Center zu Abend gegessen und uns zur Feier des Tages Bier gegönnt, das ist hier vergleichsweise teuer. Danach erfüllten wir Michis größten Wunsch des Tages und fuhren zurück zur Bayfront um die Wasser-Licher-Show anzuschauen. Um es kurz zu machen. Wir haben sie dreimal gesehen, einmal von hinten und zweimal von vorne, wobei das letzte Mal nicht geplant war, wir haben uns mit einem jungen Mann verquatscht, der aus Malaysia kommt und in Singapur studiert, sodass wir einige Fragen bei ihm klären konnten. Die Wassershow war der absolute Hammer. Ich hatte durchgängig Gänsehaut und musste aufpassen, dass mir nicht der Mund aufklappt. Es hat super ausgereift gewirkt und keine Ahnung wie, aber sie haben es geschafft einen 3D Effekt reinzukriegen. War echt großartig. Michi war sehr zufrieden, also somit das Ziel erreicht! 🙂

Chinatown

Am nächsten Tag wollten wir eigentlich schon weiter reisen. Da wir aber bis dato noch keine Zeit hatten irgendwas zu planen, entschieden wir uns einen Tag zu verlängern und morgens die kostenlose Chinatown Tour mit zu machen und Nachmittags zu planen, bei einem Singapur-Kaffee (Kaffee mit Kondensmilch und mit oder ohne Zucker). Die Tour durch Chinatown war auch super informativ. Beispielsweise wohnen 80 % der Bevölkerung in Hochhäusern in Wohnungen. Wohnraum ist knapp und deshalb sehr teuer. In Chinatown fangen die Wohnungen bei einem Kaufpreis von einer halben Million Singapur-Dollar an. Direkt im Zentrum kosten sie rund eine Million. Die Regierung hat einen Topf für jeden eingerichtet, das heißt 20 % vom Gehalt fließen in diesen persönlichen Topf, der dann für Bildung, Gesundheit oder eben eine Wohnung genutzt werden kann. Jedoch muss für die Wohnung auch noch vorliegen, dass man verheiratet ist, oder über 35 Jahre. Aber eigentlich gibt es im Grunde kein Eigentum, auch wenn die Wohnung gekauft wurde, die Regierung hat dabei immer noch mitzureden. Auch fanden wir sehr interessant, dass chinesische Frauen eine große Rolle beim Aufbau von Singapur gespielt haben und zwar wirklich direkt im Häuserbau. Das hat uns sehr an die Trümmerfrauen in Deutschland erinnert. Da kann man einfach nur Hochachtung haben!

Weiterreise

Wir versuchten dann nach langem hin und her überlegen, wie wir nach Kuala Lumpur kommen wollen, einen Flug über Opodo zu buchen. Da direkt wieder das Geld auf die Kreditkarte zurück kam und wir keine Buchungsbestätigung per Mail bekamen und es nicht möglich war bei der Airline jemanden telefonisch zu erreichen, sind wir am nächsten Morgen zum Flughafen aufgebrochen ohne zu wissen was da jetzt auf uns zu kommt. Am Schalter der Airline angekommen, erklärte uns die Frau, dass wir nicht eingebucht waren. Somit stand für uns fest, wir buchen in Zukunft direkt nur noch über die Airline. Na gut, dann wollten wir eben so ein Ticket für den nächsten Flug. Sie meinte, das sei möglich, jedoch bräuchten wir davor einen Nachweis, wann und wie wir wieder aus Malaysia ausreisen werden. Und wir hätten nur noch eine halbe Stunde Zeit. Also besprachen wir uns und schauten online nach Preisen, wir wussten ja schon, wann wir in Bangkok sein wollen und hatten auch bereits ein Hotelzimmer reserviert. Da es eh die gleiche Airline gewesen wäre, wollten wir über die Frau am Schalter buchen. Als diese uns allerdings die gleiche Zahl nur mit der Singapurwährung nannte und wir das selbe in Malaysischen Ringit online gesehen hatten, buchten wir dann doch lieber selbst. Zum Verständnis: das wäre ungefähr dreimal so viel gewesen. Sie kam immer mehr in Stress und buchte uns dann doch schon mal für den Flug nach Kuala Lumpur ein, da bald der Check In zumachen sollte. Als das dann endlich alles fertig war, sind wir zum Check In und von da zur Sicherheitskontrolle gerannt. Nein, wir haben den Flieger noch bekommen. Wir saßen sogar alle schon fix und fertig im Flieger und wegen was auch immer hoben wir dann erst mit einer Verspätung von 45 Minuten ab.

Zurück in Neuseeland Teil 2

Thomas kommt uns besuchen

Die Freude war natürlich riesengroß! Nach knapp 30 Stunden Flug ist er endlich angekommen. Wir waren soooo gespannt ihm endlich Neuseeland zu zeigen. Aber als erstes brachten wir ihn zu seinem Hotel. Danach gingen wir mit ihm was Essen und entließen ihn danach wieder ins Hotel, damit er seinen Jetleg ausschlafen konnte. Am nächsten Morgen holten wir ihn wieder ab und gingen frühstücken. Um 15 Uhr sollte sein Mietauto bereitstehen, welches wir danach abholen fuhren. Japp, oder eher Mietautole? Es war ein Hiundai Getz, ein Miniauto! Ich hatte ja immer noch gehofft, dass er vielleicht doch noch nen Kombi bekommt, oder zumindest so groß, dass er mit ner Luftmatratze irgendwie hinten drin schlafen kann. Keine Chance. Okay, ab zum Warehouse einkaufen. Nachdem wir also Zelt, Luftmatraze, Pumpe und Schlafsack gekauft hatten, holten wir noch ein paar Lebensmittel und dann ging es los ins Campingvergnügen! Wir fuhren auf einen relativ nahen kostenlosen Campingplatz um im Zweifelsfall doch noch in die Stadt zu können um irgendwas einzukaufen, wenn was fehlen sollte.

Am nächsten Morgen sagte er das er echt super geschlafen hat und wir atmeten auf. Thomas hatte vorher noch nie gezeltet, daher war das echt Premiere. Also konnte es losgehen!!! Wohooo Südinsel, wir kommen!

Okains Bay

Wir hatten uns mit Nina und Chris in der Okains Bay im Bankspeninsula verabredet. Wir dachten wir genießen die Tage dort etwas, bevor wir Silvester dann alle gemeinsam in Christchurch verbringen wollten. Doch als wir in der Okainsbay ankamen, war der Campingplatz ausgebucht. Dummerweise war wie so oft in etwas abgelegenen Plätzen kein Handyempfang da, sodass wir uns nicht mit ihnen absprechen konnten. Verdammt, was nun?

Ich fragte die Dame von der Rezeption ob sie überhaupt heute neue Leute bekommen hat, die nicht vorher reserviert hatten, da wir uns eigentlich mit Freunden hier verabredet haben. Sie fragte wie sie heißen und tatsächlich, die zwei waren auf dem Platz. Darauf meinte sie, okay wenn eure Freunde hier sind frag ich mal den Chef, vielleicht dürft ihr ausnahmsweise bleiben. Sie verschwand kurz, und kam dann wieder zurück. Sie sagte, dass wir bleiben können, wir sie aber selber finden müssen, da der Platz keine feste Platznummern hat sondern jeder sich selber sein Plätzchen suchen kann. Jippiee! Dankbar checkten wir ein und begaben uns auf die Suche. Wir fanden sie dann irgendwann, allerdings war nur Nina im Auto, ihr gings gesundheitlich nicht so gut. Chris sei Angeln! Okay, dann mal los. Wir packten unser Angelzeug und gingen auf die Suche nach Chris. Wir fanden ihn dann relativ schnell auf einer Klippe stehen. Wir versuchten unser Glück aber irgendwie wollte da nix beißen. Auf einmal schwamm ein seltener Hektordelfin vorbei. Krass, was Thomas doch für ein Glück hatte. Kaum angekommen und schon sieht er einen Delphin. Und dann noch so einen seltenen. Wir haben dafür fast ein Jahr gebraucht. Sein Glück verließ ihn nicht, er angelte nämlich auch seinen ersten Fisch. Es war zwar ein kleiner, aber hey, Fisch ist Fisch 😀

Chris hatte etwas mehr Glück und auf einmal hat er 6 Stück oben gehabt. Zwar auch nur kleinere aber dennoch groß genug um sie zu essen.

Somit hat Thomas auch seinen ersten wirklich frischen Fisch gegessen.

Leider ging es Janina wirklich nicht gut und sie hatte die Vermutung, das sie sich eine Mandelentzündung eingefangen hat. Daher wollte sie am nächsten Tag lieber nach Christchurch zum Arzt. Und wir? Uns gefiel es da sehr gut. Wir fragten einfach nach ob wir verlängern können. Und wir durften. Also blieben wir bis zum Silverstertag dort. Es war einfach toll da. Eine wunderschöne Bucht. Der Campingplatz war voll mit lauter Kiwifamilien, die dort Ferien machten. Keine Deutschen Teenies. Und dennoch im Wald. Irgendwie fühlten wir uns wie auf einem dieser Campingplätze in den amerikanischen Filmen. Irgendwie einfach toll!

Silverster in Christchurch

Jaaaa, Silvester. Wir haben uns gefragt wie und vor allem wo wir Silvester verbringen wollen. Zum einen ist es unser Jahrestag, ja wir sind schon über 5 Jahre zusammen, zum anderen wollten wir ja mit Thomas feiern. Wir schauten was überall abging und stellten fest, soooo viel ist das ja garnicht, vorallem auf der Südinsel wars ziemlich Mau. Christchurch, Wanaka oder Queenstown das Rythm and Alps Festival. Nun ja, Festival hatten wir keine Lust. Also zogen wir Wanaka in Erwägung. Hätte auch fast geklappt, doch dann meldeten sich Janina und Christian, sie wollen Silvester auch mit uns verbringen. Also kurzum, Christchurch war mit einer großen öffentlichen Party unser Ziel. Wir buchten einen Campingplatz in der City und schlugen dort unser Lager auf. Dieser war dezent 1 Stunde Fußmarsch entfernt von dem Partygelände im Hagleypark. Wir glühten vor und liefen kurz vor 11 los. Naja wie das so ist und so, man muss ja noch mal auf Toilette und so, kamen wir dann gerade so um 0 Uhr dort am Park an. Wir waren noch nicht ganz am Gelände da ging das Feuerwerk los. Joah und nach echten 3 Minuten wars auch schon wieder vorbei. Wir dachten echt das ist ein Scherz. Also da war Nicaragua zu Weihnachten größeres Feuerwerk als dort. Unglaublich. Wir gingen zur Bühne wo eine Liveband Rockmusik spielte. Na wenigstens bissl Party machen können wir, dachten wir. Eine halbe Stunde später spielte die Band ihr letztes Lied und die Securitymitarbeiter begannen, die Menschen vom Geländer zu schmeißen. Wir dachten echt wir sind im falschen Film. Das Alkohol auf dem Gelände verboten war muss ich wohl nicht erwähnen, oder?

Okay, Chris und Nina machten sich auf den Heimweg, da Nina sich tatsächlich ne Mandelentzündung eingefangen hatte und wir folgten der Menschenmassen um noch irgendwo in nem Pub einen zu trinken. Also liefen wir dann einer Gruppe hinterher. Julia fragte wohin sie gehen, ob sie in nen Pub gehen. Da sagte ein sehr junges Mädchen, sie gehen auf eine Hausparty, wir können mitkommen, aber wir müssten Alkohol und Drogen mitbringen. Wir schauten sie mit großen Augen an und lehnten ab. So läuft das hier also. Wir liefen weiter und nach ca. ner halben Stunde entdeckten wir ein Pub der noch auf hatte. Also nichts wie rein. Allerdings wurde es uns nach ner Stunde auch langweilig, da man dort nur trinken konnte, nicht tanzen oder so. Wir traten wieder den Heimweg an. Nun ja, Silvester haben wir uns definitiv anders vorgestellt.

Das große Reisen mit Thomas

Nachdem wir den ersten Tag des neuen Jahres nur gegammelt und uns erholt haben ging es am zweiten Tag los. Unser erstes Ziel: Oamaru Pinguine anschauen!

Und Thomas hatte wieder richtig Glück. Nicht nur, dass er das Glück hatte, das einige Pinguine wirklich nur einen Meter an ihm vorbei gelaufen sind, nein er hatte einen Pinguin im Grunde direkt neben seinem Zelt. Thomas konnte sicher gut schlafen.

Am nächsten Tag schauten wir uns das Steampunkmuseum an und fuhren anschließend Richtung Queenstown. Übernachtet haben wir wieder auf dem Campingplatz beim Lake Pukaki. Nur diesmal sahen wir ihn, den Mt. Cook. Wir hatten echt Superglück mit dem Wetter und da dieser Campingplatz in einem „Dark-Sky-Reserve“ liegt, also ein Gebiet was besonders dunkel ist Nachts und man in solchen relativ seltenen Gebieten weltweit einen besonders tollen Sternenhimmel hat, hatte Thomas einen tollen Blick auf die Milchstraße und viele Sternschnuppen.

Queenstown

Queenstown ist wohl die bekannteste Stadt Neuseelands. Ihr eilt der Ruf voraus das du hier alles machen kannst. Und all dein Geld hierlassen kannst. Japp das trifft zu. Allein der Campingplatz war schon fast doppelt so teuer wie sonst so. Und Privatsphäre ist nicht, dort war man zusammengepfercht wie auf einem normalen Autoparkplatz, wobei wir einen ganz außen hatten und somit wirklich einen relativ großen Platz hatten.

Wir haben uns überlegt was wir hier machen wollten. Da wir ja alle so mit Höhe sind, kam natürlich Bungee springen, Skydiving oder sowas nicht in Frage. Skydiving, also ein Fallschirmsprung aus 5 km Höhe, kam spätestens dann nicht mehr in Frage, nachdem der Pilot, der mit David in Australien einen Sprung gemacht hat, genau als wir in Bali waren bei einem Sprung ums Leben kam.

Wir entschieden uns fürs Jetboat fahren. Das hat auch echt mega Spaß gemacht, ich wurde dezent nass! Und dann haben wir noch die Skyline-Luge gemacht, eine Art Sommerrodelbahn mit so schwerkraftbetriebenen Gokarts. Das war sooooo lustig. Wir haben gleich 5 Runden gemacht! Dann wäre noch als großer Burger-Fan erwähnenswert, dass es in Queenstown den Fergburger gibt. Der Fergburger ist in ganz Neuseeland bekannt und sicher auch darüber hinaus. Er soll absolut toll schmecken. Der Kumpel von unserem Ex-Vermieter Peter ist sogar extra mit seinem kleinen Flugzeug von Blenheim nach Queenstown geflogen, um sich den Burger zu holen.

Na gut, schauen wir uns mal den Laden an, entschieden wir. Doch als wir an den Laden kamen, trauten wir unseren Augen nicht. Vor dem Laden war ungelogen eine mindestens 30 Meter lange Schlange. Alle wollten einen Fergburger. Am Arsch dachten wir uns, wir stellen uns doch keine Stunde oder so für so nen Burger an. Aber es war total spannend zuzusehen wie extrem das Restaurant gehypt wurde. Da war ein Koreaner, der machte gerade Videotelefonie und zeigte vorallem Menschen, die gerade in den Burger bissen. Wir entschieden uns dagegen und gingen anderweitig Abendessen und was trinken. Als wir dann um 2 Uhr Morgens zufällig dran vorbei kamen, standen nur noch 5 Leute an. Ich witterte meine Chance und wir stellten uns an. Ich bestellte den Fergburger mit doppelt Fleisch und Brie.

Also ich muss echt sagen, ich liebe Burger. Nicht den Fastfood-McDonaldsdreck, sondern wirklich handwerklich gemachte Hamburger, in allen Variationen. Am Besten sind natürlich meine selbstgemachten Laugenbrötchenburger mit gegrillter Zuchini 😀

Okay, genug davon, ich wollte einfach wissen ob der Burger so gut ist oder ob es einfach nur ein Hype ist wie es mit soooooo vielen anderen Dingen. Und ich muss sagen…

Der Fergburger war eeeeendgeil!!!

Tatäschlich war das kein Hype, er ist einfach geil.

Definitiv einer der besten Burger die ich je gegessen habe.

Milford Sounds

Nach Queenstown fuhren wir Richtung Milford Sounds. Der letzte große Ort davor war Te Anau. Julia hatte noch in Queenstown eine Kayak und Cruise Tour gebucht. Also 2 Stunden lang Kayakfahren und dann noch n bissl auf so nem Ausflugsschiff rumschippern. Leider war das Wetter in den Sounds sehr wolkenverhangen und nebelig, sodass wir nicht die volle Pracht genießen konnten. Das tat dem Kayak fahren aber dennoch nichts. Es hat ungemein Spaß gemacht in dieser Landschaft auf dem Fjord rumzupaddeln. Gegen Ende fing es an zu regnen. Hat noch mehr Spaß gemacht. Nachdem wir dann mit dem Kayak fahren fertig waren zogen wir uns trockene Klamotten an und weiter gings zum Schiff. Das Wetter klarte auch etwas auf sodass wir während der Tour viel sehen konnten.

Als wir zurück in Te Anau waren wollten wir noch einen Scenic Flight buchen, also einen Flug mit einem kleinen Flugzeug über das Fjordland. Leider waren die Tage danach auch wolkiges Wetter, sodass es nicht möglich war. Stattdessen entschieden wir uns eine Hubschrauberwanderung auf einem Gletscher zu machen.

Helikopter-Hike auf dem Tasmanglacier

Wir hatten praktisch 2 Tage Zeit um von dort unten wieder ziemlich in die Mitte des Landes zu fahren. Dummerweise stellte ich bei einer kurzen Toilettenpause fest, dass die vorderen Reifen unseres Auto schon so abgefahren waren, dass es wirklich gefährlich war weiter zu fahren. Zum Glück war direkt gegenüber eine Werkstatt, der die Reifen bestellen konnte und für den nächsten Tag gegen Mittag die Reifen montieren konnte. Gesagt, getan, bestellt, Campingplatz gesucht, nächsten Mittag hin, montiert und weiter gings. Mit einem kurzen Zwischenstopp in Queenstown zum Fergburger essen (hat auch nur ne halbe Stunde gedauert) sind wir weiter bis zum Mt. Cook Village gefahren.

Am nächsten morgen wachten wir auf und wir fragten uns ob der Hike überhaupt stattfinden würde, da es doch recht nebelig und bewölkt war. Wir fuhren zum Treffpunkt und dort erklärte man uns, dass das nur ganz lose Wolken sind, die sich gleich mit der Sonne richtig auflösen. Na hoffentlich dachten wir.

Als es dann los ging waren die Wolken leider noch nicht alle weg, allerdings flog der Hubschrauber eh nicht höher.

Jaaaaa, wir sind das erste mal Hubschrauber geflogen. Man war das geil!!! Julia hatte sogar den Ehrenplatz direkt neben dem Piloten vorne. Es war ein unglaubliches Gefühl (Hab schon auf Ebay geschaut, was die so gebraucht kosten :-p). Nach einem leider viel zu kurzen Flug landeten wir auf dem Gletscher direkt auf dem Eis. Wir stiegen wie vorgeben aus und warteten bis der Heli weggeflogen war. Anschließend bekamen wir solche Eisspikes an die Schuhe gebunden, das wir festen Halt hatten. Und dann ging es auch schon los. Es war total spannend. Immer wieder hörte man Eislawinen, die halt irgendwo abbrachen und runterkamen. Allerdings waren die fast nie zu sehen, da die noch weiter oben waren und dort die Wolken leider alles verdeckten. Wir stapften über das Eis und er erklärte uns einige Dinge darüber. Unter anderem, dass dies der größte Gletscher in Neuseeland ist und nur bei diesem Eishöhlen möglich waren. Und in so eine gingen wir. War total spannend zu sehen. Nach mehr als zwei Stunden auf dem Eis wurden wir von dem Heli wieder abgeholt und flogen wieder zurück zum Flughafen. Defintiv eins unserer Highlights in Neuseeland!

Ab an die Westcoast!

Noch am selben Tag fuhren wir wieder zurück Richtung Queenstown. Diesmal kein Zwischenstopp, wir bogen vorher nach Wanaka ab. Dort übernachteten wir und fuhren anschließend über den Pass nach Haast, wo wir die Westcoast hochfahren wollten. Als wir in Haast ankamen, wunderten wir uns wirklich, wie klein das Dorf war. Wir dachten das ist ne richtige Stadt, aber dem war nicht so. Wir aßen irgendwo was und suchten dann ne Tankstelle auf. Uff war die teuer. Also n bisschen hatte ich noch im Tank, lass uns weiter fahren, sagte ich. Da wird sicher noch eine kommen. Und wir fuhren weiter. Scheinbar hatte ich das Schild „last petrol next 80km“ nicht gesehn, sonst wäre ich wohl umgedreht. Jedenfalls fuhren wir und fuhren und irgendwie kam da nix mehr. Das Navi zeigte die nächste Tankstelle in 80 km an, da war ich aber schon 40km von der anderen Tankstelle gefahren. Das ich schon auf Reserve fuhr brauch ich sicher nicht zu erwähnen oder? Nun ja mein Arsch ging ganz schön auf Grundeis. Mit spritsparenden 70 km/h und dem letzten Tropfen Benzin schaffte ich es gerade so ins Foxvillage, wo ich endlich für 5 Cent günstiger tanken konnte! Es gibt Dinge, die lohnen sich einfach nicht!

Weiter gings nach Hokitika

Camping der unheimlichen Art

Ich hatte ein recht günstigen Campingplatz ausgesucht und zu diesem fuhren wir auch. Dort angekommen stellten wir fest, dass es eher wie ein Hotel oder so war. Ein riesiges Gebäude mit unterschiedlichen Zimmern. Es gab eine kleine Küche, ein Esszimmer, noch ein Esszimmer, ein Aufenthaltszimmer, noch mehr Aufenthaltszimmer, Toiletten, Duschen, etc…aber alles eingerichtet im Stil der 60ger Jahren. Alles war sauber soweit, aber da lagen dann irgendwelche Puppen rum und so zur Zierde alles so überhaupt, irgendwie schon gruselig. Vorallem als es dann langsam dunkel wurde… Ein deutsches Pärchen recherchierte und fand heraus, dass das mal ein Nervenheilanstalt war. Sogar eine Gummizelle gab es hier, die wir allerdings nicht fanden. Naja die Nacht war soweit ok, halt bissl gruselig. Auf Fotos haben wir verzichtet, ihr wisst ja, nicht das dann darauf doch noch irgend ein Geist zu sehen ist 😉

Weiter ging es über den Coastal Highway, vorbei an den Pancakerocks zum Mokihinuiriver, wo wir damals so viele Kahawais rausgeholt haben. Wir versuchten unser Glück mit Thomas wieder, allerdings wollte das nicht so klappen. Ich hatte wohl einen noch größeren an der Angel, der so stark war, dass die Schnur riss und Thomas angelte einen kleinen Aal, den wir wieder in die Freiheit entließen. Am folgenden Tag hatten wir auch kein Glück, so entschieden wir am nächsten Tag nach Nelson/Motueka zu fahren, da starker Regen für ganz Neuseeland vorhergesagt war.

Wir fuhren zu unserem Lieblingsplatz dort, doch der war wegen Überschwemmung geschlossen. Der zweite den wir ansteuerten war voll, und musste sowieso gerade evakuiert werden, weil er auch drohte zu überschwemmen. Der 3te war voll. Da Thomas sowieso im Auto schlafen wollte und kein Zelt bei dem Wetter aufbauen wollte (wer kanns ihm verübeln) entschieden wir uns für erprobtes Wildcampen: Einfach irgendwo in der Nähe einer Toilette am Straßenrand schlafen und hoffen, dass man kein Strafzettel fürs Wildcampen bekommt. Es klappte auch super, kein Ticket, soweit ruhig und gut geschlafen, läuft. Also deckten wir uns noch mit 2 Laib deutschem Brot beim deutschen Bäcker ein und füllten unsere Vorräte für die Marlborough Sounds in Nelson auf. Und dann gings endlich in unsere Lieblingsbay!!!

Elainebay 3

Endlich ging es wieder zurück in unsere Lieblingsbay in die Marlborough Sounds. Wir wissen nicht warum, aber dieser Ort hat es uns persönlich einfach angetan. Diese Stille, das klare Wasser, irgendwie magisch. Jedenfalls freuten wir uns sehr diesen Ort mit Thomas zu teilen.

Wir angelten wieder und hatten diesmal nicht so viel Glück. Nur eine kleine Gelbaugenmeeräsche. War aber dennoch lecker. Am ersten Abend gingen wir zur Dämmerung zum Steg hinunter um das Leuchtplankton anzuschauen. Man konnte schon was erkennen, als wir plötzlich ein leises Plätschern vernahmen. Wir fragten uns was das sei, es klang als würde etwas auf uns zu geschwommen kommen. Wir schalteten unsere Kopflampen ein und starten aufs Wasser. Völlig perplex erblickten wir einen Blauen Pinguin, der auf den Steg zugeschwommen kam, dann drunter durch schwamm und anschließend Richtung Ufer schwamm und verschwand. Damit haben wir nicht gerechnet. Wir wussten zwar das es die überall hier in Neuseeland geben kann, aber das war schon etwas weiter von den üblichen Orten entfernt. Wie süß.

Nun wollten wir aber das Leuchtplankton demonstrieren und wurden echt belohnt. Soooo hell haben wir das Plankton noch nie gesehn. Unglaublich! Da waren Muscheln an den Pfeilern des Stegs und das Wasser darum leuchtete wie in der Disco! Absolut toll.

Am nächsten Tag liehen Julia und Ich ein Kayak aus um in dem Sound zu paddeln. Thomas wollte lieber ein wenig wandern.

Als wir gegen Abend noch mal raus fuhren waren wir dauernd von Stachelrochen umzingelt, die im seichten Wasser rumschwammen. Als wir einen gaaanz nah filmen wollten, übersahen wir einen ziemlich großen. Ich wunderte mich nur was da plötzlich für ein komischer Stock da aus dem Wasser rausguggt, der war doch eben noch nicht da. Als ich es begriff sind wir schleunigst und vorsichtig wieder weg gefahren. Schon ein komisches Gefühl von nem riesigen Stachelrochen bedroht zu werden.

Als es dann wieder so weit war „Goodbye“ zu sagen hat sich das richtig komisch angefühlt. Julia sagte, das sie sowas noch nie für einen Ort an dem sie nur ein paar Tage verbracht hat empfunden hat. Jedenfalls werden wir ihn nicht vergessen.

Blenheim

Weiter gings über den Scenic Drive durch die Marlborough Sounds. Wir entschieden uns am Rarangi Beach nieder zu lassen für die 2 Tage, an denen wir uns vorgenommen haben Tina zu treffen, eine Weinprobe zu machen, Thomas unseren ehemaligen Arbeitsplatz zu zeigen und natürlich ihm unser ehemaliges Heim inkl. Ex-Vermieter zu zeigen.

Nur um das mit Peter unserem Ex-Vermieter abzuschließen, auf die Frage ob er noch mit Cindy zusammen sei, sagte er, sie seien nur befreundet und das sei nix ernstes. Fragt sich nur ob Cindy das auch so sieht…

Pacific Coast Highway

Von Blenheim fuhren wir nun den Pacific Coast Highway in Richtung Kaikoura. Dieser Highway war die ganze Zeit über ein Jahr gesperrt wegen den ganzen Schäden des Erbebens im November 2016. Im Dezember 2017 haben sie endlich den Highway wieder eröffnet. Vielleicht erinnert ihr euch, wir sind diesen schon zum Teil bis nach Clarence gefahren, doch diesmal war von den ganzen Schäden bis nach Clarence nichts mehr zu sehn. Die Bauarbeiter haben echt ganze Arbeit geleistet. Als wir dann aber immer näher Richtung Kaikoura kamen sah man wirklich was die geschafft haben. Überall Baustelle.

Delfinschwimmen in Kaikoura

Als wir das nette Pärchen aus Fitschi fragten, was für sie ihr Highlight in Neuseeland war, sagten sie ohne zu zögern, das Delfinschwimmen in Kaikoura.

Auch wenn man das Definschwimmen in anderen Teilen Neuseelands machen kann wollten wir es auf jeden Fall in Kaikoura machen. Warum? Ganz einfach, dadurch dass sie durch das Erdbeben zunächst komplett von der Außenwelt abgeschnitten waren und der Tourismus in der Stadt fast ein Jahr komplett eingebrochen war, haben wir entschlossen unser Geld denen zu geben, die es nötig haben.

Kaikoura wurde durch das Erdbeben ganz schlimm getroffen. Touristen etc. mussten damals ausgeflogen werden, weil alles zerstört war. Der komplette Meeresboden dort ist ca. 2 Meter nach oben gekommen. Hügel sind verschwunden, neue sind plötzlich da gewesen. Tina meinte bei unserem letzten Treffen, dass man es an der Küste sehen kann was für ein Unterschied es ist. All die Felsen, die vor der Küste nun im Wasser zu sehen sind, die gab es nicht vorher. Die waren Unterwasser. Und davon sahen wir Hunderte!!! Und ein Geruch, schwer zu beschreiben, aber auch der kam mit dem Erbeben. Warum? Das haben wir uns auch gefragt, leider haben wir nur Vermutungen…

Okay, aber nun zum Delfinschwimmen. Wir hatten schon 2 Wochen im Voraus (Rest war ausgebucht) für Julia und Mich das Delfinschwimmen gebucht, Thomas wollte lieber nur vom Boot zuschauen. Ihm war das mit dem schnorcheln im offenen Meer nicht ganz geheuer. Wer kanns ihm verdenken, schließlich waren Tiefen von 300-1400 Meter unter uns. Wir fuhren morgens dort hin und bekamen unsere Ausrüstung, sprich kompletter Neoprenanzug, Flossen, Tauchmaske und Schnorchel. Danach wurde ein Film gezeigt. In dem wurde nochmal drauf hin gewiesen, dass die Tiere wild sind und sie nicht angefüttert werden oder dressiert sind und das es eben sein kann, dass sie einfach kein Bock haben zu spielen. Des weiteren wurde darauf hingewiesen, das die Tiere nicht angefasst werden dürfen und das die kompletten Einnahmen komplett in die Erhaltung des Nationalparks in Kaikoura geht. Also ne ganz tolle Sache.

Danach wurden wir in Busse gesteckt die uns zum Hafen brachten. Dort gings dann aufs Boot und los gings. Wir fuhren keine 5 Minuten da kamen schon die ersten Delfine auf uns zu geschwommen und sprangen an der Heckwelle des Bootes um die Wette…zu dritt…absolut synchron… der Hammer. Wir dachten nur, hey warum halten wir nicht an, hier sind doch Delfine. Aber das waren wohl nicht genug. Nach etwa 20 Minuten Fahrt hieß es dann, wir sollen uns fertig zum reingehen machen. Also machten wir uns fertig, zogen alles an, Masken auf. Dann schauten wir hinter uns und trauten unseren Augen kaum. Hinter uns war eine Gruppe von über 300 Delfinen. Das Signal ertönte und wir durften ins Wasser. Sie haben uns vorher gesagt wie wir uns verhalten sollen um auf uns aufmerksam zu machen, damit sie angeschwommen kommen. Und dies taten wir auch. Wir schwimmen los und versuchten laute Geräusche und Schreie

durch den Schnorchel zu machen. Und dann kamen sie.

Auf einmal waren sie neben einem, manche nicht mal einen Meter entfernt. Das war echt ein unglaublicher Moment diese schönen und intelligenten Wesen von so nah zu betrachten. Und weg waren sie wieder.

Das Signal ertönte und wir gingen wieder an Board. Das ganze ging 5 Mal so, wobei uns die Crew immer mehr ermutigte noch lauter zu sein und noch Aktiver, damit man noch attraktiver wird für den Delfin. Gesagt, getan, nur wisst ihr was? Es ist verdammt anstrengend!!! Wenn ein Delfin bei dir ist sollte man sich um seine eigene Achse drehen, oder im Kreis drehen, untertauchen und so weiter… das war so anstrengend. Und laute Töne machen… Leute, ich hab mich gefühlt wie ein Walross. Die Töne die aus meinem Schnorchel kamen waren laut Julia verdächtig ähnlich!

Leider ging auch die Zeit vorbei und wir gingen das letzte Mal an Board um dann noch einige Fotos von den Delfinen vom Boot aus machen zu können. Insgesamt sahen wir 3 verschiedene Delfinarten. Den gewöhnlichen Delfin, den Hektordelfin und den Dusky Delfin, der mit seinen Akrobatischen Kunststücke nicht zu übersehen war. Als wir dann wieder zurück fuhren hatten wir alle ein Glitzern in den Augen. Es war sooooooo schön!

Noch am selben Tag fuhren wir weiter in Richtung Christchurch, wo Thomas seine letzte Campingnacht verbrachte, in der es übrigens kräftig Gewitterte, was irgendwie in Neuseeland super selten ist.

Abschied von Thomas

Am nächsten Tag fuhren wir nach Christchurch, wo er ins Hotel eincheckte, anschließend brachten wir sein Auto weg. Den letzten Abend verbrachten wir erst auf dem Nachtmarkt in Christchurch, wo wir leckere Delikatessen aus aller Welt probieren konnten und danach auf ein letztes Bier in ein Pub. Wir ließen die Zeit Revue passieren und dankten ihm für sein Kommen.

Am nächsten Tag brachten wir ihn zum Flughafen. Der Abschied war verständlicher Weise echt schwer.

Es war eine richtig super Zeit mit Thomas und wir haben so viele schöne Momente mit ihm gehabt und konnten mit ihm gemeinsam Neuseeland weiter entdecken und ihm den Zauber unserer liebsten Orte zeigen. Er war unser absoluter Superhero, da er sich auf so ein Abenteuer eingelassen hat: so viele Stunden Flug und dann einen Monat im Zelt schlafen, auf Campingplätzen sein, die zum Teil nur ein Plumpsklo haben und das in seinem sauer verdienten Urlaub. Aber Camping ist einfach eine der besten Möglichkeiten die Schönheit von Neuseeland zu entdecken. Danke Thomas, dass du uns besucht hast und all diese tollen Eindrücke mit uns geteilt hast! War eine super Zeit!!!

Autoverkauf

Die letzten 11 Tage hatten wir uns in eine AirBnb Unterkunft eingemietet. Es war ein komplettes Studioappartment komplett für uns allein. Und sogar günstiger als der Campingplatz in der Stadt. Wir wollten in Ruhe alles aus dem Auto räumen und packen sodass wir das Auto tiptop fertig für den Verkauf machen konnten.

Ich glaube das war mit Abstand die blödeste Zeit die wir in Neuseeland hatten. Wir warteten Tagelang wie in Trance darauf, dass sich ein Interessent meldet und sich das Auto anschauen will. Denn der eigentliche Automarkt, ein Markt wo man sich mit dem Auto hinstellt und die Interessenten vorbei kommen und sich die Autos anschauen, den gab es garnicht mehr. Dummerweise haben wir das auch erst rausgefunden, als wir schon alles von Christchurch gebucht hatten. Somit waren wir gezwungen das Auto verglichen mit Auckland zum Schleuderpreis anzubieten.

Ums kurz zu machen, nach 8 richtig blöden Tagen haben wir das Auto endlich verkauft. Es war ein älteres deutsches Pärchen, keiner von den Teenies die wir eher vermutet haben.

Ansonsten verbrachten wir die paar letzten Tage damit, uns Mental auf den Abschied vorzubereiten, aber auch die Vorfreude zu haben wieder ein neues Land entdecken zu können. Und dann war es auch schon so weit. Am 7 Februar 2018 ging es weiter. Der Abschied fiel uns sehr schwer. Aber wir sind uns ziemlich sicher, das war nicht das letzte mal Neuseeland!!!

Wir flogen über die Südinsel und konnten noch von oben auf denn Tasmanglacier schauen, den, auf den wir mit dem Heli geflogen sind, sahen die Westküste langsam schwinden…in Richtung des nächsten Ziels: Singapur!

Zurück in Neuseeland

Sorry Leute für die lange Zeit, in der Ihr nicht mehr von uns gehört habt. Allerdings sind wir ja wieder unterwegs und das Internet nicht immer das Beste. Daher haben wir einige Bilder schon hochgeladen, der Rest kommt bei besserer Verbindung!

Nach Bali wurden wir wieder von unserer ehemaligen Arbeitskollegin Tina am Flughafen in Blenheim abgeholt. Sie war ganz interessiert unsere Stories zu hören und wollte gerne noch etwas trinken gehen. Da wir jedoch zuerst unseren Campervan abholen wollten (zur Erinnerung wir konnten ihn in der Garage von unserer vorigen WG parken), baten wir sie uns dorthin zu fahren. Wir hatten unserem Vermieter bereits einen Tag zuvor Bescheid gesagt, wann wir ankommen würden und dass er die Garage bitte aufschließen solle. Als wir ankamen war der Vermieter nicht da, aber die Garage war unverschlossen, sodass wir unser Zuhause auf vier Rädern direkt raus fahren und in Augenschein nehmen konnten. Lief alles ohne Probleme an und sah unverändert aus. Topp!!!! Kurz danach kam dann auch Peter unser EX-Vermieter.

Wir tauschten ein paar Sätze aus und verabredeten uns für morgen zum Essen.

Wir übernachteten die Nacht auf einem Campingplatz in der Nähe von Blenheim und waren nicht überrascht das wir den letzten Platz bekamen. Alles voller Deutscher Teenies, die offenbar um Blenheim herum arbeiteten und dort auf dem Platz „wohnten“. Na super dachten wir uns, aber so war es eben. Am nächsten Tag bereiteten wir uns vor wieder im Camper zu leben und gingen Abends zu Peter in das Haus, wo er uns zum Abendessen eingeladen hatte und uns auch seine neue Freundin vorstellen wollte! Japp, genau, und nein es ist nicht Megan, die Frau, mit der er Kimberly betrogen hatte sondern Cindy, Kimberlys beste Freundin. Oder zu dem Zeitpunkt irgendwie verständlicher Weise ehemalige beste Freundin.

Der Abend war wieder relativ Aufschlussreich, allerdings wollen wir da auch nicht sooo drauf eingehen. Was wir toll fanden, er hat extra für uns nach Pauas getaucht, sehen aus wie Muscheln, sind allerdings Schnecken und in anderen Teilen der Welt als „Abalone“ bekannt. Diese sind in Neuseeland eine Delikatesse und sehr teuer, und vor allem schwer zu bekommen, da sie nicht eben im normalen Supermarkt angeboten werden. Das war für uns natürlich eine große Ehre. Aus den Pauas machte er teils eine Vorspeise, teils eine Sauce zu Nudeln.Absolut lecker!!!

Was wir allerdings nicht so toll fanden war seine neue Freundin Cindy. Sie war uns halt einfach nicht so sympathisch, keine Ahnung. Auch sein Kumpel war da (der wohl auch sehr wohlhabend war) und dieser trank mit Cindy und auch Megan (japp genau, die mit der er Kimberly betrogen hatte kam später auch noch dazu) mal eben 3 Flaschen Gin zu einem Preis von 100$ pro Flasche, an einem Sonntag wohlgemerkt. Nun ja, letztendlich haben wir uns das Essen schmecken lassen und sind dann auch nach 2 Stunden wieder gegangen, irgendwie war das nicht unsere Welt. Gelernt hat er wohl nix der Kerl. Auch wäre unserer Meinung nach Megan die bessere Wahl gewesen…

On the Road again!

So nun aber weiter. Am nächsten Tag starteten wir wieder unseren Trip on the road um die Südinsel zu erkunden.

Unser erstes Ziel war die Titirangibay, welche wirklich auch traumhaft schön war. Wir hatten sogar die Möglichkeit, da der Campingplatz direkt auch das Weidefeld von Schafen ist, direkt dabei zu sein, wenn die Schafherde mit Hunden zusammengetrieben wird. Es war sehr beeindruckend, vor allem, da die Befehle an die Hunde verschiedene Pfeifgeräusche des Farmers waren. Und am nächsten morgen aufzuwachen und als erstes eine tolle Aussicht und ne Schafsherde neben dem Auto zu haben war absolut toll! Leider hatten wir in der Nacht Sturm, sodass wir entschlossen wieder weiter zu fahren. Wir entschieden uns nochmal in die Elainebay zu fahren, irgendwie hats uns diese Bucht angetan. Dort sahen wir sogar Delfine, als wir einen Wanderweg dort liefen. Einfach traumhaft. Allerdings hatten wir sogar etwas Zeitdruck und konnten da nicht so lange bleiben, da Julia den Abel Tasman Coastal Track gebucht hatte, noch vor Bali.

Bevor wir den Track machen wollten, wollten wir nochmal in Nelson einen Zwischenstopp machen, einfach um uns richtig darauf vorzubereiten und auch die letzten Dinge einzukaufen. Schließlich haben wir so etwas noch nie gemacht.

Übernachtet haben wir mitten in der Stadt, so wie viele andere Camper auch. Es war zu dieser Zeit noch geduldet auf einem großen Parkplatz zu nächtigen. Allerdings gab es drum herum einige Bars und Clubs. Wir haben ein paar Bewertungen über diesen Platz gelesen, dass es gerade am Wochenende immer wieder Zwischenfälle gab, wo Camper geweckt wurden weil besoffene Jugendliche gegen das Auto schlugen oder traten. Ich dachte darüber nach, ob wir es riskieren sollten, allerdings sah ich die Menge an Camper, die dort standen und wir entschieden uns zu bleiben,obwohl es Wochenende war. Die Wahrscheinlichkeit das die ausgerechnet uns aussuchten schien doch sehr gering. Nun ja, was soll ich sagen, hätte ich mal lieber Lotto gespielt. Es kam wie es kommen musste, um 2.30 Uhr morgens wurden wir von einen lauten Schlag geweckt. Ich schaute aus dem Fenster und sah noch nen halbstarken Typen besoffen wegrennen. Den hätte ich aber bei bestem Willen nicht mehr bekommen. Bis ich es endlich aus dem Van geschafft hätte, wäre er eh über alle Berge. Ich schaute noch ne Weile aus dem Fenster und wollte eigentlich aufs Klo, allerdings waren da noch einige Jugendlich auf dem Parkplatz, die dort rumlungerten und sich dann anfingen zu prügeln. Kurze Zeit später kam auch die Polizei und etwa ne halbe Stunde später war dann alles schon vorbei. Wir stiegen aus um aufs Klo zu gehen, allerdings ging ich ums Auto rum und schaute ob es beschädigt sei, da wo ich den Schlag vermutet habe. Gottseidank war da nichts. Also stiegen wir wieder ein und schliefen weiter. Am nächsten Morgen standen wir auf und ich lief hinten um das Auto um die Vordertür aufzuschließen. Joah, da traf mich dann auch der Schlag. Eine riesige Beule samt Stiefelabdruck war auf der Kofferraumklappe zu sehen. Ich fluchte und zeigte das Julia und wir waren absolut sauer. Aber es half nix, das Ding war nun da. Wir versuchten es nicht so schwer zu nehmen, es ist ja nur ein Auto.

Abel Tasman Coastal Track

Wir fuhren nach Marahau und packten die letzten Sachen in unsere Rucksäcke. Wie gesagt, Julia hatte den Track noch vor Bali gebucht, also besser gesagt die Hütten. Der Track ist eine Mehrtageswanderung und insgesamt etwa 60km lang, den man in 4 oder 5 Tagen läuft. Man hat die Möglichkeit auf Campingplätzen zu schlafen oder in teureren Hütten. Camping ist nur im Zelt möglich, welches wir dann noch extra hätten kaufen müssen und vor allem auch mitschleppen. Genauso wie Isomatten. Da wir das nicht wollten buchten wir die Hütten.

Mit ca. 20 kg auf dem Rücken starteten wir los. Eingepackt hatten wir neben ein paar Wechselklamotten Schlafsack, Gaskocher, Ersatzkartusche, ein kleinen Topf, 8 Packungen Uncle Bens Reis, 2 Packungen gewürzten Couscous, Pumpernickel (den hat uns eine gute Freundin aus Deutschland geschickt) und Schmelzkäsescheiben. Gestellt wurden ein Kamin, Feuerholz, normale Toilette, Trinkwasser, Matratzen.

Nun ja wir wussten wirklich nicht was uns erwartet und waren sehr gespannt auf alles. Julia hatte 4 Hütten gebucht so hatten wir im Durchschnitt ca. 12 km pro Tag zu laufen. Mit den 20 kg auf dem Rücken. Berg hoch. Berg runter. Teilweise am Strand entlang. Leute, ich kann euch sagen, es war ne tolle Sache. Na klar war das anstrengend, aber es hat sich gelohnt. Die Natur, die traumhaften Strände, das Meer, die Tierwelt und auch eben die mentale Seite einer solchen Wanderung haben es zu einem ganz besonderen Erlebnis gemacht.

Als wir Abends in der ersten Hütte ankamen, waren wir sehr überrascht wie groß die Hütte sei. Es waren 5 oder 6 Mehrbettzimmer mit jeweils 5 Stockbetten enthalten und ein großer Raum mit Kamin. Auf einer Seite des Raumes waren Spülen und Platz zum kochen, auf der anderen Seite Stühle und Tische.

Wir suchten uns ein Zimmer, jeder ein Bett und zogen uns ein paar gemütliche Klamotten an bevor wir in denn großen Raum zum Abendessen kochen gingen. Ich muss noch mal zum Verständnis klar stellen, mit Gaskocher meine ich einen Kofferkocher mit einer Kochstelle. Ein riesiges und auch schweres Ding. Wir kochten unser Essen…es gab Reis! Dann schaute ich zu einem Pärchen rüber, die auch kochten. Sie sagte gerade was zu ihrem Freund und zeigte auf uns! Ich habe nicht gehört was sie sagte, aber ich dachte das es was in die Richtung, schau mal die haben das schwere Ding da mitgeschleppt, sein konnte. Okay, die waren erstmal unten durch dachte ich. Es waren… wen wunderts, Deutsche! Wir setzten uns also an einen Tisch, wo nur zwei andere saßen. Wir unterhielten uns während dem Essen mit beiden, die eine Deutsch wie sich raus stellte, die andere Schweizerin, beide allerdings schon Richtung 40 schätzen wir. Die Deutsche hat sich mit nem Wassertaxi an die Zweite Hütte fahren lassen und ist von dort in die anderer Richtung unterwegs. Also mit nur dieser einen Übernachtung. Die Schweizerin, nennen wir sie mal Andrea, war ne lustige Gesprächspartnerin. Erst in der ersten Hütte fanden wir heraus, dass viele nur einen Teil des Tracks laufen und eben nicht alle Tage. Andrea aber lief den ganzen. In unsere Richtung. Cool, also wussten wir wen wir in der nächsten Hütte wiedersehen würden. Am nächsten Tag ging es weiter. Als wir am Abend in der Hütte ankamen saß Andrea schon am Tisch und unterhielt sich mit einem anderen jungen Deutschen Pärchen. Wir bezogen unsere Betten, die diesmal alle in insgesamt 2 Räumen aufgeteilt waren. 14 Betten in einem Raum, 7 Matratzen nebeneinander in einer Reihe. Das wird interessant heute Nacht dachte ich, hoffentlich haben die sich alle Ohrenstöpsel mitgebracht, die werden sonst nicht neben mir schlafen können. Wir setzten uns zu Andrea an den Tisch und schwätzten mit den Deutschsprachigen. Nach einer Weile kam auch das andere Deutsche Pärchen von gestern in den Raum, somit wussten wir also, das sie wahrscheinlich auch den gleichen Weg hatten.

Im Laufe des Abends kamen wir mit dem Pärchen ins Gespräch.

Janina und Christian waren wie gesagt in unserem Alter. Und im Laufe der Gespräche wurden sie immer sympathischer. Chris angelt auch, selbst in Deutschland, mag alles was mit Licht zu tun hat und Nina war auch gleich auf Julias Wellenlänge. Also kurzum, es war so nett mit den Zweien, dass wir am nächsten Tag von der Lodge 2 Stunden zusammen bis zur nächsten Hütte gelaufen sind und uns unterhalten haben. Lodge fragt ihr euch? Japp, so haben wir auch geschaut. Tatsächlich erfuhren wir, dass es auf dem Weg eine Lodge gibt, bei der man eben auch essen kann. Nach 6 Mal Reis in Folge war die Aussicht auf einen leckeren Burger natürlich sehr anspornend, auch wenn ein kleiner Umweg dafür in Kauf genommen werden musste.

Am nächsten Tag hatten wir den größten Marsch vor uns. Der Weg war mit 6 Stunden laufen angegeben, allerdings mussten wir erst warten, bis Ebbe war, da der Weg direkt nach der Hütte durch einen Wasserarm ging, der eben nur frühstens 1 Stunde vor Ebbe und 1,5 Stunden danach zu überqueren ging. Also hieß es erstmal warten, da es frühstens um 12 losgehen konnte. War schon sehr interessant, jeder hat ein anderes Tempo drauf, und jeder ging immer los wann er wollte, nun war es anders. Als es langsam auf die 12 Uhr zuging wurden die Leute ungeduldig. Irgendwann ging ein Junges Mädel los, offensichtlich hatte sie Zeitdruck. Die Wassertaxis fuhren von einer 2 Stunden entfernten Bucht. Jedenfalls wollte sie nicht länger warten und lief ne halbe Stunde vorher los. Das Resultat daraus war, das sie wirklich bis zur Hüfte im Wasser stand. Wir entschieden uns dann doch lieber noch etwas zu warten. Den langen Weg gingen wir komplett mit Nina und Chris was echt toll war, so konnten wir uns gegenseitig kennenlernen und die Zeit verging wie im Flug. Nach einem wirklich anstrengenden Marsch kamen wir in der letzten Hütte an. Und die war wirklich toll! Gebaut in 1896 war es eigentlich ein Wohnhaus einer Farmersfamilie gewesen. Es war wirklich total urig und gemütlich. Sie war deutlich kleiner als die anderen, mit weniger Betten. Das lag daran, dass viele eben nur einen Teil des Walks laufen und meistens eher die ersten Hütten mitmachen. Jedenfalls haben wir deutschsprachigen alle in einem Zimmer geschlafen. Und wir haben alle absolut toll geschlafen. Am nächsten Tag mussten wir wieder 3 Stunden zurück laufen, da die Wassertaxis nur bis dahin gefahren sind und uns dort abgeholt haben. Andrea musste in die andere Richtung, da sie ein Busshuttle gebucht hatte. Also waren wir nur noch wir 4. Wir verabredeten uns für die nächste Nacht auf einen Campingplatz mit heißer Dusche zu gehen und gut zu Essen und natürlich auch zu trinken.

Dann wurden wir abgeholt und fuhren mit dem Wassertaxi zum Parkplatz, wo unser Auto (leider immernoch mit Beule) stand. Dort gönnten wir uns erstmal einen Kaffee im angrenzenden Cafe.

Für uns war dieser Walk eine ganz tolle Erfahrung. Die Landschaft war wunderschön mit Goldenen Stränden und Natur pur! Während wir in Blenheim auf dem Weinfeld gearbeitet haben, haben wir das Hörbuch „Ich bin dann mal Weg“ von Hape Kerkeling gehört. Das Buch ist im Grunde eine Erzählung seiner Erfahrungen, die er gemacht hat während er den Jakobsweg gelaufen ist. Wirklich empfehlenswert. Jedenfalls haben wir einige Passagen in dem Walk wiedererkannt… Probleme, tolle Dinge… etc. Ich war sehr froh, dass Julia mich dazu überredet hat.

Motueka

Wir verstanden uns so gut mit Janina und Christian, das wir nach der ersten Nacht noch zwei weitere Nächte auf einem anderen Campingplatz verbrachten und Tagsüber versuchten zu angeln. Leider hatten wir keinen Erfolg. Julia und Ich blieben noch zwei Tage in Motueka und versuchten unser Glück während die anderen zwei weiterfuhren. Jedenfalls trafen wir uns nach den 2 Tagen noch mal um nen lustigen Abend zu haben. Wir beschlossen Weihnachten zusammen in Christchurch zu feiern. Und dann fuhren wir los.

Wir entdecken die Südinsel

Von Motueka/Nelson fuhren Julia und ich dann durchs Landesinnere an die Nördliche Westküste. Wir machten einen Stopp auf einen Campingplatz in Mokihinui um es mit dem Angeln nochmal zu probieren. Und tatsächlich war es der Erfolgreichste Fang unserer Neuseelandreise. Julia fing ganze 3 Kahawais, ich einen, alle ca. 2 kg schwer und ca. 65 cm groß. Zwei weitere sind uns leider von der Angel abgesprungen und einer war schon aus dem Wasser, ist dann aber an Land vom Haken gehüpft und hat sich ins Wasser gezappelt, leider hab ich ihn nicht mehr bekommen. Egal, 8 kg Fisch, läuft. Zwei davon hab ich filetiert, die zwei anderen Tiefgefroren und später Suppe daraus gemacht. War echt klasse!

Dann schauten wir uns in Karamea Kalksteinbögen an.

Wir nahmen natürlich noch andere Sehenswürdigkeiten an der Westküste mit wie zum Beispiel die Pancake-Rocks, Felsformationen, die aussahen, als wären es verschiedene Platten die aufeinander gestapelt worden sind, wie ein Pfannkuchenstapel eben oder sonstige Aussichtspunkte und fuhren auf dem berühmten Westcoasthighway, der auch ausgezeichnet wurde als einer der schönsten der Welt. Dann fuhren wir von Greymouth über den Arthurs Pass nach Christchurch. Der Arthurs Pass war in sofern gut, da man dort Kea´s, Alpine Papageien sehen konnte wenn man Glück hat. Die Keas sind sehr vom aussterben bedroht und es gibt nur noch ca. 2000 Stück. Wir gingen ins Visitorcenter um zu fragen welchen Track wir nach oben maschieren müssen mit der größtmöglichen Chance Keas zu sehen. Grinsend meinte der Mitarbeiter das wir dazu eigentlich nur zum Restaurantcafé des Dorfes 200 Meter vom Visitorcenter entfernt gehen müssen, die werden meistens durch die Speisen der Gäste angelockt und hoffen darauf, dass sie einen Happen erhaschen können. Okay, mit solch einer Antwort haben wir nicht gerechnet, allerdings ist das mittlerweile leider Realität. Also gingen wir dort hin und sahen auch direkt zwei Keas die „Kaffee tranken“ (Video davon in unserem Youtubekanal).

Wir entschieden uns weiter zu fahren.

Nach einem kurzen Vorräte-wieder-auffüllen-Zwischenstop in Christchurch steuerten wir unser nächstes Ziel an.

Oamaru

Wir haben von verschiedenen Quellen gehört, das man besonders in Oamaru den kleinsten Pinguin der Welt, den Little Blue Penguin sehen kann. Und abgesehen von den Pinguinen ist Oamaru die Hauptstadt des Steampunks. Für die, die nicht wissen was das ist, googlet einfach mal danach, so wirklich erklären kann ichs auch nicht. Zurück zu den Pinguinen. Wir hörten, dass es einen Campingplatz direkt an Hafen gibt, auf dem sogar welche unter der Küche wohnen sollten. Also nix wie hin. Tatsächlich war ein kleiner Pinguin unter der Treppe der Küche und wartete auf seine Eltern. Die Pinguine kommen in der Abenddämmerung ans Land um die Beute an die Kleinen zu verfüttern. Also war es klar, einfach warten bis wir sie sehen.

Als es dann Abend wurde war der Campingplatz wie ausgestorben. Alle waren vor dem Campingplatz an der Wasserkante des Hafens um Pinguine zu entdecken. Und je dunkler es wurde, umso mehr kamen auch aus dem Wasser. Es war total toll zuzusehen wie die kleinen Geschöpfe tollpatschig dastanden, sich putzten und dann anschließend los watschelten um zu ihrem Kind zu kommen, die schon sehnsüchtig schrien.

Wir waren relativ lange da um das Geschehen zu beobachten, was wirklich toll war. In unseren Augen ein persönliches Highlight unserer Reise in Neuseeland.

Dunedin

Nach Oamaru ging es weiter nach Dunedin. Diese Stadt liegt direkt am Otago Peninsula wo wir als erwähnenswertes Highlight einen Zwischenstopp an einem Albatros Center machten um Albatrosse anzuschauen. Allerdings kostete dieses Center enorm viel Eintritt, weshalb wir entschieden sie aus der Ferne zu beobachten. Leider war das dann wiederum so weit, dass man nichts sehen konnte. Aber ein paar Meter weiter war eine kleine Beobachtungshütte, wo man den vom aussterben bedrohten Yellow-Eyed-Penguin, dem Gelbaugenpinguin beobachten kann, falls gerade einer zufällig an Land kommt. Wir hatten Glück! In dem Moment, in dem wir gerade da waren, kam einer aus dem Wasser gewatschelt, putzte sich, und watschelte zu seinem Kind. Echt ein tolles Erlebnis!

Die nächsten Tage fuhren wir weiter in den Süden. Wir schauten uns den Nuggetpoint mit seinen tollen Klippen an und schauten uns die McLean-Falls im Catlins Forrest an bevor wir weiter nach Invercargill/Bluff fuhren. Dort regnete es die ganzen Tage und wir kamen endlich dazu unseren Blog etwas abzudaten.

Dann ging es weiter ins Landesinnere. Wir machten Halt in Alexandra und Clyde und machten eine Fahrradtour auf dem dort berühmten Railtrail, ein Fahrradweg auf einer alten Bahnstrecke. Da ich schon immer mal E-Bike ausprobieren wollte, war das auch ne tolle Gelegenheit. Es hat määääächtig Spaß gemacht. Auch Julia, die sich für ein normales Bike entschieden hatte, hatte viel Spaß. Die Landschaft war total abgefahren, total was anderes was wir an der Küste gewohnt waren. Total staubig, trocken, felsig. Und heiß hatten wir es. War eine tolle Tour!

Was ich an Alexandra so toll fand war die Uhr, die im Berg ist ähnlich wie dieser Hollywoodschriftzug in Hollywood. Nur die Leute in Alexandra waren smarter, die hatten wenigstens noch den Nutzen die Uhrzeit zu sehen!

Lake Pukaki

Weiter ging es über Omarama und Twizel zum Lake Pukaki, von welchem man eine tolle Aussicht auf den Mt. Cook hatte. Leider war das Wetter etwas wolkig und dort, wo der Mt. Cook eigentlich ist, war er nicht zu sehen, da eine dicke Wolkenwand davor war. Lustigerweise wussten wir das allerdings nicht. Daher hielten wir irgendeinen andern Berg der n bissl mit Schnee bedeckt war für den Mt. Cook.

Aber dennoch war das einer der schönsten kostenlosen Campingplätzen, die wir gesehen haben.

Weiter ging es über Lake Takepo und Timaru Richtung Christchurch, da wir uns mit Nina und Chris verabredet haben, in Christchurch Weihnachten zusammen zu feiern. In Timaru haben wir uns abends nochmal Pinguine angeschaut, dort fanden wir toll, dass da einer war mit ner Warnweste, der geguggt hat, dass man den Pinguinen nicht zu nah kommt und vor allem ohne Blitz fotografiert wird, was man sämtlichen Chinesen erklären musste.

Weihnachten bei den Raikaia Huts

Wir entschieden uns Weihnachten auf einem günstigen Campingplatz am Meer zu verbringen. Ich wählte den Platz bewusst aus, da ich hoffte mit Chris dort angeln gehen zu können. Auch hörten wir, dass gerade Lachssaison ist und es möglich ist, dort eben Lachse zu fangen. Dafür hätte ich eine Tageslizenz kaufen müssen, aber das wäre natürlich nicht das Problem. Problem war viel eher, dass uns die Locals davon abrieten, da man unbedingt ne Schwimmweste tragen muss dort, da das Meer dort sehr unberechenbar sei und einen wirklich verschlingen kann, da genau dort eine Kante unter Wasser ist und man aus dem Sog sonst nicht mehr raus kommt wenn einen einmal eine Welle erfasst hat. Auch vom baden im Meer wurde uns abgeraten. Na toll dachten wir uns, so n selbst gefangener Lachs wäre schon ein geiles Highlight gewesen zu Weihnachten.

Direkt an Heilig Abend verbrachten wir den Tag mit essen quatschen und trinken. Mittags unternahmen wir einen Spaziergang am Steinstrand und hatten tatsächlich unser Weihnachtswunder. Als wir am Strand saßen und die Sonne genossen (es war nicht so war an dem Tag, da waren die Sonnenstrahlen zum aufwärmen klasse), schwamm direkt vor unseren Augen ein Schwarm der sehr seltenen und kleinsten ihrer Art vorbei: Hektordelfine!!! Wie genial war das denn eigentlich. Wir haben überhaupt nicht damit gerechnet und sie waren so nah am Strand! 🙂

Wir verstanden uns sehr gut mit dem Hausmeister dort und der schenkte uns ein paar Lachsfilets, die er gefangen und geräuchert hatte.

Somit gab es am Heiligabend Rinderbraten, dazu machte ich Kartoffelklöße und Sauce. Den Lachs gabs am ersten Weihnachtstag, und dazu gabs die übrigen Klöße vom Tag davor, angebraten! Sau lecker! Und was gabs noch? Selbst gefangene Forelle! Irgendwie hat es Chris etwas gewurmt, dass wir nicht auf Lachs angeln konnten, so ist er eben fix an einen Flussarm vor dem Campingplatz gegangen, hat ein paar mal seine Angel reingeworfen und nach 5 Minuten hatte er ne richtig fette Forelle rausgezogen! Ein absolutes Festmahl! Am zweiten Weihnachtstag verabschiedeten wir uns und fuhren nach Christchurch zum Flughafen, um Thomas am Flughafen abzuholen, Julias Bruder.

Frohes Neues Jahr!

Hallo ihr Lieben,

 

als erstes wünschen wir euch ein Frohes, Neues Jahr! Vor lauter „Reisestress“ kamen wir gar nicht dazu, euch hier auf den neusten Stand zu bringen. Zu Weihnachten kam uns Julias Bruder Thomas besuchen und reist jetzt mit uns bis Ende Januar. Daher haben wir natürlich unser Reisetempo erhöht und haben noch weniger Zeit, was auch garnicht schlimm ist, da wir das Wetter, was hier echt schön ist, absolut genießen. Daher nehmt uns das bitte nicht übel, das ihr nicht viel von uns hört, wir genießen erstmal und melden uns wieder wenn wir schlechtes Wetter haben um euch von unseren Erlebnissen zu berichten!

Also, bis bald ihr Lieben, sweet as! 😉

Bali

Kleine Warnung am Anfang: der Artikel ist mal wieder laaaaaaaang. Aber ich weiß nicht wie ich so viele Erfahrungen kürzer fassen soll ohne alles weg zu lassen. Also holt euch erst mal einen Kaffee und lehnt euch gemütlich zurück 🙂 Des weiteren haben wir auch ein Update bei den Bildern gemacht!

Endlich war es soweit: Baaaaaaalllllliiiiiii wir kommen! Wir haben uns schon die ganzen Wochen zuvor gefreut, natürlich einmal auf die Insel, aber vor allem auf Denise und David! Die beiden sind zeitgleich von Deutschland gestartet, am selben Tag wie wir, und haben ein Jahr work and travel in Australien gemacht. Dort haben sie sich auch einen Camper gekauft und sind damit einmal um ganz Australien gefahren und haben noch für 4 Monate gearbeitet. Wir waren in regelmäßigem Kontakt mit den beiden über die tolle Whatsapp Aufnahmefunktion und haben uns Nachrichten aufgesprochen und zugesendet. Das war ne super Sache, da wir mit ihnen natürlich unsere direkten Reisebuddys hatten, auch wenn sie mehrere tausend Kilometer von uns entfernt waren. Wir kannten exakt dieselben Hürden und Probleme, die beim Reisen da so auftreten können und haben tolle Erlebnisse geteilt und uns alle gleich doppelt gefreut. Bali war unser Treffpunkt auf der Erde, wo die Weltenbummler sich persönlich wieder sehen 🙂

Flug nach Bali

Wie wir ja schon geschrieben haben, mussten wir am Tag des Abflugs sehr früh raus und sind dann erst mal vor verschlossenen Türen am Flughafen in Blenheim gestanden. Danach ging das Einchecken und Gepäck aufgeben jedoch ziemlich schnell und easy, sodass wir einfach nur warten mussten. Unser erster Flug ging von Blenheim nach Auckland, mit Air New Zealand. Es war ne kleine Maschine und wir waren nach etwas mehr als ner Stunde auch schon da. Danach sind wir wieder mit Air New Zealand nach Sydney geflogen. Das war wirklich ein toller Flug: super viele Filme und anderes Entertainment, leckeres Essen und es gab, zu Michis großer Freude, Whisky-Cola umsonst. Das haben wir leider erst kurz vor der Landung entdeckt, sodass wir nur eine Runde bestellen konnten. Dieser Flug war wirklich toll. Danach hatten wir ziemlich lang Aufenthalt in Sydney. Uns wurde in Blenheim direkt gesagt, dass wir unser Gepäck nicht abholen müssen und wieder neu einchecken müssen, dass würde alles automatisch ablaufen. So hatten wir Zeit uns im Flughafen in Sydney die Beine zu vertreten. Unser nächster Flug ging mit Virgin Australia von Sydney bis nach Denpasar, mit einem Zwischenhalt in Darwin. Dieser Zwischenhalt war eine außergewöhnliche Sache. Dabei ging es nur darum nochmals die Maschine aufzutanken, wir blieben alle sitzen. Diese Auftankaktion war nur für den Fall, dass der Vulkan Agung in Bali, der zuvor seeeehr gebrodelt hatte, vielleicht ausbricht. Dadurch wäre es möglich gewesen im Ernstfall zu wenden und nen anderen Flughafen anzufliegen. An sich ne tolle Sache! Hat uns eineinhalb bis zwei Stunden mehr gekostet. Auch nicht tragisch. Jetzt kommt das ABER: Wir saßen an die acht Stunden in dieser Maschine und es war KEIN Essen inbegriffen! Klar man hatte sich für viel Geld was kaufen können, worauf es ja dann auch wohl oder über rauslaufen musste, aber so gar nix? Jetzt wissen wir: Virgin Australia ist ein reiner Transport-Flug, da darf man nicht mehr erwarten. Wir waren, wie ihr euch vorstellen könnt echt übermüdet und abgenervt und dann auch noch hungrig…. Schlechte Mischung. So waren wir heilfroh endlich angekommen zu sein und sind zum Gepäckband von unserer Maschine gelaufen. Dort standen wir und haben gewartet und gewartet und gewartet. Naja um es kurz zu machen, unserer Rucksäcke waren nicht dabei. Wir sind dann direkt in so ein kleines Servicebüro gegangen, was sich um solche Angelegenheiten kümmert. Der freundliche Mitarbeiter konnte dann raus finden, dass unser Gepäck noch in Sydney ist. In der Zeit kam eine andere Touristin und hat ihre Sachen abgeholt und sich riesig gefreut und dem Mitarbeiter gesagt, dass sie jetzt endlich nach ner Woche ihre Sachen wieder hat. Wir waren dann gleich höchst alarmiert und wollten natürlich wissen, wie lang wir jetzt auf unser Gepäck warten müssen. Er sagte, es werde am nächsten Tag mit der selben Maschine ankommen. Er schrieb uns noch eine Telefonnummer auf und ein Aktenzeichen, was uns alles doch gut organisiert erschien. Ich habe mir eine sehr wichtige Sache beim Flugzeugreisen angewöhnt: Ich habe immer eine Ersatzgarnitur Kleidung in meinem Handgepäck, sodass ich zumindest 1-2 Tage überbrücken kann. Auch Michi fand die Idee gut und hatte vorgesorgt.

Wiedersehen

So beließen wir das erst mal dabei und warteten auf Denise und David, die eine Stunde nach uns landen sollten. Wir stellten uns in die Eingangshalle. Dort waren Scharen von Menschen, die Namensplakate in die Höhe hielten und einen sofort ein Taxi anboten. Wir fanden das mit den Schildern ganz lustig und Michi hat mal wieder mit seinem Telefon gezaubert. So stand auf seinem Display groß und leserlich „Denise + David“. Naja, falls sie uns nicht wieder erkennen 😀 Und dann kamen sie. Och Leute, das war so schön die beiden wieder zu sehen. Das ist auch genau das, worauf ich mich in Deutschland am meisten freue: die Lieben wieder zu sehen! Wir haben dann noch fix Geld gewechselt und haben dann, nachdem wir von einer ganzen Horde Taxifahrer belagert und bequatscht wurden, den günstigsten Fahrer genommen (ja wir wissen jetzt, dass er immernoch viel zu überteuert war, aber er weiß schon, dass er mit der Müdigkeit der Urlauber richtig Kohle machen kann. Wer diskutiert noch lange, wenn er ins Hotel und Bett will? Naja, wir hatten schnell keine Lust mehr und sind dann halt mit). Die erste Unterkunft war in Seminyak, ein Hotel, was wir alle bereits im voraus gebucht hatten. Es war etwas teurer, aber wir wollten vor allem die erste Woche alle etwas ausspannen und keine faulen Kompromisse eingehen. Und ja das Hotel war echt toll und jaaaaaaa wir haben das ungewohnte Luxusleben in vollen Zügen genossen. Ein Badezimmer ganz für Michi und mich alleine, soooo toll! Ja in der WG hatten wir auch ne Weile keinen da, aber wir wussten, da kann jederzeit der Vermieter auf der Matte stehen und wieder einziehen oder ne schräge Party schmeißen. So war das nur ein wohlfühlen und entspannen mit sehr angezogener Handbremse. Wir wollten dann abends noch was essen gehen, was sich jedoch als schwierig entpuppte, da wir schon sehr spät dran waren (wir sind erst spät abends gelandet) und wir dann mit dem Taxi nach Kuta fahren mussten. Taxi sind wir in den vier Wochen sehr viel gefahren und da sind auch viele Lacher entstanden. Aber dazu später mehr.

Erste Woche in Seminyak

Eigentlich gibt es gar nicht so super großartig was zu berichten: wir haben entspannt, waren schwimmen im Pool und im Meer, das Wetter war eher wechselhaft, wir haben viel gegessen und Bintang (das bekannteste Balinesische Bier) getrunken und haben suuuuuuuuper viel gequatscht. Es war einfach toll! Seminyak an sich ist sehr touristisch und sobald wir vor den Hoteltüren waren mussten wir aufpassen nicht von einem Roller umgenietet zu werden. Die fahren dort und in Kuta nämlich scharenweise rum. Dadurch war es sehr laut und für uns das schlimmste: der Smog. Uns waren allen schön abwechselnd schlecht davon. Vor allem wenn man durch die Stadt zur Rush-hour-Zeit gelaufen ist oder während eine Veranstaltung war… Das haben wir noch nie so heftig erlebt wie dort. Dort fielen uns auch sofort ihre „Tankstellen“ auf, die meist aus einem Regal vor einem Shop bestanden, in dem Vodka-Absolut-Glasflaschen mit Benzin gefüllt standen.

Wie ich ja schon erwähnt habe, gab es viele Touristen. Vor allem Australier. Das australische Malle. Meistens, und das meine ich leider nicht übertrieben, haben wir sie betrunken angetroffen und dann haben sie sehr oft irgendwelche komischen Sachen gemacht, die laut sind und viel Aufmerksamkeit erregen. Da waren ein paar Fremdschämmomente drin. Aber naja, das hat ja weniger mit der Nationalität, als vielmehr mit dem Verhalten, was der Alkohol halt so auslösen kann, zu tun.

Ein Highlight für uns dort war der Waterboom Park, der größte Wasserpark in Asien mit vielen verschiedenen Rutschen. Wir sind wie die Kinder immer wieder die Treppen hoch gehastet, um eine weitere Rutsche auszuprobieren oder einfach nochmal zu rutschen. Das war echt super spaßig. Am Nachmittag haben wir uns dann im Bar-Pool ausgeruht und ne Cola getrunken 🙂

Unser Gepäck ist übrigens nicht mehr am darauffolgenden Abend zu uns gekommen, sondern den morgen darauf. Wir waren wirklich heilfroh nicht ne Woche oder mehr warten zu müssen!

Die Taxifahrten

Ich hab es ja vorhin schon angedeutet, die Taxifahrten waren zum Teil echt der Knaller. Es war super günstig, vor allem da wir den Preis durch vier teilen konnten und weil in Seminyak und Kuta das offizielle Blue Bird Taxiunternehmen fährt, das auf Taxameter läuft. Wir hatten ne App runtergeladen und konnten sie dann ganz bequem darüber bestellen. Michi hat sich natürlich darüber gefreut wie ein Keks, mein Technikliebhaber, hihi. Das war fair und wir mussten keine Preise vereinbaren. So hatte keiner das Gefühl über den Tisch gezogen zu werden. Diese Taxifahrten waren dann meist auch nicht so lange und wir und die Taxifahrer waren meist in Plauderlaune. Es gab ein paar Brüller, aber ich beschränke mich auf unser Highlight: Michi hat eine Offline-Navigationsapp auf dem Handy, die er meist auch im Taxi nutzt, um zu überprüfen, dass wir auch wirklich da hin gebracht werden, wo wir hin wollen. Ist wirklich praktisch. Naja und wir haben halt gerade so mit dem Fahrer über alles mögliche gequatscht und Michi sagt so: „Ei, wo willst ’n hin, du?“ Genau so, auf Deutsch und mehr als Spaß gemeint, weil die Gasse einfach sehr eng war. Die Reaktion des Fahrers: „ Yes,Sir, I am Hindu“. Diese Situationskomik war so urkomisch in dem Moment, dass wir alle anfingen loszuprusten. Im selben Moment, ist uns aber auch gedämmert, dass der arme Taxifahrer die Situation gar nicht versteht und denkt, wir lachen über seine Religion. Er war auch sichtlich irritiert und wir haben das sofort aufgeklärt. Auch er musste dann schmunzeln.

Von Seminyak nach Ubud

Nach der Woche Seminyak sind wir dann ins Landesinnere nach Ubud gefahren, Dort hatten wir uns zwei Zimmer in einem kleinen Homestay gebucht. Es war super günstig und wir waren gespannt was uns erwartete. Es wurde von einer Familie betrieben und Sami, der Vater, war ein super Gastgeber und hat sich super um alle unsere Fragen und Anliegen gekümmert. Wir waren nur für drei Nächte dort, und hatten den Plan uns so viel wie möglich an Kultur anzusehen. So sind wir nach der ersten Nacht, die seeeeeehr heiß war, da wir keine Klimaanlage im Zimmer hatten und es wirklich stehende Hitze war, mit einem offiziellen Taxi zu einem Tempel, eine halbe Stunde entfernt gefahren. Denise und ich haben von Sami einen Sarong bekommen, einen Rock oder Tuch was als Rock gebunden wird, das sowohl Männer als auch Frauen im Tempel tragen.

Als wir am Tempel Pura Tirta Empul ankamen, fragte uns der Fahrer noch ob er auf uns warten solle. Wir dachten, ach nö brauchen wir nicht, ist ja n touristischer Tempel, werden wir schon ein anderes Taxi finden. Das war ein großer Fehler, wie wir feststellen mussten. Am Eingang haben Michi und David ihre Sarongs ausleihen können. Die Tempel sind wirklich atemberaubend schön. Dort gab es die Möglichkeit einer Waschung in einem Teil des Tempels. Es gab in der Mitte einen riesigen Koi-Karpfenteich und die Verzierungen und die Statuen waren unglaublich schön. Wir hatten auch das Glück traditioneller Musik lauschen zu dürfen, die sehr viele Xylophon-ähnliche Instrumente beinhaltet. Ein Teil des Tempels war für Touristen nicht begehbar, da dort gebetet wurde und Opfergaben dargebracht wurden. Wir konnten sehen, wie die Frauen in riesigen Behältern Opfergaben auf dem Kopf in diesen Teil des Tempels trugen. Die Balinesen konnten den „normalen“ Ausgang nehmen (einfach da wo alle rein gekommen sind), die Touristen wurden von einem Wärter angewiesen den anderen Ausgang zu nehmen: den durch den Markt. Das hat leider den Zauber, den zuvor der ganze Ort ausgestrahlt hat, ziemlich zunichte gemacht und wir wurden von den Marktfrauen (Markt ist eigentlich Frauensache in Bali) vergleichsweise doch sehr belagert. So sind wir einfach schnurstracks durchgegangen. Auf dem Parkplatz hielten wir dann Ausschau nach einem der blauen offiziellen Taxis, doch es war nix zu sehen. Wir gingen ein Stück, sofort wurden wir von einigen Balinesen angesprochen, ob wir einen Transport haben möchten. Wir lehnten dankend ab (sie waren alle mit den Rollern unterwegs) und besprachen uns. Eigentlich war der Plan eine Reisterrasse anzusehen. Da wir jedoch ziemlich Hunger hatten, wollten wir erst mal essen. So entschieden wir an der Straße entlang einfach mal loszulaufen. Ein Mann auf einem Roller verfolgte uns sehr hartnäckig und fragte uns immer wieder wo wir hin wollen. Wir sagten ihm, dass wir was essen wollen. Er meinte er bringt uns hin, was wir dankend immer wieder ablehnten. Wir wussten nicht genau, was er von uns wollte und wollten eigentlich nur, dass er geht. Er erklärte uns, dass er sich sehr freue, sein Englisch zu üben. Er begleitete uns tatsächlich bis zum nächsten Restaurant und verabschiedete sich fröhlich. Dort aßen wir und fragten einen der Restaurantmitarbeiter, ob es eine Möglichkeit gibt uns ein Taxi zu rufen. Irgendwie reagierten er und dann auch der Kollege der dazu kam, ziemlich komisch und ging weg. Er kam dann nach ein paar Minuten mit einem traditionell gekleideten Mann auf einem Roller wieder. Dieser fragte uns, ob wir ein Transport bräuchten. Wir schauten ihn nur ungläubig an und sagten, dass wir zu viele für den Roller seien. Er meinte er habe auch ein Auto. Das kam uns irgendwie sehr komisch vor. Wir entschieden das abzulehnen und ein Fahrer über Uber zu bestellen. Auf der App kann man verfolgen wohin der angewählte Fahrer fährt und wie lange er ca. braucht. So hieß es, dass wir noch eine halbe Stunde warten müssten. Erst fuhr er auch in unsere Richtung, cancelte dann aber nach einer Weile die Fahrt. Wir versuchten es erneut. Das war alles sehr komisch. Als wir eine gefühlte Ewigkeit vor dem Restaurant gestanden hatten und wir keine Lust mehr hatten zu warten, gingen wir einfach zu Fuß los, nicht mehr zu den Reisterrassen, dafür war es durch die Sucherei und das Warten zu spät geworden, sondern zurück Richtung Homestay. Wir liefen nicht lang, da kam schon der erste auf dem Roller angefahren und bat uns einen Transport an, er habe auch ein Auto. Wir fanden das ganze irgendwie nicht so vertrauenswürdig und wollten ein offizielles Taxi haben. Da diese in dieser Region jedoch nicht anwählbar waren, konnten wir sie nicht über die App bestellen. So hofften wir an der Straße eins anhalten zu können. Um es kurz zu machen: Nach einem Typ, der unser Nein nicht akzeptierte und uns regelrecht aufgelauert ist hinter jeder Ecke, einem betrunkenen Fahrer, der ganz beglückt los lachte, als wir ihn fragten, ob er getrunken hätte und dutzend anderer, die uns einen Transport anboten, sahen wir endlich ein offizielles blaues Taxi. Der Fahrer hatte eigentlich schon Feierabend und das Taxameter schon aus, deshalb mussten wir handeln und wir wussten natürlich, dass er sich das so einstecken würde. War uns dann nach den vielen Stunden auch egal.

Das war der ausschlaggebende Punkt warum wir beschlossen hatten einen Fahrer für einen Tag anzuheuern. Denn außer dieser Möglichkeit bleibt einem nur das selber Fahren. Viele leihen sich wirklich kostengünstig Roller aus und erkunden die Insel auf eigene Faust. Ist natürlich eine super Freiheit. Wir hatten uns jedoch dagegen entschieden. Ich fühl mich überhaupt nicht wohl auf zwei Rädern (Michi: Damit meint sie nicht Fahrradfahren, damit nervt sie in letzter Zeit ständig!!!) und tatsächlich weiß ich nicht mal, ob ich bei dem Verkehr überhaupt Auto gefahren wäre. Aber dazu gleich mehr.

So fragten wir Sami nach einem Fahrer und er organisierte uns direkt für den nächsten Tag einen. Es war ein super junger, sehr schüchterner Mann (ich glaube 19?) und konnte so gut wie kein Englisch. Er ist wirklich gut gefahren und hat versucht auf unsere Wünsche bezüglich der Sehenswürdigkeiten einzugehen. Jedoch war die Schwierigkeit die Kommunikation. Wir waren total wissbegierig und wollten alles mögliche über die Religion und die Kultur wissen und er verstand uns leider einfach nicht. So wurde daraus eine naja schon etwas komische Nummer, da er uns von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit fuhr und davor auf uns wartete. Das war irgendwie so ne komische Rollenverteilung, die uns allen nicht so ganz gefiel und wir gaben uns große Mühe mit ihm in Kontakt zu sein und ihn einzubinden. Ich glaube es war nicht so erfolgreich, aber naja. So haben wir uns als erstes die Jatiluwih-Reisterrassen angesehen. Es ist unglaublich faszinierend, wie durchdacht die Wasserversorgung der Felder ist und wir hart die Bauern arbeiten müssen (sie machen fast alles von Hand oder haben tierische Hilfe). Es war echt beeindruckend da durch zu laufen. Außerdem haben wir einige kleine Holzhütten gesehen, in denen die Bauern zumindest übernachten. Ob sie darin auch wohnen wissen wir nicht so genau. Die Hütten waren echt winzig! Auf dem Weg zum nächsten Stopp ist in ungefähr zehn Meter Entfernung eine recht große Schlange über die Straße gehuscht. Ein echter Wow-Moment. Dann sind wir in einen Regenwald gefahren. Das Wetter wurde immer nebliger und es fing an zu regnen. Auf dem Weg, direkt über der Straße in den Baumkronen und auf dem Bürgersteig saßen Affen. Dort war natürlich auch ein kleines Häuschen, wo man Mais kaufen konnte, um die Affen zu füttern. Das haben wir nicht gemacht. Es lag noch so viel auf dem Boden herum, dass klar war, dass die Affen hier „bestens“ versorgt werden… Der nächste Stopp war die Tempelanlage Pura Ulun Danu Bratan. Diese war auch sehr schön. Der Nebel gab dem Ort nochmal eine ganz andere Atmosphäre. Der letzte Stopp war auf einem Hügelkamm, der dann der Gipfel unseres Touriausflugs war. Die Aussicht war traumhaft auf die beiden Seen Danau Tamblingan und Danau Buyan, die mit Bergen umzäunt sind, was natürlich als tolles Motiv für Selfies und Co dient. So waren Schaukeln aufgebaut und Herzen hinter die man sich stellen konnte und andere Dinge, um das Foto noch aufzupimpen. Das ist ja noch alles im Rahmen. Aber am Ende der Straße war ein Typ, der eine Python in einer Box und zwei Flughunde und eine Rieseneidechse auf Baumstämmen ausgestellt hatte (alles lebende Tiere). Man konnte sich für Geld mit einem Tier, dass man in die Hand oder um den Hals bekommen hatte, ablichten lassen. Sorry, aber sowas kann ich echt nicht leiden! Der Fahrer wollte uns dann noch auf eine Kaffeefarm bringen, wo man echten Luwakkaffee probieren kann und auch sehen kann, wie die Schleichkatzenart Fleckenmusangs die Kaffeebohnen, die sie zuvor gefressen haben, wieder unverdaut ausscheiden und daraus der Kaffee gebraut wird (keine Ahnung ob ich das jetzt richtig erklärt hab, aber ihr habt ne Vorstellung). Wir hatten zuvor bereits darüber gelesen, dass bei solchen Touristenplantagen, die Tierchen festgehalten werden, rumgezeigt und eben nicht artgerecht behandelt werden. Darauf hatten wir alle so überhaupt keine Lust. Auch irgendwie generell war die Luft nach dem letzten Touristopp und unseren immernoch offenen Fragen zu vielem was wir an diesem Tag gesehen hatten, raus. So fragten wir ihn, ob er uns in ein Restaurant fahren kann. Abends im Homestay fragte uns Sami natürlich wie unser Tag war. Wir erklärten ihm, dass wir uns etwas anderes erhofft hatten, mehr Informationen. So nahm er sich die Zeit und erzählte, ich glaube über eine Stunde, vom Hinduismus und seiner Kultur und beantwortete ausführlich unsere Fragen. Das war echt spannend und hat für uns in vielen Punkten die Augen geöffnet. Sami erklärte zum Beispiel, dass sie nur in den Tempel zum beten gehen sollen wenn sie glücklich sind. Er meinte, dass ist ein großer Unterschied zum Christentum. Da wird meist die Kirche zum beten aufgesucht wenn man Probleme hat und Hilfe sucht. Das kann man sicherlich nicht verallgemeinern, aber ich finde er hat das ziemlich auf den Kopf getroffen. Allein die Atmosphäre einer Kirche verglichen mit den Tempeln…. Es wirkt alles sehr fröhlich und bunt und so sind die Menschen auch: einfach unverkrampft fröhlich.

Taximafia

In Ubud erfuhren wir dann die Tage über auch was es da so mit dieser komischen Geschichte mit den privaten Transporten auf sich hat. Während in Seminyak und Kuta die Bluebirdtaxen sehr vertreten sind (und natürlich weitere) und das auch alles sehr offiziell abläuft, gibt es in anderen Orten lokal organisierte Gruppen, die den Transport organisieren. Das heißt, ein Bluebird darf zwar in ihrem Gebiet einen Fahrgast absetzten, aber keinen neuen mehr aufnehmen. Wir hatten in diesem Zuge auch gelesen, dass Uberfahrer generell nicht gerne gesehen werden und es sein kann, dass dieser von der lokalen Gruppe verfolgt und bedroht oder sogar verprügelt wird. Zwar wird dieses System mit der Gebietsaufteilung von der Regierung akzeptiert, uns kam es jedoch wirklich wie eine Mafia vor. Eines abends als wir direkt von Ubud zu unserem Homestay wollten, der etwas außerhalb war, bestellten wir wieder eines der blauen offiziellen Taxis. Daraufhin bekamen wir einen Anruf der Zentrale, die uns mitteilte, dass der Fahrer uns in diesem Gebiet nicht abholen könne, wir aber etwas aus der Stadt laufen müssten, dann wäre es machbar. Wir sahen, dass sogar ein Taxi mitten in der Stadt und David rannte direkt hinterher. Innerhalb einer Sekunde rannte nicht nur David dem Taxi hinterher, sondern auch zwei, dann sogar drei lokale Taxifahrer hinter David. Das Taxi hielt nur kurz an, um zu sagen, er kann hier niemand mitnehmen. Das Ende vom Lied war dann: wir mussten einen lokalen Fahrer nehmen, der natürlich einen deutlich höheren Preis wollte und nicht verhandlungsbereit war, die anderen die wir fragten zuvor auch nicht… Wir kamen sich schon echt abgezockt vor, weil sie genau wussten, dass wir ja früher oder später zusagen müssen, wenn wir ins Hotel wollen…

Verkehr

Noch ein Wort über den Verkehr: Es gibt Straßen, klaro, es gibt gaaaaaaaaanz viele Roller und es gibt Autos. Die Autos sehen sogar meist sehr neu und gepflegt aus, mit kaum Kratzer. Da sind die Autos in Neuseeeland verglichen dazu Schrottmühlen. Das hat uns sehr überrascht. Wie wir erfuhren sind die meisten Autos Mietwagen. Viele Balinesen springen auf den Touristenzug auf und mieten sich Autos um als Transport bzw. Privat-Taxi ihr Geld zu verdienen. Das scheint bei der Masse an Touristen auch eine rentable Geschichte zu sein. Aber Hauptverkehrsmittel ist der Roller. Und auf diesem wird alles draufgepackt was man sich vorstellen kann: vierköpfige Familie? Kein Problem! Fünfköpfige Familie? Auch kein Problem! Ein kompletter Imbiss, um dann mobil an den Straßen zu verkaufen? Na klaro! Pflanzengestrüpp (wir wissen nicht was es war), was den Fahrer fast vergrub? Aber hallo! Es gab ständig eine neue Kuriosität, die wir sahen und wir waren ehrlich begeistert wie gut sich die Balinesen mit diesem kleinen Gefährt in ihrem Alltags- und Berufs-Leben arrangieren und es zu nutzen wissen.Wir sind uns sicher, dass es Regeln auf der Straße gibt, wie die jedoch genau aussehen? Hm schwer zu sagen. Die ersten paar Tage war der Verkehr mit den vorbeibrausenden Rollern, die immer nur wenige Zentimeter Abstand zu anderen Fahrzeugen hatten, einfach nur ein Bild des Chaos. Wir waren so verwundert, dass nicht alle Naselang ein Unfall zu sehen ist, da wir oft den Eindruck hatten: „Oha, das war knapp, hätte fast gekracht!“ Tatsächlich jedoch sahen wir keinen einzigen Unfall in der ganzen Zeit. Also begriffen wir und auch das Hirn folgerte langsam, es gibt System in dem Chaos. Irgendwie scheint jeder auf jeden zu achten und jeder weiß, wo ne kleine Lücke ist, ist der nächste Roller, der sich durch quetscht nicht weit… 😀

 Gili Trawangan (genannt auch Gili Trallala oder Gili T)

Nach Ubud ging es nach Gili Trawangan. Dies ist eine kleine Insel und wir wussten, wir müssen da irgendwie mit dem Boot hin. Wir hatten die Tage zuvor schon die Augen nach Angeboten für die Bootsüberfahrt aufgehalten und verglichen. Und eigentlich wollten wir dann auch die Gesellschaft nehmen, die Sami uns vorschlug. Als wir dann jedoch etwas recherchierten, waren wir uns ganz schnell nicht mehr sicher, ob wir das machen sollen: sehr kleines Boot, die Chance auf hohen Wellengang ist nicht gering und Denise und ich sind nicht so seefest. Es gab auch weitere Aspekte, die uns nicht zusagten, aber ich möchte da gar nicht weiter in die Tiefe gehen. Wir haben dann echt lange recherchiert und dann am Abend vor unserer Abreise bei Sami doch ein anderes Boot gebucht und ihn gefragt, ob er uns einen Transport zum einstündig entfernten Hafen organisieren kann. Er rief daraufhin direkt wieder den Fahrer an, der mit uns den Touritag machte, was wir gut fanden. Er ist echt gut gefahren. So fuhren wir am nächsten Tag zum Hafen mit dem Vorhaben, dass auch wenn wir bereits Geld für die Überfahrt überwiesen hatten, nicht auf ein altes baufälliges Boot steigen, was uns möglicherweise nicht sicher erscheint. Leider gab es immer wieder Unfälle in der Vergangenheit und deshalb genug Horrorszenarien. Wir hatten uns für den Patagonia Xpress entschieden. Das Einchecken lief reibungslos und bis zur Abfahrt hatten wir noch etwas Zeit was trinken zu gehen im Hafen. Irgendwann sind sie dann durch das Hafengebiet gelaufen und haben die Passagiere zusammengetrommelt und wir sind dann im Entenmarsch zum Steg. Auf dem Steg war es seeeehr voll. Wir waren schon etwas kritisch. Dann legte links an den Steg das Boot an, was wir zuerst nehmen wollten. Ein wirklich kleines Boot. Und die Menge der Menschen wendete sich nach links. Fast zeitgleich kam auch unser Boot, keine Ahnung, vielleicht doppelt so groß. Es machte einen neuen und guten Eindruck. Unser Gepäck wurde direkt abgenommen und so saßen wir im klimatisierten Passagierraum, der nicht mal halb voll wurde. Als wir aus dem Fenster zum anderen Boot schauten riss der Menschenstrom, der auf das Boot ging nicht ab und wir fragten uns, wie zum Geier die ganzen Menschen da rein passen. Viele saßen auch oben an Deck ohne Sonnenschutz. Laute Partymusik grölte aus dem Boot und es wurden Bintangflaschen aus Kästen verteilt. Als die Fahrt los ging (eineinhalb Stunden lagen vor uns), war der Wellengang trotz strahlend blauem Himmel nichts mehr für schwache Nerven. Das Schiff hat so gewackelt, dass man nur Abwechselnd blauen Ozean und blauen Himmel aus dem Fenster gesehen hat. Wir haben uns gefühlt wie in der Achterbahn und mussten uns echt festhalten zwischendurch. Wie war das nur auf dem kleinen Boot????

In Gili Trawangan angekommen konnten wir unser Hotel fußläufig erreichen. Auf der Insel gibt es keine motorisierten Gefährte, so sind die beiden Möglichkeiten an das andere Ende zu kommen entweder Fahrrad oder Pferdekutsche. Letzteres hört sich erst mal sehr romantisch an, wir fanden das eher nicht. Die Pferde standen in der Sonne und auch später im Hotel sahen wir einen Aushang, dass man bei der Wahl der Kutsche darauf achten soll, ob das Pferd Verletzungen hat, da es dann misshandelt wird. Für uns war klar, die Insel wird entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkundet. Das Hotel, ein Taucherresort, gefiel uns sehr gut. Mit dem Ausblick aufs Wasser und echt leckeren Burgern vor der Tür lies es sich aushalten.

Tauchen

Wir haben uns auch direkt in ein Taucherresort eingemietet, weil Michi und ich natürlich mal wieder tauchen gehen wollten. Das letzte Mal war in Fiji und schon ne Weile her… Wir waren schon voller Vorfreude und fragten direkt nach Fun Dives. Da wir ja jetzt nun nicht die mega Erfahrung haben, und vorne am Hotel auf einem Schild stand, dass sie auch deutschsprachige Tauchlehrer haben, fragten wir direkt danach. Simba, der Mitarbeiter, der mit uns sprach, sagte uns, in einem leicht genervten Ton, dass die deutschsprachige Tauchlehrerin nicht ausgebildet ist um als Instructor einen Fun Dive zu leiten. Wir fanden das jetzt nicht weiter dramatisch, es wäre natürlich nur etwas einfacher gewesen in unserer Muttersprache. So sagte er, dass nur er die Qualifikation habe und wir mit ihm vorlieb nehmen müssten. Auch das fanden wir in diesem Moment noch völlig ok. Ich dachte erst er sei vielleicht nicht so gut gelaunt. Jedoch zog sich das durch die kommenden Tage und Tauchgänge wie ein roter Faden. Eine immer leicht genervte Haltung und dann immer wieder unterschwellige Seitenhiebe über Deutsche. Wenn ich da schon gewusst hätte, dass da mein bisher schlimmstes Taucherlebnis auf mich zukommt… Wir waren dreimal mit Simba tauchen. Das erste Mal war ok. Er war immer sehr schnell ungehalten bei mir, sagte Dinge in einem Ton, dass ich mich fragte, was ich ihm getan hatte, aber ich versuchte es einfach zu ignorieren. Irgendwas scheint er möglicherweise gegen deutsche Frauen zu haben, mit Michi hat er nämlich normal gesprochen. Keine Ahnung, ist so eine Vermutung. Wir besprachen vor dem ersten Tauchgang welche Größe an Wetsuit und Flossen wir brauchen und auch wie viel Gewicht. Das hatten wir ja in Fiji schon ausprobieren können im Meerwasser. Da fing es schon an, dass Simba meinte, ich bräuchte nicht so viel Gewicht und eigenmächtig ein Kilo weggelassen hat. Was neu war an dem ersten Tauchgang war die recht starke Strömung. Das hatten wir zum ersten Mal. Ansonsten war es ok. Als meine Sauerstoffflasche leerer wurde und wir etwas höher stiegen, merkte ich wie ich Auftrieb bekam. Glücklicherweise war Simba direkt neben mir, sodass ich ihm auf den Arm hauen konnte, um auf mich aufmerksam zu machen. Er zog mich direkt runter und steckte mir ein Kilo weiteres Gewicht in die Taschen des Jackets. Vor dem nächsten Tauchgang fragte ich ihn extra, ob er an meinen Gewichtgürtel diesmal mehr Gewicht gemacht hätte. Er meinte ein halbes Kilo mehr sei dran. Ich war skeptisch, da er mir ja zuvor ein weiteres Kilo zugesteckt hatte und ich das Gefühl hatte, dass das gut war. Ich fragte extra nochmal nach, ob ich nicht mehr bräuchte, er verneinte. Beim zweiten Tauchgang kam ich dann als wir den Abstieg machten nicht runter. Ich signalisierte ihm, dass etwas nicht stimmte und er zeigte, ich soll zu ihm schwimmen. Das machte ich auch. So steckte er mir extra Gewichte in die Taschen und hielt meine Flossen fest. Bei der Nachbesprechung sagte er, ich sei nicht deswegen nicht runter gekommen, weil ich zu wenig Gewicht gehabt hätte, sondern weil ich mit den Flossen geschlagen hätte. Ich fand diese Erklärung äußerst seltsam, aber er war schließlich der Profi, ich die Anfängerin, also merkte ich mir, beim nächsten Mal darauf zu achten. Und irgendwie wollte ich auch nicht mit ihm diskutieren, weil er wie gesagt mir gegenüber schnell ungehalten war. Vor dem dritten und letzten Tauchgang hatte ich bereits zuvor ein sehr ungutes Gefühl. Hätte ich mal darauf gehört… Wir waren zusammen mit ihm und einem anderen deutschen Mädel. Bei der Vorbesprechung betonte er nochmal, dass wir im Buddysystem tauchen, Michi und ich, er und das andere Mädel und wie wir uns verhalten, wenn wir unseren Buddy verlieren (1 Minute unter Wasser suchen und dann langsam aufsteigen, um sich dann an der Oberfläche zu treffen). Das ist der Standard und so hatten wir das auch gelernt. Das Boot mit dem wir raus fuhren war sehr voll, eine große Schnorchelgruppe und mehrere andere Tauchlehrer mit ihren Schülern. Wir gingen als Vorletzte von Bord. Ich hatte das selbe Gewicht wie beim zweiten Tauchgang bevor er mir Zusätzliches in die Taschen gemacht hatte. Am Anfang war noch alles entspannt. Die Strömung an diesem Platz war gering und ich freute mich drauf, die Wasserschnecken, die man dort sehen kann, zu inspizieren. Haha, daraus wurde nix. Simba schwamm vor und legte so ein Tempo vor, dass wir alle drei NUR damit beschäftigt waren hinterher zu kommen. Ich hatte auch noch kleinere Flossen und musste mich echt anstrengen dran zu bleiben. Irgendwann war er so weit voraus, dass wir ihn nicht mehr sahen. Da merkte ich schon, dass ich zu kämpfen hatte nicht aufzutreiben. Ich versuchte ganz flach zu atmen und hinterher zu kommen, damit ich Bescheid geben kann, aber dazu kam es nicht mehr. Simba schwamm am Riff entlang etwas nach oben, sodass der Druck der Tiefe schwächer wurde, sich meine Luft ausdehnte und ich ohne irgendwas kontrollieren zu können stetig nach oben trieb. Ich versuchte dagegen anzuschwimmen, nach unten zu kämpfen, aber ich hatte keine Chance mehr. Dieser Kontrollverlust löste eine unglaubliche Panik in mir aus. Ich wusste ja wie gefährlich es sein kann ohne Sicherheitsstopp an die Oberfläche zu kommen und dass die Boote im Minutentakt hier fahren und so ne Bootsschraube… Ich denke ihr habt ne Vorstellung warum ich Panik hatte. Als ich oben ankam hatte ich echt super viel Glück, kein Boot. Ich war keine Ahnung wie lange nur mit atmen beschäftigt, vielleicht ein oder zwei Minuten? Ich war durch die Panik am Hyperventilieren. Als ich mich etwas beruhigt hatte, sah ich nicht so weit von mir entfernt einen anderen Tauchlehrer von uns auftauchen mit seiner Gruppe. Vor dem auftauchen wird immer eine Boje gesetzt. So wissen die Boote, dass sie diesen Bereich meiden. Unser Boot kam dann als sie oben angekommen waren angefahren, um sie einzusammeln. Ich schwamm zu ihnen. Als ich ankam, waren alle Schüler bereits im Boot, der Tauchlehrer war noch im Wasser. Er sah, dass ich noch in einem Panikzustand war und versuchte mich zu beruhigen. Eine andere Tauchlehrerin wollte wissen was passiert war, sie schien irgendwie überfordert. Ich bekam ein Glas Wasser und kurz darauf tauchte Michi mit Simba und dem deutschen Mädel auf. Michi suchte sofort nach mir, sobald er an der Oberfläche war und ich sah, wie besorgt er war. Simba fing direkt an, warum ich ihn ignoriert hätte, er hätte nach mir gerufen, warum ich nicht wieder runter gekommen sei. Angeschlagene Nerven plus Vorwürfe enden in, klar, Tränen. Ich war völlig überfordert und seine Reaktion war dann noch das I-Tüpfelchen. Er fragte nach dieser Situation nicht ein einziges Mal ob ich in Ordnung bin…. Michi erzählte mir danach, was unter Wasser abgelaufen war, nachdem ich aufgetaucht bin. Michi wollte nach dem Buddysystem warten, ob ich wieder runter komme (er sah, als er zurück schaute, dass ich an der Wasseroberfläche war) und dann zu mir auftauchen. Simba kam dann aber zurück, er hatte seinen Buddy angeordnet zu warten, keine Ahnung wie viele Meter von ihm entfernt und ist allein zu Michi geschwommen und hat ihm signalisiert, nicht aufzutauchen. Er hat dann mit einer Metallstange gegen seine Sauerstoffflasche geschlagen, das machte er um uns unter Wasser ein Tier zu zeigen oder generell unsere Aufmerksamkeit zu bekommen, denn das hört man wirklich sehr gut. Er wollte wohl, dass ich wieder runter komme. Da mein Kopf jedoch über der Wasseroberfläche war und ich ihn nicht hören konnte, reagierte ich darauf nicht. Und ganz ehrlich, ein Abtauchen wäre gar nicht mehr möglich gewesen. Naja sie haben dann wohl hinter mir die Boje gesetzt, die ich jedoch auch nicht gesehen habe, war ja hinter mit und er war sauer, weil ich anscheinend nicht auf ihn reagiert habe. Es war mir sehr unangenehm, vor all den Menschen im Boot zu heulen und ich versuchte alle Energie zu sammeln um es nieder zu kämpfen, aber es ging nicht. Das war sicher einer der beschämensten Momente und ich habe lange überlegt, ob ich es in den Blog schreibe. Ich hab mich dafür entschieden, weil es einfach auch zu unserer Reise gehört und eben auch nicht so tolle Erfahrungen dabei sein können. Es ist nicht immer alles rosarot. Ich habe auf jeden Fall aus dieser Situation gelernt auf mein Gefühl zu hören und mir nichts mehr aufquatschen zu lassen, auch wenn er der Profi war. Ab jetzt weiß ich, mit weniger Blei werde ich nicht mehr ins Wasser gehen und den Guide such ich mir auch gewählter aus nächstes Mal. Ein Fun Dive soll auch schließlich Spaß machen!

Gili Trawangan ist bekannt als Partyinsel. Das kann man hier definitiv machen. Jeder wie er denkt, wie eine Party sein muss. Auch Drogen sind so präsent auf der Insel, dass man von Straßenverkäufern direkt angesprochen wird, ob man Magic Mushrooms, Koks, LSD oder Gras kaufen will. Vor allem die Mushrooms waren sehr vertreten und es gab extra Buden, die es direkt mit Schildern beworben haben. Obwohl es in Indonesien empfindliche Strafen auf Drogenbesitz gibt, scheint das für die Insel nicht zu gelten. Zumindest könnte man den Eindruck gewinnen wenn man das Treiben sieht. Wir haben auch einige Leute beobachten können, die ihren „Trip to the moon“, so nennt man das wenn sie Magic Mushrooms genommen haben, hatten. Die waren durchweg jenseits dieser Welt….

Was uns auf Gili T stetig mal mehr mal weniger begleitet hat waren Magenprobleme, obwohl wir sehr drauf achteten keine Eiswürfel in unseren Getränken zu haben und generell nur verschlossenes zu bestellen. Sogar Zähne putzten wir mit Flaschenwasser, weil wir wussten dass das Leitungswasser nicht sicher ist. Trotzdem hatten wir damit immer wieder zu kämpfen.

Um die Insel zu erkunden haben wir uns für einen Nachmittag Fahrräder ausgeliehen. Das war ein super Spaß, vor allem an den Stellen, wo wir ein paar Meter durch Sand fahren mussten. Hat echt Spaß gemacht (Michi: Mein Arsch hat noch drei Tage lang weh getan, solch einen Spaß hat das gemacht!).

Unser aller Highlight war glaube ich das Schnorcheln. Wir waren mehrmals, jedoch war einer davon echt richtig toll. Ich wusste, dass man Wasserschildkröten sehen kann und ich bin ja ein riesen Fan von diesen Tieren. Wir ihr sicher noch wisst hat mich die Babyschildkröten ins Meer zu tragen so glücklich gemacht. Ich finde diese Tiere einfach unheimlich toll. Meine erste Wasserschildkröte habe ich dann beim ersten Tauchgang gesehen. Es war so ein toller Moment, der jedoch recht schnell wieder vorbei war, weil die Schildkröte wegschwamm. Die weiteren Schildkröten, die wir beim tauchen sahen, sahen wir auch eher beim vorbei treiben, wegen der Strömung, oder weil der Guide, wie gesagt, es ja irgendwie eilig hatte. Beim schnorcheln entdeckten wir dann eine erwachsene Schildkröte am Grund und sahen sie fressen. Sie schwamm dann irgendwann nach oben, um Luft zu holen und schwamm direkt unter der Oberfläche gemächlich weiter. Wir konnten sie, natürlich mit Abstand begleiten. Oh Leute, es war so ein schöner Moment neben der Schildkröte zu schwimmen und sie dabei zu beobachten wie sie schwebt. Wir hatten sie eine ganze Weile für uns „alleine“, bis andere Schnorchler sie auch entdeckten und uns dann vor dem Gesicht rumschwammen. Naja, ich wollte mich nicht darüber aufregen, wir hatten unseren tollen Moment mit Schildi!

Auch interessant war Mount Agung zu beobachten, den man von Gili T gut sieht. Er stieß immer mal wieder wirklich kleine Wölkchen aus und man musste genau beobachten, um es nicht für eine Wolke am Himmel zu halten und zu sehen, dass sie sich aus dem Krater nach oben bewegte. Wie ihr vielleicht aktuell gehört habt, ist es ja im Moment so, dass er Asche spuckt. Wir hatten wirklich Glück, dass wir nicht mehr da waren und festsitzen!

Insgesamt waren wir zehn Tage auf Gili T. Diese Insel ist im Vergleich zu Bali überwiegend muslimisch und wir fanden es sehr faszinierend wie die sehr traditionellen Einwohner zusammen mit den halbnackten partymachenden Urlaubern sich arrangieren. Manchmal wirkte diese Szene paradox.

Von Padang Bai nach Sanur

Zurück nach Bali sind wir wieder mit dem Patagonia Xpress gefahren. Dank sehr geringem Wellengang und dem Tipp von Denise und David Ingwer gegen Seekrankheit zu essen, ging es uns allen hervorragend und wir kamen gut gelaunt am Hafen in Bali an. Da hatten wir natürlich wieder das Transportthema: Wie kommen wir an unser nächstes Ziel Sanur? Wir wussten, es gibt am Hafen auch eine lokal organisierte Transport Gruppe, so war unser Plan etwas außerhalb des Hafengebiets zu laufen und von dort Uber zu bestellen. Wir warteten erst an einer Straßenecke, dort sprach uns ein Typ an, auf wen wir warten, ob wir einen Transport brauchen. Wir sagten, dass das Hotel in das wir nun fahren, würde uns abholen… Er sagte, er glaube uns nicht und maulte uns total an, dass wir gefälligst die lokalen Transporte nehmen sollen. Er wurde gleich ziemlich laut und böse. Wir antworteten etwas scharf er solle uns zufrieden lassen und gehen. Er meinte er warte hier auf einen Freund. So packten wir unsere Rucksäcke zusammen und liefen an der Hauptstraße in Richtung Dorfausgang. Kurz vor dem Dorfausgang warteten wir dann vor einem kleinen Kiosk einer älteren Dame. Dort wurden wir auch ziemlich in Ruhe gelassen. Als der Uberfahrer kam und wir unsere Rucksäcke gerade in den Kofferraum machten, tauchten aus dem Nichts zwei Männer auf und beschimpften den Fahrer. Der Eine ging an den Kofferraum und wollte wahrscheinlich unsere Rucksäcke raus räumen. Michi blaffte ihn direkt an, er solle die Finger von unseren Sachen nehmen, was er auch machte. Wir schlossen den Kofferraum, stiegen alle hastig ein und wiederholten immer wieder, dass der Fahrer ein Freund von uns sei, die Männer sollen uns in Ruhe lassen. Der Fahrer war mittlerweile total eingeschüchtert, wir wissen leider nicht was sie zu ihm gesagt haben und flüsterte uns zu, sie lassen ihn nicht los fahren, aber wir sollen einfach noch ein Stück die Straße aus dem Dorf entlang laufen, er nehme uns dann da mit. Also gut, wir alle wieder raus und unsere Rucksäcke aufgeschnallt. Die Typen wollten dann noch mit uns diskutieren. Ich war total genervt. Ich habe keine Lust mit jemandem zu diskutieren, der meint mit Drohung und Einschüchterung sein System zu schützen. Wir liefen dann weiter, sie folgten uns mit dem Auto. Der Uberfahrer wartete wie versprochen außerhalb des Dorfes, doch bevor wir ihn erreichten waren die zwei Männer bereits bei ihm und vertrieben ihn. Dann fingen sie wieder an mit uns zu diskutieren, dass sowas ihr Geschäft kaputt machen würde und boten uns ihren Transport an. Da ist mir dann der Kragen geplatzt und hab ihn angemeckert was ihm einfallen würde, sich erst so scheiße zu verhalten und dann auch noch ihren Transport anzubieten und dass er sicher kein Geld von uns bekäme. Außerdem sei es kein Wunder, dass die Touristen lieber das lokale Geschäft-kaputt-machende Uber nutzen, wenn sie nur die Alternative von solchen Mafia-Strukturen hätten. Naja, wir haben ihnen allen ziemlich Kontra gegeben und waren echt sauer. Irgendwann während dessen kam eins von den Bluebird Taxis, die mit Taxameter fahren, aber deren Einzugsgebiet eigentlich auch nicht der Hafen ist. Er hatte einen Fahrgast abgesetzt und wollte wahrscheinlich nicht leer zurück fahren. Trotz den zwei Mafia-Typen hat er uns angeboten uns mitzunehmen. Da das Auto jedoch sehr klein aussah und wir alle gut bepackt mit unseren Rucksäcken waren, haben wir ihn abgewiesen. Nachdem wir keine Lust mehr hatten mit den Mafia-Typen zu streiten und sagten, zur Not laufen wir nach Sanur, bevor wir mit ihnen fahren, sind sie dann auch abgedampft. Der Taxifahrer hat uns dann noch ne Weile beharrlich verfolgt und dann irgendwann als die Typen wirklich weg waren, angeboten es einfach mal mit dem Gepäck und dem Platz auszuprobieren. Tatsächlich passte alles rein und so fuhren wir mit ihm nach Sanur.

Sanur

Sanur ist lange nicht so touristisch wie Kuta und Seminyak. Es waren viel weniger Touristen, viel weniger Verkehr und damit viel weniger Smog, was uns sehr gut gefiel. So verbrachten wir die letzten Tage sehr entspannt, gingen viel in ein Restaurant, was wir zu unserem Lieblingsrestaurant auserkoren: es war suuuuuuper lecker und trotz ausgefallenen Gerichten echt günstig! Außerdem gönnten David, Michi und ich uns eine Ganzkörpermassage. Danach fühlten, zumindest David und ich, uns wie neu geboren. Michi hatte den einzigen männlichen Masseur abbekommen und hatte noch zwei Tage zu kämpfen 😀

Denise und David sind einen Tag vor uns geflogen und der Abschied war echt hart. Es war eine tolle und besondere Zeit mit den Zweien und wir haben es sehr genossen!

Für den Heimflug wollten wir nicht wieder hungrig den Flug verbringen müssen und so haben wir uns was von unserem Lieblingsrestaurant mitgenommen, wir flogen mit Virgin Australia ja auch wieder zurück. Und dann kam die große Überraschung: Nachdem wir das Essen aufgegessen hatten, gingen die Stewardessen mit dem Getränkewagen rum und stellten uns auch ein Menü hin. Allerdings auch nicht allen Fluggästen. Wir waren total verwirrt und auch schon satt… Wir haben das nicht verstanden.

Zum Abschluss muss ich noch los werden: Das war sicher nicht unser letztes Mal Bali! Es hat uns gut gefallen und wir können uns gut vorstellen noch ein paar andere Ecken zu erkunden (haben ja auch nicht so viel Unterschiedliches gesehen). Vor allem aber haben es uns die Menschen angetan. Wir hatten wirklich so viele schöne Erfahrungen mit ihrer echten Freundlichkeit, Herzlichkeit und Fröhlichkeit. Wir haben die Balinesen sehr ins Herz geschlossen und können nur jedem empfehlen die Insel mit eigenen Augen und Ohren zu erkunden 🙂

Die letzten Wochen in der WG

Olga & Enrico

Wie schon beschrieben haben wir ja eine Mitbewohnerin aus Tschechien bekommen, Olga. Sie zog etwa 2 Wochen nach uns ein. Wir unterhielten uns und sie schien einen netten und angenehmen Eindruck zu machen. Am Anfang war sie ja auch meist nur kurz nach dem arbeiten da, hat was gegessen, und ist dann verschwunden, um sich mit Freunden zu treffen. Zu der Freakshow war sie die Nacht ja nicht da, zu ihrem Glück. An einem Freitag Abend fragten wir sie nach ihren Plänen und sie sagte, sie wolle sich mit Freunden treffen und auf eine Latinoparty gehen. Sie lud uns ein sie zu begleiten. Da wollten wir nicht nein sagen und begannen noch zu Hause ein paar Gläser Wein zu trinken und uns zu unterhalten. Sie erzählte uns, dass sie eigentlich mit Ihrem Freund nach Neuseeland gekommen ist, mit dem sie seit 7 Jahren zusammen war. Sie reisten wohl durch Neuseeland und blieben hier in Blenheim hängen, nachdem sie soweit alles gesehen hatten und begannen hier zu arbeiten. Sie lebten in einer WG mit lauter anderen Tschechischen Pärchen. Allerdings wollte ihr damaliger Freund lieber immer zu Hause hocken, während sie immer am Wochenende ausgehen wollte, was sie in Prag wohl auch immer gemacht hat. Jedenfalls trennte sie sich von ihm und er zog aus der WG. Sie konnte sich die Miete nicht mehr leisten und musste gehen, so zog sie zu uns. Sie erzählte uns, dass die Vermieterin sie gar nicht früh genug losbekommen konnte und ihr sogar half ihre Kisten raus zu tragen, um sie so schnell wie möglich aus dem Haus zu bekommen. Das fanden wir in dem Moment schon ziemlich lustig, als auch eigenartig. Nun ja, jedenfalls fing es da an, dass wir merkten, dass sie sich wie eine Prinzessin benahm. Kamin anmachen – konnte sie nicht, Holz holen – konnte sie nicht, putzen – konnte sie nicht, Müll raus bringen – machte sie nicht… jedenfalls ging uns ihr Getue mächtig auf die Nerven, sodass wir dann eben auch nichts mehr machten und sie dann, wenn wir nicht da waren, im Kalten hockte. Der indische Koch aus Whangarei, er spukt uns immer und immer im Kopf… Karma… also machten wir es uns so gemütlich wie es ging und ließen sie so ziemlich links liegen. Allerdings kam dann ihr neuer Freund, Enrico, ein Chilene. Wir mutmaßten einfach, dass es letztendlich der Grund für die Trennung war, was aber auch egal war. Er war eigentlich n ganz netter Typ. Aber leider einfach verknallt. Er merkte halt eben nicht, dass seine Prinzessin nichts kann. Nicht mal die Klobürste benutzen. Wir kamen uns echt mega dämlich vor einer vermeintlich erwachsenen Frau zu sagen, sie solle doch bitte die Klobürste benutzen. Egal. Und da uns Olga im Laufe des zusammen wohnens echt nervte, wollen wir jetzt gar nicht weiter drauf eingehen und davon erzählen, sie hat uns schon genug Nerven gekostet. Schließlich bleibt zu erwähnen, dass wir an ihrem Auszugstag gegen 11 Uhr morgens mit einem Glas Wein anstießen, nachdem sie den Schlüssel abgegeben hatte und das Haus verlassen hatte. 😀

Fishing in Blenheim

Nachdem unsere Arbeitskollegin erzählt hat, dass sie relativ oft mit ihrem Freund am Wochenende angeln geht, wurde ich natürlich hellhörig. Ich fragte sie aus, wo und wie und warum und schwubs, schon bin ich mit Julia zu der Flussmündung gefahren, wo man gut angeln kann. Ich lief mit Julia über den Strand und sah sehr viele Angler, die ihren Sonntag dort verbrachten, alle hatten mindestens 3 Riesige Kahawais vor sich liegen. Ich fragte einen, welchen Köder sie benutzen und er nannte diesen.. Dann fragte er mich, ob wir einen von seinen 8 Kahawais haben möchten. Wir lehnten dankend ab und fuhren nach Hause, allerdings wusste ich genau, ich werde wiederkommen. Gesagt, getan, Köder gekauft, Julia eingepackt, zum Spot gefahren. Probiert, nix gefangen. Nur die Köder waren abgefressen. Allerdings hatte ich nicht so viel von dem Köder dabei, da dieser tiefgefroren ist und ich nicht wollte das alles auftaut. Dann sahen wir noch den Männern aus Vanuatu zu, die nach Ihrer Arbeit auf dem Feld noch zum angeln gehen. Allerdings angelten sie eben auf eine andere, viel einfachere Art. Statt sich für teuer Geld eine Angelrute zu kaufe, kauften sie nur Angelschnur, die sie um eine Plastikflasche banden, Haken, Blei (besser gesagt, irgend ein Gewicht, der eine hatte ne Bierflasche dran) und Köder. Und damit angelten sie sehr erfolgreich.

Am nächsten Tag wollte ich wieder mein Glück probieren und wir fuhren wieder hin. Auch Julia hatte genug vom rum sitzen und liebäugelte mit der Angeltechnik aus Vanuatu. Also bat sie mich, auch um ein Handline-Fishing-Set. Tatsächlich hatte ich noch einen Stock mit meiner alten Angelschnur drum gewickelt und band ihr noch schnell einen Hacken mit Köder und einem Gewicht dran. Und schon konnte es losgehen. Julia wickelte einige Meter von dem Stock ab und schleuderte das Gewicht mit Haken und Köder wie ein Lasso über dem Kopf um es dann loszulassen und es in Richtung Wasser fliegen zu lassen. Genau so wie sie es von den Männern aus Vanuatu abgeschaut hatte. Doch manchmal spielt die Schwerkraft ein böses Spiel mit uns. Offensichtlich hat Julia etwas zu wenig Schnur von dem Stock abgewickelt und nunja, ALLES flog eben ins Wasser. Julia war so erschrocken über den Zug an der Schnur, das sie es auch losgelassen hat. Natürlich fluchte sie wie ein Rohrspatz, nachdem alles 3 Meter vor ihr im Wasser trieb. Sie dachte sogar daran, ins Wasser zu gehen und es zu holen, was bei den Temperaturen echt kalt war. Ich sagte ihr, das es ok ist, sie soll sich nicht aufregen. Dummerweise kam ich in dem Moment auch nicht auf die Idee, das Zeug mit der Angel aus dem Wasser zu fischen, was sicher kein großes Ding wäre, egal. Etwa 5 Minuten später hatte ich dafür aber meinen ersten Kahawai an der Angel. Und soooo riesig. Ich nahm ihn aus und nahm ihn mit nach Haus, wo ich ihn filetierte und mit Kurkuma, Chili und Salz paniert in der Pfanne anbriet. Ein Gaumenschmaus!!! (Videos auf unserem Youtubekanal)

Natürlich waren wir von dem Erlebnis total angefixt und nahmen uns vor, öfters zu gehen wenn es die Zeit erlaubt. Aber Julia hat ja nix zum Angeln. Also fuhren wir ab ins Warehouse, Julia ging direkt zu den Angelsachen. So gefällt sie mir, dachte ich 😀 Sie schaute nach einem neuen Handlinefishing-Set. Ich fragte Julia, ob sie denn nun damit regelmäßig angeln möchte. Als sie dies bejahte suchte ich mir eine neue, riesige Angelrute extra fürs Strandangeln aus und sagte ihr, das sie nun meine alte haben kann 😀 Nun hat jeder eine Angel.

Leider kamen wir dort nur ein paar mal zum fischen, da es fast den gesamten September regnete und der Fluss soooo schmutzig war, dass die Fische nix gesehen haben.

Wairau Lagoon Walk

Dann bleibt es nur noch am Rande zu erwähnen das wir den Wairau Lagoon Walk endlich gemacht haben und das Schiffswrack SS Waverly angeschaut haben. Das Wrack war nicht wirklich so spannend, der Weg dahin allerdings schon. Wir haben schon vorher 2 Versuche unternommen zu diesem Wrack zu kommen, allerdings war es nicht möglich, da der Weg dauernd überschwemmt war. An einem Wochenende eine Woche vor dem Ende unserer Arbeit haben wir uns aber getraut ihn zu gehen. Mit unseren schon undichten Snowboots sind wir den Weg nach einer Woche Sonnenschein gegangen und dennoch gab es eine Stelle, an der man durchs Wasser musste. Leider war das Wasser so tief, das es über die undichten Stellen der Boots schwappte und dort hinein floss. Ende vom Lied war, dass wir einen Teich in den Schuhen hatten 😀

Scenic Route Rarangi nach Picton / Havelock

Wir sind mit dem Auto die Scenic Route von Rarangi nach Picton gefahren. Diese Strecke ging die ganze Zeit an der Küste der Marlborough Sounds entlang. Soooo schööön. Dort gibt es einen Campingplatz, den wir auf alle Fälle besuchen werden, wenn Julias Bruder uns besucht.

Auch in Havelock waren wir, nettes kleines Örtchen mit Hafen und guten Fish & Chips, das wars aber auch schon.

Nelson Teil 1

Wir hörten von Nelson, dass es sehr toll sein soll. Also fuhren wir auch nach Nelson um uns das anzuschauen. Es ist viel größer, als wir gedacht haben. Wir fragten erstmal, wo wir mit unserem Camper schlafen durften und sind anschließend ein wenig durch die City bummeln gegangen. Kaum waren wir unter den Leuten, hat man nur noch Deutsch gehört. Dann ein Laden, Franks Wurstladen oder so und schon hat man sich fast wie in Deutschland gefühlt. Sein Angebot von Schwarzwälder Schinken oder ne frische Bratwurst vom Grill machte es perfekt. Ich konnte natürlich nicht widerstehen und kaufte ne Bratwurst im Brötchen. Wir schauten uns um, gingen zum „Mittelpunkt von Neuseeland“, zum Tanshui Beach wo schon ein paar verrückte Mädels im Bikini Beachvolleyball spielten (es wahr saukalt, alle waren mit Winterjacke unterwegs).

Wir übernachteten auf einem Parkplatz mitten in der City. Es war schon sehr skurril. Richtig viele Camper dort und fast alle deutsch. Und wir mussten uns wirklich wieder schämen. Dort war noch ein Superloo in der Mitte, ein Klo das die ganze Nacht auf hat und an dem man Tagsüber auch Duschen kann, Wäsche waschen oder sein Gepäck in Schließfächern aufbewahren kann. Die Klos, welche die ganze Nacht aufhaben, haben ein kleines Vordach. Was machen die Deutschen jungen frisch aus der Schule abgegangenen? Die bauen sich bei schönstem trockenen Wetter Tisch und Stühle vor den Toiletten unter dem Dach auf und kochen da. Gespült haben sie dann entweder in der Toilette im Waschbecken oder eben alles in die Büsche gekippt. Wir können sowas echt nicht verstehen und ärgern uns da echt immer wieder drüber. Egal.

Am Abend sagte ich noch zu Julia, das es mich nicht wundern würde, wenn wir hier Isolde wiedersehen würden, eine junge Frau, die wir in Whangarei kennen gelernt haben und wir den Namen nicht wissen. Wir haben sie mal Isolde getauft. Sie war einfach ein wenig nervig und wir flüchteten sozusagen etwas vor ihr, da wir sie im Northland der Nordinsel sowohl in Paihia gesehn (sind aber schnell weiter gefahren) und dann bei den Giantdunes (wieder weggefahren). In Kaitaia hat sie uns dann aber auf dem Campingplatz erwischt und uns in ein Gespräch verwickelt, nun ja. Jedenfalls sind wir dann am nächsten Morgen aufgewacht und als wir aus dem Auto gestiegen sind, wer stand auf dem selben Platz nur etwas weiter entfernt und hat uns nicht bemerkt? Genau, Isolde. Wir beeilten uns wegzufahren 😀

Pic’s Peanutbutterfactory

Ein Hauptgrund nach Nelson zu fahren war unter anderem eine Fabrikbesichtigung der Pic’s Peanutbutterfactory (Erdnussbutterfabrik). Um 10 Uhr gings los. Die Führung war echt interessant. Wir konnten sehen, wie einfach Erdnussbutter hergestellt wird, nur mit der Zutat Erdnuss und ggf. Salz. Das wars! Julia ist ja nun sowieso auf dem Erdnussbuttertrip sodass wir es sicher auch versuchen werden diese herzustellen. Anschließend gabs noch ne kleine Verkostung der verschiedenen Buttersorten (Crunchy, mit Salz, Creamy, Cashewbutter, Mandelbutter).

Winetasting

Da wir ja in der wohl bekanntesten Weingegend Neuseelands wohnten konnten wir uns es natürlich auch nicht entgehen lassen, an einer Weinprobe teilzunehmen. Da wir den Wein allerdings trinken wollten und nicht wieder ausspucken, wie es normalerweise üblich ist, haben wir uns eine Winery ausgesucht, die wir zu Fuss erreichen konnten, da uns da Taxi zu teuer war und wir mit Alkohol im Blut kein Auto fahren. Auch wenn leider letzteres hier in Neuseeland absolut üblich ist.

Wir entschieden uns für das Weingut „Wither Hills“. Das Tasting war echt nett und wir waren echt überrascht, wie viele Geschmacksnuancen man aus den verschiedenen Weinen heraus schmecken kann. Das krasseste war ein Wein, leider fällt uns die Sorte nicht mehr ein, der hat tatsächlich nach Kerosin geschmeckt. Nach dem Tasting gönnten wir uns einen Pinot Noir Rosé und genossen ihn mit einer traumhaften Aussicht über die Weinfelder vor Blenheim auf der Terrasse des Weinguts.

Elaine Bay / French Pass Marlborough Sounds

Eineinhalb Wochen vor unserem Balitrip sollte es ein sonniges Wochenende werden, so beschlossen wir an den French Pass zu fahren. Dieser liegt weit in den Marlborough Sounds und dauert ca. 3 Stunden von Blenheim aus. Wir bekamen die Empfehlung von unserer Arbeitskollegin. Also packten wir unser Zeug und die Angeln und los gings.

Der Weg dahin war einfach wunderschön. Wir beschlossen erst mal zur Elaine Bay zu fahren wo es auch einen Campingplatz gibt. Also sprich ne Rasenstellfläche, zwei Wasserhähne, zwei Picknicktische und 2 Plumpsklos. Als wir an der Bay ankamen waren wir sofort verliebt. So friedlich, glasklares Wasser. Ein Steg geht ins Wasser, an dem man angeln kann. Dort war auch ein nettes Niederländisches Pärchen, mit dem wir uns unterhielten. Sie versuchten zu angeln, hatten aber kein Glück. Leider war die Flut schon vorbei und das Wasser wurde weniger. Kurz nachdem die beiden aufgehört hatten, versuchten wir unser Glück. Und schwubs hatte ich einen Fisch an der Angel. Leider durften wir diesen nicht behalten, da er fiel zu klein war. Aber der Niederländer kam gleich ganz aufgeregt und fragte, wie ich das gemacht habe, da sie stundenlang versucht haben was zu fangen und nichts gefangen haben. Und plötzlich war der Anfänger der Profi 😀

Ich erklärte ihm n paar Sachen und wir verabredeten uns für den nächsten Vormittag, wenn die nächste Flut kam und die Fische dann am besten beißen. Abends bei Ebbe war das Wasser nur noch einen halben Meter tief und absolut klar. Wir hörten, dass Abends regelmäßig Adlerrochen und Stachelrochen in die Bucht bis an den Strand kommen und Tatsache, als wir auf den Steg gingen um danach Ausschau zu halten sahen wir ein großen Adlerrochen und nen Stachelrochen. Es war so schön zu sehen, wie majestätisch sie durch das Wasser glitten. Und einen Sandhai sahen wir.

Später am Abend als es schon dunkel war sind wir nochmal an den Steg gegangen um zu schauen, ob wirklich Leuchtplankton im Wasser sei, was wir auch irgendwo gelesen haben. Und jepp, nachdem ich ein Stein ins Wasser geworfen habe und das Wasser kurz schwach aufgeleuchtet hat wussten wir, es ist da. Es war wirklich nur sehr schwach und sah etwa so aus, als ob das Wasser reflektieren würde. Das konnte aber nicht sein, da es keine Lichtquelle gab, die die Reflexion hätte auslösen können. Nachdem wir ne Weile mit einem Wasserschlauch und dem Wasser gespielt haben, der dort am Steg hing und eigentlich dafür gedacht war, die Boote zu säubern, ging Julia wieder zum Auto. Ich musste allerdings aufs Klo. Und da es stockdunkel war, kein Mensch am Steg und ich dringend musste, dachte ich mir, na wo wir schon mal hier sind… Was soll ich sagen, soooo was schööönes 😀 Jedenfalls hatte das reinpinklen einen seeeeehr lange nachleuchtenden Effekt! 😀

Am nächsten Tag versuchten wir es nochmal mit dem Angeln, hatten aber kein Glück. Wir fuhren dann weiter zum French Pass um uns den Campingplatz mal anzuschauen, entschieden uns aber gegen eine Nacht dort, da das Wetter umschlagen sollte und ab Nachts und am nächsten Morgen nur Regen angesagt war. So entschieden wir uns noch ein paar Stunden am French Pass zu angeln und dann wieder Heim nach Blenheim zu fahren.

Wir angelten also ein wenig drauf los und ich war echt verdutzt, dass nach einer Weile tatsächlich was am Haken war: Ein 75cm langer Sandhai. Ich zog ihn erstmal an Land und googlete schnell, ob man die essen kann. Als ich ein paar Videos darüber fand, sagte ich zu Julia, dass das unser Abendessen wird und machte mich daran ihn zu töten. War schon nicht sooo einfach, sein Maul war so groß, da hat meine Faust locker reingepasst und spitze Zähne hatte er auch. Das schlimmste waren aber seine Augen. Ich will nicht weiter ins Detail gehen, jedenfalls habe ich mir unter anderem deswegen vorgenommen, keinen Sandhai mehr zu töten.

Seine Haut fühlte sich übrigens wie Sandpapier an.

Wir packten den Hai in unsere Kühlbox und machten uns auf den Rückweg. Kurz nachdem wir gestartet sind bekamen wir eine Sms von unserem Vermieter Peter, dass er einen Nachmieter für Olgas Zimmer habe und er gerade einzieht und entschuldigte sich, dass es so plötzlich war. Für uns war das natürlich total frustrierend, schließlich wohnten wir nun seit Olgas Auszug schon seit ca. 3 Wochen in dem Haus komplett allein und eigentlich haben wir insgeheim darauf gehofft, dass er keinen Nachmieter mehr vor unserem Auszug bzw. Abreise nach Bali findet. Nun ja, das war wohl das Karma. Vielleicht wegen dem Hai?

Wir hielten nochmal in Havelock, um den Hai auszunehmen, was ne sehr stinkige Angelegenheit war. Dann machten wir uns auf den Weg den neuen Mitbewohner in Augenschein zu nehmen.

Unser neuer, ekelhafter Mitbewohner Kevin!

Als wir endlich zu Hause ankamen waren wir wirklich sehr gespannt auf ihn. Peter hatte schon geschrieben, dass es ein Kerl ist. Als wir das Haus betraten kam uns schon eine gehörige Käsefüßefahne entgegen. Boah, ekelhaft. Kevin, 19, machte einen superjungen Eindruck. Eigentlich so, als ob er noch mitten in der Pubertät wäre. Wir versuchten eine Unterhaltung zu starten. Er war ein Kiwi, wie wir noch verstehen konnten. Aber das wars auch schon. Und obwohl wir das Kiwi-Englisch mittlerweile echt gut verstehen können, war es uns nicht möglich, diesen Kerl auch nur ansatzweise zu verstehen. Das einzige was wir verstanden war, dass er morgen einen neuen Job beim Straßenbau anfängt und auf die Baustelle von der Scenic Route Richtung Kaikoura muss, wo schwere Straßenschäden vom Erdbeben im November letzten Jahres sind.

Ich wills kurz machen, er hat in den ganzen eineinhalb Wochen, in der er bei uns gewohnt hat nur ein (1) einziges Mal geduscht!!!

Am nächsten Tag ging er zur Arbeit und kam Abends wieder. Am Dienstag ging er früh aus dem Haus, allerdings kam er schon um halb 9 wieder heim. Es regnete an dem Tag und es wunderte uns nicht, da er wohl wenn es regnet auch frei hat. Irgendwann verschwand er und wir hatten den Tag das Haus für uns allein. Um 21.30 Uhr kam er wieder und brachte eine Frauenstimme mit. Wir drehten uns um und vor uns stand seine Mutter, mit einem Kissen unter dem Arm. Sie stellte sich kurz vor und fragte uns ob es ok wäre, wenn sie die Nacht auf der Couch schlafen würde, sie hätte in den Hostels kein freies Zimmer gefunden. Komisch, uns sagte unsere Arbeitskollegin noch, dass ihr Hostel grad fast leer ist. Egal. Wir wollten eh auf unser Zimmer und mit Deutschland telefonieren. Gesagt, getan, also telefonierte ich ganz normal bis es um kurz vor 23 Uhr an die Tür klopfte. Kevins Mum war vor der Tür und bat uns doch leiser zu sein. Wir waren so perplex, dass wir nur ja sagten und die Tür wieder zu machten. Irgendwie wars dann auch vorbei mit der Lust zum telefonieren und ich beendete das Telefonat. Was bildet die Alte sich ein? Wir machten uns dann noch extralaut bettfertig und gingen schlafen. Ich versuchte mich zu beruhigen, es ist nur eine Nacht!

Am nächsten Tag war er irgendwie auch zu Hause und sagte was, er könne nicht arbeiten heute. Jedenfalls begann seine Mutter sein Fach mit den Lebensmitteln zu ordnen und Sachen hinzuzufügen. Er war die meiste Zeit im Auto vor dem Haus und rauchte. Irgendwann waren beide weg und wir genossen den Tag. Am Abend wurde es immer später und wir wunderten uns, dass er noch nicht da war, er muss doch arbeiten am nächsten Tag. Uns war es allerdings herzlich egal.

Es war gerade etwa 22.30 Uhr als es an der Tür klopfte. Wir wunderten uns schon und dachten, der Depp hat seinen Schlüssel vergessen. Julia öffnete die Tür und vor der Tür stand Kevins Mutter und sagte: „Hi, ich bin Kevins Mum, er schläft heute wohl bei einem Freund, ich werde in seinem Zimmer schlafen!“ Wir waren so perplex, dass wir nur noch ok sagten und sie rein ließen. Unfassbar. Wir wollten eh grad ins Bett, allerdings fragten wir uns, was hätte sie gemacht, wenn wir ein paar Minuten früher ins Bett gegangen wären? Echt unverschämt. Und sie denkt wohl wir haben das meeeeeega Kurzzeitgedächtnis, dass wir nicht mehr wissen wer sie ist, nachdem sie die Nacht zuvor da geschlafen hat und sich mit uns unterhalten hat…

Am nächsten Tag war sie wieder verschwunden. Er war irgendwie auch nicht mehr zu sehen.

Am Donnerstag Abend kam er wieder und wir fragten ihn, ob sie heute wieder vor hat hier zu schlafen. Er verneinte das und sagte, dass ihn das voll genervt hat. Darauf hin sagte ich ihm, dass wir das ziemlich nervig fanden und wir auch nicht gefragt wurden. Ich sagte, dass wir in einer Woche nach Bali fliegen und er danach das Haus wahrscheinlich komplett für sich allein hat und er dann einladen kann wen er will, wir aber jetzt keinen Besuch mehr über Nacht wünschen. Er bestätigte uns das.

Ein oder zwei Tage später, wir stehen morgens auf, gehen aus unserem Zimmer ins Wohnzimmer, liegen dort insgesamt 3 Leute auf der Couch und auf dem Boden. Wir dachten uns trifft der Schlag. Julia war richtig angepisst und hat erstmal alles was laut ist, in der Küche gemacht. Kaffeemaschine an, Wasserkocher an, Geschirr weggeräumt etc. Irgendwann ist der Herr dann aufgewacht (er war einer der 3 die dort geschlafen haben) und Julia hat ihn richtig schön zusammengefaltet. Danach sagte sie, das sie möchte, dass seine Freunde nun gehen. Und dann sind sie alle gegangen. Julia der Löwe sag ich da nur!!!

Am Sonntag waren wir bei Peter und seiner Mum zum Abendessen eingeladen. Es war im Grunde als Abschied und Dankeschön gedacht. Es war ein sehr netter Abend. Es gab Lammbraten! Peter zeigte uns seine Goldsammlung, die er sich innerhalb von zwei Jahren zusammengeschürft hatte, und wir redeten über alles mögliche. Dennoch brannte es uns unter den Fingernägeln ihm von Kevin zu erzählen. Also fragten wir vorsichtig nach, wie er zu diesem Typen kam. Er erzählte, dass seine Mutter für ihn angerufen hat und sie miteinander ausgemacht haben, dass er ihn erstmal kennenlernen möchte. Irgendwann spontan kamen sie dann wohl die ganze Familie mit Möbel und Zeug vorbei, der Vater legte die Miete auf den Tisch und fragte ob das nun klargeht. Nun ja da war Peter eben etwas überfordert und sagte demnach zu. Das ist auch echt ne miese Nummer und im Nachhinein garantiert so gewollt gewesen. Peter versuchte sich mit ihm zu unterhalten, aber selbst er als Kiwi verstand garnichts von dem, was Kevin sagte. So fuhr Peter direkt wieder zu seiner Mutter, wo er ja die meiste Zeit lebte. Offensichtlich hat Kevin eine Lernbehinderung, er konnte keinen normalen zusammenhängenden Satz bilden. Das war nun der Moment, Peter und seiner Mum von unseren Erfahrungen mit Kevin zu berichten.

So sollte er sich doch selber ein Bild von ihm machen. Nachdem wir ihm erzählt haben, dass er seit einer Woche nicht geduscht hat, dann die Nummer mit der Mutter und dann seinen Kumpels, das war dann auch für Peter zu viel. Er wolle ihn nächste Woche rausschmeißen.

Gute Idee im Grunde, allerdings waren wir uns nicht sicher ob der Typ nicht einen richtig an der Waffel hat und waren uns unsicher wie er wohl reagieren wird. Also baten wir Peter ihn erst vor die Tür zu setzen, nachdem wir nach Bali geflogen sind. Er sagte, klar kein Problem, was uns halt lieber ist. Und Peters Mum sagte, es wäre doch ne gute Sache, wenn Peter, solange wir noch die letzten Tage dort wohnen, auch im Haus schlafen würde. Das begrüßten wir natürlich, rechneten allerdings nicht wirklich damit.

Als wir am nächsten Tag Abend nach Hause kamen war Peter tatsächlich zu Hause. Er saß ein wenig geistesabwesend auf der Couch. Wir fragten ihn wie es ihm geht und teilten ihm mit, dass wir nochmal beratschlagt haben und es für noch besser halten würden, ihn direkt vor unserem Auszug rauszuschmeißen. Ja sagte er, das wird er nun auch machen, er hat nämlich gerade festgestellt, dass ihm jemand schon das dritte mal Benzin aus dem Kanister für den Rasenmäher geklaut hat. Und da ich das ja nicht war, wussten wir, das es Kevin war. Er versuchte ihn zu erreichen, erreichte ihn nicht. Dann rief er seine Mutter an und sie bestätigte ihm, das es sehr wahrscheinlich Kevin war, da er kein Geld mehr hat. Ach ja, Peter erzählte uns beim Abendessen bei seiner Mum, dass er Kevin gefragt hat wie es auf der Arbeit läuft und er ihm geschrieben hat, dass er am Montag gearbeitet hat, sich am Dienstag aber mit einem Arbeitskollegen geprügelt hat und er nun sein Job verloren hat. Das erklärte auch warum er die ganzen Tage immer zu Hause war tagsüber.

Kevins Mutter sagte ihm, dass sie dann morgen Abend nach der Arbeit aus Nelson kommen will und auf der Couch schlafen wird, am Mittwoch wird sie mit ihm ausziehen. Juhuuu dachten wir, hoffentlich klappt das auch.

Um es kurz zu machen, die Mutter kam am Dienstag Abend, am Mittwoch um 13.30 Uhr sind sie endlich ausgezogen und wir konnten in Ruhe für Bali packen.

Am Abend kam Peter nach Hause und schleppte zwei Flaschen Wein und eine Kiste Bier rein. Freudig erzählte er uns, dass die Anzeige gegen ihn wegen der Geschichte mit Kimberly fallen gelassen wurde und er keine Auflagen mehr hat, keinen Alkohol zu trinken. Wir freuten uns für ihn und tranken natürlich einen mit. Allerdings gingen wir früh ins Bett, da der Flug sehr früh ging. Noch im Bett sagten wir beide, mein Gott, der Kerl hat echt garnichts gelernt!

Bali wir kommen!

Unser Wecker klingelte sehr früh, wir packten unser Schlafzeug vom Bett so wie es war in unser Auto und schlossen es ab. Wir hatten übrigens mit Peter vereinbart, dass wir den Van in seiner Garage parken dürfen, solange wir in Bali sind. Und pünktlich wie die Eisenbahn um 4 Uhr morgens kam auch Tina, unsere slowakische Arbeitskollegin. Wir hatten mit ihr vereinbart, dass sie uns zum Flughafen fährt. Sicher hätten wir auch mit nem Taxi fahren können, aber wir dachten uns, lieber geben wir ihr das Geld als irgend nem anderen. Als Bezahlung wollte sie allerdings kein Geld, sondern ein Brot von mir.

Deutsches Roggensauerteigbrot

Oh, hab ich eigentlich erwähnt, dass ich mein eigenes Sauerteigbrot gebacken habe? Jaaaaa, so ganz ohne gutes Brot ab und an geht halt doch nicht. Und das Brot in den Supermärkten kann man vergessen, auch wenn da steht „German Dark Rye“, also Deutsches, dunkles Roggenbrot, schmeckt es wie gefärbtes Toast. Auch Sourdough (Sauerteig) ist hier nur mit Weizen gemacht. In Neuseeland gibt es allerdings einige Orte, vor allem in größeren Städten, in denen man gutes „European Style“ Brot kaufen kann. In Blenheim selber war nur eine Niederländische Bäckerei, die allerdings nicht so dolle war. Und die, die einigermaßen geschmeckt hat, war ne halbe Stunde mit dem Auto entfernt. Irgendwann war ich auf der Suche nach Sauerteigkulturen und landete in einem Bioladen. Leider hatten sie nichts dergleichen, aber die Verkäuferin sagte, mach sie doch einfach selbst. Ist ganz einfach. Brauchst nur Mehl und Wasser. Natürlich googlete ich zuhause gleich. Nach stundenlanger Recherche von „Anstellgut“ über „wirken“, „einschießen“ und „schwaden“ stellte ich fest, es ist garnicht schwer seinen Sauerteig zu kultivieren.

Nachdem ich sogar zufällig in einem großen Shop relativ günstig deutsches Roggenmehl gefunden habe (und deutsche Kartoffelstärke die ich für Klöße brauche, das ist aber ne andere Geschichte), fing ich an den Sauerteig anzusetzen. Nach einer Woche war es dann so weit, ich konnte mit dem Sauerteig ein Brot backen. Also der erste Versuch war schon echt gut. In der Regel hab ich dann immer am Wochenende die Zeit gehabt ein Brot zu backen und wurde von mal zu mal besser. Geschmacklich war es jedes Mal top.

Okay, zurück zum andern Thema, ich hatte Tina, die übrigens seit 2 einhalb Jahren in Neuseeland lebt und eine Aufenthaltsgenehmigung für die nächsten 3 einhalb Jahre hat, zwei Brote versprochen und nachdem sie das erste schon ein paar Tage vorher erhalten hat, kam nur als Nachricht zurück: „Wow ich liebe es!!! Vielen Dank, dass du mir ein wenig Heimat geschenkt hast!“ Joah, unbezahlbar sowas, oder?

Da wir ja auch ein paar Dinge hatten, die wir nicht mehr verwenden konnten, wie zum Beispiel die Kaffeemaschine, eine Auflaufform, den Heizkörper, Mehl etc. schenkten wir dies Tina. Und auch meine Sauerteigkultur. Ich schrieb ihr noch das Rezept in Englisch auf und hoffte, dass sie diesmal mehr Erfolg haben würde mit dem Brot backen (sie hatte das wohl schon mal probiert, was aber wohl nicht so gelungen ist). Das Luftbett, was wir gekauft hatten, haben wir bei Peter gelassen und mit der Miete verrechnet.

Soooo nun gings los, Tina fuhr uns zum Flughafen. Um 6 ging der Flug, internationaler Flug, also 2 Stunden vorher da sein. Tina schmiss uns dann gegen 4.20 Uhr dort raus und fuhr wieder heim. Wir liefen zum Flughafengebäude und wir dachten noch, relativ leer das Gebäude… und liefen fast gegen die Tür, da sich die Schiebetür nicht öffnete. Na toll. Sowas ist uns aber auch noch nie passiert. Vor einem verschlossenen Flughafen stehen. Gegen 5 kam dann die erste Mitarbeiterin von Air Newzealand und machte uns auf. Unser Urlaub konnte beginnen!

PS: Bilder reichen wir nach!

Jubiläääääääum!!!!!! :-)

Hallo ihr Lieben,

könnt ihr es glauben? Wir haben heute unser einjähriges Weltreisejubiläum!!!! Für uns ist es einfach unfassbar. Unfassbar, weil es sich anfühlt, als wären wir erst letzte Woche los und gleichzeitig haben wir so viel erlebt und unseren Erfahrungsschatz so viel reicher gemacht! Das fühlt sich so unbezahlbar toll an. Gerade jetzt, nach einem Jahr, sind wir uns so sicher wie nie: die Weltreise war die absolut richtige Entscheidung und wir haben es keine Sekunde bereut! Nicht jeder Tag ist ein wunderschönes Abenteuer, auch wir haben so etwas wie Alltag. Nur, dass sich unser Alltag einfach sehr von unserem früheren Alltag unterscheidet. Und wir haben eine Sache während unserer Reise kennen und sehr lieben gelernt: die Freiheit! Wir beide haben uns noch nie so frei wie dieses Jahr gefühlt. Und wir meinen mit „frei“ ein Gefühl, viele Verpflichtungen und Ansprüche einfach NICHT zu haben und flexibel unseren Wünschen und Träumen zu folgen. Tatsächlich ist es gar nicht so einfach dieses Gefühl zu beschreiben 😉 Wie ihr wisst gibt es immer eine Kehrseite der Medaille. Die Kehrseite unserer momentan wundervollen Freiheit ist das Heimweh. Das Heimweh nach unseren Lieben, euch! Auch dieses Gefühl hat ne mega Wucht, sodass Heimweh und Freiheit im Duell ebenbürtige Gegner sind! Wer gewinnt? Ihr wisst ja, wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte: der Plan. Ja, man könnte sagen, der Plan gewinnt, denn der sieht so aus, dass wir noch ein paar Länder vor uns haben, die von uns entdeckt werden wollen. Deshalb enden die Gefühlsduelle in der Regel mit unserer Vorschau auf den bevorstehenden Plan. Alles hat seine Zeit, dies ist die Zeit die wir uns für die Erfüllung unseres Traums genommen haben. Und es wird die Zeit kommen, in der wir wieder zuhause sind!:-)

Anlässlich des Einjährigen ist für euch vielleicht auch interessant zu erfahren, wie Michi und ich uns eigentlich noch verstehen, oder? Wir wurden während der Reise öfters von anderen Reisenden gefragt, wie es bei uns so mit 24/7 klappt. Ich denke es gibt kaum eine bessere Bewährungsprobe für eine Beziehung als gemeinsam eine Zeit lang zu reisen. So genau lernt man sich glaube ich nur bei intensivem-Zeit-verbringen kennen. Im Alltag geht meist jeder seinem Job nach und auch wenn man gemeinsam wohnt, muss man gemeinsame Zeit oft planen (je nach Arbeitszeiten). Dazwischen geht jeder so seinen Dingen nach. Da ist ein Jahr zusammen in fast jeder Minute (es gibt Orte, da geht man einfach alleine hin 😀 ) eine absolute Umstellung, wie ihr euch vorstellen könnt. Klar haben wir uns gestritten, klar war da nicht nur Friede Freude Eierkochen oder unendliche Romantik, aber wir sind ja auch nicht in nem unrealistischen Hollywood Film… Um das Ganze auf den Punkt zu bringen: Michi und ich verstehen uns besser denn je (es werden bald 5 Jahre zusammen, wie uns letztens aufgefallen ist), haben eine menge gemeinsamer Erfahrungen gesammelt, die unser Band noch verstärkt haben und wir haben beschlossen auch neu entdeckte Macken an uns gehören zu uns und wir mögen uns seeeeeeeehr! Ach herje, das ist jetzt glaube etwas schnulzig geworden, aber wie erzählt man von Liebe ohne schnulzig zu werden? 😀

Ihr Lieben, wir drücken euch alle von Herzen und freuen uns jeden Tag auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr… Oder in zwei 🙂

Eure Weltenbummler

PS: Für uns geht es jetzt in den Urlaub vom Urlaub nach Bali 🙂 Wir reisen dort für einen Monat mit unseren Australienbummlern Denise und David. Wahrscheinlich melden wir uns erst danach wieder, wenn wir zurück in Neuseeland sind.

Peter und seine Flatmates Teil 2

Peter und Kimberly kommen wieder zusammen

Also um eins vorweg zu nehmen, eigentlich war unser Ziel hier in Blenheim zu überwintern und sich gegen die Langeweile etwas Arbeit zu suchen. Wir haben absolut nicht damit gerechnet, dass wir in dieser Zeit groß was erleben und hätten nichts dagegen gehabt, darauf zu verzichten. Aber es kommt wie es kommt…

Im letzten Beitrag über unsere Arbeit haben wir ja schon berichtet, dass Peter nach seinem Housesitting im Krankenhaus lag, eine Schädelfraktur, Schulterfraktur, sowie angebrochene Knochen an Hand und Arm hatte. Das erfuhren wir durch die Textnachricht, was jedoch passiert war, wussten wir bis dahin nicht.

Ich knüpfe vielleicht besser direkt an. Nachdem Peter ja mit Kimberly Schluss gemacht hat und den darauffolgenden Abend, ein Samstag, die Trulla aus dem Maklerbüro bezirzt hatte, war es schon ein wenig komisch, am Dienstag darauf Peter zu sehen, der mit Kimberly hereinspaziert kam. Sie setzten sich kurz ins Wohnzimmer um ihr Takeaway von McDoof zu essen, anschließend verschwanden beide in Peters Zimmer. Ich vermute, sie haben sich ausgesprochen. Sie ging auch nach ein paar Stunden nach Hause.

Dann kam der Donnerstag und wie gesagt, sagte uns Peter, dass wir heute Sturmfrei haben, da er auf ein Haus aufpassen soll etc. Dann am Freitag die SMS, dass er mit den Brüchen im Krankenhaus liegt. Er wurde dann aber auch am darauffolgenden Tag entlassen und entschied sich wegen seiner Einschränkungen erst mal bei Mutti, ein paar Straßen weiter, zu bleiben. Diese kam dann auch die Tage danach vorbei und brachte uns Feuerholz, da Peter ihr sagte, es würde wahrscheinlich bald ausgehen. Von ihr erfuhren wir auf Nachfrage, dass er einen Balkon hinunter gefallen war. Wir dachten: entweder es war glatt/glitschig oder er war besoffen, naja oder beides… Nach ca. ner Woche (ja wir hatten das Haus komplett für uns allein) kam er uns dann abends „besuchen“ (ist ja sein Haus, aber er kam halt nur kurz vorbei), um uns zu sagen, dass er ab morgen wieder zurück in sein Haus kommen würde. Er hatte den Arm in der Schlinge und erzählte auch, dass er starke Schmerzmittel und Schlafmittel nehmen müsse (wegen der Schädelfraktur) und sah auch sehr mitgenommen aus. Natürlich stellten wir dann auch irgendwann die Frage:

Was zum Geier ist eigentlich passiert?

Peter erzählte, dass er und Kimberly in dem Haus des Freundes waren, wo es eine Art von Balkon gab. Diese Brüstung war wohl an sich nicht gerade hoch, etwa bis knapp unter die Hüfte. Dort stand er wohl nicht mehr ganz nüchtern und rauchte. Kimberly hatte in Peters Handy geschnüffelt und Nachrichten von Brenda entdeckt, ihr wisst schon, die Schnalle aus dem Maklerbüro. Jedenfalls war Kimberly überhaupt nicht erfreut zu sehen, dass er mit einer Brenda schrieb und lief zu ihm und schubste (!) ihn mit den Worten: Wer zum Teufel ist Brenda? Der Schubs war wohl nicht mit der Absicht dahinter, ihn wirklich da runter zu schubsen, sondern schätzte er es eher so ein, dass sie einfach super eifersüchtig war und ihr Temperament mit ihr durchgegangen ist. Peter war so überrascht darüber, dass er sein Gleichgewicht nicht halten konnte und 4 Meter tief runter auf Beton fiel. Nun ja, auch wenn dies nicht absichtlich war, sie hatte ihn geschubst.

Da Kimberly sich allerdings bei der Polizei bewerben wollte, redete sie auf Peter ein, nicht zu sagen, dass sie ihn geschubst hat. Wie auch immer, der Sanitäter hats wohl mitbekommen. Um kurz noch die Eifersucht von ihr zu erklären: Peter hatte sie wohl ein paar Wochen zuvor betrogen, was auch der Grund für die Trennung war. Wahrscheinlich haben wir das schon geschrieben, aber nur nochmal zum vollständigen Bild. Wie auch immer, Peter sagte, er wolle sie nicht anzeigen, da er nicht den Eindruck hatte, dass sie das Ziel hatte ihn vom Balkon zu schubsen, sondern, dass sie dies nicht bedacht hatte, dass er über die Brüstung fallen könnte. Er wollte ihr keine Schwierigkeiten für ihre Zukunftspläne bereiten. Das war seine Begründung. Als er wieder zurück im Haus war zog zwei Tage später eine weitere Mitbewohnerin aus Tschechien bei uns ein: Olga. Wir hatten bereits unsere erste Arbeitswoche hinter uns. Auch Olga hatte frisch einen Job auf dem Weinfeld angefangen.

Rückkehr im Haus nach dem Unfall

Nach dem Unfall blieb Peter, wie gesagt, ne Woche bei seiner Mutti. Er sagte, er war sehr sauer auf Kimberly und wollte Abstand. Als er dann wieder im Haus zurück war, war sie jeden Tag abends da. Wir haben dann abgesprochen, dass wir abends gemeinsam kochen und WG-Essen machen, einmal wir und einmal die beiden, abwechselnd halt. Es waren wirklich ein paar nette Abende. Olga hat sich daran nicht beteiligt, sodass wir mit den beiden allein die Abende verbrachten. Am Donnerstag, es war unsere zweite Arbeitswoche, vielleicht erinnert ihr euch, es war die Woche in der wir an die 50 Dollar Stundenlohn erarbeitet hatten und dementsprechend müde waren, kamen noch Freunde von Peter für einen Umtrunk vorbei. Ich war bereits im Bett, Michi wollte sein Bierchen noch leer trinken und saß schon im Pyjama auf dem Sofa als die Freunde aufgetakelt wie bei ner Hochzeit hereinspaziert kamen. Michi fühlte sich nicht wirklich wohl und beeilte sich dann auch schnell ins Bett zu kommen. Wir hörten sie noch etwas lachen und Wein trinken, wir waren jedoch echt müde und sind dann auch direkt eingeschlafen. Peter entschuldigte sich am nächsten Tag, wir versichertem ihm jedoch, dass es kein Problem gewesen ist. Kam ja nicht jeden Tag vor und die Freunde wollten sich verabschieden, da sie in eine andere Stadt ziehen würden. Er sagte auch, dass sie um 24 Uhr im Bett waren, er musste am nächsten Tag ja auch arbeiten (es waren seine ersten paar Tage nach dem Unfall).

Die Freakshow

Am Freitag nach der Arbeit waren wir richtig am Arsch. Sorry, aber es beschreibt genau unseren Zustand: wir sind täglich fast 20 km gelaufen… Das heißt mit uns war nicht mehr viel anzufangen. Wir wollten ein Bier trinken, ein Film schauen und ins Bett. Olga war ausgegangen und Kimberly kam am frühen Abend vorbei, die beiden verschwanden in seinem Zimmer für ne Weile und verließen dann das Haus mit ner Flasche Hochprozentigem unterm Arm. Sie baten uns noch auf den Hund von Peters Mutti aufzupassen, der ab und an da war, wenn Peters Mum geschäftlich unterwegs war. Der kleine Kerl ist richtig toll, sodass wir sofort zusagten und einen Abend kuschelnd mit Hund auf dem Sofa verbrachten. Wir sind dann um halb zwölf ins Bett gefallen. Einige Minuten später hörten wir, dass Peter zurück kam und weitere Stimmen. Wir dachten: na toll schon wieder ne Party. Wir waren richtig fertig und wollten einfach nur schlafen, ich zog mir die Decke über den Kopf und versuchte zu schlafen. Es war ein sehr unruhiger Schlaf, da es immer wieder sehr laut war und ich immer wieder aufwachte. Um halb vier wachte ich wieder auf, keine Ahnung ob durch Geräusche, auf jeden Fall merkte ich, dass ich pinkeln musste. Die Party war im vollen Gange, man hörte verschiedene männliche Stimmen und Kimberly, Gläser klirren. Ich war mir noch unschlüssig ob ich warten sollte, ich hatte eigentlich keine Lust in meinem Schlafanzug in die Party zu platzen, denn um auf Toilette zu kommen, musste ich definitiv an der Meute vorbei. Während ich noch überlegte, was ich tun würde, wurde es unter den Feiernden lauter. Plötzlich hörte ich Peter brüllen: Verlass mein Haus! Verlass mein fucking Haus!“ (naja auf englisch halt). Und auch Michi erwachte. Es entstand eine Rangelei, wir hörten getrampel auf dem Fußboden und wie jemand gegen die Zwischentür, die die Küche/Wohnzimmer von unserem und Olgas Zimmer abtrennt, knallte. Peter rief, er solle aufhören, da er eine Schädel- und Schulterfraktur habe. Daraufhin hörten wir schwere Schritte weg von der Zwischentür hin zur Hintertür des Hauses. Diese wurde mit einem lauten Knall zugeschlagen. Unser Zimmer geht in Richtung Vorgarten raus, dort ist überall Schotter, sodass wir hörten wie jemand auf dem Schotter lief, jedoch nicht weg vom Haus, sondern zur Vordertür. Dort angekommen gab es einen lauten Knall und das Geräusch von splitterndem Glas. Die Vordertür ist aus Holz, hat aber mehrere große Fensterelemente. Eigentlich besteht sie mehr aus Glas, als aus Holz.

Das war dann auch der Moment als wir aufsprangen. Michi war total geladen und ist imposant in den Raum gestürmt und hat gerufen, was zur Hölle hier eigentlich los ist (auch auf englisch). Kimberly stand in dem kleinen Gang vor der Haustüre, überall Glassplitter und redete auf einen Typ an der Tür ein. Außerdem war da noch ein fijianischer Kerl, der die Glasstücke aufsammelte und versuchte aufzuräumen. Ich fand es echt schwierig die Situation einzuschätzen, da einer der Kerle wohl anscheinend ja ziemlich aggressiv war und die Tür eingetreten hatte und nun überall Glassplitter lagen, ich versuchte erst mal Michi aus der Situation etwas weg zu holen. Dann fragten wir Kimberly was hier eigentlich los sei. Ich kümmerte mich parallel um den Hund, der völlig verängstigt und zitternd auf dem Sofa stand, in sicherer Entfernung. Kimberly sprach mit uns das erste mal komplett nur in Deutsch und das mehr als einfach nur gut. Wir wussten nicht, dass ihr Deutsch auf so einem Niveau ist! Auf jeden Fall erzählte sie uns, dass Peter sie betrogen hätte, er manchmal scheiße ist und deshalb der eine Typ die Tür eingeschlagen hat. Das machte für uns alles überhaupt keinen Sinn. Außerdem erzählte sie uns, dass Peter die Männer in einer Kneipe an diesem Abend kennen gelernt hatte. Sie war bereits im Bett und diese hätten sie aus dem Bett geholt. Allerdings hatte sie nicht wie wir einen Pyjama an, sondern war noch in Jeans und Bluse, was irgendwie auch nicht zusammen passte. Peter war zu dem Zeitpunkt nicht zu sehen. Kimberly diskutierte weiter mit dem Typ an der Tür, der ein paar Minuten nachdem er die Tür eingeschlagen hatte, fragte, ob ER das gewesen sei. Irgendwann kam die Polizei (wir erfuhren später, dass Peter sie angerufen hatte) und Peter sprach mit ihnen draußen im Vorgarten. Kimberly versteckte sich hinter der Tür, sie wollte offensichtlich nicht mit der Polizei reden. Aber Peter holte sie irgendwann, damit sie mit der Polizei redete. Der Fijianer war immer noch damit beschäftigt aufzuräumen und wollte die geladene Atmosphäre etwas entspannen, indem er immer wieder sagte, relaxt Leute und versuchte Scherze zu machen. Allerdings hatte er echt Mühe damit, da er selber absolut betrunken war. Irgendwann war die Polizei weg, Peter war ziemlich angepisst und sehr betrunken. Wir versuchten nach dieser Aufregung etwas Ruhe rein zu bringen und machten Kaffee. So saßen wir mit Peter, Kimberly, dem Fijianer und einem Kerl, der draußen war und den wir davor noch nicht gesehen hatten (wir nennen ihn John), zusammen am Esstisch. Die Männer allerdings entschieden sich neben dem Kaffee weiter Rotwein zu trinken und boten uns auch etwas an. Wir fanden das echt so unfassbar schräg, weil wirklich alle, vor allem Peter, suuuuuuuuuper betrunken waren und für unser Verständnis das der Moment gewesen wäre eine Party aufzulösen, alle nach Hause zu schicken und ins Bett zu gehen. Naja dem war nicht so. Das führte dazu, dass ständig ein volles oder fast volles Glas Rotwein beim Gestikulieren oder beim Versuch es zu greifen oder bei was auch immer umfiel. Der Fijianer war fast durchgängig damit beschäftigt die Sauerei aufzuwischen. Wir versuchten herauszufinden ob der Typ von der Polizei mitgenommen wurde, das bejahte Kimberly. Die ganze Situation war echt schwierig durchzusteigen, schon bei deutsch sprechenden Betrunkenen ist es ja fast immer ne anstrengende bis aussichtslose Sache eine zusammenhängende situationserklärende Geschichte herauszuhören. In Kiwi-Englisch war das nachts um 5 ne wirklich unmögliche Nummer gewesen! Das Einzige was wir irgendwie wahrnahmen war, dass Kimberly und Peter sich mehr oder weniger ignorierten, John immer wieder zu Peter sagte, er müsste Kimberly mehr respektieren. Er wurde dann irgendwann gebeten zu gehen, von Peter und Kimberly, das dauerte jedoch ne Weile, da er sich erst noch von Kimberly mit einer Umarmung verabschieden wollte (diese verzog angewidert das Gesicht und versuchte ihn abzuschütteln) und dann ein paar mal wieder zum Haus zurück kam, unter seltsamen Vorwänden. Dem Fijianer wurde angeboten auf dem Sofa zu schlafen. Davor machten jedoch Peter und er noch eine weitere Flasche Wein auf. Ich glaube, als wir dann alle im Bett waren, war es 6 Uhr morgens. Peter hatte wohl im Laufe des Abends sein Feuerzeug verlegt, sodass er seine Zigaretten an der elektrischen Spiralherdplatte anzündete. Glücklicherweise musste Michi nochmal auf Toilette und hat gesehen, dass er bei seiner letzten Zigarette wohl vergessen hatte die Herdplatte auch wieder aus zu machen. Das wäre ja großartig gewesen. Nicht nur Tür kaputt, sondern noch die ganze Bude abgefackelt! Um ca. 9 hörten wir bereits, wie die Vordertür etwas lauter zugemacht (nicht so geknallt wie in der Nacht zuvor, aber es war eben laut genug zum aufwachen) wurde und hörten, wie jemand auf dem Schotter vom Haus weglief. Ich war völlig entnervt, nur ein paar Stunden Schlaf, außerdem konnte ich nach der ganzen aufwühlende Geschichte auch nicht direkt einschlafen und jetzt sind die schon wieder wach? Ich hab dann gehört, wie Peter und der Fijianer sich unterhalten und auch gelacht haben und es wurde abgespült. Kurz danach hörten wir wieder die Haustür und wie Peter mit seinem Auto weg fuhr. Dann war es still im Haus. Wir beschlossen aufzustehen und uns ein gutes Frühstück nach der Nacht zu gönnen. Da wir von Olga nichts gesehen und gehört hatten und sie auf keinen Fall bei dem ganzen Lärm der vergangenen Nacht nichts mitbekommen haben kann, lag die Annahme nahe, dass sie die Nacht nicht im Haus verbracht hatte. So war es dann, in ihrem Fall glücklicherweise, wie sich später herausstellte auch. Wir genossen dann unser Frühstück, ließen die Nacht Revue passieren und dachten zu diesem Zeitpunkt die Geschichte wäre geschrieben. Hahaha, da hatten wir uns sehr getäuscht. Während wir noch am Frühstückstisch saßen, mit Blick auf die kaputte Tür (es war im übrigen echt kalt dadurch in der Bude), kam Peters Mutti vorbei. Sie erzählte, dass sie gleich einen Termin mit einem Glaser habe, der sich die Tür ansieht. Der Glaser hat dann nur ein Brett drüber geschraubt und wollte dann Anfang der nächsten Woche kommen, um neues Glas rein zu machen. Die Mutti hatte sich dann nach uns erkundigt, wie es uns geht. Wir haben ihr dann ein bisschen von der Nacht erzählt. Sie war sehr schockiert, anscheinend hatte ihr Peterchen nicht so viel davon erzählt. Der Knaller war jedoch, als sie sagte, er sei bei ihr zuhause und mache ein Nickerchen. Der Kerl ist über 30 Jahre alt und schickt seine Mami um seinen Mist von der Vornacht auszubaden? Die dann auch noch etwas aufräumt nach der rauschenden Party? Michi und ich waren echt baff. Und ehrlich gesagt auch echt sauer. Unser Vermieter schmeißt ne Party, die sowas von aus dem Ruder läuft, wir sitzen in unserem Pyjama verschlafen inmitten dieser Freakshow und haben bestimmt die schrägste Nacht unseres Lebens und dann haut der Herr ab, um bei Mami seinen Rausch auszuschlafen und uns in der kalten Bude hocken zu lassen, übermüdet!!!!???? Ich war richtig sauer! Naja Mutti kam dann noch n paar Mal an dem Tag, jedoch war das Ganze immer noch nicht beendet. Nein, wo denkt ihr hin. Zwischendrin, also irgendwann nach dem Frühstück, klopfte es an der Tür. Als ich aufmachte standen da zwei Polizisten in Uniform. Mein erster Gedanke war, sie kommen wegen der Tür und der Geschichte in der Nacht. Sah auch erst mal danach aus, als sie nach Peter fragten. Wir erzählten ihnen, dass er bei seiner Mum sei. Als sie nach der Adresse fragten, mussten wir passen, aber wir boten ihnen an, seine Handy Nummer zu geben. Wir baten sie rein. Michi musste sich dann erst mal ausweisen, damit sie sicher waren, dass er nicht Peter ist. Dann fragten sie uns, ob wir wüssten, warum sie da seien. Wir verneinten. Sie sagten, dass es einen Zwischenfall zwischen Kimberly und Peter an diesem morgen gab und Kimberly Peter angezeigt habe. Ob wir etwas gehört hätten? Wir berichteten, dass wir gehört haben, dass jemand um 9 rum das Haus verlassen hat, mehr haben wir jedoch nicht gehört. Dazu muss man sagen, dass unser Schlafzimmer und Peters Schlafzimmer direkt nebeneinander liegen und die Wände hier sind zwar nicht ganz so typisch Kiwi pappartig, aber natürlich auch nicht so, dass man gar nix hört. Wenn sich die beiden etwas lauter unterhalten haben, konnten wir das nicht unbedingt wortwörtlich verstehen, aber das Geräusch hören. Ich war natürlich sofort alarmiert und hab da nur rausgehört, dass Peter Kimberly etwas angetan hat, weshalb sie jetzt Anzeige erstattet hat. Ich hab direkt gefragt, wie es Kimberly geht und im gleichen Atemzug gemeint, dass ich weiß, dass sie wahrscheinlich nichts sagen dürfen. Er meinte nur, sie sei verärgert im Moment. Die zwei Polizisten sind dann gegangen und wir waren echt betroffen und wussten gar nicht mehr was wir denken sollten. Ist Peter nach dem ganzen Alkohol und den nur wenigen Stunden Schlaf, die ihn definitiv nicht ausgenüchtert haben, aggressiv und gewalttätig geworden? Und wir waren direkt im Nebenzimmer? Aber wir haben auch niemanden schreien hören. Sind wir hier eigentlich noch sicher (wir können unser Zimmer nicht schließen bzw. abschließen, da ist kein Schloss drin, das heißt die Tür ist immer irgendwie nur angelehnt)! Das war bis dato kein Problem, weil wir uns auch nicht unsicher gefühlt haben, aber wir wussten nicht, ob diese Art von Nacht bei Peter öfter vorkommt und wir uns überhaupt noch sicher in dem Haus fühlen können. Am liebsten hätte ich meine sieben Sachen gepackt und wäre direkt mit dem Campervan weiter gezogen. Aber es war zu dieser Zeit nachts sehr kalt und wir hatten ja noch die Arbeit. Außerdem stellen sich so überstürzte Sachen im Nachhinein oft nicht als die besten Entscheidungen heraus. So versuchten wir für uns heraus zu finden, ob es eine gute Idee zu bleiben sei oder nicht. Ein Sache die wir dafür unternahmen war zu klären, wie es Kimberly ging. Nicht nur wegen uns, sondern weil wir uns natürlich erst mal Sorgen machten. Wir wussten ja nicht was passiert war. So schrieben wir ihr über ein soziales Netzwerk eine Nachricht. Sie antwortete nur, dass Peter sie verletzt hätte (nicht näher ob physisch oder psychisch) und dass sie nicht mehr vorbei kommen wird. Naja so viel schlauer waren wir dadurch auch nicht. An diesem Tag kamen Peter und seine Mutter noch ein paar mal vorbei um nach dem Autoschlüssel von Kimberly zu suchen. Sie hatte einen Firmenwagen. Die Polizei hatte uns auch danach gefragt, ob wir in der Nacht diesen Schlüssel irgendwie irgendwo gesehen hatten. Tja der Schlüssel war vom Erdboden verschwunden. Am nächsten Tag kam Peter mit seiner Mutti vorbei und wollte mit uns sprechen. Wir waren noch im Bett und sehr überrascht. Nachdem wir uns angezogen und Kaffee gekocht hatten, kam heraus, dass Peter wohl von seiner Mutti überzeugt wurde, dass er sich bei uns entschuldigen sollte. Er war super gestresst, sprach sehr schnell und seine Mutter, sagte mehrmals, dass er sich beruhigen sollte. Er erzählte dann ein wenig über den Verlauf des Abends aus seiner Perspektive und sagte, er habe Kimberly rein gar nichts getan. Er habe an diesem morgen mit ihr Schluss gemacht und sie kam damit wohl nicht zurecht und habe daraufhin diese Geschichte bei der Polizei erfunden. Wir haben ihm bei diesem Gespräch auch gesagt, dass wir echt ziemlich enttäuscht waren, dass er sich so rücksichtslos uns und der anderen Mitbewohnerin gegenüber verhalten habe. Auch dass er den fremden Mann auf der Couch hat schlafen lassen, Olga war zwar in dieser Nacht nicht da, jedoch wusste keiner davon und wir kannten diesen Mann alle nicht… Das sind alles in der Summe Entscheidungen von ihm gewesen, die seine Mitbewohner irgendwie nicht vorgesehen haben. Wir haben ihn nochmals daran erinnert, dass ER sich dafür entschieden hat, sein neu erworbenes Haus mit anderen Menschen zu teilen… Ich hab das nicht böse oder laut gesagt, aber ich habs halt einfach gesagt. Er hat sich entschuldigt und sah aus, wie ein kleiner Junge, der gerade ausgeschimpft worden war. Puh, naja, es war auf jeden Fall ne schräge Geschichte. Ach ja und er eröffnete uns, dass er bis auf weiteres bei seiner Mum bleiben wird. Wir fanden den Abstand nach der Geschichte erst mal ganz gut. Rückblickend war das auch wirklich hilfreich, um das Verhältnis wieder zu entspannen. Naja, so hatten wir dann erst mal das Haus alleine mit Olga.

Der Anwalt vom Anwalt

Zwei Tage später hat uns Peter nach der Arbeit angerufen und uns gebeten mit seinem Anwalt zu sprechen. Wir waren erst einmal verwundert und wussten das Ganze auch nicht so gut einzuschätzen. Bei der Zusage haben wir uns dann auch erst mal nix weiter dabei gedacht. Der Termin sollte am selben Abend bei uns im Haus stattfinden. Wir schnell nach Hause und duschen. Wir hatten dann eigentlich geplant unser Abendessen nach dem Termin zu essen und haben gewartet und gewartet. Da er dann 20 Minuten über der Zeit war, haben wir gedacht, ok wie immer mal wieder hier in Neuseeland, er sagt er kommt heut, kommt aber morgen… Also haben wir angefangen fertig zu kochen und zu essen. Na klar, und wie das dann so ist, als wir die erste Gabel in den Mund schieben wollten, klopfte es und der Anwalt stand vor uns. Wir hatten zwischen Peters Anruf und dem Termin mit dem Anwalt etwas Zeit über das Ganze nachzudenken und uns ist bewusst geworden, dass das Ganze doch wohl eine hochoffizielle Geschichte wird und wir da grade volle Granate mit rein gezogen werden. Und es kommt dazu, dass wir Gäste hier in diesem Land sind, ihr wisst, das bedeutet immer nochmal eine andere Stellung. Und das Ganze war ja noch nicht mal unser Ding. So hatten wir, bevor wir was zu dem Abend und dem Morgen zu dem Anwalt gesagt haben, erst mal ein paar Fragen: Machen wir damit eine offizielle Aussage? Was bedeutet das für uns, wenn es zu einem Gerichtsverfahren kommt? Müssen wir vor Gericht auch eine Aussage machen? Was ist, wenn wir in einem anderen Land als Neuseeland sind? Könnten wir irgendwelche Einschränkungen mit unserem Visa haben, da wir jetzt in eine polizeiliche Geschichte verwickelt wurden? Ich weiß, es mag sich vielleicht etwas überverunsichert anhören, aber wir lieben es wirklich sehr hier zu sein und wollen es so lange wie möglich hier genießen. Und wir wollen die Option haben, Neuseeland wieder zu besuchen wenn wir das möchten. Das alles haben wir dadurch in Gefahr gesehen. Wir haben ja überhaupt keine Ahnung wie das Rechtssystem hier funktioniert und welche Rechte wir als Ausländer haben… Der Anwalt hat uns beruhigt und auch sehr gut darüber aufgeklärt, was eine Aussage für uns bedeuten könnte. Mit unserem Visa kann es nicht in Verbindung gebracht werden, es wird berücksichtigt, dass Englisch nicht unsere Muttersprache ist, und falls wir in einem fremden Land sein sollten, das mit Neuseeland kein Abkommen hat, und der Richter gerne persönlich unsere Aussage hören wollen würde, dann würden wir auf Staatskosten eingeflogen werden und das Hotel würde auch bezahlt. Ich denke es gibt schlimmere Aussichten, als nochmals einen kurzen bezahlten Urlaub in Neuseeland zu verbringen 🙂

So haben wir ihm dann unsere Beobachtungen geschildert, wobei es grundsätzlich ganz gut lief mit dem Englisch, es jedoch auch an der ein oder anderen Stelle wirklich schwierig war das exakte Wort, das die Beschreibung auf den Punkt bringt, zu geben oder zu wissen. Außerdem gab es Missverständnisse mit Doppeldeutigkeiten von Wörtern. Er hat sich das alles notiert. Nach knapp zwei Stunden waren wir alle ziemlich erschöpft und er bat uns noch einmal mit uns einen Termin zu machen, da es so viele Infos seien und er sie jetzt auch nicht mehr aufnehmen kann. Wir hörten nach etwa einer Woche wieder von ihm, da bat er uns sonntags zu sich ins Büro. Er fragte zu ein paar Dingen nochmals genauer nach. Irgendwann schloss er dann die Akte, sagte uns, er wird das Ganze die Tage abtippen und uns dann bitten es zu unterschreiben. Unsere und ein paar weitere Aussagen von Bekannten und Freunden von Peter, die an dem Abend zuvor mit dabei im Pub waren, wurden zusammen getragen und dann gebündelt an die Polizei gegeben. Auch von den Männern, die an dem Abend im Haus waren, wurde versucht Aussagen zu erhalten. Soweit wir wissen hat jedoch keiner ausgesagt. Die gesammelten Aussagen würden mit der Aussage von Kimberly verglichen und die Polizei kann dann entscheiden, ob es Sinn macht, eine weitere Instanz höher zu gehen. Das wäre dann das Gericht mit Schiedsgericht (heißt das so in deutsch??? Naja, eine Jury, die dann die Glaubwürdigkeit und die Schuld der Beteiligten einschätzt). Ich weiß nicht ob ich das so hundertprozent wiedergegeben habe, aber ich denke es geht mehr drum, dass man ne grobe Vorstellung bekommt. Die abgetippte Aussage zum unterschreiben haben wir dann erst ein paar Wochen später erhalten. Nach einigen Änderungen haben wir diese dann auch unterschrieben. Das war vor etwa 1,5 bis 2 Monaten. Peter wohnt immer noch bei seiner Mutter. Ein Ergebnis gibt es noch nicht. Ob wir das noch erfahren? Keine Ahnung… Was genau passiert ist? Ja das haben wir uns auch gefragt. Hier die Story:

Die „wahre“ Geschichte, oder zumindest das was uns erzählt wurde, wir waren ja nicht dabei…

Diese Version ist von Peter, wir kennen nur seine:

Peter und Kimberly sind an dem Abend ausgegangen, in einen Pub. Dort trafen sie auf Megan, das Mädel mit dem Peter Kimberly betrogen hat. (Von ihrer Existenz wussten wir bis dato auch noch nix). Das Ganze war wohl auch vor unserem Einzug. Megan war mit ihrem Bruder bei der Party. Kimberly kam mit dieser Situation wohl überhaupt nicht klar und hat Megan lauthals im Pub beschimpft: Schlampe, Hure, ihr wisst schon, weitere nicht so schöne Sachen. Lasst eurer Fantasie freien Lauf. Sie ist da wohl ziemlich aggressiv aufgetreten, wohl auch weil sie schon ziemlich einen in der Krone hatte. Kimberly wollte dann der Situation entfliehen und mit dem Auto (ein Dienstwagen wie gesagt), nach Hause fahren. Davon haben sie Freunde abgehalten und ihr den Schlüssel abgenommen (das ist der wohl vernünftigste Teil dieser Geschichte :-D). Da wohl alle Beteiligten der Party gut im Alkohol standen, war nicht mehr so ganz klar, bei wem der Schlüssel verblieben war. So gab es eine Einschätzung, die auch gegenüber der Polizei geäußert wurde, dass der Schlüssel an Peter weiter gegeben wurde und bei ihm verblieb. Der wusste davon nix und wusste auch nichts anderes. Deshalb die Suchaktion am darauffolgenden Tag. Peter war die ganze Situation im Pub auch zu blöd und er wollte gerne weiter trinken. Deshalb verließ er die Party mit Megan und ihrem Bruder um in sein Haus zu gehen (da wo wir schlafen wollten). Das waren auch die Stimmen, die wir hörten als wir erst kurz im Bett waren. Dann tauchte Kimberly auf und legte wohl eine Szene hin, sodass Megan und ihr Bruder entschieden zu gehen. Peter und Kimberly hatten einen Streit und Peter sagte ihr: Ich gehe jetzt in die Stadt ins Pub, wenn ich wieder komme, bist du weg! Das hat er dann auch gemacht. Dort im Pub lernte er die drei Männer kennen und lud sie spontan ein, bei sich zuhause (wo wir immernoch schliefen) weiter zu trinken, ist ja deutlich günstiger als in der Kneipe. Kimberly hielt nix von Peters Anweisung und blieb einfach im Haus, bombardierte ihn mit Nachrichten und Anrufen auf dem Handy. Als er dann mit den Männern im Haus ankam, warf Kimberly schnell das Thema in die Runde, dass Peter sie betrogen habe. In dieser schrägen Therapierunde wurde dann von den drei Männern festgestellt, dass es dafür eine Lösung ihrer Beziehung gibt: Kimberly hat einfach einen Freibrief und kann ja einfach auch mit einem anderen Mann schlafen. Dann seien sie quitt. Und ach welch Überraschung: gerade seien ja auch drei zur Auswahl… Ihr könnt euch vorstellen, so oder ähnlich schräg wird das gewesen sein. Auf jeden Fall war der eine der nicht gehen wollte, John, ganz angetan davon, dass Kimberly den Freibrief mit ihm haben könnte. Peters Standpunkt dazu war: schlaf mit wem du willst, nur nicht in meinem Haus. Ab hier wird es noch konfuser: Ich könnte mir vorstellen, vor allem der Alkohol aber auch die Aussicht auf möglichen Sex hat die Männer ein wenig gaga gemacht. Auf jeden Fall waren sie mit Peters Aussage nicht so einverstanden und haben darüber diskutiert. Der Freund von John, war dann derjenige der angefangen hat Peter anzuschreien und auf ihn los zugehen, als Peter ihn rausschmeißen wolle. Er wollte wohl seinen Freund beschützen, weil er fand, dass Peter so nicht mit ihm sprechen dürfe. Keine Ahnung. Dann wie gesagt, gab es diese Rauferei, der Typ hat dann von Peter abgelassen, ist zur Hintertür raus und hat das Glas der Vordertür eingetreten. Den Rest kennt ihr ja bereits.

Hier anzumerken ist: Peter hatte die Polizei gerufen, um den Fenstereintreter abholen zu lassen. Er hat jedoch bei dem Anruf gesagt, dass jemand in sein Haus einbrechen wolle. Als die Polizei kam und raus kam, dass die Männer von ihm in sein Haus zuvor eingeladen wurden, meinten sie, Peter hätte eine falsche Angabe gemacht und ein Einbruch höhere Priorität hätte als eine Sachbeschädigung, oder so ähnlich. Sie haben sich auf jeden Fall verarscht gefühlt und das war der Grund, warum Peter Kimberly bei dem Gespräch mit der Polizei dazu geholt hat. Diese hat dann Peter einfach weg geschickt und allein mit der Polizei geredet. Die Polizisten sind dann kurze Zeit später weg gefahren, übrigens ohne den Typ mitzunehmen. Peter hatte als die beiden zu Bett gingen das Thema nochmal angesprochen, er hatte mitbekommen (trotz Alkohol), dass da wohl was schräg gelaufen ist, sodass er Kimberly gefragt hat, ob der Typ wirklich mitgenommen wurde, so wie sie es zuvor uns allen erzählt hat. Sie hat das dann verneint. Er wollte wissen, was sie zur Polizei gesagt habe. Sie wollte erst nicht weiter darüber reden, sagte aber schon sowas wie, dass sie ihnen gesagt habe, dass Peter einfach sehr betrunken sei und das Ganze nicht mehr so peilt. Sie wollte aber nicht wirklich was darüber raus lassen und sagte, sie wolle schlafen. Am nächsten Morgen habe er ihr dann gesagt, dass die Beziehung nicht mehr funktioniert, er Schluss macht und sie nun seine Sachen packen soll. Das hat sie nicht getan, sodass er ihre Sachen zusammen gepackt hat und vor die Tür gestellt hat. Weil sie nicht raus gehen wollte, habe er sie am Rücken aus der Tür geschoben und diese geschlossen. Was jetzt natürlich ganz genau vorgefallen ist, wissen wir nicht, wir waren nicht dabei. Wir werden uns auch kein Urteil darüber erlauben. Wir denken, die Wahrheit liegt da irgendwo dazwischen. Kimberlys Aussage bei der Polizei soll sich in verschiedenen Punkten sehr widersprechen.

Für uns war diese Geschichte die schrägste Nacht in unserem Leben. Für Peter ein riesen Rattenschwanz, der sich da bisher immer noch zieht und wenn es richtig blöd läuft, auf Lebzeiten ein Makel in seinem Lebenslauf bleiben wird, da er seinen Job verlieren kann und nie wieder als Anwalt arbeiten kann. Wir haben uns gefühlt als wären wir mitten in einer Daily Soap im Fernsehen: Peter und seine Flatmates oder Gute Zeiten, schlechte Zeiten in Neuseeland. Haha.

Auf Jobsuche in einem fremden Land

Aufgrund unseres Visums ist es uns möglich, eine bezahlte Arbeit anzunehmen. Alles, was wir dafür benötigen, wie Steuernummer und ein funktionstüchtiges Neuseeländisches Konto hatten wir bereits erledigt. Also konnten wir direkt loslegen. Julia hatte unsere Lebensläufe, die wir in einer Doppelstunde noch in der Sprachschule in Auckland angefangen hatten, bereits vor einigen Wochen in Englisch erstellt und von Lea nochmal auf Herz und Nieren prüfen lassen. Wann schreibt man schon mal sowas in Englisch? Wir druckten uns ein paar Kopien davon aus und dann gings los. Da wir noch kein Internet in dem Haus hatten, das wurde erst Mitte der Woche installiert, gingen wir in die Bibliothek, um dort nach Stellen zu suchen. Wir klapperten mehrere Portale ab und kamen zu folgendem Ergebnis: Ein Jobportal extra für Backpacker bietet in unserer Region nur Jobs fürs Pruning auf einem Weinfeld an, sprich mit ner Großen Astschere die Pflanzen beschneiden… schwere körperliche Arbeit. Und die Stellen waren auch nur für Männer ausgeschrieben. Die anderen Portale hatten „richtige“ Jobs im Portfolio. Und auf die bewarben wir uns. Einmal als Küchenhilfe in einem Altersheim, bei sämtlichen Schnellrestaurants wie McD, BurgerKing, KFC etc., bei einer Autovermietung, Initiativbewerbungen in sämtlichen Weinfabriken und Fischfabriken.

Die vielversprechendste Stellenausschreibung war die im Altersheim. Also sind Julia und Ich schön mit unseren Lebensläufen hingefahren. Wir sind direkt zur Heimleitung, haben uns kurz vorgestellt, überreichten unsere Lebensläufe und sagten, dass wir Interesse an der Küchenhilfestelle haben. Sie sagte gleich, dass es nur eine Stelle gibt und wir sagten, ja das wissen wir, aber vielleicht gibt es ja noch irgendwas anderes. Sie schaute über Julias Lebenslauf, entdeckte das Masterstudium und war gleich beeindruckt, und meinte, vielleicht gäbe es doch was. Sie würde sich das mal durchlesen und sich melden. Alle anderen wollten grundsätzlich Onlinebewerbungen. Als wir dann ein paar Tage darauf die ersten Absagen bekommen haben (ja, nicht mal die Fastfoodrestaurants wollten uns :-P) schoben wir die Schuld auf unser Visa. Des Weiteren wollten wir ja auch zusammen einen Job. Also bewarben wir uns relativ willkürlich bei allen möglichen Fabriken. Auch da gab es wenn überhaupt nur Absagen. Und dann rief die Frau vom Altersheim an und fragte Julia, wie lange unser Visum geht. Julia sagte es ihr und sie antwortete nur: Oh, nein wir suchen eine Langzeitbesetzung! Peng! Aufgelegt. Nicht mal Tschüss oder Danke… unfassbar. Ja was sollen wir sagen, unfassbar erfolgreich! Im Grunde ist es wie in Deutschland. Von allen Bewerbungen haben wir nur 50% Antwort bekommen und das nur Absagen aufgrund der kurzen Visa. Wir mussten wirklich feststellen, wie sich die Menschen in Deutschland fühlen, wenn sie nicht genügend Deutsch sprechen, kein normales Arbeitsvisum haben oder gar eine Aufenthaltserlaubnis. Wir haben uns echt scheiße gefühlt. Peter, unser Vermieter fragte auch jeden Tag, wie es aussieht und ging uns damit echt auf die Nerven und machte die Lage nicht besser.

An einem Donnerstag Abend sagte er dann, dass wir heute Sturmfrei haben, da er auf das Haus von ein paar Freunden aufpassen muss. Er packte ne Kiste Bier ein und verschwand. Am nächsten Tag erfuhren wir dann, dass er mit einer Schädelfraktur, angebrochener Schulter, Hand und Rippen im Krankenhaus liegt. Wir waren echt geschockt und fragten uns, was passiert sei. Aber dazu später mehr.

Jedenfalls saßen wir am Freitag frustriert zu Hause und beratschlagten uns. Wir sagten uns, wenn es nichts wird mit nem Job, dann ist es so. Wir könnten zur Not eben doch das Pruning auf dem Weinfeld probieren, wenn es nix ist, lassen wir es bleiben. Während Julia sich im Bad fertig machte, bin ich nochmal auf die Webseite mit den ganzen Saisonjobs für Backpacker gegangen. Also in unserer Gegend eben mit der Weinfeldarbeit. Dort stieß ich auf eine neue Anzeige: Lieben sie es den ganzen Tag zu laufen? Super leichter Job etc. Aha, das wäre was für uns. Julia war schon ganz gefrustet, weil wir die Tage eher recherchiert hatten und nicht so viel gelaufen sind. Also ließ ich mir die Stellenbeschreibung durch. Es ging in dem Job darum, die frisch geschnittenen Weinpflanzen anzumalen.

Das klingt doch gut. Viel laufen, körperlich nicht so anstrengend und wir könnten hier zusammen arbeiten. Ich erzählte es Julia ganz aufgeregt und sie sagte, das klingt echt gut, lass uns das probieren. Also bewarben wir uns ganz nach Kiwi-Art… per SMS. Wir sollten kurz sagen, woher wir kommen, wie alt wir sind, ob wir eine eigene Transportmöglichkeit haben und ob wir Bankaccount und Steuernummer haben. Gesagt, getan, kurz darauf kam ne SMS zurück, dass wir wohl die zwei letzten sind, die noch dafür in Frage kommen würden. Der Job sollte schon am Montag beginnen und wir sollten uns noch am selben Tag zwischen 17 und 20 Uhr in einer Bar in einem Hostel vorstellen, damit sie sehen können, das wir Beine zum Laufen haben.

Natürlich sind wir nach typisch deutscher Kultur pünktlich um 16.55 Uhr dort eingetroffen. Unsere Ansprechpartnerin war allerdings noch nicht da. Die kam dann 15 Minuten später und wir gingen ins Büro. Dort hat sie lediglich nach Transport gefragt, bzw. ob wir noch jemand mitnehmen könnten. Da wir den Van ja als Campervan umgebaut haben, verneinten wir die zweite Frage. Dann notierte sie dass wir Füße hatten und sagte, das wohl von den vorerst 8 Stellen wohl doch nur 4 gebraucht werden, und dass eine Stelle definitiv schon an ein Mädel aus dem Hostel vergeben sei. Und das später auch noch mal jemand zum Vorstellen kommt. Wir fragten dann wie viel wir da eigentlich verdienen würden, allerdings konnte sie das nicht genau sagen, aber das ja in Neuseeland der Mindestlohn gilt und wir diesen auf alle Fälle verdienen. Das hat uns als Antwort gereicht. Sie sagte uns, dass sie sich bei uns melden wird.

Also gingen wir hoffnungsvoller Dinge wieder heim.

Am Sonntag bekamen wir dann auch tatsächlich ne SMS, dass wir den Job haben, dass es am Montag los geht und sie sich später meldet, um die Details zu nennen. Jackpot. Natürlich haben wir uns mächtig gefreut. Später rief sie uns an und erklärte uns noch was wir alles mitbringen sollten und wie wir da hin kommen.

Es war ein komisches Gefühl wegen einem Job wieder früh schlafen zu gehen. Das waren wir wirklich nicht mehr gewohnt.

Unser Job als Painter

Als wir Montag um 8 Uhr auf dem Weingut ankamen, staunten wir nicht schlecht. Ein riesiges Gelände. Insgesamt 28 Weinfelder, manche relativ klein, manche riesig. Das größte ist 22 Hektar groß.

Wir trafen uns alle vor dem Weingutbüro und Bert, der Manager begrüßte uns erstmal und sagte, dass wir noch nen Moment warten müssen, bis die Frau mit den Verträgen komme. Also warteten wir eine halbe Stunde. Während dessen fragten wir irgendwann, was wir eigentlich verdienen. Er sagte, etwas von 5,5 Cent pro Pflanze, wenn wir gut und hart arbeiten könnte es sein, dass er uns den Preis erhöht. Allerdings sagte er dass wir den ersten Tag auf Mindestlohn pro Stunde bezahlt werden. Dann kam die Frau mit den Verträgen, wir machten die Verträge klar und lasen alles durch, zwei Stunden später begannen wir auch mit der Arbeit. Franco sei unser Supervisor und zeigt uns das nun. Also sind wir in unsere Autos gestiegen und zum ersten Block gefahren. Vereinfacht erklärt mussten wir die frischen Schnitte der Weinpflanzen mit einer Pflanzenversiegelung anmalen. Diese Farbe wird trocken und härtete so aus, dass es dann wie Gummi ist. Die Schwierigkeit bestand darin, die Schnitte zu entdecken und an diese mit einer etwa 0,5 Literflasche und einem Bürstenaufsatz am Kopf zu kommen. Denn dadurch, dass die abgeschnittenen Zweige noch in dem Drahtgeflecht hingen, war das nicht so einfach. Franco zeigte uns das zwei Minuten, anschließend sollten wir uns jeder eine Reihe vornehmen und das machen. Dann schaute er sich das 5 Minuten an und schaute mal zwischen die Reihen, anschließend fuhr er davon und ließ uns mit unserem Glück allein. Egal, wir machten einfach weiter. Eine junge Frau Mitte Zwanzig füllte ab und an die Farbe wieder auf, ansonsten war nix von jemandem zu sehen. Wir arbeiteten bis 16 Uhr und gingen dann nach Hause. Am nächsten Tag begannen wir da, wo wir aufgehört hatten, allerdings war zu Anfang der Manager Bert da und erklärt es uns nochmal. Diesmal gab es einen Zettel mit einer Tabelle vom ganzen Block. Dort war in einer Spalte die Reihennummer, die Anzahl der Weinpflanzen dieser Reihe und ein Spalte, wo wir unsere Namen reinschreiben sollten. So wusste man, wer welche Reihe gemacht hat. Oben stand 6 Cent, somit wussten wir was wir verdienen. Er betonte nochmal, dass wenn wir gut und hart arbeiten würden, würden wir zwischen Mindestlohn und 20 NZD pro Stunde verdienen.

Um darauf nochmal einzugehen, der Mindestlohn beträgt 15,75 NZD in Neuseeland. Da wir bei der Stückrate nur 6 Cent pro Pflanze verdienen, müssen wir ca. 263 Pflanzen pro Stunde anmalen, um auf den Mindestlohn zu kommen. Wenn wir das schaffen, ist das gut und wir verdienen mehr als Mindestlohn, schaffen wir die Anzahl nicht, muss der Arbeitgeber in Neuseeland auf den Mindestlohn aufstocken. Dazu ist er verpflichtet. Allerdings kann man einem Arbeitgeber nicht verbieten, Arbeitnehmer zu kündigen, wenn er die ganze Zeit aufstocken muss. Also haben wir ganz nach deutscher Manier Gas gegeben.

Wir waren insgesamt elf Leute. Und kaum zu glauben: Wir waren die einzigen Deutschen! Außer uns waren noch drei Engländer, eine Kanadierin, vier aus Uruguay und eine Slowakin (die kam allerdings erst am Donnerstag dazu).

Am Freitag erfuhren wir so nebenbei, dass die Kleine, die die Farbe immer auffüllt auch unsere Supervisorin ist. Sie sagte uns dann, dass wir nicht jeden Schnitt anmalen müssen, sondern nur die größeren. Das machte das natürlich alles etwas schneller.

Bilanz von der ersten Woche: Wir haben jeden Tag unser Pensum geschafft und waren über Mindestlohn. Ich war wohl sogar der schnellste mit knapp 17 NZD pro Stunde. Außerdem erfuhren wir, das wir echt großes Glück gehabt haben, da es echt selten vorkommt, das man vom Weingut direkt angestellt wird und somit einen echt fairen Vertrag erhält. Meistens arbeitet man für einen Vermittler, der dann die Arbeit vermittelt und dafür sorgt, das du in kleinen Transportern zum Arbeitsplatz gefahren wirst, dort von ihm angeschrien wirst und zu guter Letzt noch Geld für seine Dienste in Form von einem prozentualen Anteil deines Gehaltes zahlen darfst. Also halt wie ein Zuhälter eben. Nur legal.

Am Montag der zweiten Woche starteten wir zu siebt. Auf Nachfragen, wo denn die Leute aus Uruguay sind, sagte unsere Supervisorin Nicole, dass die am Samstag ne SMS geschickt hätten, sie würden weiter nach Christchurch fahren. Schade dachten wir, war irgendwie ne lustige Truppe. Mit denen hätten wir sicher viel Spaß haben können.

Des Weiteren sagte Nicole, dass wir immer noch zu langsam seien und wir nur noch Schnitte anmalen sollen, die mindestens die Größe eines 50-Eurocentstück haben. Mit der Information konnten wir natürlich was anfangen. So begannen Julia und ich unsere Technik zu optimieren. Das klappte echt gut. Und auch Nicole checkte die Reihen und war wohl zufrieden.

Was machen wir Deutschen? Wir schreiben uns alles auf. Die Listen fotografierten wir, um sie zu Hause zusammen zu rechnen, um einen Überblick zu bekommen, was wir verdient haben. Was soll ich sagen, es lief einfach. Dadurch, dass wir eine feste Größenvorgabe hatten, war es natürlich auch nicht nötig jede Pflanze anzumalen, sondern manchmal nur jede zehnte. Dementsprechend schnell waren wir auch.

Am Freitag hatten wir dann ne andere Supervisorin. Die ist irgendwie super unsympathisch und machte sich wirklich nicht sympatischer, als sie von ihrem Golfbuggy (die Supervisor fahren immer auf so Quads oder Golfbuggys rum) abstieg und förmlich in die Weinpflanzen rein gekrochen ist, um diese zu kontrollieren. Auf einmal hieß es, wir würden zu viele vergessen. Egal, die Geschwindigkeit behielten wir bei, Freitag Nachmittag kann die damit net kommen.

Als wir dann zu Hause unsere Reihen zusammenrechneten wurde uns ganz anders. Wir haben so viele Pflanzen gemacht, dass jeder von uns einen Stundenlohn von etwa 50 NZD gemacht hat.

Wir fragten uns, ob sie uns das bezahlen würden. Aber wir sagten uns dann, warum nicht, ist doch nicht unser Problem, wenn sie dann plötzlich am Ende der Woche feststellt, dass unsere Arbeit zumindest nach Ansicht der Unsympathischen nicht genau genug sei.

Allerdings gab es eine nicht ganz so tolle Seite des Jobs: Dadurch, dass wir ja immer mehr auf die Flaschen drücken mussten, damit die Farbe auch rauskam, je leerer die Flasche wurde, taten uns die Daumen am Ende der Woche richtig weh. Wir hofften nur, dass wir uns daran gewöhnen würden.

Als wir uns am Montag in die Anwesenheitsliste eintrugen, kam der Manager gleich auf uns zu. Er sagte uns, dass wir letzte Woche vieeel zu schnell waren und ca. 50 NZD pro Stunde verdient hätten. Das ginge aber nicht, sonst würde er Ärger mit seinen Vorgesetzten bekommen und auch Ärger wegen der Steuer. Normal seien max. 20 NZD. Dann sagte er uns, wir sollen wieder alles anmalen. Total frustriert und enttäuscht begannen wir zu arbeiten, aber das ging irgendwie nicht so gut in dieser Gemütsverfassung. Als der Manager dann noch mal zum Block kam und kontrollierte, gingen wir beide unabhängig hin und fragten ihn nochmal, ob es nun ok sei. Lange Rede, kurzer Sinn, unsere Arbeit war gut, allerdings zu schnell. Daher sollen wir nun alles anmalen, damit wir langsamer seien und somit die Zahlen vor seinen Vorgesetzten stimmen (max. 20 Dollar Stundenlohn). Natürlich waren wir zwar enttäuscht darüber, dass wir nicht mehr so viel verdienen konnten, allerdings wollten wir wirklich nicht alles anmalen. Wir ärgerten uns, dass es wieder mal nur um Politik und Wirtschaft ging. So entschieden wir uns eben, extra langsam zu arbeiten. Ich berechnete wie viele Pflanzen wir am Tag zu schaffen haben, somit konnte ich das Tempo bestimmen, um am Ende des Tages etwa 20 NZD pro Stunde verdient zu haben. Das klappte ganz gut, auch wenn wir meist etwas drüber lagen. Übrigens, das Geld für die Woche haben wir im vollen Umfang bekommen. War schon ein nettes Sümmchen 😀

Jedenfalls gab es in der vierten oder fünften Woche keine Arbeit mehr, da wir die Leute eingeholt haben, die die Weinpflanzen schneiden. So arbeiteten wir nur den Mittwoch, und das noch nicht mal voll. Das lag aber auch am Regen, der am Anfang der Woche war, und bei Regen müssen wir nicht arbeiten. Die Farbe würde auch nicht halten. Daher haben wir auch immer Feierabend, wenn es anfängt zu regnen oder müssen eben erst später anfangen, oder eben überhaupt nicht.

Der Manager sagte uns allen, dass wir schneller sind, als er gedacht habe und dass es nun so weiter gehen würde. Wenn wir Glück haben, können wir 2 Tage die Woche arbeiten, bis wir die sogenannten Pruner eingeholt haben, dann hätten wir wieder ein paar Tage frei. Er sagte uns auch ganz ehrlich, dass wenn wir nen anderen Job finden würden, sollen wir besser den nehmen.

Das war natürlich ne harte Aussage. Aber tatsächlich hat die eine Engländerin und die Kanadierin was anderes gefunden (was viel härteres, wie wir später erfuhren), womit wir nur noch zu fünft waren.

Als wir das nächste mal wieder die Pruner einholten, wurden wir allerdings zum Büro zitiert. Ich dachte nun kommt die Kündigung. Wir fuhren zum Büro und der Manager Bert sagte uns, dass er uns eine andere Arbeit zeigen wolle. Er instruierte uns und gab uns eine Tasche, eine Gartenschere und Schutzbrillen. In der Tasche waren außerdem solche Drahtverschlüsse, die man von Gefrierbeuteln kennt. Ihr wisst schon, die zum verzwirbeln. Egal, unsere neue Aufgabe war das „wrappen“. Nachdem die Weinpflanzen maschinell von ihren abgeschnittenen Ästen befreit wurden bleiben nur noch frisch getriebene Äste übrig. Meistens waren es 7, allerdings hatte nicht jede Pflanze so viele. Wir mussten dann drei dieser Äste von allem Krempel, welches an den Ästen noch so rumwuchs, mit der Gartenschere abschneiden und diesen dann um die Stahldrähte wickeln, die durch die Reihen über den Pflanzen gespannt waren. Tatsächlich ist es nicht so einfach, auch wenn die Äste sehr flexibel sind, können diese auch brechen. Sollte das der Fall sein, hat man noch welche als Ersatz. Und zwei Sprösslinge sollte man lassen. Okay es klingt kompliziert, ist es eigentlich auch wenn man es genau nimmt. Jedenfalls hat uns Bert das alles sehr leidenschaftlich erklärt. Wir haben auch gemerkt, dass sein Herz an diesem Beruf hängt. Jedenfalls wurden wir nach Stunde bezahlt, da wir das Pensum beim Wrapping gar nicht schaffen konnten. So als blutiger Anfänger. Jedenfalls gabs nun immer einen Wechsel, mal Painting, mal Wrapping, um den Prunern wieder einen leichten Vorsprung zu gewähren.

Er sagte, wenn wir das so mitmachen wollen, also Painting und Wrappen, wenn nichts zu painten gibt, würde er unseren Vertrag, der bis Ende Juli befristet war, bis Ende August verlängern. Wir sagten natürlich Ja! Im Nachhinein erfuhren wir von der Kanadierin, die wir zufällig im Supermarkt trafen, das Bert ihr sagte, dass wenn sie jetzt geht, er uns anderen verlängern kann, andernfalls gäbe es für uns keine Verlängerung. War irgendwie schon hart das zu hören, vor allem weil ihre neue Arbeit echt richtig mies und hart ist. Danke!

Der erste Block, den wir wrappten, war ein kleiner. Als wir den nächsten begannen, kam er nochmal zu uns, zeigte uns, wie man schneller werden würde und sagte, dass wir mal versuchen sollten auf Mindestlohn zu kommen bei einer Stückrate. Die betrug pro Pflanze 36 Cent. Klingt viel? Nun ja, wenn man bedenkt, dass wir pro Pflanze manchmal 5 Minuten brauchten, relativiert sich das Ganze. Tatsächlich müssten wir 44 Pflanzen pro Stunde schaffen, wir schaffen jetzt gerade mal 26. Als er das gemerkt hat, wars dann auch egal mit der Stückrate 😀

Nach einer Weile painteten wir auch nicht mehr die Pflanzen, die geschnitten waren da wir diese bereits fertig hatten. Es waren schon viele Blocks gewrappt, sodass wir die Schnitte gleich sehen konnten, wir leider nur noch 3 Cent pro Pflanze verdienten, das painten allerdings auch deutlich schneller ging. An die 50 NZD Stundenlohn kamen wir allerdings so leider nicht mehr ran 😉

Allerdings hatte das wrappen auch seine Schattenseiten: Da man die ganze Zeit mit der Gartenschere die Äste und den ganzen Krempel davon abschneidet, macht man nur eine Handbewegung die ganze Zeit. Das Resultat daraus: Eine Überreizung der Nerven in der Hand. Die äußerte sich dadurch, dass die Hand ständig einschlief: Beim Autofahren am Lenkrad, beim Halten in einer gewissen Höhe, oder wo es echt besonders schlimm war: Beim schlafen! Bei uns beiden schlief die Hand nachts ein und fing an weh zu tun, so stark, das wir mehrmals in der Nacht aufwachten. Es war echt zum kotzen. Nach den ersten zwei Mal wrappen versuchten wir mit Übungen aus dem Internet dagegen anzukämpfen, was zum Glück wenigstens etwas gelang. Also freuten wir uns, wenn wir wieder mal painten konnten.

Nachdem wir den zweiten Block auch fertig gewrappt hatten (ich habe in der Zeit insgesamt locker 5 Bücher als Hörbuch gehört (ja wir durften Musik hören während der Arbeit)), mussten wir nicht mehr wrappen. Bert der Manager hatte ca. 30 Wrapper aus Vanuatu eingestellt, die bestimmt 4 mal schneller waren als wir, und somit deutlich billiger. Deshalb haben wir eine neue Aufgabe bekommen:

Nageln!

Was für uns Deutsche ganz witzig klingt (wir verzichteten allerdings darauf, den anderen zu erklären, was man unter anderem darunter verstehen kann), war hier wohl auch eine vollwertige Aufgabe. Julia fand die Aufgabe garnicht gut! Wir wurden mit einem Klauenhammer, Nägeln und zwei verschiedene Arten von Clips ausgestattet, und wurden durch die Blöcke geschickt und sollten die Pfosten kontrollieren, ob an jeder Seite die erforderliche Anzahl an Clips vorhanden war, gerade und funktionstüchtig. Andernfalls sollten wir sie gerade klopfen oder austauschen. Ich fands ok, wieder ein Hörbuch geschafft, Julia fands echt total doof. Vor allem an den oberen Pfosten ist es super anstrengend und kraftaufwendig, die Nägel samt defekten Clip da rauszuhämmern. Und auch wenn Julias Papa nun sehr stolz auf sie sein kann (er ist handwerklich ein echter Meister), sie kann nun hämmern wie ein Dachdecker, hat aber nun einen ausgebildeten Hass dafür entwickelt 😀

Nun ja, soviel erstmal zu der Arbeit an sich. Das arbeiten mit den Leuten war halt auch eine ganz interessante Erfahrung. So viele verschiedene Nationalitäten, so viele verschiedene Arten zu arbeiten. Die einen super langsam und faul, die andern schnell und fleißig. Ich will da garnicht so wirklich drauf eingehen, jedenfalls war es das englische Pärchen, welches mit unter den letzten 5 waren, die aber von Anfang an sehr egoistisch mit allem waren. Was solls, auch wenn es uns manchmal echt genervt hat, haben wir versucht drüber zu stehen und ans Karma zu denken. Wie schon unser indischer Koch aus Whangarei sagte, die haben doch dann das schlechte Karma, nicht wir.

Tatsächlich war es dann auch so. In der letzten Woche fragte das englische Mädel nach weiterer Arbeit und Bert, der Manager, druckste nur rum, von wegen mal sehen und so. Die Slowakin wurde schon früher verlängert und kann da bis April arbeiten. Das wollten wir ja nicht. Vor allem sagte sie uns, dass man ihr sagte, dass das komplette Weingut durchgenagelt werden muss. Wir hatten bisher allerdings nur 5 Blöcke geschafft. Das war für Julia das ausschlaggebende Kriterium. Wir besprachen uns und beschlossen für den Fall, dass er uns verlängern wollen würde, dankend abzulehnen. Auch wenn wir noch einen Monat Zeit hatten, bis es endlich nach Bali in unseren wohlverdienten Urlaub geht, gab es zwei Gründe, warum wir ablehnten. Der erste Grund war, dass wir ja auch hier noch die Gegend richtig erkunden wollten. Der Hauptgrund war allerdings, das Julia echt tierische Schmerzen vom Nageln hatte. Ich hatte ihr schon vorher gesagt, sie soll einfach aufhören, aber sie wollte es noch bis zum Ende durchziehen. Hut ab, eine ehrgeizigere Frau hab ich definitiv noch nicht kennengelernt!

Am offiziell letzten Tag, es war der 1. September, ein Freitag, trafen wir uns morgens vor dem Büro und fragten den Manager was wir heute machen sollten, Painten oder Nageln. Er sagte er weiß nicht genau, er war die letzten Tage nicht da, aber wahrscheinlich Painting. Also packte der englische Dabbes schon Hammer, und Wrappingtasche, in der wir die Nägel und Clips hatten und wollte sie zurückzugeben. Da sagte Julia, dass wir die bestimmt heute noch brauchen werden, da wir schon sehr nah an den Wrappern sind. Also sagte Bert ok, paintet solange bis ihr sie einholt, dann geht ihr halt nageln. Schlecht gelaunt fuhren die Engländer vor, ich musste nochmal mit Bert sprechen, da ich noch was an meiner letzten Abrechnung reklamieren musste, da sie mir zu wenig Pflanzen ausgezahlt hatten. Ach ja rechnen ist wohl auch nicht so einfach bei den Kiwis, nur die Hälfte unserer Gehaltsabrechnungen haben genau gestimmt, allerdings muss man auch sagen, dass es doch öfters vorkam, dass sie zu viel gezahlt haben, das Höchste war mal 81 NZD zu viel, in so einem Fall hält man doch die Klappe und weckt keine schlafenden Hunde, oder?

Jedenfalls sagte er mir gleich, dass er das bei der nächsten Gehaltsabrechnung hinzuaddiert. Anschließend sagte er uns, dass er wirklich sehr zufrieden mit unserer Arbeit war und es echt selten ist, dass unter den Backpackern jemand dabei ist, der die Arbeit auch so ernst nimmt und so gewissenhaft macht. Dann bot er uns an, nachdem er sich nochmal umgeschaut hatte und sich vergewissert hatte, dass die Engländer wirklich schon weg waren, wir können morgen sehr gerne wiederkommen.

Wir bedankten uns für das Lob und sagten ihm allerdings, dass wir gerne weiter Painten würden, allerdings das Nageln weiterhin nicht mehr in Frage kommen würde. Es sei ja nur noch das eine Feld übrig und danach würden wir nur Nageln müssen. Also sagten wir ab. Darauf sagte er das halt ab Oktober wieder viel zu tun wäre und wir willkommen sind, hier zu arbeiten, falls wir nach unserem Baliurlaub hier noch ne Weile in der Region sind. Oder eben in Hawkes Bay, wo die Company auch noch ein Weingut hat. Wir bedankten uns auch für dieses Angebot und sagten, wir werden uns melden falls es so sein sollte. Wir bedankten uns für die tolle Erfahrungen die wir machen durften und auch für das Gelernte. Dann sagte ich, dass wir aber noch nie eine Weinfabrik von innen gesehen haben und fragte, ob es nicht möglich wäre, mal einen Blick in diese reinzuwerfen, vielleicht ähnlich wie eine Tour. Daraufhin sagte er, klar, können wir machen, heute nach der Arbeit! Klasse!

Wir freuten uns schon riesig, allerdings lag ja noch der letzte Tag Arbeit vor uns.

Wir fuhren also zum Block, wo die Engländer schon standen und sich in die Liste eintrugen. Wir trugen uns ebenfalls 8 Reihen ein und los gings. Wie gesagt, wir waren schon relativ nah an den Wrappern dran, sodass nicht mehr viel Reihen übrig waren. Wir brauchten natürlich nicht so lange wie die Engländer mit ihren Reihen, sodass wir mit unseren deutlich schneller fertig waren. Also schauten wir, wie viele Reihen noch übrig waren. Es waren 12 Reihen übrig. Also trugen Julia und Ich uns jeweils 6 ein, somit blieb nichts mehr für die Engländer übrig. Wir haben uns gedacht, heute ist der letzte Tag und nun machen wir das mal wie die immer gemacht haben, jedes mal wenn es nicht mehr viele Reihen zu tun gab, haben sie sich die unter den Nagel gerissen. Wir haben im Gegensatz zu ihnen immer gerecht aufgeteilt, sodass jeder gleichviel Reihen bekommen hat. Asoziales Pack! Naja, er zumindest. Sie war ganz ok. Sie tat uns tatsächlich echt leid, dass sie sich so einen egoistischen Assi angelacht hat. Egal. Ihr merkt, wir waren nicht so gut auf sie zu sprechen. Jedenfalls stapften wir los. Nach dem Painten stand Nageln auf dem Programm. Daher war Julia und ich auch froh, dass wir noch die letzten 6 Reihen machen konnten. Als wir wieder zurück kamen, sahen wir, dass das Auto der Engländer weg war. Dann waren sie wohl doch schon fertig und sind nun zum Nageln gefahren. Als wir mit unseren Reihen fertig waren, fuhren wir zum Feld, wo wir das letzte mal aufgehört hatten zu nageln. Überraschender Weise war da aber niemand und auch keine Nägel und Clips. Also fuhren wir zum Büro um nachzufragen, wo das ganze Nagelzeug ist und wo wir nageln sollten, die Engländer haben wir nämlich nicht mehr gesehn. Im Büro erfuhren wir dann aber von unserer Supervisorin, dass die Engländer nach Hause gefahren sind und ihre Ausrüstung abgegeben haben, da es Ihm nicht gut ging. Ja klaaaaar 😀

Somit war das arbeiten für uns natürlich wieder deutlich angenehmer. Nachdem wir 2 Stunden genagelt hatten, sind wir wieder zum anderen Block zurück gegangen um weiter zu painten, da die Wrapper schon ein ganzes Stück weiter gekommen sind. Ehrlich gesagt mehr als wir dachten. Somit machten wir uns ans painten und überlegten uns, ob wir nicht doch vielleicht den Samstag mitnehmen wollen. Schließlich war das noch ne Möglichkeit gutes Geld zu verdienen. Wir entschieden uns den Samstag zu arbeiten.

Die Weinfabrik

Als Bert der Manager kurz vor 4 zu uns stieß, liefen wir rüber zur Weinfabrik und besichtigten die Fabrik.

Also ich muss schon sagen, wir waren ganz schön beeindruckt. Das tollste an der ganzen Sache war, das sich Bert sogar eine ganze ¾ Stunde für uns Zeit nahm und uns auch alles erklärt und zeigte. Und wenn wir mal ein wenig fragend geschaut haben, hat er es mit einfacheren Worten erklärt. Ach ja und Bilder durfte ich auch machen (->Galerie).

Ich versuche das mal kurz wieder zu geben. Wenn es euch nicht interessiert, einfach ab dem nächsten Abschnitt wieder lesen.

Das Weingut baut Sauvignon Blanc, Pinot Gris, und Chardonnay als Weißweine an, Pinot Noir als Rotwein. Während die Grünen Trauben von Haut und Stielen entfernt werden, gepresst werden und dann in Großen Tanks fermentiert werden, werden die Roten Trauben mit Schale gepresst und fermentiert, da diese Schale dem Wein seine rote Farbe gibt. Die Fermentationstanks, in denen dann der Zucker in Alkohol umgewandelt wird, haben verschiedene Größen. Diese Weinfabrik verfügt über 20.000 Litertanks, 40.000 Liter, 80.000 Liter und einem 160.000 Litertank. Anschließend werden sie (ich glaube aber nicht alle) in Eichenfässern bei gleichbleibender Temperatur gelagert. Interessant war, dass die Winemaker durch die Variation verschieden alter Fässer (Gebraucht oder Neue) den Geschmack sehr beeinflussen können und somit gerade beim Chardonnay verschiedene Weinkompositionen aus dem selben Rohstoff kreieren können. Während der Sauvignon Blanc von der Ernte bis zum fertigen Wein nur 4 Wochen braucht, braucht der rote Pinot Noir wohl zwölf Monate. Nun ja, die für uns beste Information, die wir aus der Führung mitgenommen haben, war eine Information, die wir gerne an euch weitergeben:

Während viele Weine besser werden, je älter sie sind, verliert der Sauvignon Blanc an Geschmack und Qualität, woraus resultiert, dass dieser frisch getrunken werden sollte. Also am Besten so jung wie möglich trinken!!!

Nach der Führung bedankten wir uns nochmal bei Bert und er wiederholte noch einmal das Angebot, dass wir einfach anrufen sollen, wenn wir wieder einen Job brauchen, egal ob hier in Marlborough oder in Hawkes Bay auf der Nordinsel. Wir sagten, dass wir tatsächlich das Angebot annehmen würden, morgen zu arbeiten und fragten ob er auch da sei, was er allerdings verneinte. Aber die anderen alle wären da. Ok sagten wir.

Letzter Tag

Am nächsten Tag fuhren wir wie immer um 8 hin um falls wir eher fertig seien, noch was vom Tag zu haben. Als wir ankamen, waren wir doch ganz schön überrascht. Außer uns und einem anderen Mitarbeiter, der irgendwas mit Traktoren machte, war niemand da. Egal, wir trugen uns in die Anwesenheitsliste ein und fuhren zum Block, wo die Farbe noch von gestern stand. Wir painteten den Block zu Ende und fuhren mit der Farbe zum Office, wo wir den Mitarbeiter fragten, ob er uns die Farbe auffüllen könnte und uns eine neue Liste für den letzten Block ausdrucken könnte. Er bejahte das uns und ging mürrisch los um die Farbe aufzufüllen. Dann sagte er nach ein paar Minuten, dass wir das aber als Arbeitszeit in unseren Leistungsnachweis schreiben sollten, das nachfüllen sei nicht unsere Aufgabe, sondern die unseres Supervisors. Und als hätte sie es gehört, kam Nicole mit ihrem Golfbuggy um die Ecke gebogen. Der Mitarbeiter meckerte Sie gleich an, dass das nicht unsere Aufgabe sei, die Flaschen aufzufüllen. Sie sagte nur, dass sie garnicht wusste, dass wir überhaupt hier waren. Sie füllte die Flaschen auf, während wir uns 4 davon nahmen und schon mal zurück fuhren, sie würde die anderen gleich bringen. Sie kam dann mit den anderen Flaschen. Natürlich war uns das unangenehm, dass sie so angemotzt wurde, obwohl sie nichts dafür konnte. Tatsächlich haben wir in all den 3 Monaten, in denen wir dort gearbeitet haben, nicht einen einzigen Samstag gearbeitet. Des Weiteren war unser Vertrag ja am Tag davor zu Ende. Wir entschieden uns nochmal für die doofe Situation bei Nicole zu entschuldigen und ihr zu sagen, dass Bert uns das gestern angeboten hat. Sie sagte, kein Problem, sie habe Bert gestern nicht mehr gesehn und hat nur vorhin als sie kam gesehen, dass wir uns in die Anwesenheitsliste eingetragen hatten. Darauf hin hat sie uns gesucht, allerdings sind wir wohl aneinander vorbei gefahren (zwischen den Weinfeldern gibt es überall Möglichkeiten, vor allem mit dem Golfbuggy, entlang zu fahren, das heißt man hat viiiiiiele Möglichkeiten von A nach B zu kommen). Wir sagten, dass wir nur noch 64 Reihen zu painten haben und sie nicht mehr kommen brauch, um die Farbe aufzufüllen. Sie fragte, ob wir das alles heute noch machen wollen. Wir bestätigten dies, somit sagte sie nur, dass wir unser Zeug wie Hammer und Gartenschere, Wrappingtasche etc. danach noch ins Office bringen sollen. Wir sagten, dass wir das machen werden und fragten sie, ob sie denn noch da sei. Sie sagte ja, sie wird auf jeden Fall später noch da sein. Somit machten wir uns an die Arbeit. Es ging erstaunlich schnell und locker vonstatten, ohne den Engländer war es sogar richtig angenehm. Nach 5 Stunden waren wir endlich fertig. Wir genossen noch mal die Aussicht und aßen unser Mittagessen. Anschließend machten wir uns auf den Weg ins Office, um unsere Sachen abzugeben und uns von Nicole zu verabschieden. Als wir ankamen staunten wir nicht schlecht: Alles war abgeschlossen und niemand mehr da. Wow, toller Abschied! Irgendwie haben wir uns das doch ein wenig anders vorgestellt. Das ist wohl echt Kiwi-Style! Enttäuscht legten wir alle Sachen vors Büro und fuhren nach Hause. Aber lange waren wir nicht enttäuscht, sondern freuten uns wieder über unsere neu gewonnene Freiheit!