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Nicaragua Teil 2 – Unsere Reise von Las Peñitas nach Big Corn Island

Hey Leute,

wir dachten, wir melden uns mal und bringen euch auf den neusten Stand. Allerdings werde ich versuchen etwas kürzer zu treten, der letzte Beitrag war wohl n bissl viel auf einmal.

Kurz nach dem letzten Beitrag sind wir von der privaten Unterkunft in ein nettes Hotel am Fischerhafen von Las Peñitas gezogen, um den Komfort einer funktionierenden Dusche und vor allem Toilette zu genießen. Unser Host der letzten Unterkunft meinte nur, das da viel Sand in den Abflussrohren sei und er das nach unserem Auszug richten wird. Jedenfalls ging der Abfluss der Toilette wieder einen Tag lang nicht, weitere Details erspare ich euch jetzt. Jedenfalls war das neue Hotel Barca de Oro, „Goldenes Boot“ echt gut. Sehr leckeres und preiswertes Essen, saubere funktionierende Zimmer und sonst auch sehr bedacht, dem Kunden alle möglichen Wünsche zu erfüllen. Vielleicht spiegelte es den Europäischen Einfluss wieder, denn das Hotel wird von einer Französin geführt.

Wie gesagt ist Las Peñitas ein kleiner Fischerort. Die Fischer hier fischen noch per Hand. Hier gibt es keine Fischkutter, sondern einfache Boote mit einem Außenbordmotor, das Fangnetz wird per Hand ausgeworfen und eingezogen. Die Fischer leben hier direkt am „Hafen“, was letztendlich nur eine Lagune ist wo alle Boote drin liegen. Mittags sieht man dann die Fischer in ihren Baracken chillen oder kochen, manche bereiten sich schon für die nächste Tour vor und richten das Netz. Viele sind dann Abends raus gefahren, oder eben ganz früh morgens. Den Fang haben sie dann den umliegenden Restaurants verkauft, wir sahen wie eine Frau mit nem riesigen Fisch ins Restaurant direkt zur Küche gestapft ist und gefragt hat, ob sie den haben wollen. Und die Küche kaufte ihn. Frischer geht’s nicht. Unser Hotel und Restaurant war wohl bekannt für den guten Fisch.

Das Restaurant lag direkt neben einem großen Naturreservat, der Juan Venado Insel. Da das Hotel mit lokalen Fischern zusammenarbeitete und Ausflüge in das Naturreservat anbot, in welchen man frisch geschlüpften Babywasserschildkröten zusehen kann, wie sie in der Abenddämmerung ins Meer watscheln, musste ich nur kurz in Julias funkelnde Augen schauen, um zu wissen, dass wir so eine Tour buchen sollten. Gesagt, getan, und es war atemberaubend. Unser Guide, ein Fischer der nur spanisch sprach, nahm auch gleich seine Frau samt Tochter zu diesem Ausflug mit. Also fuhren wir 5 mit dem Boot durch das Naturreservat bis wir an einen Anleger kamen. Dort stiegen wir aus und liefen noch ca. 300 Meter bis zum Strand, wo eine weitere Gruppe schon auf uns wartete. In einer Schüssel waren dann 6 Babywasserschildkröten zu sehen, die fröhlich umher schwammen.

Neben diesen zierlich süßen Wesen waren Julias strahlende Augen einfach wunderschön anzusehen. Da es ihr mega Highlight war, übernimmt Julia jetzt die Erzählung:

Hallo ihr Lieben,

das war ein unfassbar schönes Erlebnis bei Sonnenuntergang die kleinen Wesen in ihr Leben zu schicken. Dieses Naturreservat kümmert sich um die Erhaltung der Tiere und wenn sie ihre Eier ablegen, werden sie von den Mitarbeitern ausgegraben und zum ausbrüten an einem sicheren Ort in einem Sack mit Sand aufbewahrt. Wenn an einem Tag Babyschildkröten schlüpfen, ist es möglich sich ihren Lauf in die Freiheit anzuschauen, sodass es gar nicht ganz klar war, ob wir noch zu diesem Vergnügen kommen würden. Die geschlüpften Babys wurden dann in einer Wanne in Meeresnähe getragen, von wo aus wir sie dann in den Sand setzten durften. Ich hatte auch einen Sprössling, der allerdings nicht so von der schnellen Sorte war. Nachdem ich ihn in den Sand abgelegt hatte, bewegte er sich kaum. Bis auf einen war es bei allen anderen ähnlich. Nur einer stapfte mit einer Zielstrebigkeit und Willenskraft zum Meer und wurde dann auch innerhalb kürzester Zeit von einer Welle mitgetragen. Einer nach dem anderen folgte ihm dann, manchmal mit etwas nachhelfen, indem sie noch näher zum Meer gesetzt wurden. Es war ein echt faszinierender Moment diesen kleinen Geschöpfen bei ihren ersten Schritten im Leben zuzuschauen. Vielleicht seh ich ja einen von den Jungs oder Mädels beim Tauchen wieder. Auch wenn der Guide nur Spanisch gesprochen hat und wir bis auf mittlerweile ein paar Brocken KEIN Spanisch sprechen, hat er uns mit Händen und Füßen Informationen rund um die Schildkröten gegeben, beispielsweise, dass die Überlebenschance der kleinen Geschöpfe durch Fressfeinde wirklich gering ist (die Kommunikation hat erstaunlich gut funktioniert, weil er sich sehr bemüht hat langsam zu sprechen). Ich kann euch keine Zahlen wiedergeben (wie ihr wisst, bin ich mega schlecht im Zahlen merken), aber das könnt ihr ja auch selbst nachlesen, falls es euch interessiert[Einwand von Michi: Una Mama, 100 Eier, von denen 20 % ohne Embryo sind]. Wir sind danach in der Dämmerung noch am Strand entlang gelaufen bis die Sterne aufgegangen sind. Leute, das war ein Sternenhimmel zum niederknien, es waren ja auch keine anderen Lichter da, sodass man volle Sicht auf die Pracht hatte. Ich hab so etwas schönes davor noch nicht gesehen und auf dem Land wo ich aufgewachsen bin gibt es auch einen schönen Sternenhimmel. Wir sind dann in der Dunkelheit zurückgefahren und unser Guide hat immer wieder angehalten, um uns Tiere am Ufer zu zeigen, zum Beispiel einen Pelikan im Baum sitzend. Er war super freundlich und total bemüht, dass wir richtig was von der Tour mitnehmen können. Ich war total selig und hab das Dauergrinsen für ein paar Tage nicht aus dem Gesicht bekommen! Das hat mich total glücklich gemacht.

Die nächsten Tage danach war unser Plan Surfen zu lernen. Nochmal zur Vorstellung, der Strand ist zum schwimmen wirklich gar nicht geeignet, dafür kann man richtig viel Spaß haben mit den hohen Wellen, mit oder ohne Board. Jedes Mal, wenn wir uns ein Board ausleihen wollten, sagte uns der Surflehrer (ich glaub das waren sie da alle irgendwie), dass er uns Anfängern abraten würde, da die Wellen zu heftig sind. Was er nicht gesagt aber gemeint hat war, dass wir mehr von den Wellen durchgespült worden wären als Kontakt mit dem Board zu haben. Naja, so stürzten wir uns ohne Brett in die Fluten und ehrlich gesagt war das auch schon aufregend und anstrengend, weil die Wellen war echt heftig. Michi war total happy bei der Action zu planschen, Michi steht nämlich sehr auf Wellen:-)

Auch Léon haben wir noch einmal besucht und für die anstehende Reise nach Corn Islands Snacks und Getränke im Supermarkt zu kaufen. Wie auf Kommando gingen nach 100 Meter in Léon zu Fuß Michis Billigflipflop kaputt (an der Seite ausgerissen, wahrscheinlich hat sich der Kleber vom Meerwasser gelöst). Wir haben das mit einem Klettband notdürftig geflickt und auf dem Markt gleich neue gekauft. Naja, um ehrlich zu sein, haben die nach einiger Zeit bereits gerieben und weh getan, sodass Michi zuhause mit Kabelbinder seine alten geflickt hat. Das hält und funktioniert!

Die letzten Tage in Las Peñitas haben wir dann mit Bier trinken am Strand, planschen und chillen verbracht, wobei ich erst an einem der letzten Tage wieder ins Wasser bin, da ich mir die Tage zuvor eine Blasenentzündung eingefangen hatte und erst wieder ins Wasser wollte, als alles gut war (naja eigentlich konnte ich es nicht abwarten wieder ins Meer zu kommen, wahrscheinlich hätte ich noch etwas warten sollen, aber dazu später mehr). Am Dienstag den 01.11.16 haben wir morgens um elf im Hotel ausgecheckt, sind dann danach mit dem Bus nach Léon gefahren, um von dort mit einem Taxi auf die andere Seite von Léon zu gelangen, wo die Busse in die verschiedenen Richtungen abfahren. Dort haben wir dann nach ungefähr einer halbstündigen Wartezeit mit Gepäck auf dem Rücken den Expressbuss (wie gesagt, die Toyota Busse, so groß wie ein Transporter) genommen und saßen diesmal direkt hinter dem Fahrer, wo es vor den Füßen noch ein bisschen Platz gibt, um das Gepäck abzustellen. Diesmal konnten wir auch von unserem Platz aus der Frontscheibe schauen und konnten die waghalsigen Überholmanöver (vor allem der anderen) beobachten. Unser Fahrer war etwas gediegener und ein echt witziger Kerl, was uns sehr überraschte, da wir bisher nur mit finsterblickenden Busangestellten zu tun hatten. Wir haben schon gedacht, dass ist vielleicht ein Teil der Ausbildung, da die Bevölkerung eher offen und freundlich ist. Keine Ahnung ob er eine Ausnahme war oder nicht, auf jeden Fall war er echt witzig (beim Tanken legte er eine kleine Tanzeinlage hin und die zwei Damen auf den vorderen Sitzen brachte er regelmäßig dazu in schallendes Gelächter auszubrechen. Wir verstanden zwar kein Wort aber das Lachen war echt ansteckend und machte auch uns gute Laune.

Als wir in Managua ankamen hatten wir noch massig Zeit, bis unser Bus um 21 Uhr fahren würde, so mussten wir irgendwo mit unserem Gepäck die Stunden verbringen. Was eignet sich da besser als eine Shopping Mall? Wir hatten WIFI, konnten was essen und einer konnte beim Gepäck und Kaffee sitzen bleiben, während der andere bummeln gehen konnte. Ok aus dem Bummeln wurde ein neues T-shirt für Michi und ein Strandkleid für mich, beides umgerechnet ein paar Euro. Um acht sind wir dann mit dem Taxi zum Costa Atlantica Terminal gefahren, von wo aus die Busse in den Osten, den karibischen Teil der Insel, fahren. Unser Ziel mit dem Bus war El Rama, von da aus wollten wir weiter mit dem Panga (einem kleinen Schnellboot mit einem Außenboardmotor für 20 Leute pro Boot) nach Bluefields. Wir konnten beide Tickets am Schalter zusammen kaufen, was umgerechnet knapp 14 Euro gekostet hat. Auf unserem Ticket stand Bus Nr. 3, die Dame am Schalter erklärte uns, dass der Bus noch nicht da sei, es war ja aber auch noch etwas Zeit. Pünktlich um 21 war der Bus da, wir konnten unsere großen Rucksäcke unten im Gepäckraum des Bus verstauen. Beim einsteigen mussten wir unser Ticket für den Bus abgeben und haben dafür ein anderes Ticket erhalten, dem wir jedoch keine weitere Aufmerksamkeit geschenkt haben. Es war ein großer geräumiger Reisebus und als wir vom Terminal aus starteten, waren wir 10-15 Menschen im Bus, sodass super viele Plätze frei waren. Wir haben uns total gefreut, weil wir dachten, wir machen es uns einfach hinten bequem (wir wussten, dass der Bus die Nacht durchfährt und geplant morgens um 3 Uhr in El Rama ankommen sollte), dann hätten wir gute Chancen etwas zu schlafen. Nach ca. 10 Minuten machte der Bus an einem nächsten Terminal am Rand von Managua Halt. Das war die erste Sache, die wir nicht wussten. Die zweite Sache war, dass auf unseren Tickets, die wir beim Einsteigen erhalten haben, Sitzplatznummern standen, sodass wir, bevor neue Leute am Terminal eingestiegen sind, erst mal kontrolliert wurden, ob wir auf dem richtigen Platz sitzen. Das hat allerdings etwas gedauert, bis Michi und ich verstanden um was es ging (zwei deutsche Mädels, die auch Spanisch sprechen halfen uns recht ungehalten auf die Sprünge). Da die Sitzplatznummern wohl wild durchgemischt werden, war mein Platz irgendwo vorne im Bus, Michis weiter hinten. Freundlicherweise hat ein amerikanisches Mädel, die neben Michi gesessen hätte, ihren Platz mit mir getauscht. Das dumme war nur, dass wir an einem Platz saßen, wo der Griff des Schiebefensters abgerissen war, sodass sich das Fenster nicht schließen lies. Das wäre an sich nicht so tragisch gewesen, wenn es nicht immer wieder geregnet hätte. Michi bat den Busfahrer um Hilfe, dass er es irgendwie von außen schließen könnte oder so. Sofort bot sich Luis an, den wir später noch näher kennen lernten, beim dolmetschen zu helfen. Der Busfahrer vertröstete Michi damit, dass er nachher nach hinten kommen würde. Irgendwann war der Bus nicht nur bis zum letzten Sitzplatz sondern auch bis zum letzten Stehplatz im Gang gefüllt (nein, die Leute haben nicht weniger für ihr Ticket bezahlt und ja, sie sind auch bis zum Schluss mitgefahren, also ihr könnt euch vorstellen, dass so ein offenes Fenster verglichen dazu ein Luxusproblem war) und wir fuhren los ohne dass der Busfahrer nochmal zu uns kam. Ich saß am Fenster, Michi am Gang. Wir versuchten wirklich zu schlafen, aber es war nicht so einfach, da Michi ständig einen Ellenbogen oder den Hintern des Nebenstehenden im Gesicht und ich den kalten Fahrtwind im Gesicht hatte. Außerdem konnte der Busfahrer sich nicht entscheiden, ob er das Licht im Bus an oder aus lassen wollte, sodass er dies einfach immer wieder neu entschied. In Santo Thomas gab es kurz nach zwei Uhr nachts ein kleines Päuschen, wobei mitten in der Nacht Straßenhändler Essen und Trinken anboten. Wir verzichteten. Um ca. halb fünf sind wir in El Rama angekommen. Dort mussten wir uns mit unserem Pangaticket nochmals an einem Terminal anstellen und haben ein anderes Ticket mit zugehöriger Nummer fürs Boot erhalten. Der Hafen war ein paar Meter weiter. Dort warteten wir dann in der zunehmenden Dämmerung darauf, bis die Boote los fuhren. Um sechs Uhr wurden die ersten Pangas gefüllt und fuhren los. Wir waren Boot Nummer sechs, das letzte Boot. Wir schauten zu, wie sie das Gepäck der Reisenden in die Boote verluden, alle mit einer Sicherheitsweste ausgestattet wurden und relativ zügig eins nach dem anderen den Hafen verließ. Als wir an der Reihe waren, wie gesagt, das letzte Boot, war eben nur noch das ohne Sonnendach übrig, genau das Richtige für mich. Naja zum eincremen wars zu spät und ich hoffte einfach, dass die morgendliche Sonne noch nicht so eine Kraft haben würde. Als jeder seinen Platz gefunden hatte, ging es erst ganz gemütlich auf der Wasserstraße los, die gesäumt war mit viel grün rechts und links (viele Bananenbäume), bis der Kapitän Vollgas gab. Das war deutlich schneller als erwartet und aufgrund der Größe des Boots war jede Kurve ein Erlebnis (man kam dem Wasser gefühlt seeeeeehhhhr nah). Es hat echt Spaß gemacht. Leider jedoch konnte man durch die Geschwindigkeit und die Unart der Nicaraguaner überall Müll hin zu werfen, keine Tiere im oder am Wasser erkennen (es soll dort auch Krokodile geben, aber wir haben nur schwimmende Flaschen oder Dosen entdeckt). Das fanden wir echt schade, da wir uns wirklich drauf gefreut hatten. Dafür sahen wir immer wieder kleine einfache Fischerhäuschen. Es war alles deutlich einfacher als noch auf der westlichen Seite des Landes. In Bluefields angekommen, holten wir sofort das versäumte eincremen nach (wir hatten Glück und es wurde kein Sonnenbrand daraus) und fragten uns durch, um zum Fährhafen zu kommen. Auch hier halfen uns wieder sehr freundliche Menschen, um den Ticketschalter ein paar hundert Meter vor dem Hafen zu finden. Dort zahlten wir ca. 9 Dollar pro Person für das Ticket. Die Abfahrtszeit der Fähre wurde uns mit elf Uhr angegeben, sodass wir noch ein paar Stunden Zeit hatten und erst mal einen Kaffee trinken gingen. Als wir eine Stunde vor Abfahrt an der Fähre ankamen, war diese bereits mit Autos, Tieren, Säcken was auch immer und Menschen gefüllt. Okay, es war eher ein Frachter als eine Fähre. Auch ein Riesenschwein (uns wurde später erzählt es war ein eher kleines Exemplar) und mindestens ein Huhn waren an Board. Als wir uns von der Fracht am unteren Deck mit unserem Gepäck auf das obere Deck zu den anderen Passagieren durchgekämpft hatten, trafen wir andere Traveler aus Bus und Panga wieder. Sie boten uns einen Platz auf der Bank an und wir verstauten die Rucksäcke auf dem Boden unter einer Treppe. Hauptsache aus dem Weg, es war alles eng auf diesem Schiff. So warteten wir bei abwechselndem Regen und Sonnenschein auf die Abfahrt. Unsere Erfahrungen mit Verkehrsmitteln bis dato waren durchweg pünktlich. Wie gesagt, bis dato. Mit fast zwei Stunden Verspätung legten wir dann endlich ab. In dieser Zeit kämpfte sich die Sonne durch die Wolken und brannte so unerbittlich auf uns herunter, dass jeder versuchte ein Schattenplatz zu finden. So stellten Michi und ich uns in den Bereich der „Betten“, das waren zusammengenagelte Hochbetten (bis zu drei übereinander), schmal und kurz, aber nach einer Nacht mit kaum Schlaf wie Wasser in der Wüste und vor allem war es überdacht. Leider waren nur schon alle besetzt (wir erfuhren auch nachher, dass der Ticketpreis dafür fast doppelt so teuer gewesen wäre). So standen wir erst in diesem Bereich, danach setzten wir uns auf den Boden und lehnten uns an Taschen und Koffer, die dort standen. Die Leute mussten zwar Slalom um uns Laufen, aber um ehrlich zu sein war mir das egal. Ich hatte keine Lust auf die mega brennende Sonne und stehen ging nach der langen Reise irgendwann nicht mehr, vor allem als wir erfuhren, dass unsere Überfahrt mit dem Frachter bis nach Big Corn Island nochmal schlappe sieben Stunden dauern würde. Irgendwann zeigte uns ein Nica ein freies Bett ganz oben und sagte, wir sollen es nehmen. Ich ließ Michi den Vortritt, weil ich wusste, dass ich, wenn ich überhaupt hätte schlafen können, mich noch schlechter nach ein paar Stunden Schlaf gefühlt hätte als es eh schon der Fall war. So vertrieb ich mir die Zeit mit lesen. Die Fähre war generell in einem Zustand, den ich nicht gerade als gemütlich beschreiben würde. Nach dem sitzen auf dem Boden waren unsere Hosen mit Schmutzflecken dekoriert und die Toilette ist nichts für schwache Nerven (keine Spülung, Papier wir in den Mülleimer geworfen wie hier überall, jedoch war von dem Mülleimer durch den Papierberg nichts mehr zu sehen. Da war die Devise: bloß nix anfassen! Auch Desifektionsmittel gibt einem da kein „sauberes“ Gefühl mehr. Außerdem darf man hier auch keine Angst vor vielen Menschen auf engem Raum haben, denn schließlich war es genau das. Irgendwann beschlossen wir für unsere Seele und um uns die Zeit zu vertreiben, ein Bier zu trinken und gingen aufs untere Deck zu dem „kleinen“ Schwein, den Autos und ein paar anderen Backpackern, die dort standen und tranken. Mittlerweile ging die Sonne unter und die Fährfahrt bekam etwas romantisches, vor allem als der Sternenhimmel erschien. Da war es wieder, dieses unfassbare Bild! So standen wir dort, schauten in den Sternenhimmel und unterhielten uns mit den anderen Reisenden. Vor allem von Luis, aus der Nähe von Hamburg, erfuhren wir einiges (er ist seit einem halben Jahr in Nicaragua, hat ein Freiwilligenprojekt gemacht und reist jetzt noch die letzten Wochen durch Nicaragua). So vergingen die letzten Stunden auf der Fähre wie im Flug und wir erreichten Big Corn Island um ca. 20.30 Uhr. Da es relativ spät war und wir auch keine Lust hatten lange nach einer Unterkunft für die Nacht zu suchen, waren wir gezwungen das erste Zimmer, das wir uns am Hafen anschauten zu nehmen. Gezwungen deshalb, weil auch hier Hygiene und dieses Zimmer nicht zusammenpasste. Habt ihr schonmal einen verschimmelten Wasserhahn gesehen? Wir bis dahin nicht. Ist nicht lecker. Naja wir arrangierten uns damit, wir wollten nur noch duschen, was essen und vor allem schlafen. So kamen wir nach über 33 Stunden reisen (wenn man von Hotel zu Hotel rechnet) endlich aus den Klamotten. Nach der Dusche sind wir nochmal raus, um was zu essen. Da kaum noch was los war und wir auch nicht lange suchen wollten, entschieden wir uns das erste mal seit wir in Nicaragua sind für einen Straßenstand. Wir trafen dort auch Luis und einen anderen Reisenden und fühlten uns dadurch animiert, da diese dort ihr Essen holten. Naja es war weder lecker noch war uns ganz wohl dabei, sodass wir es nicht schafften fertig zu essen (normalerweise sind wir nicht für essen wegwerfen, aber in diesem Fall war es sicherer). Da wir die Unterkunft nicht so gemütlich fanden sind wir nur für eine Nacht geblieben und wollten weiter in eine Unterkunft am Long Beach. Da auch hier das Taxifahren super günstig ist (es gibt auch nur eine Hauptstraße hier, die wie ein Kreis auf der Insel verläuft) und das hier DAS Fortbewegungsmittel ist, haben wir das mit dem ganzen Gepäck direkt mal getestet. Taxifahren ist hier echt was besonders, runtergekubelte Fenster (anschnallen ist in Nicaragua sowieso nicht) und vor allem voll aufgedrehte Raggae Musik. Damit düsen sie über die Piste, bis sie wegen einem von vielen Bumps, die extra angelegt wurden, um den Verkehr zu bremsen, anhalten und langsam drüber rollen. Wir werden von einer sehr netten Dame in dem Hotel empfangen (wir haben sie sofort als unsere Hotelmama adoptiert) und eingecheckt (diesmal sehr gepflegt und sauber, aber auch mehr als doppelt so teuer). Nach einem wirklich sehr leckeren Nicaessen (frittieres Huhn, Kochbananenchips und Krautsalat) sind wir später direkt erst mal ins Wasser. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie klar hier das Wasser ist, wirklich ein Bild wie man sich eine karibische Insel vorstellt: heller Strand, Palmen und türkisfarbenes Wasser. Das einzige was die Idylle leider sehr trübt, ist der ganze Müll, der sowohl am Strand als auch an den Straßen herumliegt. Nach dem Baden merke ich, dass zu meinen Muskelschmerzen (ich hab das auf die lange Reise geschoben) eine Schlappheit dazu kam. Nach dem duschen sind wir noch essen gegangen. Auf dem Weg dahin fragten wir einen Passanten nach dem Weg, da das beschriebene Restaurant immer noch nicht in Sichtweite war. Er erklärte es uns und bot uns an, ein original einheimischen Rondon für uns zu kochen, ein Eintopf mit viel Fisch und Meeresfrüchten. Er bräuchte allerdings Geld im voraus, um die Zutaten dafür einzukaufen. Natürlich klang es sagenhaft ein echt einheimischen Eintopf vor der Nase zubereitet zu bekommen, allerdings war das mit dem Geld doch komisch. So notierte Michi sich die Handynumer von Wayne und sagte, wir würden es uns überlegen und Bescheid geben. Letztendlich hat sich das mit dem Rondon dann doch erledigt, da ich merkte, dass ich anfing zu glühen und mich immer kranker fühlte. Ich fühlte mich wie in einer Blase und wollte nur noch schlafen.Tja in dieser Nacht wurde ich ziemlich krank, mit Kopfschmerzen, Fieber (keine Ahnung wie hoch, aber gefühlt waren es über 39 Grad), dazu musste ich mich dann auch noch nachts zweimal übergeben. Michi war angeknips und hätte mich am liebsten mitten in der Nacht ins Krankenhaus gefahren. Wir einigten uns darauf, dass wir am nächsten morgen gehen würden, einfach um sicher zu gehen. Das taten wir dann auch (es hatte sich auch nichts verbessert). So sahen wir dann auch die einzige Klinik von Corn Islands von innen. Es war schon echt erstaunlich, da ich sie als solche nicht erkannt hätte, wenn keine Krankenschwestern am „Eingang“ gestanden hätten. Der Empfangsbereich war ein Tisch, um den die Krankenschwestern standen und bei den Neuankömmlingen die Erstanamnese machten, d.h. nach den Symptomen fragen, Blutdruck und Fieber messen, sowie einmal wiegen. Das schreiben sie dann alles auf ein weises Blatt. Danach muss man warten. Da es so gefüllt ist wie auf dem Rummel und es ungefähr 6-7 Sitzplätze gab, musste ich mich auf den Mülleimer setzten, um die Wartezeit zu überstehen. Es war echt keine Krankenhausatmosphäre, ein Treiben und eine Lautstärke. Vor dem Krankenhaus gab es auch einen Kiosk, bei dem sich die Leute Chips kauften und während der Wartezeit aßen. Ich bekam erst mal Paracetamol um das Fieber zu senken (es waren über 39 Grad). Als ich irgendwann Pinkeln musste, fragte ich eine der Krankenschwestern nach der Toilette, sie nahm mich an die Hand und führte mich nach hinten, ich glaube das waren die Angestelltenräume. Eine andere Krankenschwester versperrte uns den Weg, sie unterhielten sich und sie führte mich wieder zurück durch ein Krankenzimmer mit mehreren Betten, die kreuz und quer im Raum standen und mehrere Menschen darauf lagen, in das Klo des Krankenzimmers. Ja richtig gelesen. Nachdem was ich da gesehen habe, bin ich immer noch heilfroh, dass ich nicht in der Klinik behalten wurde. Unter der Toilette stand eine Nierenschale mit leeren bluverschmierten Plastikhüllen und zwar sehr vielen davon. Auch die Toilettenpapierbox (wie gesagt man wirft das Toilettenpapier hier nicht in die Toilette) war seeeeehr rot. Ihr könnt euch vorstellen, dass das richtig eklig war. Nach ca. zwei Stunden Wartezeit kam ich dann in den Behandlungsraum. Die Krankenschwester die mich zuvor zum Klo begleitet hatte, hatte sich meiner etwas angenommen und angeboten mit rein zu kommen, da der Arzt nur Spanisch spricht und sie auf Englisch dolmetschen könnte. Sie war total lieb und hat sich davor schon etwas mit uns unterhalten, meine weiße Haut begutachtet weil man meine Adern an der Hand durchschimmern sieht und gefragt ob Michi mein Bruder ist (sie sagte, wir würden uns ähnlich sehen, allerdings glaube ich eher, dass sie die Lage für eine Kollegin abgescannt hat, die Michi immer wieder zugelächelt hatte). Als wir in den Untersuchungsraum zum Arzt kamen, waren dort drei Betten aufgestellt und mindestens fünf weitere Menschen im Raum, die Infusionen oder Sauerstoff (oder sowas in der Art) bekamen. Die Krankenschwester erzählte von meinen Symptomen, der Arzt tastete mein Bauch ab und hatte auch direkt eine Diagnose: Lebensmittelvergiftung. Er erklärte, dass auf Corn Island mit viel Cocosfett gekocht wird, was mein Magen nicht gewöhnt sei. Er schrieb mir Rezepte auf, die ich direkt in der Apotheke des Krankenhauses bekam. Die Krankenschwester begleitete uns und erklärte welches Medikament ich wann und wie oft nehmen sollte. Zu guter letzt gab es dann statt der Rechnung ein lächeln, den die Behandlung/Untersuchung und die Medikamente gab es gratis für alle. Tja so war erst mal klar, dass ich mich erholen musste, was ich die Tage mit Michi, der mit Husten und Schnupfen auch angeschlagen war, bei Serie schauen und schlafen auch getan hab. Rückblickend glaube ich jedoch nicht, dass die Diagnose richtig war. Mein Magen hatte bis auf den Aussetzer mit dem Übergeben nichts mehr ungewöhnliches gemeldet, sodass ich eher glaube, dass das ein grippaler Infekt war (Michi war ja auch angeschlagen), der bei mir wohl etwas heftiger aufgefallen ist, weil mein Immunsystem durch die Blasenentzündung auch nicht so auf der Höhe war und es mich bei den hygienischen Bedingungen unserer Reise auch nicht wundert, dass wir uns was eingefangen haben. Ehrlich gesagt, bin ich sehr froh, dass es nur das war, denn es hätte deutlich schlimmeres gegeben und ich hatte schon echte Befürchtungen, dass es Dengue-Fieber sein könnte oder sowas ätzendes in der Art. So war das im Vergleich echt noch gut, auch wenn krank sein im Paradies wirklich noch schlimmer ist als im kalten Deutschland. Michi hat sich in dieser Zeit rührend um mich gekümmert und die Verlängerung unserer Unterkunft, essen oder trinken organisiert. Außerdem hat er in dieser Zeit auch ein bisschen etwas erlebt, wovon er euch selbst berichten soll:

Hello again! 🙂

Da wir hier ja in einem sehr warmen Land sind und wir Temperaturen von min. 26 °C haben, wurde mir mit der Zeit unter meiner Matte warm, sodass ich meine Haare schneiden lassen wollte. Ursprünglich hatten wir überlegt so ein Akkuhaarschneideset zu kaufen, aber als wir sahen, zu welchen Preisen zum einen die hier angeboten wurden, und was im Vergleich der Friseurbesuch kostete, haben wir uns dagegen entschieden. Ich fragte unsere Hotelmama, ob es hier in Big Corn Island einen Friseur gibt und sie bejahte dies. Sie beschrieb es mir kurz, und ich setzte mich ins Taxi. Da es in der Nähe vom einzigen Geldautomaten beider(!) Inseln war und ich eh noch Geld abheben wollte, ließ ich mich zu diesem fahren. Auf der Insel kostet jede Fahrt mit dem Taxi 20 Cordobas pro Person und Stop, also 0,63€, egal wohin. Stoppst du irgendwo, z. Bsp. Am Geldautomaten, kostet es weitere 20. Nach dem Geldabheben machte ich mich auf dem Weg, den Friseur zu suchen. Da dieser kein Schild am Haus hatte, verfehlte ich ihn und lief in die falsche Richtung. Also fragte ich einen Passanten nach dem Weg. Er brachte mich direkt hin. Die Nicas sind einfach so unglaublich freundlich! Leider konnten die Leute in dem Haus nur spanisch und der englisch sprechender Passant war schon weiter gegangen. Also wurde ein neuer angehalten, der netterweise übersetzt hat. So bekam ich gesagt, dass der Friseur für 10 Tage in Managua ist und sie mir die Haare nicht schneiden können. Aber es gebe noch einen anderen nicht weit davon. Ich müsse nur den Flughafen überqueren, also die Start- und Landebahn. Ich dachte er macht einen Scherz aber als ich dort ankam, war das Tor zur Bahn geöffnet und Passanten überquerten diese um auf die andere Seite zu kommen. Verrückt aber cool! Also lief ich über die Landebahn des Flughafens auf die andere Seite. Dort sollte sich der andere Friseur befinden. Doch da war keiner. Ich fragte in einem kleinen Laden nach, doch auch sie bestätigte mir, das dort keiner sei. Aber sie würde Freddy aus Sally Peaches kennen, der Haare schneidet. Kaum gesagt, hielt sie mir auch schon ein Taxi an und sagte dem Fahrer, er solle mich bitte zu Freddy fahren, zum Haare schneiden. Gesagt, getan, er fuhr zu Freddy und fragte ihn, ob er mir die Haare schneiden kann. Er bejahte und ich durfte in einem kleinen Kabuff kaum größer als ein Dixiklo Platz nehmen. Vorne und hinten hingen zwei Spiegel, links an der Seite hingen 3 Haarschneider von der Decke. Und schon gings los. Junge, Junge, nun weiß ich wie sich Schafe fühlen müssen, als zärtlich ist anders! Er ballerte mit dem Schneider über meinen Kopf und die Haare verloren ihren halt. Den Feinschliff erledigte er mit einer frischen Rasierklinge, die er in der Hand hielt und mir am Kopf rumschnitt. Nach ca. 10 Minuten war alles fertig und ich erfreute mich einer frischen Sommerfrisur zu einem Preis von umgerechnet 1,58€.

Abgesehen davon haben wir uns noch etwas besser die Insel angeschaut, als es uns schon deutlich besser ging. Aber dazu gibt’s nicht viel zu berichten, außer dass sie schön ist und alle supernett auf der Insel sind. Natürlich versuchen manche auf eine sehr nette Art und Weise auf sich und ihrer zu vermietenden Unterkunft, Ausflug oder Essen aufmerksam zu machen, sind dennoch aber nie aufdringlich und beantworten das eigentliche Anliegen beispielsweise auf die Frage nach dem richtigen Weg.

Nun sind wir am Mittwoch, dem 09.11. weiter zur Schwesterinsel „Little Corn Island“ gereist. Doch davon berichten wir das nächste mal.

Unser Resümee zu der Überfahrt nach Corn Islands: Die Corn Islands sind auf jeden Fall eine Reise wert, vor allem Little Corn Islands, wo wir jetzt gerade diese Zeilen schreiben, ist wunderschön. Der Reiseweg über Land und mit Panga und Fähre ist zwar wirklich günstig, doch hat sich in unseren Augen mit der Reisedauer und den Bedingungen überhaupt nicht gerechnet. Wir dachten, wir würden etwas mehr vom Land sehen, als beim Fliegen, doch durch die Busfahrt bei Nacht, dem schnellen Panga und der Fähre, die nun mal mit 8 km/h über blaues Meer fährt, ist das was man sehen kann begrenzt. Klar ein Erlebnis war es allemal, trotzdem ist in diesem Fall das Ziel auch wirklich das Ziel und nicht die Reise, die paradiesischen Corn Islands. Mit einer Propellermaschine wären wir nach 1-2 Stunden Flug von Managua direkt auf Big Corn Island angekommen… Klar, es hätte mehr gekostet (Hin- und Rückflug liegen bei ca. 160 US Dollar), aber genau den Kosten-Zeit-Faktor muss man individuell abwägen. Wir wissen, dass wir definitiv zurück aufs Festland fliegen, wenn wir hier auf Little Corn Island damit fertig sind das Paradies zu genießen. Es war ein Erlebnis, was uns sicherlich abgehärtet hat, bei dem was wir auf der Überfahrt, vor allem auf der Fähre, gesehen haben. Übrigens habe ich danach beim Auswärtigen Amt dazu gelesen, dass diese Fähren sehr oft überfüllt sind (mit Transportgut, Tieren und Menschen) und es deshalb Sicherheitsbedenken gibt. Naja ob das jetzt so war, weiß ich nicht, es war viel los und es war einfach nichts für schwache Nerven. Aber wie wir ja bereits geschrieben haben, lernen wir hier vor allem viel über uns, vor allem was das akzeptieren der aktuellen Situation betrifft. Man fragt sich ob man sie ändern kann und wenn man diese Frage mit nein beantworten muss, dann heißt es Zähne zusammen beißen und ihr wisst ja, Augen zu und durch. Das hat man, ob ihr glaubt oder nicht, relativ schnell drauf, sich Scheuklappen anzuziehen, damit man eine nicht so schöne Situation irgendwie erträgt. Meist fällt uns erst im Nachhinein auf wie krass das eigentlich grade war.

Wir schicken euch ins kalte Deutschland viel Sonne und gute Laune (kleiner Tipp beim Bilder anschauen, macht euch Raggae Musik an und dann habt ihr ne kleine Vorstellung davon wie es hier ist;-) ).

Viele liebe Grüßle, Michi und Julia

PS: Schaut einfach immer mal wieder in die Galerie, ob es neue Bilder gibt. Da das Internet hier auf den Inseln eher schlecht ist, ärgere ich mich schon seit zwei Tagen mit dem Bilder-hoch-laden rum. Kann sein das es erst wieder neue Bilder gibt, wenn wir gutes Internet haben!